Charlie in Großbritannien: Ich bin so tief erschüttert!

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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mamavonsarah
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Beitragvon mamavonsarah » 06.07.2017, 10:41

Moin,

ich bin ganz bei Inge und dem von ihr zitierten Artikel.

Mich verstört noch ein Gedanke, hätten die Eltern ihr Kind als Organspender frei gegeben, wie viel länger würde man dann die Maschinen laufen lassen, um die "Ware Mensch" frisch zu halten?

(Das soll jetzt keine Kritik an Organspende sein)

Aber grundsätzlich halte ich es für mehr als bedenklich, wenn eine Gesellschaft die Tür wieder dahingehend öffnet ein Leben nach lebenswert und und nicht lebenswert einzuteilen.
Weiter gedacht... wer darf sich noch fortpflanzen und wer nicht?

Mir klingen aus unserer Vergangenheit noch Sätze im Ohr wie: "geben Sie "es" weg, "es" wird nichts mehr! ; "lassen Sie "es" auf genetische Schäden untersuchen, "es" kommt ins fortpflanzungsfähige Alter!"

Dieses "es" besucht mitlerweile ohne Schulbegleiter eine Regelschule und das im Mittelfeld.

Es gab eine Zeit in Deutschland, da hätte meine Tocher diesen Triump nicht erleben dürfen.
Man hätte sie aus Staatsraison getötet.

Als Kind der DDR weiß ich, weiß ich, dass man das Leben vieler Frühchen in einem Wassereimer beendet hat. Aus ähnlichen Motiven wie heute bei Charlie. Auch wenn jetzt viele sagen, ja das waren doch aber andere Zeiten.

Wir sollten hier wachsam bleiben - aus Kostengründen kann sich der Wind der Mediziethik ganz schnell drehen. Kranke Rentner haben übrigens auch keine Aussicht mehr auf erhebliche Besserung ihrers Gesundheitszustandes, chronisch Kranke auch nicht, Dauerdepressive etc... die Liste ist beliebig erweiterbar.

Wer meint, dass was dem kleinen Charli passiert sein Quälerei, der möge mal Mäuschen an einem Stammtisch spielen, für wie viele Mitmenschen das Leben unser Kinder / Leben Behinderter allgemein Quälerei ist.
Wer möchte dann ertragen zu hören, dass es durchaus einige gibt, die unterschreiben würden, dass es OK wäre, ein solches Leben staatsseitig zu beenden, weil es eben unwert ist?
Wer möchte ertragen zu hören, dass unseren Kindern keine Therapien mehr zugestanden werden sollten, weil es doch ohnehin keine erhebliche Besserung geben wird?

Mal ganz krass gesagt, würde man ein Tier so behandeln hätte man schneller eine Anklage wegen Tierquälerei am Hals als man bis 3 zählen kann. Ein kleines Menschenkind muss das aushalten. Wo bleibt in dem Fall die Humanität?


Wie viele Kinder hier im Forum haben Chemos, Operationen etc über sich ergehen lassen und sind dann leider doch zu den Sternen gereist?
Was muss ein solcher Satz bei den Eltern wohl auslösen, die sich an einen Funken Hoffnung geklammer haben? Viel viel Gegengwind mussten diese Eltern wohl in einer solchen Extremsituation ohnehin schon zu dem unglaublichen Schicksalsschlag aushalten?

Bei wieviel % Erfolgsaussicht darf man denn behandeln? Wann genau beginnt denn die "Quälerei"?

Ich möchte mir nicht anmaßen zu wissen, "das ist doch das Beste für xyz"
Was auch immer das beste für eine andere Person ist, steht uns nicht zu zu bewerten.
(Wie unwohl würden wir uns fühlen, wenn wir ämterseitig mitgeteit bekämen, dass es das beste wäre, unsere Kinder würden staatlich in Heimen betreut)


Hoffnung und Glaube sind oftmals das einzige was uns in solchen Extremsituatione bleibt.
Mit dem Schicksal fertig werden, muss dann jeder individuell - oder bekommt man dazu dann vom Gericht auch einen Dauertröster gestellt?

Sehr nachdenkliche Grüße (sehr emotionales Thema)

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Lisaz
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Beitragvon Lisaz » 06.07.2017, 12:17

Hallo,

in Zeiten, wo hinsichtlich des medizinischen Fortschrittes so vieles möglich ist, andererseits aber zahlreiche Menschen große Angst davor haben, im Alter oder als Folge von Unfällen oder Krankheiten von Maschinen abhängig "vor sich hinzuvegetieren" und dies mit Patientenverfügungen verhindern möchten, ist das ein extrem kompliziertes Thema.

Ich glaube nicht, dass man sich ein Urteil erlauben kann, ohne genauere Fakten zu kennen, zB wie erscheint der Bewusstseins-Status des Kindes, wie genau sieht die Abhängigkeit von Maschinen aus, .....

Ich verstehe die Eltern, dass sie selbst für ihr Kind entscheiden möchten, aber tun sie ihrem Kind letztendlich etwas Gutes, wenn sie es in ihrer Verzweiflung durch die halbe Welt transportieren möchten, und sei es nur zum Sterben nach Italien?

Andererseits gefällt es mir auch nicht wenn Menschen (zB Ärzte) nur nach rationalen Gesichtspunkten (Zukunftsperspektiven, Kosten, ....) entscheiden, wo würde das nur hinführen?

Direkt pervers erscheint mir die Wortmeldung von Donald Trump, hier will er helfen, aber bedürftigen Menschen in seinem Land verweigert er die Krankenversicherung.

Lg Lisa

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Beitragvon IlonaN » 06.07.2017, 13:07

Lisa, besser hätte ich es nicht rüberbringen können. Danke dafür.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Senem
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Beitragvon Senem » 15.07.2017, 13:33

Hallo,

mich würde interessieren ob jemand was neues über den kleinen Charlie weiß?
Gruß

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Beitragvon Jörg75 » 15.07.2017, 14:03

K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

Unsere Vorstellung

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Beitragvon Jörg75 » 28.07.2017, 20:55

K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4

J., *2016, aktuell keine Besonderheiten



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Beitragvon Senem » 28.07.2017, 20:59

Oh nein!

Ich hatte so gehofft, auf ein Wunder! Das er vielleicht, obwohl die Maschinen abgestellt sind, weiter Atmet und Kämpft.


Ruhe in Frieden, kleiner Engel!
Gruß



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