Charlie in Großbritannien: Ich bin so tief erschüttert!

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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mariannna
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Beitragvon mariannna » 28.06.2017, 21:19

Hallo,

Bei mir bleibt kein fragwürdiges Gefühl zurück,nur eine große Traurigkeit!

Ich denke, die Richter und Ärzte haben sich bemüht,im Sinne des betroffenen Kindes - und NUR in seinem Sinne - zu entscheiden.

Im übrigen waren ja auch 3 britische Gerichte ja ebenfalls der Meinung, dass es Charlies Leiden nur unnötig verlängern würde, wenn in den USA weitere Eingriffe an ihm vorgenommen würden.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diese Einschätzung nach sorgfältiger Abwägung nun geteilt.

Ich wünsche Charlie,daß er nun in Frieden gehen darf.

Aber die Frage, wer nun die Lebensqualität oder das Leiden eines äußerungsunfähigen Menschen bewerten darf (Eltern, Ärzte, Gerichte, Ethikkommission...) wird wohl immer wieder kontrovers diskutiert werden.

Marianna

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Chantal-Marie
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Beitragvon Chantal-Marie » 29.06.2017, 01:07

Ich habe den Bericht aufmerksam gelesen und frage mich nun. Warum tut man das seinem Kind an das unweigerlich dem Tod geweiht ist. Warum will man das Kind als Versuchskaninchen benutzen? Es ist humaner den kleinen Kerl gehen zu lassen als ihn als ihn Sorry für den Ausdruck als Laborratte benutzt denn Hilfe gibt es nicht wirklich.

Unsere Tochter war vor Jahren sehr schwer erkrankt, sie lag Wochenlang im Koma. Ich hatte gebeten die Maschinen abzustellen und Nein die Ärzte wollten nicht. Sie hat überlebt aber zu welchem Preis? Den Preis mußten wir Eltern zahlen und der war sehr sehr hoch. Wir lieben unser Kind und tun alles für sie, nur haben wir fast alles verloren was uns vorher wichtig war. Das war für meine Familie alles andere als leicht. Wir sind daran nicht zerbrochen.

Aus dem Grund sehe ich die Entscheidung Charlie gehen zu lassen anders. Der kleine Mann hat seinen Frieden verdient.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

Angela1983
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Beitragvon Angela1983 » 29.06.2017, 06:50

Ich denke, die große Betroffenheit über die Situation dieser Familie in GB ist in der Zuständigkeit der Gerichte begründet.

Wenn ich als Elternteil nicht entscheiden darf ob mein Kind weiter behandelt wird oder nicht, sondern diese Entscheidung ein Gericht fällt, dann geht es nicht grundsätzlich um die Entscheidung selbst, sondern die Machtlosigkeit und vielleicht auch Willkür, der die Eltern in dieser sowieso kaum erträglichen Situation ausgesetzt sind.

Ich befürchte, man kann keine pauschale Antwort zu der Frage nach der vermeintlich richtigen Entscheidung geben.

Chantal-Marie es tut mir leid für deine Tochter, dich und deine Familie. Allerdings finde ich die Bezeichnungen Laborratten und Versuchskaninchen in diesem Zusammenhang unangemessen.
Franka *2014 PVL, Dysphagie, Hypotonie, PSII, GDB 100 und vor allem coole Socke

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Inge
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Beitragvon Inge » 29.06.2017, 08:26

Ein sehr guter Artikel in der Zeit.
[...] Das Urteil kommt unerwartet. Und es wirft ethische Grundfragen auf: Wie sehr vernebelt Elternliebe den Blick? Und sollten Richter darüber entscheiden, wann ein Leben lebenswert oder lebensunwert ist? [...]
Das Urteil ist aber noch aus einem anderen Grund sehr problematisch. Denn es billigt, dass Gerichte darüber entscheiden, wann ein Leben lebenswert ist. [...]
Eine Gesellschaft muss sich fragen, ob es Richter sein sollen, die solche Entscheidungen treffen. Mit der Unterscheidung zwischen lebenswert und lebensunwert sollten wir – das wissen wir aus unserer Geschichte – sehr vorsichtig sein.

Quelle und kompletter Text: Zeit

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Viele Grüße
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monika61
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Beitragvon monika61 » 29.06.2017, 08:49

Inge hat geschrieben:Ein sehr guter Artikel in der Zeit.
[...] Das Urteil kommt unerwartet. Und es wirft ethische Grundfragen auf: Wie sehr vernebelt Elternliebe den Blick? Und sollten Richter darüber entscheiden, wann ein Leben lebenswert oder lebensunwert ist? [...]
Das Urteil ist aber noch aus einem anderen Grund sehr problematisch. Denn es billigt, dass Gerichte darüber entscheiden, wann ein Leben lebenswert ist. [...]
Eine Gesellschaft muss sich fragen, ob es Richter sein sollen, die solche Entscheidungen treffen. Mit der Unterscheidung zwischen lebenswert und lebensunwert sollten wir – das wissen wir aus unserer Geschichte – sehr vorsichtig sein.

Quelle und kompletter Text: Zeit


Liebe Inge,

vielen Dank für diesen wirklich guten Artikel.

LG
Monika

Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 29.06.2017, 09:08

Moin,
Angela1983 hat geschrieben:(...) sondern diese Entscheidung ein Gericht fällt (...)

was übrigens auch in Deutschland möglich ist (und passiert) - zumindest in Fällen, wo es um Volljährige geht, die unter Betreuung stehen (§ 1904 BGB).

Gruß,
Jörg
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Beitragvon Dani+Feli » 01.07.2017, 22:17

Hallo Zusammen,

Warum läßt man das Kind nicht wenigstens 1 Jahr alt werden?
Dann können die Eltern den Abschied besser gestalten und besser akzeptieren?
Woher weiß man ob es leidet, wenn das Gehirn eh nicht richtig arbeitet?
Wieso kann ein transportfähiges krankes Kind nicht ausreisen oder zu Hause sterben egal welches Land?

LG Dani

Senem
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Beitragvon Senem » 01.07.2017, 22:36

Hallo Dani+Feli,

das frage ich mich auch.

Der kleine Mann tut mir so leid!
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

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Beitragvon monika61 » 06.07.2017, 08:07

Hallo zusammen,

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4.7.2017
Frankfurter Allgemeine

Urteil im Fall Charles Gard

Das Wort der Ärzte

Lange hat sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit dem
Schicksal des schwerbehinderten Kindes Charles Gard befasst.
Das verkündete Urteil wirft Fragen auf.

Kompletter Artikel:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 87913.html

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LG
Monika

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Chantal-Marie
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Beitragvon Chantal-Marie » 06.07.2017, 09:47

Warum lässt man das arme Kerlchen nicht einfach einschlafen? Warum muss man jedes Leben um jeden Preis erhalten? Gäbe es nur einen winzigen Hauch von Chance dass Charlie die Möglichkeit hat halbwegs gesund zu werden aber das ist ja unmöglich, wäre ich sofort dafür ihn weiter zu behandeln.

Die Eltern sollten ans Kind und nicht an sich denken. Charlie um jeden Preis am Leben zu erhalten ist in meinen Augen purer Egoismus. Dass sie ihr Kind lieben und das beste wollen ist mir schon klar. Aber was ist das Beste für Charlie?

Mal ganz krass gesagt, würde man ein Tier so behandeln hätte man schneller eine Anklage wegen Tierquälerei am Hals als man bis 3 zählen kann. Ein kleines Menschenkind muss das aushalten. Wo bleibt in dem Fall die Humanität?
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama


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