Anybook-Reader - wer hat Erfahrung?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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LaraBo
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Anybook-Reader - wer hat Erfahrung?

Beitragvon LaraBo » 24.05.2017, 23:47

Hallo.
Mein Sohn hat eine globale entwicklungsstörung, vorallem in der Sprache. Er sagt nur "Mama" und das zu jedem der nicht Fremd ist. Nun hat unsere Logopädin vorgeschlagen mit dem Anybook Reader anzufangen. Ich kann mir das alles noch nicht richtig vorstellen. Hat jemand erfahrung zweck stabilität? Hält dieser Stift einen Kinderalltag aus? Oder ist er nur bei bestimmten Situationen dabei (beim Essen z.B?) wenn ich es richtig verstanden habe hat die Logopädin vor Bildkarten zu erarbeiten und ich bespreche dann den Stift "Ich möchte trinken" usw. Ziel wäre vermutlich schon, immer weitere Bereiche zu erschließen. Was denkt ihr erfahrenen Mamas- ist dieser Stift dafür geeignet? Sonst sind 80 Euro plus alle Arbeit den einzurichten ziemlich viel. Ich freue mich auf Antwort! Danke! Lara

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 25.05.2017, 00:58

Hallo,

wie macht er denn aktuell sich bemerkbar, dass er zb zu trinken möchte? Gar nicht, musst Du raten?

der Anybookreader wird viel eingesetzt in der Unterstützten Kommunikation, und ist eine tolle Sache. https://www.rehamedia.de/produkte/kommu ... c5c334804d
Allerdings in dem Zusammenhang, also zum direkten Kommunizieren, zum Ausdruck von Bedürfnissen, kommt es mir ein bisschen ungewöhnlich vor, das über den etwas verkomplizierenden Umweg von Stift und Klebepunkten zu machen, da gibt's in der UK direktere Möglichkeiten, zb Gebärden, Taster oder statische Talker, oder dann eben Bildkarten nonverbal, aber dafür ohne "Zusatzwerkzeug".
Blöd wäre halt, das wär Deinem Sohn zu umständlich/unverständlich, und er würde das Thema dann mit Frustration verbinden statt mit Erfolgserlebnis. Dann wäre nämlich mehr kaputt, als gut gemacht.
Oder würdest Du schätzen, er springt da gleich drauf an, geht gerne damit um?

Einen Vorstoß in Unterstützter Kommunikation solltest Du aber unbedingt machen. Ich würde an Deiner Stelle - entweder mit der Logopädin, oder eben erstmal parallel - eine unabhängige UK-Beratungsstelle ins Boot holen, die dann aus der ganzen Bandbreite der Möglichkeiten das richtige für Deinen Sohn findet.
Die nächste Stelle findest Du über den Verband der deutschen UKler, die Gesellschaft für UK:
www.gesellschaft-uk.de

Viel Erfolg und Freude damit!

Edit, hab grade Deine Vorstellung durchgelesen: habt Ihr mal das Hören gecheckt, nicht bloß beim HNO, sondern ganz umfassend beim Pädaudiologen? Falls er nicht gut hört, könnte die fehlende Sprache damit zu tun haben.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Line86
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Beitragvon Line86 » 25.05.2017, 08:56

Hi,
aus welchem Bundesland kommt ihr?
Wir nutzen den Anybook-Reader in der Schule. Er hält schon einiges aus.
Wichtig wäre eine gute UK-Beratungsstelle.
Ist er schon in der Kita?
Lg Line
Ich habe selbst viele Besonderheiten (u.a. Psoriasis Arthritis, Asthma, z.n 20 Operationen) und Sonderpädagogin mit FS GENT/L im SBBZ KMENT

LaraBo
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Beitragvon LaraBo » 25.05.2017, 12:17

Vielen Dank für die Antworten! wir sind alle 6 Monate in der Pädaudiologie da eine ganze zeitlang pränatale CMV Infektion als Erklärungfür seine Probleme galt. Mittlerweile sind die Ärzte eher bei einem Gendefekt angekommen. einen Beweis gibt es noch nicht (erste ergebnisse erwarten wir jeden Tag). Nathan hat neben der Entwicklungsstörung einen straken Reflux, ist hypoton, seit neuestem hat er Epilepsie und wird gerade auf Medikamente eingestellt.
ich muss tatsächlich raten was er gerade möchte. Er hat noch keinen Weg gefunden seine Wünsche auszudrücken. Oft holt er sich selbst was er möchte- steht vom Tisch auf und läuft zum Wasserhahn- dann weiß ich dass er trinken möchte.
Bildkarten haben wir vor einiger Zeit angelegt (Zähne putzen, schlafen, schuhe anziehen, wickeln etc) Damit kann ich ihm sagen was ich von ihm möchte. Er nutzt die Karten aber von sich aus nicht. Am Kühlschrank hängen Karten mit Milch, Joghurt, Obst usw. Aber das macht er nicht. Er steht schreiend vor dem Kühlschrank und ich rate solange bis ich einen Treffer lande.
Die Logopädin meinte dass wir vielleicht mit der Technik sein Interesse wecken. aber ich bin mir gar nicht sicher, ob er es verstehen wird. Wir haben gerade den Stift ausgeliehen und die Trink- Karte mit einem Kleber bestückt. er findet es toll drauf zu klicken. aber einen zusammenhang hat er noch nicht verstanden- er müsste saufen wie ein Loch wenn er bei jedem drauf klicken trinken würde :) Im moment kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen dass es klappen könnte. Aber irgendeinen Weg in die Kommunikation braucht er ja. er wird zusehends unzufriedener.
er Ist noch nicht in der KiTa (Nächstes Kapitel mit großem Fragezeichen !!)
Nathan *Feb. 2015 , Mitochondriopathie, mtnd6 Mutation.
keine Sprache, Epilepsie, extrem Entwicklungsverzögert in allen Bereichen, gastroösophagealer reflux. Z.n fundoplicatio. Isst nicht. Parenterale Ernährung über Port. Läuft an der Hand und ist unser fröhlicher, verschmuster und sehr geliebter Sonnenschein

UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 25.05.2017, 13:39

Hallo

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Die Logopädin meinte dass wir vielleicht mit der Technik sein Interesse wecken. aber ich bin mir gar nicht sicher, ob er es verstehen wird. Wir haben gerade den Stift ausgeliehen und die Trink- Karte mit einem Kleber bestückt. er findet es toll drauf zu klicken. aber einen zusammenhang hat er noch nicht verstanden- er müsste saufen wie ein Loch wenn er bei jedem drauf klicken trinken würde
Das ist am Anfang manchmal ein Problem, das man dem Kind erstmal vermitteln muß, wozu das gut ist. Manche Kinder benötigen dazu extra Hilfe. Ich würde die Logopädin ganz explizit danach fragen, ob sie Dir helfen kann, den Sinn dem Kind verständlich zu machen!

Ich hätte da die Idee, das Du z.B. zwei Lieblingsspielzeuge auswählst und davon Fotos machst. Nehmen wir mal an, das ist ein rotes und ein blaues Auto. Ihr setzt euch zusammen zum Spielen hin. Die Autos versteckst Du z.B. unter einem Schuhkarton. Dann muß dein Sohn auf das Foto mit dem blauen Auto zeigen, Du holst das blaue Auto hervor und gibst es ihm zum Spielen. Das würde ich ein paar mal mit ihm durchspielen. Bis er verstanden hat, das er auf ein Foto zeigen muß und dann bekommt er es. Das ganze kann man dann ausweiten auf anderes Spielzeug und dann eben auch auf Essen und Getränke.
Für mich wäre das die Vorstufe zum Anybook-Reader!

Du machst auf jeden Fall nichts falsch, wenn Du Dich auch um einen Beratungstermin bei einer UK Stelle bemühst. Bei uns in der Gegend haben die häufig eine lange Wartezeit. Leider!

VG, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon LaraBo » 27.05.2017, 12:17

habe deine Idee direkt umgesetzt und wir sind fleißig dran. Er hat Spaß dabei- aber verstehen tut er es (Noch?) nicht. Aber wir machen mal so weiter bis zum nächten Termin bei der Logopädin. Da werde ich sie nochmal löchern.
Vielen lieben Dank für die Tips bis hier her!
Nathan *Feb. 2015 , Mitochondriopathie, mtnd6 Mutation.
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katrinchen
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Beitragvon katrinchen » 30.05.2017, 17:57

Hallo Lara,

noch eine Stufe zurück würde ich empfehlen.
Foto vom Spielzeug und Foto vom Taschentuch (oder einem anderen völlig uninteressanten Gegenstand). Er muss die Verknüpfung zwischen Abbildung (kann er sie erkennen?) und dem Gegenstand herstellen können.

Wichtig ist dabei aber wirklich, dass er das Symbol (Foto) erkennen kann.

LG Katrin
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung


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