wer geht andere Wege - Lebensformen außerhalb des Systems?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Tania07
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wer geht andere Wege - Lebensformen außerhalb des Systems?

Beitragvon Tania07 » 16.04.2017, 20:47

Hi Leute, gibt es da draussen irgend jemanden unter Euch, der das gesamte bestehende System ignoriert hat, sein Kind, z.B. Pflegegrad 3 und hoeher ab 18 WEDER in eine sogenannte "Einrichtung" oder Werkstatt oder Tagesfoerderstaette getan hat sondern komplett vorbei am System eine eigene Lebensform fuer sein Kind gefunden hat? Eigene Unterbringung und selber Job gefunden ? Ideen und Beispiele gern als private Nachricht,nein, will keine ideologische Diskussion antreten sondern nur wissen, ob Leute es tatsaechlich geschafft haben, erfolgreich ihre Kinder ohne die bestehende Wohlfahrtsindustrie durchs Leben zu lotsen. Habe dies selber vor. vielen dank fuer Beispiele, tania

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nataschawolle
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Beitragvon nataschawolle » 16.04.2017, 20:55

hi

ich weis nicht, ob das das ist was du meinst,
die tochter meiner bekannten, wurde mit trisomie 21 geboren,
sie war eine der ersten, die in eine regelschule ging.
sie ist heute schon 24 jahre alt, also es war so gar nicht üblich.
sie hatte dann eine ausbildung zu einer gehilfin gemacht( weis nicht als was) und arbeitet mit einem direktvertrag in einem kindergarten.

auf der ausbildungsmesse wurden immer mehr integrationsausbildungen angeboten.

lg natascha
natascha mit julia 93, gina 97 mageneingangfehlbildung mit reflux (hiatushernie) morotrische defizite, maria und anna 02, zehenfehlstellung, empfindliche lungen, maria extrem mit narbenbildung nach lungenentzündung, die 4 sind das wundervollste chaos dieser welt

Tania07
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Beitragvon Tania07 » 16.04.2017, 21:04

ja, danke, mir geht es sogar um jemanden, bei dem es klar ist, dass er rundum Betreuung lebenslang brauchen wird, also so Modelle in die Richtung, er wohnt in seiner Eigentumswohnung, wir stellen selber ein Paar an, was gegenueber wohnt, auf ihn achtet, evtl. von irgend einer Stiftung kontrolliert, also so ein Modell, was ganz neu ist. Was nichts mit Sozialfall oder Sozialhilfe zu tun hat, alles privat geregelt, fernab von Aemtern usw...

pustinka
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Beitragvon pustinka » 16.04.2017, 21:47

Hallo Tania,

sicher würde man gerne andere Wege gehen, aber dafür müssen die finanziellen Möglichkeiten ausreichen, vor allem wenn man ohne Ämter auskommen will.

Bei uns wollen verschiedene Eltern eine Art WG gründen für die Kinder und ein Haus anmieten evtl. umbauen und die Betreuung selber organisieren, also viel Arbeit und Verpflichtung Elternseits.
Es kommt dort auf die Menschen an, die unsere Kinder betreuen, wie in jeder anderen Wohnform auch.

Wir wollen auch das Andre betreut ist wenn wir nicht mehr sind und das ist bei Eigeninitiative, glaube ich, irgendwann das größte Problem, weil die Betroffenen selber zum Beispiel nicht als Arbeitgeber fungieren können. Bei einer Stiftung ist es wieder ähnlich wie bei der Lebenshilfe eine Art Verein.
LG Inka

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Beitragvon Sabine » 17.04.2017, 19:25

Hallo,

mir fällt da spontan nur Michael Schumacher ein. Ich könnte mir vorstellen, dass die Familie aufgrund der Vermögensverhältnisse alles selbst bezahlt und der zu Pflegende praktisch sich selbst finanziert, und zusätzlich als Arbeitgeber für diverse Arbeitnehmer (Pflegekräfte, Fahrer, Therapeuten etc.) auftritt.

LG
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Beitragvon Tania07 » 17.04.2017, 21:29

Anderer Weg konkret, der koennte doch so aussehen:
In unserem Fall Kind in Eigentums-Stadtwohnung wohnen lassen und in der gegenueberliegenden kleinen Eigentumswohnung zwei Studenten mietfrei wohnen lassen,
die es auf die Reihe kriegen muessen, den Sohn zu pflegen...dies waere doch sicher hinzubekommen?
Stiftung gruenden klingt gut und dann eine Regelung finden, dass im Falle des Todes der Eltern eine etwas groessere Stiftung dies alles in unserem Sinne weiterfuehrt, immer wieder mit neuen Studenten...
Ein Ding der Unmoeglichkeit scheint mir im Moment eher, das System der Tagesfoerderstaetten und wie sie nicht alle heissen, zu umgehen.
Wuerde es eine Praemie dafuer geben, einen Behinderten zu beschaeftigen und wuerde das sozial gewuerdigt, dann waere vielleicht der Anreiz groesser fuer Arbeitgeber, jemanden normal anzustellen, auch wenn er den ganzen Tag dazu braeuchte, um zum Beispiel den Hof zu fegen....
jeder Betrieb haette dann quasi seinen Quoten-Behinderten und die Leute wuerden statt in Zweckbauten direkt in der Mitte der Gesellschaft wohnen und arbeiten.
Ich finde das eigentlich jetzt nicht sooo abwegig....aber wie gesagt, will keine Diskussion entfachen....

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 18.04.2017, 09:06

Hallo Tania,

Das mit den beiden Studenten wird so einfach nicht klappen, denn da sind ja viele Zeiten abzudecken, und die Finanzierung über den PG hinaus (also beim Amt) durchzukriegen ist nicht ohne. Aber möglich (siehe unten).
Es gibt aber WGs, die auf dem Prinzip funktionieren, allerdings bisher erst für Bewohner mit relativ viel Selbständigkeit. Die WGs funktionieren in etwa so: Es wohnen dort behinderte Menschen, die tagsüber einer Arbeit nachgehen (in dem Fall den ich kenne, alle WfbM bzw TaFö). In der WG wohnen Studenten, die ihre Miete quasi abarbeiten, wird alles verrechnet. Die Studenten haben feste Dienste, aber nicht alle Zeit, die die Bewohner gemeinsam verbringen (Essen, Köchen, ...) wird als Arbeitszeit gesehen. Man muss also Freude an dieser Art Wohnen haben. Die Athmosphäre ist sehr angenehm dort, hätte ich mir als Studentin auch gut vorstellen können.
Eine WG für weniger selbständige Menschen mit Behinderung ist angedacht, aber nicht so einfach.
Schau mal unter www.gll-muenchen.de

Es gibt eine Userin, die ihren Sohn mit Betreuern in einer Wohnung untergebracht hat, selber die Abende und Nächte abdeckt, wenn ich das recht im Kopf habe, ich buddel mal.
Edit: bitteschön: https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic117231.html

Wie man die WfMB bzw TaFö "ersetzt", weiß ich nicht, theoretisch möglich, praktisch gibt's da sicher einige Widerstände und Hürden zu überwinden. Wie man das anpackt, kommt vielleicht auch drauf an, welche Möglichkeiten/Fähigkeiten Dein Kind hat (kognitiv, körperlich, ...)

Du wirst gute Vernetzung und Information brauchen, um so ein Pojekt erfolgreich anzufangen. Ich hab nur eine gute Adresse für BaWü, aber vielleicht haben die einen Tipp für Dein Bundesland: http://www.lag-selbsthilfe-bw.de/aktuelles/index.html

Grüße, und viel Erfolg
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Tania07
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Beitragvon Tania07 » 18.04.2017, 09:45

Hallo Engrid, vielen Dank☺

konik
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Beitragvon konik » 18.04.2017, 10:16

Hallo Tania ,

Ich kenne 3 Projekte allerdings läuft die finazierung über das Amt .
Es ist wirklich schwierig da ja die Frage sein wird wie viele Leute , hat jeder eine 1:1 Betreuung ? Ich denke man muss sehr viel Geld in die Hand nehmen um das hin zu bekommen. Aber ich kann mir vorstellen das WG gegründet wird mit Hilfe und man ein Arbeitskonzept wachsen lässt.

Selma siehe unten bietet eine tagesstruktur der anderen Art. Dort ist auch wohnen möglich.

http://www.autismus-rnk.de/

Wenn man mit viel Kontakten schaffen kann das die Ämter zahlen oder man einen Verband gewinnen kann für ein besonderes Projekt , dann kann es gehen.
.

Sie ist auch dabei

http://www.autismus-stuttgart.de/


Ich gebe Alles und bin längst dabei Kontakte , Ideen zu sammeln?

Liebe Grüße

Konik

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Rita2
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Beitragvon Rita2 » 18.04.2017, 11:21

Hallo Tania,

ich verstehe deine Ausgangsfrage nicht so ganz.
Möchtest du Wohnen und Arbeit (bzw. Tagesstruktur) ganz ohne irgendwelche Ämter, d.h. alles komplett selbst organisiert aber auch alles selbst bezahlt?
Oder möchtest du mit Hilfe von Geldern der Eingliederungshilfe, der Pflegekasse und ähnlichen Arbeit und Wohnen außerhalb von Werkstätten und Wohnheimen organisieren.
Für ersteres benötigst du sehr viel Geld. Denn zwei Studenten werden kaum nur für kostenlos Wohnen einen Behinderten rund um die Uhr betreuen.

Für zweiteres gibt es schon einige Ansätze. Heute abend kann ich einige Links raussuchen.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel


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