wer geht andere Wege - Lebensformen außerhalb des Systems?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Rita Schmidt
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Beitragvon Rita Schmidt » 22.06.2017, 20:40

Hallo,
wir hatten ursprünglich auch vor unseren PS in den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren. Er hat in einem Hotel von und für Behinderte gelernt, sogar einzelne Module als IHK Prüfung absolviert. Leider hat es dann als es um eine richtige Einstellung ging nirgends geklappt. Der eine Praktikumschef hatte ihm ursprünglich sogar mündlich eine Zusage gegeben. Dann hat er es immer wieder verschoben. Aber selbst die Lebenshilfe wollte ihn nicht weiter beschäftigen. Dort hatte er ein sogenanntes Probearbeiten für 2 Monate. Dabei ist er wirklich fit, kann auch anpacken. Zu Hause maeht er auch selbständig den Rasen und schippt im Winter Schnee. Er hat auch Sonntags schon Schnitzel und Pommes gemacht. Jetzt sind wir froh das er in einem Aussenarbeitsplatz der Werkstatt untergekommen ist und es ihm gefällt.
Wohnen in einer WG hat er auch probiert, allerdings ohne Erfolg. Die nächsten Jahre will er lieber noch zu Hause wohnen bleiben, hat seit vorigen Jahr in der oberen Einlieferung ein Zimmer und so seine Ruhe. Bei unserem jüngeren PS ist später mal schwerer. Er hat PG 5 und braucht ständige Beaufsichtigung. Das hat aber noch etwas Zeit, er ist erst 8 Jahre.
LG Rita.

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Irene H.
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Beitragvon Irene H. » 26.08.2017, 19:17

Hallo,
wir gehören wohl auch zu denjenigen, welche nicht ins System passen.
https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic124899.html
Es ist leider nicht gut augegangen für Dorothea.
Um es ganz unverblümt zu sagen, sie wurde vom Arbeitsleben ausgeschlossen, da ihr die Einzelfallhilfe, welche sie in der Schule hatte, entzogen wurde.
Wie ist es bei Euch weitergegangen?
Mein Plan B sieht jetzt erstmal so aus, für Dorothea eine sinnvolle Tagesstruktur/Beschäftigung für zu Hause zu organisieren.

Ich hoffe, dass es mir gelingt, nach und nach Helfer zu gewinnen, damit ich nicht noch selbst die Berufstätigkeit augeben muss.
Zunächst finanziert durch die Gelder der Verhinderungspflege.

Habt Ihr für Eure Kinder eine Lösung außerhalb oder auch innerhalb des Systems gefunden?

neugierige Grüße von
Irene
Irene H.mit 3 erwachsenen Kindern besonders Dorothea(20) mit frühkindlichem Autismus

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 27.08.2017, 09:30

Hallo Irene,
oh ja, das klingt ja gerader gar nicht gut :(
Ich drücke dir sehr die Daumen, dass du wenigstens deine Berufstätigkeit behalten darfst :idea:
Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Irene H.
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Beitragvon Irene H. » 27.08.2017, 10:33

Hallo Angie,

danke für´s Daumendrücken.
Im Prinzip betrifft dieses Problem mehr Schulabgänger, als es auf den ersten Blick scheint.
Denn wer ohne Integrationshelfer nicht an einer GB-Schule beschult werden konnte, kommt erst recht nicht mit dem niedrigen Personalschlüssel in einer WfbM zurecht.
Was soll also aus diesen jungen Menschen werden?
Gleich nach der Schule ab ins Heim?

nachdenkliche Grüße von
Irene
Irene H.mit 3 erwachsenen Kindern besonders Dorothea(20) mit frühkindlichem Autismus

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Beitragvon Inge » 27.08.2017, 11:26

Hallo Irene,

Irene H. hat geschrieben:Um es ganz unverblümt zu sagen, sie wurde vom Arbeitsleben ausgeschlossen, da ihr die Einzelfallhilfe, welche sie in der Schule hatte, entzogen wurde.


seid Ihr aus NRW?

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

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Viele Grüße
Inge

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Beitragvon Irene H. » 27.08.2017, 17:13

Hallo Inge,

nein, wir sind aus Brandenburg.
Und wie in diesem Thema https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic124899.html
damals ja schon erwähnt, ist es, wenn überhaupt nur über einen langen Klageweg möglich, Einzelfallhilfe in der WfbM zu bekommen.
Und das werden wir natürlich auch versuchen.
Jedoch dauert es selbst bei Erfolg leider Jahre...
Diese Jahre gilt es jetzt zu überbrücken oder sogar eine dauerhafte Lösung zu finden, die für Dorothea passt.
Und zwar ohne selbst von Sozialhilfe abhängig zu werden.
viele Grüße von Irene
Irene H.mit 3 erwachsenen Kindern besonders Dorothea(20) mit frühkindlichem Autismus

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Beitragvon Angela77 » 27.08.2017, 21:10

Hi Inge,
wir sind aus NRW. Daher meine Frage: Was wäre denn, wenn Irene und Dorothea aus NRW kämen?

Liebe Grüße
Angie
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http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html



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Beitragvon Inge » 28.08.2017, 19:26

Hallo zusammen,

Angela, in NRW gibt es keine Tagesförderstätten. Irene, wie ist das in Brandenburg?
Das bedeutet in vielen Fällen eine völlig unzureichende Versorgung in großen Gruppen. Die schlimmen Auswirkungen kann man auch hier in den Leserbriefen von Gisela Maubach und Susanne v.E. nachlesen. Beide "Kinder" sind seit Monaten bzw. Jahren Zuhause.
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1 ... machen.htm
Und hier bei REHAkids ist auch noch ein Fall: https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic128271.html
Weitere Infos dazu auch hier (ab knapp der Hälfte der Seite): https://elerbeki.wordpress.com/2015/05/ ... benshilfe/

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
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Inge

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Beitragvon Irene H. » 28.08.2017, 22:48

Hallo Inge,
soweit mir bekannt ist, gibt es in Brandenburg keine Tagesförderstätten an sich. Die WfbM´s sind untergliedert in den Berufsbildungsbereich - Personalschlüssel 1:6 , den Arbeitsbereich- Personalschlüssel 1:12 und den Förder-und Beschäftigungsbereich http://www.lobetal.de/INTERNET/unsere-a ... index.html mit einem Personalschlüssel von 1:3. Nicht immer sind diese 3 Bereiche an einem Standort und nicht jede WfbM hat auch einen Förderbereich aber es läuft alles unter dem Begriff Werkstatt für behinderte Menschen.
In welchen dieser Bereiche und ob überhaupt jemand aufgenommen wird, entscheidet sich nach einem 12-wöchigen Eingangsverfahren.
Vollstationäre Einrichtungen/Wohngruppen bieten für nicht werkstattfähige Bewohner mitunter eine Tagesstruktur an. http://www.rc-online.eu/wohnstaette-am-forsthaus.html
Aber wenn ich Deinen Beitrag richtig verstanden habe, gibt es in NRW ja keine Tagesförderstätten mehr und somit auch keinen höheren Personalschlüssel für WfbM-Mitarbeiter mit hohem Betreuungsbedarf?? Und das läuft dann auch noch unter dem Motto wir ermöglichen allen die Teilhabe am Arbeitsleben???

Sprachlose Grüße von Irene
Irene H.mit 3 erwachsenen Kindern besonders Dorothea(20) mit frühkindlichem Autismus

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Beitragvon Inge » 29.08.2017, 07:28

Hallo Irene,

danke für deine Infos.
In NRW wird behauptet, dass jeder Mensch ein Recht auf Arbeit hat, was ja auch von vielen Verbänden und auch von den so genannten Selbstvertretern und leichter behinderten Menschen propagiert wird. Die positiven Aspekte - Gleichberechtigung, Lohn (der teilweise auf die Grundsicherung angerechnet wird) und die (eigentlich überflüssige) Rentenversicherung - werden hervorgehoben, die negativen Auswirkungen - maßlose Bürokratie, schlechtere Betreuung und vor allem Kündigung der WfbM als Betreuungsmaßnahme und völlige Ausgrenzung von Menschen mit sehr hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf - werden heruntergespielt oder verschwiegen. Das bedeutet, dass gerade die Menschen und ihre Familien, die viel Unterstützung brauchen, alleine gelassen werden.
Die propagierten Vorteile sind demnach so marginal, dass die Nachteile bei weitem nicht ausgeglichen werden können.
Bitter finde ich, dass die betroffenen Familien die Warnzeichen (vor allem von Gisela Maubach, die sich seit Jahren mit diesem Problem befasst) nicht erkennen (vielleicht auch ignorieren) und dann zutiefst geschockt sind, sobald es sie selbst betrifft.
Welches Menschenbild, welche Vorstellungen werden überhaupt mit diesem ganz offiziellen Verweigerungsverhalten von Seiten der Politik in unsere Gesellschaft transportiert? Durch dieses Denken und Handeln wird ein Menschenbild geformt, in dem Menschen, die keine verwertbare Leistung erbringen können, also Menschen mit schwersten Behinderungen – wieder(!) - als in der Gesellschaft verzichtbar und als finanzielle Belastung für die öffentlichen Haushalte dargestellt werden.
Das alles untergräbt die Fundamente der Grundrechte und Menschenrechte von schwerstbehinderten Menschen.

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
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Viele Grüße
Inge


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