Einschulung

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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christine77
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Einschulung

Beitrag von christine77 »

Hallo, ich habe eine Frage in Bezug auf die Einschulung unserer Tochter. Unsere Tochter ist blind und entwicklungsverzögert. Sie hat auf Grund ihrer Blindheit Schlafstörungen. Zudem reagiert sie sehr empfindlich auf Reize. Aus diesem Grund war sie auch nur 6 Monate im Kindergarten. Dann mussten wir sie wieder rausnehmen, da sich ihr Zustand deutlich verschlechtert hatte. Sie reagiert auf zu viele Reize mit ausgeprägten stereotypen Bewegungen und Verkrampfungen. Was kann ich nun machen in Bezug auf die bevorstehende Einschulung in einem Jahr? Ist es möglich, sie freistellen zu lassen? Oder kann ich eine 1 zu 1 Betreuung beantragen? Oder ist es möglich individuelle Unterrichtszeiten einzurichten, da sie so früh morgens kaum weckbar ist. Zumindest geht es ihr dann nicht gut. Es wäre nicht ihrem Wohl dienlich. An wen muss ich mich wenden? Gibt es Schulen, die ihr empfehlen könnt? Wir würden auch umziehen, um eine gute zu finden. Vielen Dank für jede Antwort.

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RolliTanteSilvi
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Beitrag von RolliTanteSilvi »

Hallo christine,

Leider kann ich dir eine Tipps zur Behinderung deiner Tochter speziell geben - aber schau dir mal die Kopfhöhrer an https://www.gehoerschutz-versand.de/3M-Peltor-Kid-pink - die dämpfen die Aussengeräuche und das Kind ist trotzdem ansprechbar und mitten im Geschehn.

Zu den Unterrichtszeiten kann ich dir sagen - wenn es eine speziell auf Behinderungen ausgerichtete Schule ist - in Eurem Fall vielleicht Blindenschule - sollte sich eine individuelle Regelung finden lassen.

Moritz besucht eine Schule für Körperbehinderte und nach einem langen Krankenhausaufenthalt Anfang des Jahres wurde für den Wiedereinstieg in den Schulalltag mit Zustimmung der Ärzte, Schulleitung, uns als Eltern und Moritz selbst - festgelegt das er bis Ostern nur "halbtags" zur Schule geht. Er hat sich gut eingearbeit verkraftet wieder den Schulalltag und geht nach den Osterferien ganztags zur Schule - er freut sich schon sehr darauf.

Ich hoffe ihr findet die optimale Lösung für Euch. LG Silvi
Moritz (geb.2007) - richtiger Sonnenschein und "Wirbelwind" mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne - hat beide Eltern bei einem Autounfall verloren - seit 2017 Diffuser Ösophagusspasmus (Schluckstörung) - seit 2018 Tracheastoma & GastroTube
" Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas bauen". (Erich Kästner)

Schiering
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Beitrag von Schiering »

Hallo Christine,

also wir haben mit unserem blinden Sohn derzeit die Schulwahl hinter uns. Er wird im September 2017 eingeschult. Er ist allerdings im Kindergarten voll integriert und geht somit inklusiv in die Regelschule. Ich habe folgendes zur Schulwahl für mich gemacht. Jede mögliche Schule d.h. K-Schule, Blindenschule, Regelschulen mit Fahrtweg, Vor-Nachteilen mir aufgeschrieben, Gespräche mit den Schulleitern geführt und dann war ich auch noch bei der Inklusionsberatung, die es bei uns im Landkreis vom Schulamt angeboten gibt. Wenn du dir so unklar bis was dein Kind schaffen könnte dann musst du vielleicht noch mehr die Frühförderung, die Erzieher mit einbeziehen und die Mediziner befragen was sie für Empfehlungen für die Beschulung geben (Verkürzung der Schulzeit, Schule zu Hause ????). Eine Schulbegleitung d.h. 1:1 Betreuung sollte es auf jeden Fall geben, dies hat unsere Sohn auch schon im Kindergarten, was jetzt in der Vorschulzeit wieder sehr wichtig ist. D.h. es wird jetzt schon die Orientierung im Schulhaus geübt, das dies bis zum Schulbeginn sitzt.

lg

finchen
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Beitrag von finchen »

Hallo!

Unsere Tochter wird dieses Jahr eingeschult und ist nachts heftig lange wach. Mitternacht ist Minimum. Morgens schläft sie dann länger. Wenn sie geweckt wird, kommen epileptische Anfälle und sie ist mies gelaunt. Dennoch schicken wir sie in den Kiga. Sie bekommt zwar dadurch keinen anderen Rhythmus aber schläft dort einfach weiter und ist dann hinterher noch gut gelaunt am spielen und lässt sich fördern. Ebenso wird das in der Schule laufen. Es ist eine Sonderschule, die auf eben genau diese Besonderheiten eingeht. Auch eine 1-1 Betreuung wäre möglich. Wir versuchen es aber erst ohne.

Ich würde mir alle in Frage kommenden Schulen ansehen und auch diese Problematik ansprechen.

Liebe Grüße
Maus *Epilepsie, Veränderung auf APBA2 im Bereich c.1592A>G; p.Asn531Ser, erster weltweit bekannter Fall, Pflegegrad 5.
Mama *1988, Gerinnungsstörungen, Thrombosen.
Papa *1987, autistische Züge.
Würmchen, *11/2014, gesund.
Mini *10/2016, gesund.

*Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!*

christine77
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Beitrag von christine77 »

Vielen Dank für Eure Antworten. Wo genau beantrage ich eine 1 zu 1 Betreuung für die Schule oder Kiga? Man sagte mir immer, diese würde uns nur zustehen, wenn unsere Tochter einen Regelkindergarten besuchen würde. Der war aber für sie nicht geeignet, da es dort viel zu laut und unruhig ist. Unsere Frühförderung war mir keine so große Hilfe bei diesem Thema. Sie meinte, dass die Schulpflicht hier bei allen umgesetzt wird und dass unsere Tochter z.B. in einer körperbehinderten Schule mit ca 10 anderen Kindern in einem Raum wäre mit 2 Lehrern. Das wäre für sie aber kontraproduktiv. Ein Kopfhörer wäre natürlich eine Möglichkeit, aber damit würde ich einen ihrer übrigen Sinne einschränken. Das möchte ich nicht, weil ich merke wie sehr sie sich auf ihr Gehör verlässt. Eine Regelschule ist jedoch auch nicht wirklich möglich. Sie ist ja wie ein Kleinkind. Was soll sie dort. Die Blindenschule wiederum fordert, dass die Kinder zum WC gehen. Das kann sie nicht. Außerdem ist der Fahrweg eine Stunde. Zu welchem Zeitpunkt beantrage ich eigentlich Hausunterricht oder eine 1 zu 1 Betreuung. Und muss ich eigentlich zu den normalen Schuleingangsuntersuchungen gehen, die sicherlich im Herbst oder Spätsommer starten werden. Ich fühle mich hier zu Hause etwas allein gelassen mit dem ganzen Thema.

Schiering
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Beitrag von Schiering »

habe dir PN geschrieben. lg

silnaja
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Beitrag von silnaja »

Liebe Christine,

Förderzentren sollten sich mit solchen Dingen auskennen.
Ich weiss nicht, in welchem Bundesland Ihr wohnt, aber in jeden Fall habt Ihr doch eine Anbindung über die Blindheit an eine Sehfrühfoerderin , oder nicht?
Diese sollte Euch auch weiterhelfen können.

Ja, natürlich müsst ihr zur Schuluntersuchung ...auch dies ist eine gute Möglichkeit zu fragen, welche Möglichkeiten Ihr habt.

Ich habe damals jeden, der nicht bei drei aufm Baum war, nach Optionen, Vor-und Nachteilen gefragt.
Bin zu allen in Frage kommenden Schulen gerannt und habe unsere Tochter beschrieben und gefragt: " Und, können Sie das? Passt sie hierher? Können Sie das leisten?"

Es klingt, als seist Du mit Ihr im Grunde bis jetzt zu Hause geblieben?
Nach dem Kindergartenversuch habt ihr aufgegeben und jetzt kannst Du Dir nicht vorstellen, dass es klappen kann?

Habt ihr wenig Kontakt zu anderen Eltern mit blinden und/oder entwicklungsverzögerten Kindern?
Auch diese kann man fragen.....gerade wenn sie aus der Region kommen und schon Erfahrung mit den Schulen haben.
Oder auch Therapeuten/ Kinderarzt etc fragen.

Es gibt Schulen, die das können. Das weiss ich. Da gibt es auch Rückzugsräume für die Kinder.
Und ja, natürlich gibt es die Möglichkeit einer Schulbegleitung...es ist vieles möglich.

Es klingt für mich, als magst Du sie nicht ergeben und würdest Sie gern weiter zu Hause "schonen"..... :-/...ich glaube, dies ist für Euch beide kein guter Weg....sei mutig...es lohnt sich und Ihr beide werdet wachsen.

LG ....bitte frage allen Löcher in den Bauch!
Silnaja
Silnaja mit unserer Grossen A. (11/2008, 24+2 SSW, 390g), im Sehen eingeschränkt und entwicklungsverzögert und Bruder J. (11/2011 27+0 SSW, 830g) ...mal sehen

christine77
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Beitrag von christine77 »

Hallo Silnaja,
Vielen Dank für deine Antwort. Ich möchte unsere Tochter nicht unbedingt zu Hause lassen. Diese Option würde ich jedoch wählen wollen, wenn mir keine adäquate Lösung geboten wird. Ich habe gesehen, was mit unserer Tochter passiert, wenn sie in einer Einrichtung untergeht und überfordert wird. Das tut ihr nicht gut und mir erst recht nicht. Denn dann habe ich mehr Belastung als zuvor. Nein. Wir haben es tatsächlich nicht mehr im Kiga versucht, da sie in der Zeit hier zu Hause so verkrampft war, dass wir sie noch nicht einmal mehr auf dem Arm tragen konnten. Sie war steif wie ein Brett. Nachdem wir sie abgemeldet hatten, besserte sich ihr Zustand Gott sei Dank wieder schnell. Ich glaube, dass es für alle eine individuelle Lösung geben muss. Die optimale Lösung wurde uns jedoch bisher nicht geboten. Es sind alles die selben Aussagen. Was ich möchte ist eine Unterbringung mit wenigen Kindern, eine 1 zu 1 Betreuung, individuelle Unterrichtszeiten und nette Betreuer. Wenn ich das nicht bekomme, möchte ich mein Kind lieber zu Hause lassen. Ja. Natürlich würde mir eine Auszeit gut tun. Und lange Autofahrten kann unsere Tochter übrigens nicht bewältigen. Ich suche hier bei uns halt jemanden, der uns zur Seite steht und uns unterstützt. Auch die Sehförderung konnte mir da keine Lösungen bieten außer das Übliche, was mich eher abgeschreckt hat.

silnaja
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Beitrag von silnaja »

Liebe Christine,
ich gebe Dir Recht, wenn ich merke meinem Kind tut etwas nicht gut...dann ändere ich die Situation, na klar.
Aber was sagt Dir, dass es nicht woanders klappen kann, wenn Du es nicht versuchst.

Wir hatten lange nach einer geeigneten Schule gesucht: Körperbehindertenschule? Waldorfschule? normale Grundschule.
Viele, auch die KITA sagten, sie brauche eine private geistig-behinderten Schule mit hohem Betreuungsschlüssel.

Wir waren seeehr unsicher. Irgendwann sagte mein Mann:"wir sind es ihr schuldig, dass wir es erstmal auf einer normalen Grundschule versuchen"...wenn das nicht klappt, müssen wir die Strategie eben ändern.
Unsere Tochter kann nicht laut sprechen ist extrem schuechtern, wehrt sich NIE und sieht schlecht.....der IQ war zwischen 50 und 85 getestet worden.

Der Gedanke, dass ja nichts in Stein gemeisselt ist, hat mich beruhigt.

So haben wir es probiert...und es klappt wunderbar, wer hätte das gedacht.
Wir haben eine Schulbegleitung nur für sie, wenn es einem Kind zuviel wird ,kann es sich selbst dort zurückziehen....und in der Klasse sind noch eine Förderlehrerin und ein Sozialarbeiter

Vorher hatten wir tausende Meinungen......das ging von Förderzentrum für geistige Entwicklung bis normale Schule.

Die Schulärztin sagte damals, sie wuerde sie als Integrationskind sehen. aber klar, auch das haette schiefgehen können, kann es immer noch.
Es passte alles, es war auch etwas Glück dabei.....gut. Alles kann sich immer ändern, da muss bloss ein doofer Schueler in die Klasse kommen, oder die tolle Lehrerin wird schwanger.....man ist nie sicher

Such nach Schulen die Rückzugsmöglichkeiten bieten. Und Schulen, die in binnendifferenziertem Unterricht viel Erfahrung haben...die sehen Kinder und ihre Individualität und gehen relativ individuell auf sie ein.

Bei uns war dies die Schule vor Ort mit hohem Migrationsanteil....da haben wir Kinder die kein Wort deutsch sprechen, bis Hochbegabte, in einer Klasse.
In SOLCH einer Schule, wissen die Lehrer wie man individuell unterrichtet.

P.S.:bei uns ist der Schulbegleiter wegen der Sehschädigung klar gesetzt gewesen. Oft ist es an einem Förderzentrum schwieriger einen zu bekommen,weil dort von einem eh besseren Betreuungschlüssel ausgegangen wird.

Mein Mann, der Kinderarzt und auch die Schulärztin lagen bei uns richtig.

Ich war zu ängstlich- die Mütter immer! Ich habe ihr immer VIEL zu wenig zugetraut....ich schäme mich dafür und bin froh, dass ich nicht immer da war, um sie zu bremsen (vonwegen: "Vorsicht", "komm ich helf Dir" "Das kannst Du noch nicht " :-(
Oft koennen auch die Rektoren der Schulen ganz gut einschätzen, ob das was werden kann.

Was sagt der Entwicklungstest denn genau zu Deiner Kleinen?

Schreib mal wie es weiter geht....


LG Silnaja
Silnaja mit unserer Grossen A. (11/2008, 24+2 SSW, 390g), im Sehen eingeschränkt und entwicklungsverzögert und Bruder J. (11/2011 27+0 SSW, 830g) ...mal sehen

Rita Schmidt
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Beitrag von Rita Schmidt »

Hallo Christine,
unser Sohn geht in eine Blindenschule und ich finde das war die beste Entscheidung. Er ist zwar nicht blind, nur Sehbehindert, aber dafür hat er noch andere körperliche und geistige Behinderungen. Die Schule fing mit 3 Kindern und 2 Betreuer, also Lehrerin und Erzieher an, jetzt sind sie zwar 6 Kinder, aber dafür noch eine Unterrichtshilfe dazu. Es gibt auch in allen Ferien Betreuung und ganz in der Nähe ist ein Tierhof zum Therapiereiten. Jedes Kind hat individuell seine Therapien in der Schule. Ich gehe nur noch mit ihm zum Therapieschwimmen. Wegen späteren Anfangszeiten kann man sicher mit den Lehrern bzw. dem Schulleiter besprechen. Ist aber sicher nach einer Eingewöhnung und nicht zu länger Fahrzeit zu schaffen. Ihr müsst unbedingt auf einem Einzeltransport bestehen, haben wir seit vvorigen Jahr auch. Ich wünsche euch viel Kraft und eine gute Entscheidung.
LG Rita.

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