...und ich bin an allem Schuld - oder: Hör auf Winterhoff

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Anjali
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Beitragvon Anjali » 15.10.2017, 20:51

Adelheidt hat geschrieben:(...)
Jooo... aber dann bekam ich mein entwicklungsverzögertes Kind.
Von Anfang an habe ich ihm deutlich gemacht, dass es bitte nicht auf mir herumtollen soll, wenn ich gerade Bedürfnis nach Ruhe hatte (...)
Trotzdem hopst sie auf dem Bett herum, obwohl ich ihr schon zigmal sagte, ich möchte jetzt gemütlich meinen Kaffee trinken, ich muss es jeden Tag wieder erklären.

Hallo Adelheid,

entschuldige bitte, aber ist das nicht ein bißchen viel verlangt?
Deine Tochter ist erst 4,5 Jahre alt und du erwartest von ihr, dass sie ihre ganz normalen kindlichen Bedürfnisse nach Körperkontakt und Herumgetobe unterdrücken und deinem Bedürfnis nach Ruhe unterordnen kann?
Bei so hohen Erwartungen kannst du ja nur enttäuscht werden.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 15.10.2017, 21:08

Hallo,

ja, also natürlich brauchen Kinder Grenzen, aber nicht solche aus Beton, und ans Alter angepasst. Ich finde, wie Anja und Papadavid, es wichtig, genau zu beobachten, und situativ zu entscheiden, nicht dogmatisch. Mir kommen diese Erwartungen auch viel zu hoch vor, das treibt die Kinder in den Frust.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Senem
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Beitragvon Senem » 15.10.2017, 21:13

Hallo Anjali,

da gebe ich dir recht
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

bellsaskia
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Beitragvon bellsaskia » 15.10.2017, 23:26

Hallo in die Runde

Das Kind, 4,5 Jahre alt, welches entwicklungsverzögert ist, soll Rücksicht nehmen. Okay Rücksicht lernen ist ja okay. In dem
Post kann ich nicht heraus lesen, wann Rücksicht auf Das Kind genommen wird.

Und ja, wenn mein Kind Lackschuhe/kurze Hose im Winter anziehen möchte, ich ihm erkläre, dass das keine gute Idee ist, er es trotzdem will, bekommt er seine lackschuhe usw.

Bei uns waren es Gummistiefel. Die hasst er, aber Pfütze findet er toll. Hat schnell gelernt, dass mit Turnschuhe in Pfütze springen nur halb so toll ist. Dafür hatte ich viele Diskussionen weniger.

Und beim rumspringen das gleiche,ich kann auch wo anders Kaffee trinken. Muss ja nicht da sein wo das Kind hüpfen will. Okay ob man jetzt einem kind erlauben sollte auf dem sofa rumzuhüpfen, ist jedem selbst überlassen.

auch ein Kind hat Bedürfnisse und ich sehe es als meine Pflicht an, diese zu berücksichtigen. Wenn ich meine Bedürfnisse ständig über die meines Kindes stelle, Frage ich mich ernsthaft, was es daraus lernt. Ansonsten darf ich mich wirklich nicht wundern, wenn ich ständig enttäuscht werde, weil meine Anforderungen einfach viel zu hoch sind.

Haben wir immer das gemacht was die Eltern wollten ? Ich zumindest nicht.

LG
Saskia

Patricia.S
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Beitragvon Patricia.S » 15.10.2017, 23:41

Liebe Adelheidt,

Ich bin hier im Forum wegen meinem entwicklungsverzögertem jüngeren Sohn aber ich habe auch noch einen 6 jährigen "Gesunden".

Er ist so ne Mischung aus Pumuckl und Michael von Lönneberga. Frech, wild und herausfordernd.
Bei uns gibt es klare Grenzen und auch Konsequenzen - trotzdem versuche ich ihm genügend Freiraum für seinen Dickkopf zu lassen.
Weißt du warum? Weil ich als Kind auch so eigenwillig war und ich mich gut daran erinnere.

Damit möchte ich dich nicht angreifen, vielleicht bist du einfach ein eher ruhiger und vernünftiger Typ Mensch.
Meine Meinung ist: Kinder dürfen auch mal Blödsinn machen, Chaos veranstalten oder widersprechen. Wütend sein, Grenzen testen und einen seltsamen Modegeschmack pflegen.

Natürlich wollen wir Erwachsenen mal unsere Ruhe und Regeln müssen im Miteinander sein. Gerade im Kindergartenalter brauchen Kinder jedoch -egal ob mit Besonderheiten oder ohne- eine Extra Schippe Verständnis. Ich liebe den Satz: Das Trotzalter ist eine Art erste Pupertät.

LG Patricia (die manchmal von zwei tobenden Wutzwergen umgeben ist)
Lorenz 6/2014 - Hirnstammhypoplasie mit rumpfbetonter Hypotonie, Facialisparese, Taub li. mit Hörgerätversorgung, Hornhauttrübung li. Auge, Sprachentwicklungstörung

NicoleWW
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Beitragvon NicoleWW » 16.10.2017, 07:45

Hallo,

ich denke die Grenzen von Müttern und das was man zulässt und was nicht sind einfach sehr unterschiedlich, da sollte man jemanden der andere Ansichten dazu hat nicht gleich zu sehr verurteilen. Die einen geben ihren Kinder mehr Freiräume die anderen nicht, was jetzt Richtig ist ist oft (bestimmt nicht immer) einfach nur Ansichtssache (zb Thema Lackschuhe und auf dem Bett/Sofa hüpfen).

Das Thema Verabschieden vom Wunschkind, also wie man sich immer vorgestellt hat, wie die eigenen Kinder sein sollen, davon sollte man sich in vielen Fällen Tatsächlich verabschieden, vorallem wenn das Kind/die Kinder besonders sind (Hochbegabung, ADHS, Autismus, Entwicklungsverzögert usw). Ich musste diesen Prozess beim 3. Kind durchmachen und das ging echt Jahre bis ich verstanden hab, dass ich das Kind nicht ändern kann und es so akzeptieren muss wie es ist. Klar erziehen muss man es dann immer noch und einfacher wird es dadurch erst mal auch nicht, aber mit einer anderen Einstellung zum Kind wird man nicht so enttäuscht, sondern man weiß dann dass es nicht an einem selber und auch nicht am Kind liegt dass es nicht so einfach klappt wie man sich das vorgestellt hat und auch weil man weiß dass Kind wird nie so werden wie man es sich immer gewünscht hat (weil es das gar nicht kann).

Diese Erziehungsbücher und Ratgeber sind halt alle doch sehr theoretisch und oft passt es einfach nicht zum Kind und zur Familie/Familiensituation. Vieles klingt in den Büchern toll und logisch und ganz einfach und dann ist es in der Realität halt doch nicht so.

Darauf wie viel Sozialkontakte die Kinder haben, haben wir Mütter relativ wenig Einfluss, selbst wenn man öfter Mütter auf dem Spielplatz trifft (wenn die Kinder noch klein sind) heißt das nicht dass sich daraus Freundschaften für die Kinder entwickeln. Auch ich habe Kinder die selten bis nie zu Kindergeburtstagen eingeladen sind, selbst wenn meine ihren feiern und Kinder einladen. Meine feiern ihre Geburtstage trotzdem gerne und laden Kinder ein. Man kann halt nichts erzwingen, auch entwickeln sich die eigenen Sozialkontakte selten wirklich über die Kinder, ich bin zwar mit einer Mutter befreundet und wir haben auch Kinder in der selben Klasse aber die Kinder haben außerhalb der Klasse recht wenig miteinander zu tun.

Im Kindergartenalter hatten meine Kinder so gut wie keine Kontakte außerhalb vom Kindergarten, Kinderkirche und Kinderturnen, es sei denn man traf sich zufällig auf dem Spielplatz. Selbst heute gehen sie selten zu Freunden, sie sehen sich hauptsächlich in Schule und Freizeitgruppen (Handball, Jungschar usw).

Meine Erfahrung ist das viele von den innigen Mütterfreundschaften schon vor den Kinder bestanden, hier im Dorf kennen sich die Mütter oft schon seit ihrer Kleinkindzeit viele sind sogar miteinander verwand irgendwie und es ist halt einfach so, man kann Freundschaften nicht erzwingen weder bei sich noch beim Kind.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
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rena99
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Beitragvon rena99 » 16.10.2017, 09:22

Hallo,

ich glaube, viel hier in diesem Thread haben Adelheidts Äußerungen etwas falsch verstanden. Sie hat ja nur geschrieben, wie sie versucht hat, sich auf die Erziehung ihres Kindes vorzubereiten und wie sie versucht hat, den Rat eines "Experten" umzusetzen. Da muss beim ersten Kind auch jeder erst mal seine Erfahrungen machen. Seid mal nicht so hart zu einer Neuen im Forum

Aldeheidt kann wirklich Unterstützung und Hilfe gebrauchen, dazu hat sie ja auch einen eigenen Thread eröffnet: https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic129251.html

LG Rena, die früher auch ziemlich verunsichert war.
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
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Anjali
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Beitragvon Anjali » 16.10.2017, 13:48

Hallo Rena,
ich hatte gerade im Hinblick auf Adelheidts Beiträge in dem von dir verlinkten anderen Thread geantwortet. Mir geht es nicht darum, sie an den Pranger zu stellen, sondern ihr Denkanstöße zu geben.
Trotzdem Danke für deinen Einwand. Ich nehme ihn mir zu Herzen und werde ein größeres Augenmerk darauf haben, wie ich etwas formuliere.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

rena99
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Beitragvon rena99 » 16.10.2017, 14:01

Anjali hat geschrieben:Hallo Rena,
ich hatte gerade im Hinblick auf Adelheidts Beiträge in dem von dir verlinkten anderen Thread geantwortet. Mir geht es nicht darum, sie an den Pranger zu stellen, sondern ihr Denkanstöße zu geben.
Trotzdem Danke für deinen Einwand. Ich nehme ihn mir zu Herzen und werde ein größeres Augenmerk darauf haben, wie ich etwas formuliere.


Mir ist das wohl klar, aber wenn man sich die Summe der letzten Beiträge hier durchliest (also nicht nur deinen), dann kann man da vielleicht auch etwas falsch verstehen :wink:

LG Rena, die deine Beiträge immer gerne liest.
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)

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PapaDavid
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Beitragvon PapaDavid » 16.10.2017, 16:20

Sia hat geschrieben:Wie sieht es denn bei dir aus, Papa David? Wie erklärst du einem Kind, was es machen soll ohne Unterdrückung und mit Respekt gegenüber dem Kind? Lässt du das Kind auf dem Bett hüpfen? Lässt du dein Kind anziehen was es will und wenn es am kältesten Tag ein Sommerkleid sein soll? Die komplett dreckigsten Schuhe an einem besonderen Feiertag?

Ich finde es schwierig, einem Kind beizubringen was es tun und lassen soll ohne "Unterdrückung"!
Und ohne "Unterdrückung" lernt es nicht sich zu benehmen!


Hallo Sia,
Wie es bei mir und meiner Familie aussieht? Ohne Erziehung, auf Augenhöhe, mit Respekt, mit vielen Erklärungen, Kompromissen.
Ich gehe mal auf deine Beispiele ein:
- Klar lasse ich meine Kinder, oder habe ich meine Kinder auf dem Bett hüpfen lassen. Warum bitte sollte das verboten sein?
- Ja, meine Kinder durften immer anziehen, was sie wollten und wenn es im Winter ein Sommerkleid war, dann haben wir überlegt, was das Kind drunter anziehen kann oder Wechselkleidung mitgenommen.
- Wenn mein Kind dreckige Schuhe am Feiertag anziehen möchte, dann ist das so. Meine Kinder waren und sind keine Puppen und was andere von uns denken das ist mir egal. Meine Kinder waren und sind glückliche Kinder. Manchmal, nein, sogar oft, hatten meine Kinder oft selbst super Ideen, damit alle zufrieden waren/sind.

Ein Kind muss in erster Linie mal gar nichts, außer ein Kind zu sein. Es ist extrem krass, dass Kinder so unterdrückt werden und behandelt werden, wie halbe Dinge und keine Menschen. Es gibt Menschenrechte und die gibt es auch für Kinder, weil Kinder auch Menschen sind. Benehmen lernen... Das kann man Kindern nicht beibringen, sie lernen durch Vorbildern und diese sind nun mal die Eltern. Wenn diese Macht ausüben, dann lernt das Kind nicht, wie es sich zu benehmen hat, sondern: "Macht ist gut und ich darf andere später so unterdrücken."
Außerdem: "Ich bin nicht gut, wie ich bin" oder "Mama/Papa liebt mich nur, wenn ich so bin, wie sie/er möchte."

Meine Kinder sind selbstständige, reife und sehr empathische Menschen, die Grenzen anderer respektieren, weil ihre Grenzen immer respektiert wurden.
VG, David. Tochter*1993 schwerstbehindert nach Hirnblutung und Reanimation-Tracheostoma seit 01/2017. Und Pflegekind*2008, Therapieresistente Epilepsie-schwere Entwicklungsretardierung-gesetzl. Blind.


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