Berufl. Perspektiven für schwer mehrfach behinderte Jugendl.

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

Benutzeravatar
Sabine
Moderator
Moderator
Beiträge: 20414
Registriert: 20.03.2004, 17:14
Wohnort: Menden-Lendringsen
Kontaktdaten:

Berufl. Perspektiven für schwer mehrfach behinderte Jugendl.

Beitragvon Sabine » 17.03.2017, 07:52

Hallo,

derzeit führe ich viele Gespräche mit Eltern, deren erwachsen gewordene behinderte Kinder demnächst die Schule beenden. Die große Frage ist dann: Sind die Jugendlichen wirklich werkstattfähig? Gibt es in Werkstätten auch Beschäftigungs- und Betreuungsmöglichkeiten für mehrfach behinderte Menschen? Wenn ja, wie sehen die aus?
Für uns hat es noch etwas Zeit, aber wir schauen uns auch schon um, hatten bereits eine Werkstattführung etc. Ich habe gemerkt, dass es da doch gerade bei den Eltern mehrfach behinderter Kinder viel Erklärungsbedarf gibt. Auch ich kann mir noch nicht gut vorstellen, was unser Sohn in einer Werkstatt oder auch in einem angeschlossenen Bereich für mehrfach behinderte Menschen tatsächlich "tun" kann. Eine befreundete Mutter fragte mich nun, ob wir hier nicht einen entsprechenden Thread aufmachen könnten. Ist hiermit geschehen. :wink: Es wäre schön, wenn sich Eltern melden würden, deren schwer mehrfach behinderte Kinder bereits in der Werkstatt sind und die zum Beispiel nur mit Handführung etwas tun können. Wie sieht die Tagesstruktur aus? Welche Möglichkeiten gibt es?
Interessant wäre auch zu wissen, wie die Möglichkeiten für Menschen mit (schweren) Verhaltensauffälligkeiten sind und welche Erfahrungen ihr gemacht habt. Auch dazu sprach mich eine Mutter an, deren jugendlicher Sohn entsprechende Verhaltensweisen hat. Einige Eltern sahen ihre (geistig behinderten, aber körperlich fitten) Kinder auch eher als Gehilfen in einer Gärtnerei mit viel Bewegungsmöglichkeiten und weniger in einer "klassischen" Werkstatt. Diese Beschäftigungsmöglichkeit wird aber nicht überall angeboten.
Ich bin also gespannt auf eure Berichte. :)

LG
Sabine
Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/

Werbung
 
kerstinm
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 907
Registriert: 24.11.2004, 16:58
Wohnort: Bad Camberg

Beitragvon kerstinm » 17.03.2017, 08:24

Hallo Sabine,

dieses Thema würde mich auch sehr interessieren.

Wir haben zwar auch noch ein bisschen Zeit, aber unsere Tochter (14 J., blind, schwer mehrfachbehindert) würde auch nur mit Handführung eine Tätigkeit durchführen und auch dann nur, wenn sie darin für sich persönlich einen Nutzen sieht: D. h. ihr Butterbrot schmieren kann sie fast alleine, ein Holzstück auf dem Tisch von links nach rechts legen erscheint ihr mehr als sinnlos und wird verweigert. Wenn ihre Klasse in der Vorbereitung für die Werkstattarbeit ist, bekommt sie immer ein Extraprogramm. Trotz allem würde ich mir für ihre Zukunft eine für sie sinnvolle Beschäftigung wünschen. Sie hat ein gutes passives Sprachverständnis, liebt den Deutsch- und Sachkundeunterricht und erkundet gerne die Welt. Sie kann trotz ihrer Einschränkungen recht viel, aber nur dann wenn Tätigkeiten für sie persönlich einen Sinn haben.

Ich wäre für Ehrfahrungsberichte echt dankbar.

Viele Grüße

Kerstin

anjajura
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1491
Registriert: 22.09.2007, 20:26

Beitragvon anjajura » 17.03.2017, 22:50

Hallo Sabine,
hier ein empfehlenswertes Buch zu dem Thema.
https://www.amazon.de/Arbeit-Bewegung-E ... 304&sr=1-1

LG
Anja
Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.

Benutzeravatar
anner
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3523
Registriert: 01.10.2006, 16:57

Beitragvon anner » 17.03.2017, 23:02

Gerade heute hatten wir das Abschlußgespräch nach dem 2wöchigen Praktikum in der WfbM.
Benedict war im Förderbereich, da ist der Personalschlüssel 2:9.
Nicht zu verwechseln mit Tagesförderstätte.

Für uns ist jetzt klar, daß er den Sprung in die WfbM schafft.
Nächstes Schuljahr hat er nochmal 2 Wochen Praktikum im BBB, und nach den Sommerferien 2018 geht es dann ganz in die WfbM.
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits, Makrocephalie, Gaumenspalt, Skoliose, Kleinwuchs, Epilepsie u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen

Benutzeravatar
Inga
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7223
Registriert: 18.03.2005, 20:14
Wohnort: RLP

Beitragvon Inga » 18.03.2017, 06:06

Hallo Sabine!

geht es dir rein um NRW, wo ja Schwerstmehrfachbehinderte meist in der Werkstatt "geparkt" werden, oder willst du auch wissen, wie es in anderen Bundesländern läuft?

Gruß, Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278

Benutzeravatar
itsy
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3021
Registriert: 08.08.2006, 07:56

Beitragvon itsy » 18.03.2017, 07:16

Hi,

in der Werkstatt unseres Sohnes läuft es recht gut. Es gibt den Bereich für schwerstmehrfachbehinderte, hier werden Tätigkeiten für jeden Einzelnen gegeben. Sie werden intensiv betreut und gepflegt.
Es gibt so viele verschiedene Bereiche, für die etwas fitteren, oder auch ausgelagerte Bereiche bei denen die Jugenlichen auswärts arbeiten, wie z.b. Gärtnerei, oder Küche im Altenheim oder oder......

Es gibt statt Werkstatt auch eine sogenannte Betreuung, aber hier habe ich das Gefühl die Menschen werden geparkt....

Ich glaube man kann es nicht so ganz generell sagen, einfach die Werkstätten ansehen die in der Umgebung sind und Gespräche dort führen.

lg

schneckelucy
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 137
Registriert: 22.07.2016, 10:54
Wohnort: Gülzow

Beitragvon schneckelucy » 18.03.2017, 10:12

Hallo, unsere Tochter wird dieses Jahr 16. Wir machen uns auch schon so unsere Gedanken. Wenn sie in eine Werkstatt gehen sollte, dann nur mit persönlichen Assistenten, auf gar keinen Fall soll sie irgendwo geparkt werden. Ich hoffe, dass wir aber auch einen Tagesgruppe finden werden, wo sie vor allem auch mit gleichaltrigen in Kontakt kommt. Zur Not behalten wir sie zu Hause mit persönlichern Assistenten.

LG Marion
"Du weißt nie, wie stark du bist, bis stark sein die einzige Wahl ist, die du hast."

Gixi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 454
Registriert: 18.08.2007, 09:01
Wohnort: Bebra

Beitragvon Gixi » 18.03.2017, 10:39

hi sabine,

hier bei uns in der nächst gelegenen stadt gibt es die sozialen förderstätten. dort gibt es eine WfbM und eine angegliederte Tafö.

die schule für prak. bildbare bietet in den letzten drei werkstufe-jahren in kooperation mit der werkstatt und tafö ein zwei-wöchiges praktikum an.

dort schaut man dann, ob die jeweilige behinderte person ein "mindestmass an verwertbarer arbeit" erbringen kann oder nicht.

falls dies nicht der fall ist, geht der behinderte mensch dann in die tafö.

auch bei uns gibt es einen "gartenbau-trupp", wo recht fitte und leichter behinderte menschen arbeiten.

hatten wir selbst schon engagiert und die machen tolle arbeit.

bei uns war es ja so, dass m. gerade zu dieser zeit als der wechsel von schule zur werkstatt oder tafö anstand, zunehmend schwierige verhaltensweisen an den tag gelegt hat.

das war dann auch der grund, warum in unserem speziellen fall die tafö m. abgelehnt hat. leider ist es wohl so, dass die das machen können. wir konnten nichts daran ändern.

dies war je gerade bei uns das dilemma, dass m. somit keine tagesstruktur hatte und der auszug von zuhause erfolgen musste, weil wir es selbst nicht mehr leisten konnten.

von einer bekannten weiss ich aber, dass es auch spezielle tagesangebote für menschen mit autismus gibt, die hätten uns bestimmt damals unterstützt. nur hier bei uns in nord-ost-hessen gibt es solche speziellen tafös leider nicht.

lg
gixi

Benutzeravatar
Sabine
Moderator
Moderator
Beiträge: 20414
Registriert: 20.03.2004, 17:14
Wohnort: Menden-Lendringsen
Kontaktdaten:

Beitragvon Sabine » 19.03.2017, 10:01

Inga hat geschrieben:Hallo Sabine!

geht es dir rein um NRW, wo ja Schwerstmehrfachbehinderte meist in der Werkstatt "geparkt" werden, oder willst du auch wissen, wie es in anderen Bundesländern läuft?

Gruß, Inga


Hallo Inga,

da habe ich bei den Führungen einen anderen Eindruck gewonnen. Also von "Parken" konnte in der Werkstatt, die wir uns angeschaut haben, nicht die Rede sein. Der Bereich für die mehrfachbehinderten Leute hat mich schon sehr angesprochen. Natürlich gibt es da auch große Unterschiede - in der einen Werkstatt läuft es so, in der anderen wieder anders. Die Eltern, die mich angesprochen haben, kamen überwiegend aus NRW, eine aus Hessen.

LG
Sabine
Unsere Vorstellung? -> hier klicken

Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)

REHAkids - Das Forum für besondere Kinder

Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/

Werbung
 
Silke 65
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 119
Registriert: 22.03.2004, 00:05
Wohnort: Allendorf

Tagesförderstätte Prakitkum

Beitragvon Silke 65 » 13.08.2018, 14:06

Hallo,

ich suche gerade aktuell für unseren Sohn körperlich und geistig behindert 1 Praktikumsplatz in 1 Tagesförderstätte in Rheinland-Pfalz. Hat da jemand von Euch Erfahrung bzw. weiss eine gute Einrichtung und wie dann der Verlauf nach der Schule ist und wer Kostenträger ist etc. Vielen Danken im voraus für Eure Antworten.

LG Silke


Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast