Vater will nach fast 13 Jahren gemeinsames Sorgerecht

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

Moderator: Moderatorengruppe

Anja30
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1192
Registriert: 20.07.2005, 08:53

Vater will nach fast 13 Jahren gemeinsames Sorgerecht

Beitragvon Anja30 » 15.03.2017, 09:51

Hallo!

Mir erschließt sich nicht, warum gerade jetzt. Nach 13 Jahren! Es war ihm die ganze Zeit nicht wichtig. Seine Aussage: Er will das jetzt, weil er mit entscheiden will.
Ihm entstehen weder Vor-noch Nachteile, mir im Zweifelsfall schon.

Er hatte immer und überall ein Mitspracherecht, wurde in alles mit einbezogen. Ich erteilte ihm auch schriftliche Vollmachten, das er Entscheidungsgewalt hat, sofern das nötig war. Wir haben guten Kontakt. 14tägig sind die Jungs bei ihm. Er bringt den jüngeren zum Tanzen oder fährt mit ihm zu Wettkämpfen. Auch so in den Ferien holt er sie mal zum schwimmen ect. Es gab nie einen Anlass ihm die Kinder zu verwehren.

Ich weiß, das er laut dem neuen Gesetz einen Antrag beim Familiengericht stellen kann. Und diese meistens für den Vater entscheiden, weil ja nichts dagegen spricht, was das Kindeswohl betrifft.

Dennoch würde mich der Grund für seinen Sinneswandel interessieren.

Vielleicht hängt es mit seiner Idee zusammen, ab nächstem Jahr nur noch 2 Wochen zu arbeiten und 2 Wochen frei zu haben. Die Kinder sollen dann im Wechsel bei ihm und mir sein.
hhmm...gerade für Benedikt keine Option, weil er aus seinem familiären stabilen Umfeld herausgerissen wird. Und ich denke das befürworten viele...unsere Kinder brauchen ihre Rituale, ihre Beständigkeit.

Hoffe auf Eure Meinungen.

LG Anja

Werbung
 
elfe
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 93
Registriert: 10.05.2007, 16:25
Wohnort: bei berlin

Beitragvon elfe » 15.03.2017, 09:56

Liebe Anja, soweit ich weiss, musst du dem ja zustimmen. Ich würd es nicht machen, denn du benötigst dann für alles seine Zustimmung. Vollmachten werden von vielen Behörden nicht anerkannt und notariell beglaubigte Vollmachten musst du bezahlen. Wenn der Vater nicht zustimmt musst du zum Jugendamt.....überleg es dir gut, da hängt den Riesen Schwanz dran
wende dich der sonne zu, dann liegen die schatten hinter dir

A und Floh 12/99, VSD, BPA,Asthma ADS, Autismus Spektrum Störung, Tiefgreifende Entwicklungsstörung,Sehschwäche, Hemiparese, Inkontinenz,Z.n. NEC,Neurodermitis ....a.F.einer Frühgeburt 26.SSW- aber wunderbar

Mariaa
Gast
Gast
Beiträge: 2971
Registriert: 03.03.2010, 21:01

Beitragvon Mariaa » 15.03.2017, 10:00

elfe hat geschrieben:Liebe Anja, soweit ich weiss, musst du dem ja zustimmen. I


Hallo,

nein, das ist nicht richtig. Es ist so wie Anja sagt, sofern es dem Kindeswohl nicht entgegen steht, wird das Gericht in der Regel das gemeinsame Sorgerecht beschliessen.

Anja, es könnte der Grund sein, den Du nennst.
Es wäre ja auch faktisch die logische Konsequenz, das Sorgerrecht zu teilen, wenn die Kinder 14 Tage bei Mama und 14 Tage bei Papa leben.
Vielleicht sprichst Du also lieber darüber mit ihm und warum Du das nicht für gut heisst.

Viele Grüße
Früher war alles besser.... vor allem die Zukunft!

Benutzeravatar
Isolde
Moderator
Moderator
Beiträge: 37544
Registriert: 19.09.2004, 21:41
Wohnort: Kraichgau / vorh. Saarland + München

Beitragvon Isolde » 15.03.2017, 10:13

Hallo liebe Anja,

ich denke auch - wenn der Vater den Antrag stellt,
dann musst Du wirklich hieb- und stichfeste Gründe benennen, weshalb es zu keinem gemeinsamen Sorgerecht kommen soll.
Ich hätte es damals auch lieber alleine gehabt, gerade in meiner Münchner Zeit.
Aber wir haben uns arrangiert, bis heute - obwohl Jonathan schon 20 Jahre mittlerweile ist.

Was Benjamin betrifft - vielleicht ist es für ihn auch ein Ritual und eine Beständigkeit,
wenn er immer im gleichen Rhythmus mal hier und mal dort ist und der Vater den Rhythmus von Euch übernimmt. Ich denke, da muss man sich langsam herantasten.

Für mich ist es auch eine logische Konsequenz dass er den Antrag stellt, da er sich doch auch um die Kinder kümmert und sich mit ihnen viele Mühe gibt.

Die Gerichte geben heute kaum noch dem statt, das Sorgerecht nur noch einer Person zu geben.
Es muss dann bewiesen werden können, dass für die Kinder Gefahr in Verzug wäre - auch bei einem Kind mit einer Behinderung. Ist dem nicht der Fall, dann musst Du Dich mit der richterlichen Entscheidung ggf. tatsächlich arrangieren.

Und weswegen er nun das Ansinnen nach den Jahren hat - ist eigentlich unerheblich.
Es wäre nur dann erheblich, wenn er Euch damit schaden wollte.
Gemeinsames Sorgerecht ist für die Kinder allemal die bessere Variation - und am Ende gilt eben nur das vor Gericht, was den Kindern gut tut.

Ich drücke Dir die Daumen dass Ihr das weiter so gut hinbekommt, ggf. mit gemeinsamem Sorgerecht, wie bisher scheinbar auch.

Liebe Grüße - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

Jonathans CFC-Syndrom + Unsere Vorstellung + https://www.facebook.com/CfcAngelDeutschland

kati543
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4177
Registriert: 12.05.2009, 17:48

Beitragvon kati543 » 15.03.2017, 10:20

Hallo,
ein Sorgerecht hat nichts mit dem Wechselmodell oder mit einem Umgangsrecht generell zu tun. Ich befürworte generell ein gemeinsames Sorgerecht. 4 Augen sehen mehr als 2 - selbst in der Phase unseres "Rosenkrieges" stand das nie zur Debatte. Einige wirklich wichtige Entscheidungen wurden aufgrund des Vorschlags vom Papa so getroffen...und haben sich als wirklich richtig erwiesen.
Ich würde also eher fragen, wenn er sich so lange schon so intensiv als Vater mit gekümmert hat, warum hat er das Gemeinsame Sorgerecht nicht längst? Das ist ja auch wichtig für den Fall, dass dir mal etwas passiert. Ein Vater hat keine Rechte - erst das Sorgerecht gibt ihm die Rechte.

Mal aus der Sicht eines Vaters:
Man hat in Deutschland als unverheirateter Vater echt ein schweres Leben. Bei der Geburt (oder davor) wurde man schief angesehen, wenn man das Sorgerecht haben will - und in deinem Fall ging es ja auch nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Mutter. Die hast du aber offensichtlich nicht gegeben oder bei der Scheidung wurde das Sorgerecht den Vätern entzogen (auch das war damals in Deutschland ja üblich).
Hatte er das Glück und er verstand sich trotzdem noch mit der Mutter, durfte er seine Kinder wenigstens noch ab und an sehen und an deren Leben teilhaben. Du gehörst offenbar zu den netteren Müttern - die Väter in meiner Familie haben da mehr gelitten.
Nach 13 Jahren? Nein, es sich nicht 13 Jahre - in Deutschland war es vorher gar nicht möglich für einen Vater das Sorgerecht gegen den Willen der Mutter zu bekommen. Die Mutter musste es freiwillig geben. Die tiefgreifende Gesetzesänderung diesbezüglich, die nach der Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte notwendig wurde, kam erst 2013. Seit knapp 4 Jahren kann der Vater deiner Kinder hier in Deutschland das Gemeinsame Sorgerecht bekommen. Allerdings war das gerade in der Anfangsphase sehr unsicher.

Wenn der Papa seine Kinder kennt - und so scheint es ja - dann wird er ja nicht wollen, dass sich die Situation des behinderten Kindes verschlechtert. Manche Kinder kommen gut mit dem Wechselmodell klar, andere weniger gut. Das gilt auch für gesunde Kinder. Wie kommt dein Kind denn mit den 14-tägigen Besuchskontakten zurecht?

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Anja30
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1192
Registriert: 20.07.2005, 08:53

Beitragvon Anja30 » 15.03.2017, 10:22

Mariaa, ich heiße sein Vorhaben nicht gut. Selbst wenn ich es gut heißen würde, müßte ich ja zwangsläufig kein gemeinsames Sorgerecht machen.

Er hat mich gefragt und ich habe ihm auch die Gründe genannt warum das nicht notwendig ist. Ob er es beim Gericht einklagt, weiß ich nicht. Er geht lieber den einfacheren Weg.

Benutzeravatar
Isolde
Moderator
Moderator
Beiträge: 37544
Registriert: 19.09.2004, 21:41
Wohnort: Kraichgau / vorh. Saarland + München

Beitragvon Isolde » 15.03.2017, 10:32

Anja30 hat geschrieben:Mariaa, ich heiße sein Vorhaben nicht gut. Selbst wenn ich es gut heißen würde, müßte ich ja zwangsläufig kein gemeinsames Sorgerecht machen.


Hallo Anja,

die Frage ist - gefährdet es die Kinder?
Es zählen immer zuerst die Kinder und nicht das eigene "ich würde mir wünschen".

Wenn es den Kindern beim Vater gut geht - ist ein gemeinsames Sorgerecht für die Kinder immer als erstes zu sehen,
und nicht ob ich als Mutter / Vater das jetzt anders haben will.

So wird jedes Gericht die Situation beurteilen.

Ich würde dem gemeinsamen Sorgerecht zustimmen um ihm nicht die Gelegenheit zu geben evtl. doch es bei Gericht zu stellen.
Nur wenn das Kindeswohl drastisch gefährdet wäre, würde ich es ablehnen.

Liebe Grüße - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian



Jonathans CFC-Syndrom + Unsere Vorstellung + https://www.facebook.com/CfcAngelDeutschland

Mariaa
Gast
Gast
Beiträge: 2971
Registriert: 03.03.2010, 21:01

Beitragvon Mariaa » 15.03.2017, 10:34

Anja, ich habe Dich schon verstanden und kann es auch sehr gut nachvollziehen!
Ich meinte, aus Sicht des Vaters wäre es die logische Konsequenz....

Ich befürworte übrigens nicht generell das gemeinsame Sorgerecht. :wink:

Die Frage, die ich mir (und ihm) stellen würde, warum etwas verändern,
wenn doch alles so gut läuft. Für mich hört es sich so an, als trefft Ihr viele Entscheidungen gemeinsam und sprecht Euch im Sinne der Kinder ab.
Mich würde das plötzliche Vorhaben auch wundern...

Das gemeinsame Sorgerecht ist übrigens keine Vorsorge bei Versterben.
Auch bei dem alleinigen Sorgerecht wird dem verbliebenen Elternteil das Sorgerecht übertragen im Todesfall.

Viele Grüße
Früher war alles besser.... vor allem die Zukunft!

Anja30
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1192
Registriert: 20.07.2005, 08:53

Beitragvon Anja30 » 15.03.2017, 10:41

Isolde, danke für die Schilderung deiner Erfahrung :)

"Es wäre nur dann erheblich, wenn er Euch damit schaden wollte" Da kann ich nur klare ????? dahinter setzen. Er ist zwar ein guter Papa und kümmert sich. Entscheidet aber oft zu seinem eigenen Vorteil, egal ob finanziell (er ist spielsüchtig), oder anderweitig.
Er erklärt meinem nicht behinderten Sohn, das ich ihm alles kaufen kann weil er (Papa) soviel Unterhalt zahlt. Er erwartet von mir Geld für die Bespaßung an seinen Kinderwochenenden oder wenn er mit den beiden Jungs eine Woche Sommerurlaub macht (er erhält anteilig dafür das Pflegegeld, ist ihm aber zu wenig).
Als ich ihm sagte, das Benedikt Melatonin bekommt weil er enorme Ein-und Durchschlafprobleme hat, kam von ihm: Du musst ihn nur länger auf lassen oder spazieren gehen und ihn nicht mit Drogen vollpumpen.
Oder im Hinblick darauf das ich nicht arbeite, sondern ein Schmarotzer bin, sollte ich doch arbeiten gehen. Er sagt, Benedikt ist doch kein Problem, er ist auch nie niemals nicht anstrengend. Auch mein anderer Sohn mit ADHS nicht. Ich solle mehr spazieren gehen. :roll:
(Befinde mich seit einem Jahr bei einem Arzt für Psychosomatik in Behandlung. Habe eine mittelgradige chronische rezidivierende depressive Störung unter Escitalopram)
Das sind alles so Dinge wo ich mich frage, was passiert wenn wir das gemeinsame Sorgerecht haben?

Katrin, danke´auch für Deine Ausführungen. Ich glaube schon, das ich eine der Mütter bin, der der positive Umgang mit Kindsvater wichtig ist. Weil ich eben weiß, das es tausende Väter gibt die in dieser Hinsicht nichts zu lachen haben.
Die 14 tägigen Besuche klappen gut, habe ich den Eindruck. Ob dieses Wechselmodell auch gut werden würde, weiß ich nicht. Und das wird mir mein behinderter Sohn auch nicht sagen können. Da er nicht spricht. :wink:

Werbung
 
Anja30
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1192
Registriert: 20.07.2005, 08:53

Beitragvon Anja30 » 15.03.2017, 10:44

Mariaa, das meine ich ja. Warum was verändern was bisher gut läuft? Er hat noch nie geäußert, das ich ihm das Leben schwer mache oder dergleichen.

Es muss einen für ihn gravierenden Grund geben, den ich aber wohl nicht herausfinden werde ;)


Zurück zu „Rechtliches (Krankenvers., Pflegegeld etc.)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste