Schulbegleitung in Österreich

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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Lisaneu
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Schulbegleitung in Österreich

Beitragvon Lisaneu » 06.03.2017, 15:50

Ich lese hier immer wieder von Schulbegleitung. Gibt es das auch in Österreich, was sind die Voraussetzungen und wie kann man sie beantragen?

Da bei Kleinsohn jetzt zusätzlich zur Gehörlosigkeit auch noch Autismus diagnostiziert wurde, will ich mich schon mal schlau machen. Wenn es nach mir geht kommt er in eine zweisprachige I-Klasse (ÖGS und deutsch), wo nach normalem Lehrplan unterrichtet wird. Gibt es auch Schulbegleiter, die Gebärdensprache können? Bitte um Info wenn wer was weiß!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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michie
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Beitragvon michie » 06.03.2017, 22:23

Liebe Lisa,

ich habe im anderen Forum gelesen, dass das zumindest hier in NÖ über die Gemeinde beantragt werden muss. Ich weiß, dass es bei uns im Ort I-Klassen gibt, in denen sowieso 2 Lehrer/innen sind, und eine "eigene" Stützkraft lässt sich je nach Bedarfsfall und Budget zusätzlich organisieren. Allerdings ist sehr viel Engagement seitens der Eltern gefragt. Ihr kommt ja glaube ich aus Wien, oder? Da ist bestimmt vieles zumindest stellenweise einfacher.
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 07.03.2017, 08:47

Klingt so, als hätte Michie recht mit der Vermutung, dass es in Wien evtl besser läuft:
http://volksanwaltschaft.gv.at/artikel/ ... eschlossen
Vielleicht das: http://www.integration-autismus.at/neu/index.php

Grüße
Engrid
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Beitragvon michie » 07.03.2017, 12:56

Allerdings gibt es z. B. für Niederösterreich eine Landeskoordinatorin des Fachbereichs Autismus / LSR für NÖ, wo Hilfe, Unterstützung, Beratung für die Schule angefragt werden kann. Ich werde mich nächstes Jahr darum kümmern, die möglichen Schulen abzuklappern und anzusprechen, dann kann ich mehr berichten.
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Bastelia
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Beitragvon Bastelia » 10.03.2017, 22:28

Hallo Lisa,

Also ich kann dir tatsächlich nur von NÖ berichten, denn - wie schon gesagt - in jedem Bundesland läuft es bei uns anders!
Prinzipiell wenn dein Sohn gehörlos ist, wird er einen SPF für Sinnesbehinderung bekommen und damit einige zusätzliche Stunden einer Sonderschullehrerin, die ihn zusätzlich fördert und unterstützt! (Wenn min. 4 Integrations-Kinder in einer Klasse sind - dann wird der gesamte Unterricht von 2 Lehrerinnen abgedeckt)
Allerdings ist nicht mal in der Ausbildung der Sonderschullehrer die Gebärdensprache enthalten! Ist natürlich dann Sache des persönlichen Engagements der Lehrinnen!

Als Schulbegleiter gibt es bei uns Stützkräfte, die zusätzlich von der Gemeinde oder von der Stadt angestellt werden! Diese sind sozusagen für das Drum- herum zuständig, nicht für das pädagogische und haben auch bei uns keinerlei pädagogische Ausbildung! Die Gemeinde muss diese zusätzliche Stelle bezahlen und du musst sie im Vorfeld von der Notwendigkeit überzeugen!
Glaubst du denn, dass dein Sohn zusätzlich eine Stützkraft brauchen würde?
Wien ist aber sicherlich anders! :-)

Mal eine ganz andere Frage: Habt ihr ihn Wien eigentlich noch einen Schulsprengel?

Liebe Grüße
Bastelia mit Sohn (geb. Mai 2011) , kombinierte Entwicklungsstörung, myoklonische Epilepsie (erkannt Jänner 2015) und seit 2017: Störung des Knochenstoffwechsels - idiopathische Osteoporose
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 14.04.2017, 20:32

Bastelia hat geschrieben:Hallo Lisa,

Also ich kann dir tatsächlich nur von NÖ berichten, denn - wie schon gesagt - in jedem Bundesland läuft es bei uns anders!
Prinzipiell wenn dein Sohn gehörlos ist, wird er einen SPF für Sinnesbehinderung bekommen und damit einige zusätzliche Stunden einer Sonderschullehrerin, die ihn zusätzlich fördert und unterstützt! (Wenn min. 4 Integrations-Kinder in einer Klasse sind - dann wird der gesamte Unterricht von 2 Lehrerinnen abgedeckt)
Allerdings ist nicht mal in der Ausbildung der Sonderschullehrer die Gebärdensprache enthalten! Ist natürlich dann Sache des persönlichen Engagements der Lehrinnen!

Als Schulbegleiter gibt es bei uns Stützkräfte, die zusätzlich von der Gemeinde oder von der Stadt angestellt werden! Diese sind sozusagen für das Drum- herum zuständig, nicht für das pädagogische und haben auch bei uns keinerlei pädagogische Ausbildung! Die Gemeinde muss diese zusätzliche Stelle bezahlen und du musst sie im Vorfeld von der Notwendigkeit überzeugen!
Glaubst du denn, dass dein Sohn zusätzlich eine Stützkraft brauchen würde?
Wien ist aber sicherlich anders! :-)

Mal eine ganz andere Frage: Habt ihr ihn Wien eigentlich noch einen Schulsprengel?

Liebe Grüße


Was ich weiß heißt es nicht mehr "Sprengel". Bei gesunden Kindern ist es so dass man sie in einer privaten Schule mit Öffentlichkeitsrecht oder bei einer öffentlichen Schule freier Wahl anmelden kann. Bei den privaten Schulen (vor allem denen mit hohem Schulgeld) hat man dann bei zeitgerechter Anmeldung ziemlich sicher einen Platz. Bei den öffentlichen Schulen geht es nach der Anzahl der verfügbaren Plätze und der Wohnnähe.

Mein älterer Sohn hatte im September 2016 Schulstart. Da haben wir ein paar Wochen gezittert ob 1,9km Wohnnähe ausreichen um einen Platz in der sehr guten, aber daher auch ziemlich "überlaufenen" Schule unserer Wahl zu bekommen (es hat dann doch geklappt :) ). Der Ablauf ist so dass man sich im Einschreibezeitraum in der Wunschschule einfindet, dort die Schuluntersuchung und den "Schultest" machen lässt und in den Anmeldebogen zwei Alternativ-Schulen vermerkt, sollte es mit der Wunschschule nicht klappen. Aber auch dort geht es nach Anzahl der Plätze und Wohnnähe. Wenn man Pech hat und alle Wunschschulen schon besetzt sind bzw. die dort angemeldeten Kinder näher bei der Schule wohnen bekommt man die nächste Schule mit freien Plätzen "zugeteilt". In unserem Fall wäre die 3,2km entfernt gewesen, also viel weiter als die Wunschschule und auch als die nächstgelegene Schule (1,2km). So viel zu gesunden Kindern.

Alexander, mein jüngerer Sohn, hat durch seine Gehörlosigkeit aber eine Art Sonderstatus. Wir könnten ihn theoretisch in jeder Schule anmelden, die Inklusionsklassen hat. Aber es gibt zwei Schulen, die bei mir erste Wahl sind, beide mit je einer Merhstufen-Klasse mit einem gebärdensprachkompetenten Lehrerteam (eine sogar mit native-Signerin!) und vor allem mit Unterricht nach normalem Grundschullehrplan. Ob Aleander dort einen Platz bekommt ist allerdings fraglich, weil pro Klasse maximal 18 Schüler zugelassen sind und davon maximal 4 Inklusions-Kinder. Beide Schulen liegen natürlich weit von uns entfernt in anderen Bezirken. Aber das ist jetzt, beim Kindergarten auch so (zweisprachig, ÖGS und deutsch, mit lauter ÖGS-kompetenten Pädagoginnen und zwei Native-Signerinnen). Alexander sitzt halt täglich etwa 2 Stunden im Bus um hin- und heimzukommen, aber es ist besser als in einer Gruppe ohne Gebärdensprache, wo er sich gar nicht ausdrücken könnte.

Sollte er das Glück haben in einer Klasse unserer Wunschschulen einen Platz zu bekommen erübrigt sich das mit der Schulbegleitung vermutlich ohnehin. Aber wenn das nicht der Fall sein sollte wäre mir schon sehr wichtig, dass die Schulbegleitung seine Sprache spricht. Für das "drumherum" wird er hoffentlich niemanden brauchen, er ist altersgemäß selbstständig. Also Jacke und Schuhe an- und ausziehen, in die Klasse und zurück finden, usw. wird kein Problem sein und am sauber-werden arbeiten wir gerade :wink: ...
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Beitragvon Silvia & Iris » 06.10.2018, 18:27

Hallo ihr Lieben,

da ich gerade diesen Beitrag gesehen habe:
Wie schaut denn das eigentlich in naher Zukunft aus, wenn es dann wieder A und B Zug gibt? - Dann werden doch auch keine Kinder mehr mit ASO-Lehrplan in den Klassen beschult und müssen wieder zurück in die Sonderschulen, die ja nun wieder einen neuen Stellenwert erhalten werden... - das heißt auch, dass alle Sonderpädagogen wieder in die Sondereinrichtungen zurück müssen... und dann braucht man auch keine Schulbegleiter mehr, oder??


Wieder mal etwas im Dunkeln tappend...

... denn in Sonderschulen dürfen dann Zivis und andere Personen diese Dienste verrichten, die so anfallen... (wie Rollstuhl schieben bei Lehrausgängen oder auch nur von der Klasse in den Turnsaal...

LG
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Beitragvon Bastelia » 06.10.2018, 22:50

Entschuldigung Silvia,

aber sooooooo ein Unsinn! Niemand MUSS in die Sonderschule - das Recht auf Integration bleibt natürlich bestehen und es wird nach wie vor versucht jeden in die Integration zu drängen (in unseren Breiten zumindest)! Für die Integration kann es meiner Erfahrung nach nur von Vorteil sein, wenn in der Mittelschule wieder in Gruppen getrennt unterrichtet wird!
Übrigens bleiben momentan die Sonderschulen erhalten (statt wie ursprünglich geplant abgeschafft), aber einen neuen Stellenwert?? Davon bekomme ich nichts mit - sie werden finanziell ausgehungert! Schon alleine die Aufnahmekriterien für eine Landessonderschulen sind massiv verschärft worden, quasi so wie wenn man versucht sein Kind mit einem Befriedigend im VS- Zeugnis ins Gymnasium zu bringen..... :roll:
Ganz abgesehen davon, gibt es auch Schulbegleiter in Sonderschulen!!!

Liebe Grüße
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Beitragvon Silvia & Iris » 06.10.2018, 23:18

Danke..... jede Neuerung oder Veränderung bringt halt fragen mit sich... und nicht immer hoffentlich berechtigte :wink:

Dann hoffen wir, dass es zu einer Besserung kommt - obwohl sich das doch dann auch nicht wie wirklich besser anhört, wenn die Sondereinrichtungen jetzt ausgehungert werden... :oops:
Liebe Grüße

Silvia

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Beitragvon Lisaneu » 07.10.2018, 12:40

Mein subjektives Empfinden ist, dass sich erst mal gar nicht viel verändern wird. Ich habe weder das empfinden, dass die Sonderschulen generell "ausgehungert" werden, noch dass es jetzt plötzlich heißt "Integration weg - Sonderschulen her!"
Die Maßnahmen, welche der neue Unterrichtsminister bisher gesetzt hat, betreffen ja in allererster Linie das Schulsystem für gesunde Kinder. Ob die zukünftige Entwicklung eher in Richtung "Integration" oder "Sonderbeschulung" für besondere Kinder laufen wird, lässt sich mMn noch gar nicht absehen.

Dem Unterrichtsministerium wird klar sein, dass auch besondere Kinder der Schulpflicht unterliegen. In dem Fall ist es wirklich Schulpflicht, denn häuslicher Unterricht ist ja nach wie vor nicht zulässig, sobald das Kind sonderpädagogischen Förderbedarf hat. Und da gab und gibt es nun mal Kinder, die von Inklusion super profitieren können und andere, die beim besten Willen nicht für inklusive Beschulung geeignet sind. Meine Jungs sind da die besten Beispiele. Ich bin sehr froh, zumindest EIN gutes Gymnasium zu wissen, wo mein älterer Sohn auch mit seiner ASS willkommen sein wird. Bei meinem jüngeren Sohn dagegen kann ich mir eine Inklusions-Klasse aus verschiedensten Gründen nach wie vor absolut nicht vorstellen.

Ich denke die Verantwortlichen werden erst mal beobachten, wie es mit der Beschulung besonderer Kinder aktuell läuft und funktionierende Systeme nicht für (teure) Experimente aufgeben.

Und selbst wenn wirklich gröbere Veränderungen anstehen sollten, benötigen diese eine längere Vorlaufzeit. Die Grundvoraussetzungen, sowohl personell als auch von der Infrastruktur her, müssen erst mal geschaffen werden, bevor man neue Wege ausprobieren kann.

Wenn wirklich rauskommen sollte, dass es deutliche Verschlechterungen für besondere Kinder geben wird, bin ich sicher die erste, die auf die Barrikaden steigt - für meine Kinder! Aber solange man nur vermuten und mutmaßen kann, warte ich mal ab, was dann wirklich Sache sein wird.
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