Schulbegleitung in Österreich

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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Bastelia
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Beitragvon Bastelia » 07.10.2018, 16:14

Hallo,

Also dass die Sonderschulen finanziell ausgehungert werden (von offizieller Stelle, deshalb sind sie umso mehr auf Spenden und sonstigen Zuweisungen/Unterstützungen angewiesen! Die größeren Zentren sind da meistens eh gut vernetzt, die kleinen Allgemeinen Sonderschulen tun sich da bei uns schon etwas schwerer) ist schon des Längeren so - hat nichts mit der neuen Regierung zu tun und leider auch nichts mit Subjektivem Empfinden!
Natürlich wird es keine offizielle Stelle zugeben, aber die Zukunft der Sonderschulen liegt im Bereich der S- Kinder und der SE- Schüler! Die früher typischen ASO Kleinklassen gibt es so gut wie nicht mehr! Die Sache mit der Integration ist die, dass Leute, die nicht im Schulwesen drinnen sind und auch privat nichts mit diesem Thema zu tun haben, die Integration irgendwie als "Generallösung" ansehen und sie sich diese viel besser vorstellen als sie tatsächlich sein kann! Abgesehen davon, wird wohl meistens automatisch an die Integration von körperlich Beeinträchtigten gedacht und nicht an die Schüler mit kognitiven Beeinträchtigungen!

Lisa, ich habs schon mal erwähnt - auch KK mit SPF kann ich zum häuslichen Unterricht anmelden! Find ich eigentlich seltsam, aber es ist so!! Also bei uns gibt es in dem Sinn keine Schulpflicht in AUT, sondern Unterrichtspflicht!

Zurück zum Thema, Schulbegleitungen/Stützkräfte wird es sicherlich weiter geben! (wenn sie wer finanziert)! :-)

Liebe Grüße
Bastelia mit Sohn (geb. Mai 2011) , kombinierte Entwicklungsstörung, myoklonische Epilepsie (erkannt Jänner 2015) und seit 2017: Störung des Knochenstoffwechsels - idiopathische Osteoporose
Tochter (geb. August 2015)

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 07.10.2018, 19:18

Lisa, ich habs schon mal erwähnt - auch KK mit SPF kann ich zum häuslichen Unterricht anmelden! Find ich eigentlich seltsam, aber es ist so!! Also bei uns gibt es in dem Sinn keine Schulpflicht in AUT, sondern
Hallo Bastiella, ich weiß, dass es Ausnahmeregelungen gibt. Aber Fakt ist, dass die mündliche Externistenprüfung in deutscher Lautsprache absolviert werden MUSS - komplett unmöglich für Alexander, der weder hört noch spricht!

Im Moment stellst sich die Frage aber nicht. Alexander ist in einer der seltenen Sonder-Kleinklassen (gebärdensprachige Mehrstufenklasse für gehörlose Autisten), wo er sich sehr wohl fühlt und schon im ersten Monat einen gewaltigen Entwicklungssprung gemacht hat :D .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Bastelia
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Beitragvon Bastelia » 08.10.2018, 10:41

Die Regel ist, du kannst jedes Kind zum häuslichen Unterricht anmelden, egal welchen LP es hat! Dieses Faktum (wie bei euch) ist definitiv die Ausnahme (obwohl ich mir das noch immer nicht ganz vorstellen kann...)!
Abgesehen davon meinte ich auch eher die "klassischen SPFs " mit kognitiven Beeinträchtigungen (ASO und S) und und nicht die Sinnesbehinderungen, die ja meistens dann doch nach Regelschullehrplan unterrichtet werden!
Nach welchem Lehrplan wird denn Alexander unterrichtet?

LIebe Grüße
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Beitragvon Silvia & Iris » 08.10.2018, 11:17

Liebe Bastelia,

auch ich kenne hörbeeinträchtigte Kinder die keinen häuslichen Unterricht erhalten haben, da es gesetzlich nicht möglich ist und war... - der andere Junge, der damals zum häuslichen Unterricht gegangen ist, war Autist, auch seine beiden Schwestern wurden während der Volksschule häuslich unterrichtet und mussten dann einmal im Jahr zur Externistenprüfung antreten... Es ist nicht möglich Kinder, die eine Sinnesbeeinträchtigung haben häuslich zu unterrichten!

- selbst wenn der Regelschullehrplan die Grundlage ist - bzw. wie in unserem Fall Unterricht nach Regelschullehrplan mit SPF Hören.

Im Zirkus ist der häusliche Unterricht auch die Regel.

LG
Silvia
Liebe Grüße
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Beitragvon Bastelia » 08.10.2018, 11:58

Hallo Silvia,

Das finde ich wirklich mehr als seltsam, denn schwerstbehinderte Kinder könnte man sehr wohl zum häuslichen Unterricht anmelden - wie würde denn da bitte schön die Externistenprüfung aussehen?
Natürlich gar keine - eh klar, aber den häuslichen Unterricht nur wegen dem mündlichen Teil nicht zu bewilligen, finde ich schon eigenartig! Denn in der Schule selbst können ja natürlich auch keine mündlichen Überprüfungen stattfinden! Klassischer nicht bedachter Denkfehler im System???

Stell dir vor eine Zirkusfamilie bekommt ein gehörloses Kind - muss die Familie dann die Zirkuspassion aufgeben oder muss das Kind "abgeschoben" werden?? :roll:

Wenn zufällig mal eine Fortbildung bezüglich Externistenprüfung angeboten wird, werde ich mich da schlau machen und dezidiert nachhaken! :-)

Liebe Grüße
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Beitragvon Silvia & Iris » 08.10.2018, 16:45

Liebe Bastelia,

aus diesem Grund muss in diesen Schulen auch ein Internat angeboten werden. Die Kinder, die eine solche Beschulung brauchen und weiter entfernt wohnen, dürfen dann das Internat besuchen. - So ist das geregelt! - und dann lebt auch das Zirkuskind im Internat. -

LG
Silvia
Liebe Grüße
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Beitragvon Silvia & Iris » 08.10.2018, 16:50

Liebe Bastelia,

Ich habe ein einziges Mal eine Sonderregelung kennen gelernt, dass ein schwerst-mehrfach beeinträchtigtes Kind in unserem politischen Bezirk eine Ausnahmeregelung erhalten hat und nicht den Unterricht in der Sonderschule erhalten hat... - damit der Unterricht abgedeckt wurde und auch die Mutter sich ein wenig frei schaufeln konnte, wurde so eine Vereinbarung getroffen:
Während der ersten 4 Pflichtschuljahre lag das Kind vormittags im Kindergarten zwischen den Kindergartenkindern - danach durfte es am Nachmittag 3 Stunden während der Nachmittagsbetreuung anwesend sein. - Die Familie lebte direkt neben dem Kindergarten...

Allerdings war das eine wirklich sehr einmalige Lösung die Schulpflicht für ein basales Kind zu umgehen...

LG
Silvia
… und es hat ja eine Bildungseinrichtung besucht... :roll:
Liebe Grüße
Silvia
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Beitragvon Lisaneu » 08.10.2018, 18:13

Hallo Silvia,

Das finde ich wirklich mehr als seltsam, denn schwerstbehinderte Kinder könnte man sehr wohl zum häuslichen Unterricht anmelden - wie würde denn da bitte schön die Externistenprüfung aussehen?
Natürlich gar keine - eh klar, aber den häuslichen Unterricht nur wegen dem mündlichen Teil nicht zu bewilligen, finde ich schon eigenartig! Denn in der Schule selbst können ja natürlich auch keine mündlichen Überprüfungen stattfinden! Klassischer nicht bedachter Denkfehler im System???

Stell dir vor eine Zirkusfamilie bekommt ein gehörloses Kind - muss die Familie dann die Zirkuspassion aufgeben oder muss das Kind "abgeschoben" werden?? :roll:

Wenn zufällig mal eine Fortbildung bezüglich Externistenprüfung angeboten wird, werde ich mich da schlau machen und dezidiert nachhaken! :-)

Liebe Grüße
Du kannst dich gerne umhören, wirst aber nichts anderes herausfinden. Ich habe mich damals bei einer sehr engagierten Freilerner-Gruppe kundig gemacht, die allesamt ihre (gesunden) Kinder erfolgreich zu Hause unterrichten. Die kennen sich natürlich super mit der Gesetzeslage aus und bedauern selbst, dass es bei Kindern mit SPF eben nicht möglich ist.

Fakt ist, dass der häusliche Unterricht in Österreich trotz bestehender Möglichkeit von nicht mal 1% der Kinder in Anspruch genommen wird. Es ist aber nicht etwa so, dass nur gesunde Kinder am häuslichen Unterricht teilnehmen dürfen, aber eben nur welche, OHNE SPF. Ein Rollstuhl wäre z.B. kein Problem, sofern das Kind keine zusätzliche Sinnesbehinderung hat und kognitiv altersentsprechend fit ist.

Sobald SPF besteht gibt es die Möglichkeiten des häuslichen Unterrichts nicht mehr. Begründet sich (wenn ich mich richtig erinnere) damit, dass nur Sonderschulpädagogen diese Kinder bestmöglich fördern können. Fast unmöglich, da das Gegenteil zu beweisen! Denn jedes Kind mit SPF hat Stärken und Schwächen und man kann alles, was das Kind nicht ausreichend "gelernt hat" auf unzureichenden häuslichen Unterricht zurückführen (auch wenn es tatsächlich in der Schule noch weniger lernen würde) :roll: .

Da KÖNNTE man vielleicht mit viel Kampf noch eine Ausnahmegenehmigung erwirken, aber dann würde es eben am mündlichen Teil der Externistenprüfung scheitern.

In Österreich MUSS dieser mündliche Teil in deutscher Lautsprache abgelegt werden. Der verständliche Hintergrund dieser Regelung ist, weil so verhindert werden soll, dass sich Migrantenkinder quasi "hinter ihrer Muttersprache verstecken". An Gehörlose und Gebärdensprache wurde bei dieser Regelung sicherlich nicht gedacht. Und es gibt einfach keine Präzedenzfälle (wie das von Dir beschriebene "Zirkuskind"), welche das Recht auf gebärdensprachige Externistenprüfungen (mit Dolmetscher) bisher eingefordert hätten.
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Beitragvon Silvia & Iris » 08.10.2018, 19:00

Liebe Bastelia,

jetzt drehe mal den Spieß um, wenn es für schwerst mehrfach beeinträchtigte Kinder keine Schulpflicht mehr gibt (das ist übrigens ganz im Sinne der Sonderschulen, die auch nicht wirklich wissen, was sie mit den Kindern machen sollen) - hätten wir denn dann nicht wieder Zustände wie im Mittelalter? - Kinder, die zu Hause verkommen, weil auch die Eltern nicht die Zeit und Energie haben sie täglich zu Hause zu versorgen, zu dehnen, mit ihnen am Rollator zu gehen, sie aufs WC zu setzen, sie zu wickeln, mit Handführung zu essen, in den Stehständer zu stellen, Mieder anzupassen, Nachtlagerungsschienen zu besorgen, zu wissen, wann sie welches Hilfsmittel brauchen? Genau zu checken, was welcher Anfall ist - alle Medikamente rechtzeitig verabreichen, absaugen, beatmen... es ist ja auch eine Entlastung der häuslichen Situation!


LG

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Beitragvon YvonneE » 08.10.2018, 19:27

Liebe Silvia!
Ich finde es gut dass schwer behinderte Kinder das recht auf Schule haben. Eine Schulpflicht gibt es eh nicht zwingend.

Für Lara wurde mir gleich beim ersten Gespräch vom stadtschulrat eine Befreiung von der Schulpflicht angeboten bzw nahegelegt. Auch später wenn Dinge mit der Krankenschwester oder dem Fahrdienst nicht geklappt haben mussten wir immer wieder drum kämpfen dass sie weiter in die Schule durfte. Wenn es mal Wochen oder Tage lang nicht möglich war weil zb die Krankenschwester krank u kein Ersatz da war hat das den stadtschulrat nicht wirklich interessiert...

So ein tolles Förderprogramm wie du es beschreibst gibt es längst nicht überall. Hier wurde nicht soooo viel gemacht. Trotzdem fand ich es gut dass lara hin konnte. Zumindest wurde gesungen, geredet, gestreichelt und gemalt...auch die anderen Kinder waren interessant...

Natürlich ist es auch f die Familien sehr wichtig zumindest stundenweise Entlastung zu haben.

LG
Yvonne
Lara (11.01.2008 - 2.2.2018), Schwere Peripartale Asphyxie, schwere ICP, kaum Kopf- Rumpfkontrolle, kein Saug- Schluckreflex (PEG), fehlende Primitivreflexe, Tracheostoma


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