Kein Geruchssinn bei Autismus?

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Ronja-und-Mini
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Kein Geruchssinn bei Autismus?

Beitragvon Ronja-und-Mini » 21.02.2017, 03:34

Ich hab heute mal wieder eine Frage in eigener Sache.

Und zwar sagt man ja immer, dass Autisten einen besonders guten (im Sinne von feinfühligen) Geruchssinn haben. Als ich mal einer Therapeutin erzählte, dass Mini mit Tieren überhaupt nichts anfangen kann und im Streichelzoo keine Ziegen streicheln wollte, meinte sie, das käme daher, dass Ziegen stinken würden und die feine Nase eines Autisten das überhaupt nicht abhaben könnte.

Nun ist es aber so, dass ich mir schon seit geraumer Zeit Gedanken mache, dass der Mini NULL Geruchssinn hat. Seit kleinster Kindheit an hat ihn noch nie der noch so ekligste Geruch gestört. Ich kann das mit der "feinen Nase" überhaupt nicht bestätigen. Egal ob wir Eltern verschwitzt vom Sport kommen und extrem müffeln - Sohnemann kuschelt sich an, auch mit dem Gesicht unter die Achseln, und verzieht keine Miene. Hat jemand sein großes Geschäft verrichtet, geht Mini Sekunden danach z.B. auf die Toilette und verzieht ebenfalls keine Miene. Stinkt es draußen nach Gülle und zwar so ekelhaft, dass wir uns die Hand vor die Nase halten müssen - Mini verzieht keine Miene. Ich hab noch nie von ihm gehört, dass irgendwas stinkt und auch nicht, dass etwas gut riecht. Überhaupt habe ich den Eindruck, er riecht gar nichts. Wenn ich ihm sage "Riech mal, riecht das gut?" (z.B. wenn ich ihm frischgewaschene Wäsche unter die Nase halte oder mein neues Parfum am Handgelenk) dann antwortet er nicht. Ich glaube, er weiß noch nicht mal, was "stinken" bedeutet. Er hat das letztens in einem völlig falschen Zusammenhang benutzt, also bei etwas, was nicht stinken kann. Er machte dann aber unser Schnüffelgeräusch nach (was wir z.B. spaßeshalber machen, wenn wir scherzhaft sagen, dass seine Füße stinken, das findet er dann lustig).

Da der Mini ja auch fast alles Essen verweigert und oft schnell würgt, wenn er doch etwas mal vorsichtig probiert, frage ich mich jetzt natürlich, insbesondere im Hinblick darauf, dass Autisten ja so super riechen sollen, ob dem Mini vielleicht einfach der Geruchssinn fehlt? Oder gibt es hier noch jemanden, bei dessen Kind(ern) das auch so ist?
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 21.02.2017, 04:06

Hallo Ronja,

es gibt, nicht nur beim Geruch, sondern bei allen Sinneswahrnehmungen, Hypersensibilität und Hyposensibilität. Das alles verändert sich mit dem Jahren, und es ist auch nicht unbedingt einheitlich innerhalb eines Menschen. Junior zB hatte schon sehr früh ein hypersensibles Gehör, aber der Geruchssinn hat lange keine Rolle gespielt, da hat ihn nichts gestört., jedenfalls habe ich keine Reaktion festgestellt.
Allerdings gibt es Lebensmittel, das er noch nie probiert hat, und auch nie probieren würde. Kann auch am Aussehen liegen, ich würde aber eher auf den Geruch tippen.
Jetzt, im Teenageralter, registriert er plötzlich Gestank; Wohlgeruch hat er noch nicht thematisiert. :mrgreen:

Eine super Seite: http://autismus-kultur.de/autismus/auti ... schen.html
Da kann die Therapeutin auch noch was lernen. :P
Und dass Ziegen stinken, mal abgesehen von Böcken, ist jetzt eher ihre eigene Wahrnehmung oder ihr Vorurteil. :wink: Da wäre beim Junior das Problem nicht der Geruch, sondern die Wuseligkeit und Unberechenbarkeit (aus seiner Sicht) der Tiere.


Spiel doch mal ein Geruchsmemory mit Deinem Mini.
Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Ronja-und-Mini
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Beitragvon Ronja-und-Mini » 21.02.2017, 04:49

Da muss ich mal googeln, was ein Geruchsmemory ist, danke für den Tipp. Denken kann ich es es mir, aber wie soll ich Gerüche verpacken?

Danke übrigens für den Link, das ist wirklich interessant. Dort steht nämlich, dass manche Menschen mit einer Hyposensibilität im Bereich Geruchssinn ersatzweise Dinge ablecken. Das macht der Mini, nachdem es am Anfang extrem war, dann ne ganze Zeit weg war, jetzt wieder exzessiv. Er leckt besonders gern unsere Nasen und Gesichter ab, was ganz schön störend im Moment ist. Auch andere Menschen "schlabbert" er ab, das hat er vorher noch nie getan.

Auf der anderen Seite fällt mir gerade ein, dass Mini doch irgendwo einen Geruchssinn haben muss. Ich habe irgendwann mal heimlich Schokolade gegessen und als ich zurückkam und mit Mini redete, sagte er tatsächlich "Mama Schokolade" :shock: :shock: :shock:
Gesehen und gehört kann er es nicht haben. Das fiel mir gerade wieder ein. Vielleicht scheinen ihn schlechte Gerüche tatsächlich nicht zu stören und schöne nicht zu beeindrucken? Er geht auch nach mir ins Bad wenn ich frisch Deo gesprüht habe - alle anderen könnten das gar nicht riechen, weil es in Augen, Nase und Lunge brennen würde...
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Beitragvon elke bernau » 21.02.2017, 07:42

Hallo Ronja-und-Mini,

die Essensverweigerung kann genauso von der Konsistenz, der Farbe bzw. der Vermischung der Nahrungsmittel kommen. Auch das ist für viele Menschen mit Wahrnehmungsproblemen typisch. Es muss nicht zwingend der Geruch sein.

LG elke

L. Anna
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Beitragvon L. Anna » 21.02.2017, 10:34

Ich habe hier einen Autsiten mit "feiner Nase".

Wollte aber noch sagen, sowas wie Ekel ist ja auch anerzogen und kulturell bedingt. Vielleicht ist das mit Geruchsbewertungen auch so? D.h. er nimmt zwar die unterscheidlichen Gerüche wahr, bewertet sie aber nicht?

Das Geruchsmemory ist eine gute Idee, aber du kannst ihn ja auch einfach mal fragen, ob es riecht/wonach es riecht und wie er den Geruch findet, ob er ihn mag oder nicht (sofern er ihn wahrnimmt).

Also z.b. an einer starken Blume riechen lassen, draussen riechen, wenn es wieder nach Gülle riecht, auf dem Klo riechen, Parfüm etc...auch nach dem Sport kann man ja fragen, ob Mama und Papa jetzt anders riechen als sonst?

Dann weisst du zumindest, ob der die unterschiedlichen Gerüche bemerkt, und vielleicht kann er sogar sagen, welche Gerüche er persönlich mag (und das muss nicht der "Norm" entsprechen!).

Lynkas
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Beitragvon Lynkas » 21.02.2017, 10:40

Hallo Ronja,
bei mir ist es so, dass ich auf manche Gerüche hypersensibel - sehr stark - reagiere (Burger von McD :lol: , bestimmte Putzmittel, Geruch von nass gewordenen Kleidern...) andere Gerüche, die für Menschen ohne meine Behinderung z.T. unerträglich sind, lassen mich ziemlich kalt - das ist z.B. aufgefallen, als ich im medizinischen Bereich gearbeitet habe: anderen Leuten wurde von bestimmten Gerüchen so übel, das sie fast umkippten, ich stand immer noch aufrecht. Auch beim Essen fällt mir auf, dass ich Manches eher schlecht rieche, da streue ich dann immer (zu) viel Salz/Würzmittel drauf. Bei anderen, z.B. bei süßen Nahrungsmitteln oder bei Bananen, lässt mich der Geruch schon würgen (bei Bananen schon der Gedanke)....Oder wenn jemand Zwiebeln gegessen hat: das rieche ich noch Tagelang an der Kleidung. Oder vorhin gerade: vor zwei Tagen Tomatensoße gekocht, ich rieche es immer noch im Flur, obwohl mehrfach die Fenster auf waren und auch andere Sachen gekocht worden sind.
Was ich sagen will: die Sensibilität für Gerüche/Geschmäcker kann bei Autisten gleichzeitig in beide Extrema gehen.
Lynkas grüßt.
ehemaliges Frühchen, Intestinale neuronale Dysplasie, ösophageale Motilitätsstörung, Malassimilationssyndrom, Athetose/Dystonie, Skoliose, Knochenmarkinsuffizienz, HF Autismus, sensorische Integrationsstörung

silvs
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Beitragvon silvs » 21.02.2017, 11:58

Hallo,

habe hier 2 2 kleine Mäuse bei denen es sehr unterschiedlich ist.

E., diagnostiziert, hat ein feines Gehör und eine gute Nase, würde ich sagen. Nicht ins Extreme gehend. Oder sie kann es einfach nicht so zeigen, oder es stört sie nicht.
Dafür ist sie beim Essen "mäkelig". Es darf sich nichts berühren, es muss immer gleich schmecken und aussehen, ... Fleisch muss eine bestimmte Knsistenz haben.

S., noch nicht diagnostiziert, hat irgendwie alles. Wir scherzen immer mit ihr. Sie hat Augen wie ein Adler, Ohren wie ein Lux und mit ihr könnte man im Herbst wahrscheinlich losziehen und Trüffel suchen (und finden). Sie hört und riecht alles. Zahnpasta, die von uns Großen die sie nicht mag, auf einen Meter nach dem Putzen und Ausspülen. Ich habe letztens einen Schluck Limo getrunken, Flasche zu ab in den Kühlschrank, Gals in den Geschirrspüler. Kind kam rein und sagte, dass es süß riechen würde. Nach Bonbons. Ich muss dann immer wieder staunen.
Andererseits sind manche Gerüche/Geräusche wirklich schlimm für sie. Ich habe eine zeitlang nur gesaugt wenn sie nicht zu Hause war, da sie (beide) immer am Brüllen waren sobald das Gerät an war und sich auch erstmal nicht mehr beruhigen ließen.
Beim Essen ist es bei ihr dafür unkomplizierter und sie probiert manchmal sogar Neues.

LG.
silvs
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E. ('11) ASSund ein schlaues Bienchen
S. ('11) Diagnostik folgt

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Beitragvon lilli227 » 21.02.2017, 22:48

Hallo,

Tatsächlich sagt mein Sohn seit einigen Monaten immer wieder, dass er nichts riecht. Wir haben öfter mal "getestet" und oft sagt er dann, dass er nichts riecht. Allerdings gibt es sehr starke Gerüche die er schon wahrnimmt.
Ich hab auch mit ihm gesprochen, ob es ihn stört und er meinte "nein". Er sagt auch, dass er aber schmecken kann.
Bisher hat es keinen negativen Einfluss, deshalb nehmen wir es einfach so hin.

Lg
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Sohn 09 -- Asperger und ADHS
Tochter 13

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Beitragvon Leela » 22.02.2017, 19:15

Hi,
wenn er nicht riechen könnte, würde er den Geschmack von Lebensmitteln nicht unterscheiden können, d.h. er würde mit geschlossenen Augen nicht sagen können, was er isst, wie wenn man bei Erkältung manchmal komplett verstopfte Nase hat. Dann kann man allenfalls sagen, ob es süß oder salzig ist, die unzähligen Aromen kann man aber nicht wahrnehmen.
LG
Sohn geb. Juni 2013 (5 Wochen zu früh, nach vorz. Blasensprung), Hirnblutung.
leicht entwicklungsverzögert
V.a. NF1 (cal)

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lisa08
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Beitragvon lisa08 » 22.02.2017, 19:54

S., noch nicht diagnostiziert, hat irgendwie alles. Wir scherzen immer mit ihr. Sie hat Augen wie ein Adler, Ohren wie ein Lux und mit ihr könnte man im Herbst wahrscheinlich losziehen und Trüffel suchen (und finden). Sie hört und riecht alles. Zahnpasta, die von uns Großen die sie nicht mag, auf einen Meter nach dem Putzen und Ausspülen. Ich habe letztens einen Schluck Limo getrunken, Flasche zu ab in den Kühlschrank, Gals in den Geschirrspüler. Kind kam rein und sagte, dass es süß riechen würde. Nach Bonbons. Ich muss dann immer wieder staunen.
Andererseits sind manche Gerüche/Geräusche wirklich schlimm für sie. Ich habe eine zeitlang nur gesaugt wenn sie nicht zu Hause war, da sie (beide) immer am Brüllen waren sobald das Gerät an war und sich auch erstmal nicht mehr beruhigen ließen.
Beim Essen ist es bei ihr dafür unkomplizierter und sie probiert manchmal sogar Neues.

LG.
Hallo,

so in etwa ist es bei mir auch (ich habe eine diagnostizierte ASS) .. gerade Zahnpasta (und alles andere, was in die Richtung Körperpflege/Kosmetikprodukte geht) finde ich absolut schlimm und rieche das auch 10 Meter "gegen den Wind." :wink: Da sind Produkte ohne jegliche Duftstoffe eine echte Entlastung ... (als Kind habe ich mich beim bloßen Geruch von einem bestimmten Shampoo übergeben)

LG,
Lisa
Selbstbetroffen: Faktor VII-Mangel, heterozygote Faktor V-Leiden-Mutation, von-Willebrand-Syndrom (Typ 1), strukturelle Epilepsie, Autismus, SBA 80 GdB


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