Haben eure Kinder Freunde?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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LjubaK
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Haben eure Kinder Freunde?

Beitragvon LjubaK » 19.02.2017, 13:42

Hallo!
Der Titel sagt eigentlich schon alles. Ich möchte gerne wissen, ob eure Kinder (gleichaltrige) Freunde haben...
Mein Sohn hat Probleme Freunde zu finden. Er ist so ein lustiger Kerl, kann aus dem Handgelenk unzählige Witze schütteln, schafft es eine Gruppe Erwachsener zu unterhalten, seine Lehrer haben den größten Spaß mit ihm, aber mit Kindern in seinem Alter kann er kaum Kontakte knüpfen...
Liegt es an seiner Körperbehinderung? Er kennt kein einziges Kind, das auf die gleiche Weise eingeschränkt ist wie er, mit dem er sich vielleicht austauschen könnte.
Wir leben in Österreich am Land, das gibt es auch keine Möglichkeiten Kinder mit ähnlichen Einschränkungen kennenzulernen und mit ihnen etwas zu unternehmen.
Er unternimmt sehr gerne etwas und es tut mir Leid, dass da niemand ist, mit dem er sich treffen könnte. Jetzt kommt ja auch das Alter, in dem die Kids auch gern mal ohne die Eltern etwas unternehmen... Aber das ist momentan nicht drin ...
Wie machen das eure Kinder?
Großer Bruder Leo (27+1), geb. 20. 09. 2003 Wahrnehmungsstörungen mit Zwillingsbruder Mateo (unser Schutzengel im Himmel)
kleiner Bruder Oli (30+2), geb. 30.11. 2004, PVL, ICP, spastische Diparese
kleine Schwester Mina (38+0), geb. am 19. 03. 2014, unser Wunder nach 26 Wochen Liegeschwangerschaft

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 19.02.2017, 17:06

Meine Söhne haben beide keine Freunde. Bei meinem jüngeren Sohn nicht weiter verwundertlich, denn er ist mit sich selbst komplett zufrieden. Obwohl er in seinem Kindergarten einige ebenfalls gehörlose Kinder hätte, und dort genereall alle seine Sprache (ÖGS) sprechen, sucht er von sich aus keine Kontakte. Dabei ist er durchaus gerne unter Kindern und geht auch gerne in den Kindergarten. Aber dort macht er am liebsten inmitten einer Horde Kinder fröhlich "sein" Ding.

Bei meinem älteren Sohn ist es komplizierter. Er ist vermutlich hochbegabt (nicht getestet, aber ich bin es auch und die Entwicklungsdiagnostik legt es auch nahe) und allen Gleichaltrigen, die wir bisher näher kennengelernt haben, kognitiv um Längen voraus. Als er noch im Kindergarten war hatte er seine "Freunde" (wie er sie selbst nannte) vor allem unter den jüngeren Kindern. Jetzt ist er Erstklässler in einer Mehrstufenklasse.Dort fällt vor allem auf, dass seine Frusttoleranz sehr gering ist und dass er große Schwierigkeiten damit hat, sich an allgemein gültige Regeln zu halten.

Mit Freundschaft-schließen steht er sich in erster Linie selbst im Weg. Obwohl ich durchaus den Eindruck habe, dass etliche andere Kinder ihn akzeptieren oder sogar mögen, wehrt er alle Angebote von ihnen ab. Am liebsten verkriecht er sich in ein Comic oder Buch oder versucht z.B. mit den Hortbetreuern zu spielen statt mit den anderen Kindern. Bei ihm ist auch schon Autismus im Raum gestanden (von Seiten der Hortpsychologin), aber das kann ich mir nicht so recht vorstellen. Ich vermute eher, dass er einfach in sozial-emotionalen Bereichen "hinten" ist und nicht so recht weiß, wie er sich verhalten soll. Dabei kann er durchaus normal auf andere Kinder zugehen, aber sobald diese Interesse an ihm zeigen quatscht er sie entweder nieder oder zieht sich zurück. Für ihn würde ich mir sehr wünschen, dass er endlich Freunde findet. Denn im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder kommt mir bei ihm vor, dass er - zumindest zeitweise - unter seiner selbst gewählten Isolation leidet.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Chaosmarie
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Beitragvon Chaosmarie » 19.02.2017, 17:46

Unser Kind hat keine Freunde. Es wird zwar von den Freundinnen der großen Schwester akzeptiert und läuft oft einfach mit, aber das sind eben keine eigene Freunde. Vor ein paar Monaten kam der Wunsch auf, eine eigene Freundin zu finden, aber es fehlen Ideen und Strategien zur Umsetzung des Wunsches. Sympathische Kinder aus der Schule einzuladen wird abgelehnt.

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

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Beitragvon Sonja40 » 19.02.2017, 22:20

Hallo

Meine Kids haben auch keine Freunde

Sind jedoch überglücklich 😊So wie es ist
Man kann sich nichts erzwingen
Liebe Grüße Sonja

Sonja 21.05.72
Töchterchen Michaela (Ela) 20.01.90

Stoffwechselerkrankung , Chronischer Reflux ,Chronische Gastritis ,Epilepsie, PEG,schwere Anemie ,Skiliose,Lungenunterfunktion,Dauersondierung über Ernährungspumpe ,Mikro Aspirationen



Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln....

ariana05

Beitragvon ariana05 » 19.02.2017, 23:18

Hallo,
nein, mein kleiner Sohn hat nicht wirklich Freunde, er leidet da sehr drunter, hat aber leider alle, Kinder und Eltern, mit seinem Verhalten abgeschreckt.

Der Große, geht gerade frisch auf die Pubertät zu, könnte sich viel mit Freunden treffen, ist aber irgendwie zu bequem und "chillt" lieber zu Hause. Er hat sich auch noch nie gerne auswärts verabredet

So habe ich beide meist zu Hause :roll: , damit sie sich dann schön streiten können :?

LG,
Ariana

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Sonja40
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Beitragvon Sonja40 » 20.02.2017, 07:41

Arianes mein Sohn Timo ist auch ein außergewöhnlicher Bub
Wo kommt ihr her,vielleicht können Sie dann alle zusammen Streiten 😀
Meine Tochter ist ne ganz stille :?
Liebe Grüße Sonja



Sonja 21.05.72

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Beitragvon Alexandra2014 » 20.02.2017, 09:41

Lisaneu hat geschrieben:Meine Söhne haben beide keine Freunde. Bei meinem jüngeren Sohn nicht weiter verwundertlich, denn er ist mit sich selbst komplett zufrieden. Obwohl er in seinem Kindergarten einige ebenfalls gehörlose Kinder hätte, und dort genereall alle seine Sprache (ÖGS) sprechen, sucht er von sich aus keine Kontakte. Dabei ist er durchaus gerne unter Kindern und geht auch gerne in den Kindergarten. Aber dort macht er am liebsten inmitten einer Horde Kinder fröhlich "sein" Ding.

Bei meinem älteren Sohn ist es komplizierter. Er ist vermutlich hochbegabt (nicht getestet, aber ich bin es auch und die Entwicklungsdiagnostik legt es auch nahe) und allen Gleichaltrigen, die wir bisher näher kennengelernt haben, kognitiv um Längen voraus. Als er noch im Kindergarten war hatte er seine "Freunde" (wie er sie selbst nannte) vor allem unter den jüngeren Kindern. Jetzt ist er Erstklässler in einer Mehrstufenklasse.Dort fällt vor allem auf, dass seine Frusttoleranz sehr gering ist und dass er große Schwierigkeiten damit hat, sich an allgemein gültige Regeln zu halten.

Mit Freundschaft-schließen steht er sich in erster Linie selbst im Weg. Obwohl ich durchaus den Eindruck habe, dass etliche andere Kinder ihn akzeptieren oder sogar mögen, wehrt er alle Angebote von ihnen ab. Am liebsten verkriecht er sich in ein Comic oder Buch oder versucht z.B. mit den Hortbetreuern zu spielen statt mit den anderen Kindern. Bei ihm ist auch schon Autismus im Raum gestanden (von Seiten der Hortpsychologin), aber das kann ich mir nicht so recht vorstellen. Ich vermute eher, dass er einfach in sozial-emotionalen Bereichen "hinten" ist und nicht so recht weiß, wie er sich verhalten soll. Dabei kann er durchaus normal auf andere Kinder zugehen, aber sobald diese Interesse an ihm zeigen quatscht er sie entweder nieder oder zieht sich zurück. Für ihn würde ich mir sehr wünschen, dass er endlich Freunde findet. Denn im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder kommt mir bei ihm vor, dass er - zumindest zeitweise - unter seiner selbst gewählten Isolation leidet.


Das sich nicht an allgemeingültige Regeln halten können und das niederquatschen anderer Kinder könnten in der Tat erste Hinweise in Richtung Asperger Autismus sein. Diese sind meist ja auch hb, zumindest aber teilhochbegabt.

Gruß
Alex

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Beitragvon IlonaN » 20.02.2017, 10:00

Meine Tochter wünscht sich schon Freunde, kann die aber nicht halten- da nach kurzer Zeit das von der Gegenseite erwartete Handeln bzw. Beziehungsmuster zu eng für sie wird. Das hält sie nicht durch. Dadurch fühlt sie sich sehr oft einsam.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Beitragvon Lumoressie » 20.02.2017, 10:07

Unsere Pflegetochter ist 8, sehr hörbehindert, hat eine operierte Lippen-Kinder-Gaumen-Nasenspalte, nur ein Ohr, nur ein funktionierendes Auge und hat haufenweise Freunde. Mädchen, Jungs, Gleichaltrige, Ältere, Jüngere...
Bei behinderten Kindern muss man darauf achten, dass sie in den Augen der anderen Kinder irgendetwas Attraktives bieten. Das hilft zunächst mal beim Kennenlernen und lässt die anderen Kinder die “Unzulänglichkeiten“ des behinderten Kindes schneller vergessen.
Wir haben einen großen Garten mit Schaukel, Sandkasten, Trampolin etc. und lassen die Nachbarskinder darin spielen.
Wir haben ein zusätzliches Fahrrad, zusätzliche Inlineskates, ein Spielzimmer.
Früher sind wir einfach rausgegangen und haben tolle Sachen gespielt und dann andere Kinder mitmachen lassen. Oder gebastelt, gebacken, was auch immer.
Natürlich werden davon auch Kinder angelockt, die nur mit dem Sachen spielen wollen oder mit mir und keine Freunde meiner Pflegetochter werden.
Aber die bleiben irgendwann weg und die richtigen Freunde nicht.
Ich muss schon lange nicht mehr mitspielen oder animieren, aber für den Anfang war das gut.
Bei uns steht die Klingel selten still und ich habe schon viele Beschwerden darüber gehört, dass Pflegetochter jetzt in den Hort geht und daher nicht mehr so viel Zeit hat.

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r.bircher
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Beitragvon r.bircher » 20.02.2017, 12:17

Hallo zusammen

Eigentlich wollte ich schon gestern auf diesen Beitrag antworten. Aber es kam mir noch ein wichtiger Chat dazwischen. Ich möchte mal als Selbstbetroffener etwas zu dem Thema sagen.

Auch ich hatte lange keine eigenen Freunde, bzw. verlor sie als ich in die Sonderschule wechselte. Mir wurde dann immer wieder gesagt, dass es nicht so einfach ist, als Behinderter Kontakte zu knüpfen. Ausserdem hat man in einem Dorf nur eine Chance. Entweder es klappt, und man ist dabei, oder es klappt nicht. Deswegen hatte ich einen riesen Respekt vor der ersten Kontaktaufnahme. Ich versuchte es erst mal im Jugendtreff. Dort wurde ich zwar gut aufgenommen, war aber nicht meine Welt. Ich weiss noch gut, als ich ein paar Jugendliche in meinem Alter Basketball spielen sah. Ich ging hin, da fragte der eine, "Willst du auch mal werfen." Vom Einwerfen ging es zum Spielen über und am Ende meinten die Jungs nur: "Morgens um 6 wieder hier, ok?" Sie bissen also nicht und schon bald gehörte ich zum Kern der Truppe. Wichtig ist also etwas Mut zu zeigen. es kommt einem niemand holen, nur weil man Behindert ist.

Auch wichtig ist dass man über seine Behinderung informieren kann. Denn gerade Kinder und Jugendliche haben Fragen. Diese kommen aber meist erst, wenn man sich schon etwas kennt.

Manchmal ist es auch so, dass die Nichtbehinderten nicht trauen, auf einem Zuzugehen, Einfach weil es ihnen fremd ist. Ein Kollege von mir, der über mich eine Diplomarbeit schrieb hat seine erste Begegnung mit mir ganz eindrucksvoll beschrieben. Er war damals 13, ich 14. Er sah mich an einem Heimspiel wie ich die Mannschaft anfeuerte. Von da weg galt seine ganze Aufmerksamkeit mir. "Wie heisst er, was hat er, was macht er bei uns im Club" Seine Eltern konnten ihm mein Namen nennen, und ihm was von mir erzählen. Er wollte mich daraufhin eigentlich ansprechen, aber ihm fehlte der Mut. Erst viel Später sprach er mich dann an. Manchmal geht's auch nur drum, das Eis zu brechen.

Etwas muss ich allerdings auch sagen. Egal wie gut man integriert ist, man wird immer etwas spezielles bleiben. Denn gleich wie die anderen kann man halt einfach nicht sein.

Gruss Raphael
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