Endlich Diagnose: Atypischer Autismus!

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Ronja-und-Mini
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Endlich Diagnose: Atypischer Autismus!

Beitragvon Ronja-und-Mini » 02.02.2017, 15:44

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich konnte schon länger nicht mehr online sein. In dem Forum bin ich seit Anfang 2014 angemeldet und da wurde gerade durch einige Untersuchungen der erste Verdacht auf Autismus geäußert. (Der Thread dazu, falls es jmd interessiert, ist hiernachzulesen).

Lange Zeit schwebte dieser "Zustand" immer über uns. Immer hieß es "Verdacht", wobei ich am Anfang diesen Verdacht gerne verdrängt habe und nicht richtig akzeptieren konnte und fast wahnsinnig geworden bin bei dem Gedanken daran nachts, wenn ich im Bett lag. Im Laufe der Jahre habe ich mich immer mehr daran gewöhnt und irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich es vollständig akzeptiert hatte, ja sogar sehr froh darüber war, dass wir nun wussten, was dem Kleinen fehlt. Mittlerweile habe ich überhaupt kein Problem mehr damit (außer natürlich, dass man oft verzweifelt ist, wenn ein Anfall kommt o.ä.).

Dadurch, dass ich schwer chronisch erkrankt bin und auch der Mini sehr oft krank war (Atemwegsinfektionen) und operiert werden musste (Polypenentfernung & Paukenröhrchen), musste der Diagnosetermin immer wieder verschoben werden. Nun kommen wir frisch aus der Kinderklinik (wo noch andere Untersuchungen stattfanden), in der Hand endlich die offizielle Diagnose durch den KJP.

Wir haben bisher noch keine Pflegestufe (jetzt ja -grade) beantragt und hoffen, dass wir das jetzt in Angriff nehmen können. Wir sind zuhause alle durch und durch fertig. Der Untersuchungsmarathon hat wohl hoffentlich ein Ende jetzt, denn der Klinikaufenthalt war für den Mini wieder traumatisierend.

Die Genanalyse (CGH-Array) steht noch aus; er soll noch auf fragiles X-Syndrom und Mikrodeletionen getestet werden.

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Kurzes Profil bzw. Resultat der Untersuchung von Mini (kürzlich 4 Jahre geworden, geht in den Regelkindergarten mit Integrationskraft, ist oft hyperaktiv)

- atypischer Autismus mit Tendenz leicht eher Richtung Asperger als Kanner

- Autismus besteht zwar seit Geburt, jedoch ist er in einigen Punkten nur mild betroffen

- Sprache & Motorik sowie die allgemeine Entwicklung ca. 1 Jahr verzögert

- spricht bis zu 5-Wort-Sätze, auch passend zur Situation, wenn auch von Aussprache und Grammatik komplett falsch, keine erfundene Sprache, ist einigermaßen zu verstehen (daher wurde er nicht mit frühkindlichem diagnostiziert)

- antwortet auf Ja/Nein-Fragen, jedoch nicht auf Warum/Wie/Weshalb. Kann von sich aus keine Geschichte/längere Zusammenhänge erzählen (z.B. nicht die Situation auf einem Bild beschreiben, was er dort an Dingen sieht. Einzelne Gegenstände auf Karten benennt wer jedoch einwandfrei).

- führt leichte Rollenspiele (in dem Fall einfaches Imitieren von Situationen) durch

- hat beim Logik-IQ-Test gut abgeschnitten (altersentsprechend, in einigen Punkten leicht überdurchschnittlich)

- wenig Blickkontakt nach Ansprache, ignoriert einen über lange Zeiträume, teilweise stereotypisches Verhalten und Ticks, schlimme Wutausbrüche und Ausraster, wenn seine Routine durchbrochen wird. Kann komplett neue Situationen/Umgebungen sehr gut vertragen, jedoch nicht, wenn ihm bekannte Umgebungen durcheinander gebracht werden.

- starkes Händewedeln, wenn er sich freut (und das ist oft der Fall)

- keine Freunde im Kindergarten und strebt auch selten den Kontakt an, wenn doch, dann ungeschickt, indem er mitten ins Spiel platzt, Kinder umrempelt (er ist sehr tollpatschig), an den Haaren zieht oder haut/beißt. Laut Integrationskraft ist er vom Naturell aus aber kein aggressives Kind, und führt diese verletzenden Handlungen nicht mit böser Absicht durch

- hat ein super Gedächtnis und ein Faible für Zahlen, Buchstaben, technische Abläufe (er baut zuhause aus Haushaltsgegenständen Konstruktionen, wo einem die Spucke wegbleibt, und lässt seine geliebten Murmeln durchlaufen), alles was rollt und glänzt.

- spielt von sich aus keine interaktiven Spiele und möchte auch nicht, dass wir Eltern oder jemand anderes mitspielt

- kann sich nicht selber an- und ausziehen, nicht alleine versorgen, ist noch nicht trocken und trägt Windeln, verweigert fast alles an Essen

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Bisher bekommt er Frühförderung und Logopädie.
Die Frühföderung soll nun wegfallen und er soll ins ATZ wechseln. Logopädie weiter beibehalten, ggf. irgendwann Ergotherapie, falls es ihm nicht zu viel wird.

Ich berichte hier weiter, was sich bei uns so alles tut und werde bestimmt die eine oder anderer Frage an euch erfahrene Hasen stellen müssen! :-)
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)

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Lisaneu
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Re: Endlich Diagnose: Atypischer Autismus!

Beitragvon Lisaneu » 02.02.2017, 17:06

Hallo Ronja,

schön, hier von einem Kind zu lesen, das meinem in vielen Punkten sehr ähnlich ist :D . Bei meinem Sohn (4,6 Jahre alt) kommt noch angeborene Gehörlosigkeit dazu. Ansonsten bin ich erstaunt, was unsere Kinder so gemeinsam haben.

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- Autismus besteht zwar seit Geburt, jedoch ist er in einigen Punkten nur mild betroffen


genau dasselbe


Ronja-und-Mini hat geschrieben:- Sprache & Motorik sowie die allgemeine Entwicklung ca. 1 Jahr verzögert


Sprache (Gebärdensprache) ca 1,5 Jahre verzögert, Motorik und allgemeine Entwicklung im Durchschnitt altersgemäß

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- spricht bis zu 5-Wort-Sätze, auch passend zur Situation, wenn auch von Aussprache und Grammatik komplett falsch, keine erfundene Sprache, ist einigermaßen zu verstehen (daher wurde er nicht mit frühkindlichem diagnostiziert)


Ganz ähnlich - nur sind es bei meinem Sohn eben Sätze mit bis zu 5 Gebärden.

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- antwortet auf Ja/Nein-Fragen, jedoch nicht auf Warum/Wie/Weshalb. Kann von sich aus keine Geschichte/längere Zusammenhänge erzählen (z.B. nicht die Situation auf einem Bild beschreiben, was er dort an Dingen sieht. Einzelne Gegenstände auf Karten benennt wer jedoch einwandfrei).


1:1 dasselbe! Kann z.B. die Gebärde für "Tisch" oder "Pferd" korrekt und auch auf Karten korrekt das zeigen, was gebärdet wurde. Aber wenn das Pferd auf dem Tisch steht dann ist das irgendwie zu viel input...

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- führt leichte Rollenspiele (in dem Fall einfaches Imitieren von Situationen) durch


Dasselbe!

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- hat beim Logik-IQ-Test gut abgeschnitten (altersentsprechend, in einigen Punkten leicht überdurchschnittlich)


In Logik ist mein Sohn super-gut - laut Test im HB-Bereich und in Kombi mit dem, was ich täglich beobachte, sogar noch besser (Deckelung). Jedenfalls ist er das einzige Kind in dem Alter, das ich kenne, das einen echten Zahlenbegriff bis mindestens 1000 hat. Im Durchschnitt aber genau altersentsprechend, wobei ihn aber bei manchen Karten, die er nach Motiven sortieren sollte, die winzig aufgedruckten Zahlen abgelenkt haben. Vermutlich wäre er in diesen Untertests tatsächlich besser, als er gezeigt hat.

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- wenig Blickkontakt nach Ansprache, ignoriert einen über lange Zeiträume, teilweise stereotypisches Verhalten und Ticks, schlimme Wutausbrüche und Ausraster, wenn seine Routine durchbrochen wird. Kann komplett neue Situationen/Umgebungen sehr gut vertragen, jedoch nicht, wenn ihm bekannte Umgebungen durcheinander gebracht werden.


Ganz genau dasselbe!

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- starkes Händewedeln, wenn er sich freut (und das ist oft der Fall)


Das mal nicht :wink: .

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- keine Freunde im Kindergarten und strebt auch selten den Kontakt an, wenn doch, dann ungeschickt, indem er mitten ins Spiel platzt, Kinder umrempelt (er ist sehr tollpatschig), an den Haaren zieht oder haut/beißt. Laut Integrationskraft ist er vom Naturell aus aber kein aggressives Kind, und führt diese verletzenden Handlungen nicht mit böser Absicht durch


Ganz genau dasselbe! Eine Zeitlang ist er im Kindergarten anderen Kindern und Pädagoginnen mit den Fingern in die Augen gefahren. Auch Beiß-Phasen gab es schon. Aber agressiv ist er nicht. Mir kommt eher vor er wartet auf die Reaktion der anderen.

Wobei ich bei meinem Sohn beobachte dass er gerne inmitten einer Horde Kinder ALLEIN "sein Ding" macht.

Ronja-und-Mini hat geschrieben:- hat ein super Gedächtnis und ein Faible für Zahlen, Buchstaben, technische Abläufe (er baut zuhause aus Haushaltsgegenständen Konstruktionen, wo einem die Spucke wegbleibt, und lässt seine geliebten Murmeln durchlaufen), alles was rollt und glänzt.


Ganz genau dasselbe! Kugelbahn ist super! Seinen Namen (9 Buchstaben) konnte mein Sohn mit 3 Jahren und 3 Monate OHNE ÜBEN aus dem Gedächtnis schreiben. Und Zahlen sind sowieso DER Renner. Eine Zeitlang ging Sohnemann mit einem 5-Meter-Rollmaßband schlafen :P .


Ronja-und-Mini hat geschrieben:- spielt von sich aus keine interaktiven Spiele und möchte auch nicht, dass wir Eltern oder jemand anderes mitspielt


Was meinst du mit "interaktive Spiele"`? Auf elektronischen Medien oder in Interaktion mit anderen. Auf Medien (Tablett, PC, Handy) spielt mein Sohn sehr gerne. Interaktiv mit anderen (z.B. verstecken unter der Bettdecke) ist erst seit ein paar Monaten aktuell, früher hatte er daran kein Interesse.


Ronja-und-Mini hat geschrieben:- kann sich nicht selber an- und ausziehen, nicht alleine versorgen, ist noch nicht trocken und trägt Windeln, verweigert fast alles an Essen


Mein Sohn kann sich selbst ausziehen und TEILWEISE selbst anziehen. Trocken ist er nicht, er trägt noch Windeln und hat auch keinerlei Interesse, daran was zu ändern.

Mit Essen ist es ganz anders als bei euch. Sohnemann könnte sich vermutlich komplett selbst versorgen, er stellt einfach Stühle als Kletterhilfen vor die Kästen, wo das Essen ist, oder vor den Kühlschrank, und holt sich, was er mag. Auch kochen interessiert ihn und er hilft gerne mit. Generell hat essen einen hohen Stellenwert.

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Ronja-und-Mini hat geschrieben:Bisher bekommt er Frühförderung und Logopädie.
Die Frühföderung soll nun wegfallen und er soll ins ATZ wechseln. Logopädie weiter beibehalten, ggf. irgendwann Ergotherapie, falls es ihm nicht zu viel wird.


Mein Sohn bekommt Frühförderung, Logopädie und Ergotherapie. Wir wechseln ab: 2 Wochen Ergo, eine Woche Logo, so wird es für ihn oder uns nicht zu viel :D .

Ronja-und-Mini hat geschrieben:Ich berichte hier weiter, was sich bei uns so alles tut und werde bestimmt die eine oder anderer Frage an euch erfahrene Hasen stellen müssen! :-)


Geht mir genauso! Bin auch ziemlich neu hier weil unsere Diagnose (Autismus) noch ziemlich "frisch" ist. Bin aber froh, jetzt eine Erklärung für manches zu haben. Ich dachte ja im Ernst mein Sohn wäre in Gebärdensprache so hinten und würde so selten Blickkontakt halten, weil ICH nicht gut genug gebärden kann. So gesehen ist mir durch die Diagnose eine Last genommen worden, auch wenn ich erst mal realisieren muss, was das in weiterer Folge bedeutet.

Jedenfalls freue ich mich, wenn ich wieder von Dir und Deinem Sohn lese! Ist schon total interessant, diese Ähnlichkeit!

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 02.02.2017, 23:09

Hallo Ronja,

freut mich, mal wieder was von Dir zu lesen. Und freut mich, dass Ihr jetzt eine stimmige Diagnose habt. :-)

Ich hoffe, Deine chronische Krankheit schränkt die Lebensqualität nicht allzusehr ein.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Ronja-und-Mini
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Re: Endlich Diagnose: Atypischer Autismus!

Beitragvon Ronja-und-Mini » 03.02.2017, 02:19

Lisaneu hat geschrieben:Hallo Ronja,

schön, hier von einem Kind zu lesen, das meinem in vielen Punkten sehr ähnlich ist :D . Bei meinem Sohn (4,6 Jahre alt) kommt noch angeborene Gehörlosigkeit dazu. Ansonsten bin ich erstaunt, was unsere Kinder so gemeinsam haben.


Hi. :hand:

Diese Ähnlichkeiten sind ja wirklich gravierend. Ist dein Sohn auch so eine Wundertüte? Jeder Tag ist eine Überraschung, wie er sich wohl verhält. Es ist überhaupt nicht einzuschätzen und oft sind wir auch einfach nur erstaunt oder verwundert. An einem Tag macht er Dinge prima mit, wo wir vorher gewettet hätten, dass das Stress gibt - und am anderen hauen ihn minimalste Kleinigkeiten um.

Wann habt ihr denn die Diagnose Autismus bekommen? Und in was für einen Kiga geht dein Kleiner? Regelkindergarten oder heilpädagogischer?


Kann z.B. die Gebärde für "Tisch" oder "Pferd" korrekt und auch auf Karten korrekt das zeigen, was gebärdet wurde.


So ist es. Einzelne Gegesntände (also wenn auf einer Karte EIN Gegenstand zu sehen ist) werden korrekt benannt oder auf Nachfrage richtig gezeigt, aber frage ihn mal, was er auf einem Wimmelbild sieht... :lol: Da weigert sich der Mini meist und dreht sich weg.

In Logik ist mein Sohn super-gut - laut Test im HB-Bereich und in Kombi mit dem, was ich täglich beobachte, sogar noch besser (Deckelung). Jedenfalls ist er das einzige Kind in dem Alter, das ich kenne, das einen echten Zahlenbegriff bis mindestens 1000 hat. Im Durchschnitt aber genau altersentsprechend, wobei ihn aber bei manchen Karten, die er nach Motiven sortieren sollte, die winzig aufgedruckten Zahlen abgelenkt haben. Vermutlich wäre er in diesen Untertests tatsächlich besser, als er gezeigt hat.


Das ist ja wirklich interessant. So in etwas erging es uns auch, wobei Sohnemann lange nicht bis 1000 zählen kann oder diese Zahlen kennt. Wir sind da erst irgendwo zwischen 30-50, allerdings kann er dies schon lange und kann mittlerweile wohl laut Kindergarten (ich selbst habe es noch nicht beobachtet zuhause) auch einfache Aufgaben rechnen; 3+5 und sowas. Er mag einfach Zahlen und Buchstaben als "Gebilde".

Auch unser Sohn wurde durch die kleinen aufgedruckten Zahlen auf den Karten beim Logiktest abgelenkt... :D er gab dann diese als Antwort und zeigte darauf.

Er war zum Schluss unkonzentriert und hat nicht mehr richtig mitgemacht, z.B. bei den Antwortmöglichkeiten, wo eine logische folgen musste in einem Quadrat mit 9 Kästchen und das 9. leer war. Am Anfang hat er alles richtig gemacht und zum Schluss sich die verschiedenen Antwortkarten gar nicht richtig mehr angeschaut und wahllos die erste gegriffen, so dass er beim Test altersentsprechend durchschnittlich abgeschnitten hat, doch auch der KJP vermutete, dass er noch höher abgeschnitten hätte, wenn er sich hätte voll konzentrieren können. Wichtig war für die Beurteilung eigentlich nur, dass der IQ in diesem Bereich eben normal zu sein scheint, sonst hätte man bei ihm wahrscheinlich eher zu frühkindlichem Autismus tendiert.

Eine Zeitlang ist er im Kindergarten anderen Kindern und Pädagoginnen mit den Fingern in die Augen gefahren. Auch Beiß-Phasen gab es schon. Aber agressiv ist er nicht. Mir kommt eher vor er wartet auf die Reaktion der anderen.


Das mit den Augen macht meiner immer noch. Auch das eine Gemeinsamkeit. Er hat irgendwie ein Faible für Augen.

Bilder mit Augen sieht er immer besonders lange an und die Karte "Augen" bei der UK in der Frühförderung will er immer mit nach Hause nehmen. Ich weiß gar nicht, warum, weil er ja eigentlich gar keinen Blickkontakt lange halten kann. Oder ist es vielleicht, weil es eben starre Bilder sind, bei denen er nichts zu befürchten hat?

Eine Reaktion bei anderen Kindern auszulösen war auch meine Vermutung und die des Kindergarten. Er mag es offensichtlich, wenn andere quietschen und quieken. Vielleicht ist es sein Versuch, eine Reaktion auszulösen, was mit Sprache nicht funktioniert. Denn er kann zwar antworten - fragen jedoch ganz selten.

Wobei ich bei meinem Sohn beobachte dass er gerne inmitten einer Horde Kinder ALLEIN "sein Ding" macht.


Das ist ja fast unheimlich jetzt. :) Dito. Wenn andere Kinder mit dem Ball spielen, rennt er dazwischen, nimmt den Ball und spielt dann IM Kreis der anderen Kinder mit sich selbst und dem Ball zum Beispiel.

Seinen Namen (9 Buchstaben) konnte mein Sohn mit 3 Jahren und 3 Monate OHNE ÜBEN aus dem Gedächtnis schreiben. Und Zahlen sind sowieso DER Renner. Eine Zeitlang ging Sohnemann mit einem 5-Meter-Rollmaßband schlafen :P .


Soweit sind wir noch nicht. Lesen kann er einzelne Wörter, aber schreiben noch nicht. Dafür kannte er mit 2 Jahren sämtliche Sonderformen von Figuren (Trapez, Raute, Hexagon oder Sechseck usw.) und Sonderfarben (hellblau, dunkelblau, türkis, silber, gold usw.) Er ist da total penibel - wenn etwas hellblau ist, ist es für ihn hellblau und nicht einfach nur blau oder so. Alle Farben erhalten bei ihm ein hell oder dunkel vorangestellt.

Was meinst du mit "interaktive Spiele"`? Auf elektronischen Medien oder in Interaktion mit anderen. Auf Medien (Tablett, PC, Handy) spielt mein Sohn sehr gerne. Interaktiv mit anderen (z.B. verstecken unter der Bettdecke) ist erst seit ein paar Monaten aktuell, früher hatte er daran kein Interesse.


Auf dem Handy und Tablet spielt er sehr gerne. Ich meine mit interaktiv ein Spiel, wo andere Personen mitspielen. Wir haben z.B. ein Spiel, wo vier Frösche gegenüber sind und Kugeln in der Mitte. Jeder Spieler bekommt einen Frosch auf den er drücken muss, dann schnappt er nach vorne und schnappt sich eine Kugel. Aber wir dürfen nicht mitspielen. Sohnemann bespielt lieber alle 4 Frösche nacheinander allein und geht dann reihum und bedient alle. Was ich machen darf, ihm die Kugeln aus dem Behälter rausfischen und wieder in die Mitte packen! :lol:
Verstecken hat er schon immer gern gespielt, oder fangen/jagen. Bei sowas dürfen wir auch mitspielen. Da brauch er uns ja auch zwingend für. :D

Mit Essen ist es ganz anders als bei euch. Sohnemann könnte sich vermutlich komplett selbst versorgen, er stellt einfach Stühle als Kletterhilfen vor die Kästen, wo das Essen ist, oder vor den Kühlschrank, und holt sich, was er mag. Auch kochen interessiert ihn und er hilft gerne mit. Generell hat essen einen hohen Stellenwert.


Das Paradoxe ist, er isst riesen Mengen, wenn er etwas findet, das er mag. Er schlingt dann in Massen alles herunter und verdrückt Portionen, bei denen einem Erwachsenen schlecht werden würde. Er redet auch den ganzen Tag schon fast zwanghaft vom Essen. Aber es gibt eben nicht viel, DAS er isst. Es beschränkt sich - leider - im Großen und Ganzen auf Kohlenhydrate. :?
Also Nudel & Kartoffeln ohne alles, Kekse, Brötchen und so ein Kram. Donuts sind seine Leibspeise, besonders mit bunten Streuseln. Und Teewurst liebt er - den einzigen Belag, den er auf seinem Brot akzeptiert. Mit viel Glück isst er MAL ne Scheibe Käse oder ne Banane. Fleisch und Gemüse wird in der Regel komplett verweigert. Aus Verzweiflung bekommt er nun Quetschies, damit überhaupt irgendwas "Gesundes" in seinem Magen landet. Diese isst er dann auch. Im Moment ist er noch schlank, aber die letzten Monate hat er gut zugelegt (vorher war er eher schmal) aber wer weiß wie lange das noch so bleibt bei den Mengen an Zucker... von der Unruhe, die dieser bestimmt bewirkt, ganz zu schweigen.


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Engrid hat geschrieben:Hallo Ronja,

freut mich, mal wieder was von Dir zu lesen. Und freut mich, dass Ihr jetzt eine stimmige Diagnose habt. :-)

Ich hoffe, Deine chronische Krankheit schränkt die Lebensqualität nicht allzusehr ein.

Grüße


Huhu! Schön, DICH zu lesen. Du hast immer top Ratschläge zu allem parat. Du bist sowas wie ein wandelndes Autismus-Lexikon, das finde ich so toll. Wollte ich mal gesagt haben. Von dir habe ich schon so oft super Tipps bekommen!

Leider bin ich durch die Erkrankung schubweise sehr eingeschränkt. Ich habe vor anderthalb Jahren ein unerkanntes Pfeiffersches Drüsenfieber mit anschließender Lungenentzündung nicht richtig auskurieren können und seitdem leide ich unter schlimmsten Erschöpfungszuständen, rheumatischen Schüben, Schmerzen in den Beinen beim Laufen und einem kaputten Immunsystem, das sich immer wieder selbst angreift, da es damals nach der Ersterkrankung nie wieder richtig runtergefahren ist. Seit einem Jahr bin ich nun jede Woche krank - Erkältungen wechseln sich mit Bronchitis und Mandelentzündungen ab.

Ich bin zurzeit in Behandlung, aber die Ärzte wissen selber nicht genau, was ich habe bzw. wie man helfen kann. Es wurde mittlerweile das CFS (chronisches Fatiguesyndrom) vermutet - in Kombination mit einem pflegebedürftigen Kind wirklich ein worst case (für uns). Wir gehen hier alle sowas von am Limit (Männe kriegt auch bald Ärger auf der Arbeit, wenn es so weitergeht, dass er mal hier mal dort fehlen muss), deswegen muss ich jetzt dringend für Mini den Pflegekram beantragen und hoffen, dass wir überhaupt einen Pflegegrad bekommen (an einem guten Tag erfüllt er sicherlich einige Auflagen nicht). Dann muss ich mal schauen, ob ich auch irgendwas bekommen kann.Und zu guter Letzt würde ich gern mit Mini in MuKi-Kur fahren, aber ich weiß nicht, ob ich das packe physisch. Ich geh jetzt schon auf dem Zahnfleisch, wenn Mini mal nicht seine 6h im Kiga ist. Mal schauen, was das Jahr für uns noch bereit hält :)

LG zurück!
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 03.02.2017, 12:09

Hallo Ronja,

die Diagnose Autismus haben wir vor einigen Monaten bekommen. Wir wohnen in Wien, aber da Sohn nur Gebärdensprache kann hat er die Entwicklungsdiagnostik (wo eben Autismus rauskam) im KH der barmherzigen Brüder in Linz gemacht. Es waren zwei Termine und wir hatten bei beiden Glück, denn er war motiviert und hat schön mitgemacht, was längst nicht immer und überall der Fall ist. Dazu muß ich aber auch sagen dass die Ärzte dort wirklich sehr nett waren und voll auf ihn eingegangen sind.

Mein Sohn geht in einen integrativen zweisprachen Kindergarten mit Gebärdensprache und deutsch. Der Großteil der Kinder ist gesund und diejenigen Kinder, die ein Handycap haben, sich hörgeschädigt (also schwerhörig oder gehörlos). Es sind auch einige hörende Kinder gehörloser Eltern in diesem Kindergarten. Die Pädagoginnen können alle Gebärdensprache auf hohem Niveau und es gibt dort sowohl eine Pädagogin als auch ein Helferin, die native signer sind. Für meinen Sohn ideal! Auch wenn er sprachlich hinten ist (auch in Gebärdensprache) gäbe es wohl keinen Kindergarten in Wien, wo besser auf ihn eingegangen werden könnte. Er geht auch gerne hin, obwohl er als Einzelgänger beschrieben wird. Trotzdem scheint er den Trubel zu mögen.

Heilpädagogische Kindergärten kenne ich gar nicht :oops: . So war gibt es anscheinend in Wien nicht. Hier kommen alle Kinder mit Handycap in Integrationsgruppen gemeinsam mit gesunden Kindern. Bei den meisten Behinderungen ist das auch super so. Nur ein gehörloses Kind ist in einer rein lautsprachlichen Kindergartengruppe, wo niemand Gebärdensprache kann, sowohl unter- als auch überfordert. Daher bin ich sehr froh dass es einen zweisprachigen Kindergarten mit Gebärdensprache gibt. Natürlich ist es etwas aufwändig jeden Tag mit dem Behindertenbus ca. 2 Stunden quer durch die Stadt zu kutschieren. Aber trotzdem besser als alles andere, was in Frage käme :wink: .

Was die interaktiven Spiele betrifft so ist es mit meinem Sohn besserals du das von Euch beschreibst. Wir haben z.B. "Da ist der Wurm drin" und wenn wir das als Familie spielen dann weiß er genau, wer wann dran ist und was zu tun ist. Auch Memory spielt er gern, aber nur mit mir. Denn sein großer Bruder ist frustriert wenn er immer gegen den Kleinen verliert :P und der Papa mag nicht, wenn der Kleine schummelt (was er - trotz Autismus - offensichtlich kann). Sogar bei seinen geliebten Puzzles versucht er mittlerweile, mich einzubeziehen, mir zu gebärden welches Teil er gerade sucht oder zu besprechen ob ein Teil paßt oder nicht.

Was bei meinem Sohn ein bißchen bedenklich ist: er hat extremes Interesse an PC, Tablett, Handy usw. und kann dort stundenlang "versinken". Lassen wir ihn im Normalfall natürlich nicht, aber die Veranlagung wäre da. Als wir vergangenen Sommer eine neue Küche bekommen haben war Sohnemann zu Hause. Ich wollte nicht, dass er beim arbeiten stört und wenn der Monteur (mein Onkel) da war (4 Tage hintereinander), durfte er ohne Limit an den PC. Als die Arbeit fertig war meinte mein Onkel, wir könnten ohne weiteres ohne unseren Sohn 4 Wochen auf Urlaub fahren, sofern wir ihm eine Palette Butterkekse neben den PC stellen :P .

Das mit dem am-Zahnfleisch-gehen, was du an anderer Stelle schreibst, kenne ich von mir leider auch. Dabei bin ich gar nicht chronisch krank. Aber mein Mann ist noch intensiv in Nachbehandlung wegen einer unheilbaren Krankheit. Die Krankheit selbst ist GsD seit Jahren zum Stillstand gekommen, es ist aber nicht sicher, ob sie nicht wieder ausbricht. Durch die Nachbehandlungen bin ich an 3-4 Abenden in der Woche mit den Buben allein zu Hause. Und obwohl mein "Großer" komplett gesund ist hat und macht auch er Schwierigkeiten. Da ist z.B. seit Jahren psychosomatisches Einnässen - mal stärker, mal schwächer. Und immer wieder kommen Rückmeldungen von Schule oder Hort dass er sich daneben benommen hat. Es gab Phasen wo ich echt nur für den einen, aktuellen Tag gelebt habe und die Stunden gezählt habe, wann ich endlich in Bett fallen darf. Dazu kam, dass mein Mann auch noch (unabhängig von seiner Krankheit) körperliche Beschwerden bekam und wochenlang kaum gehen konnte. Wir haben niemanden in der Nähe, der uns akut helfen könnten. Wenn einer von uns beiden ausfällt muß der andere irgendwie alles schaffen. Und das geht schon extrem an die Substanz. Ich weiß, wie das ist. Fühl Dich von mir gedrückt und glaub mir bitte: es kommen auch wieder bessere Phasen :D !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon Ronja-und-Mini » 05.02.2017, 22:58

Erstmal wollte ich noch berichten, dass der Brief vom KJP eingetroffen ist.

Als Diagnose ist angegeben: ICD10: F 84.5 G

"Milde Form einer atypischen Autismusspektrumstörung, am ehesten im Sinne eines Asperger-Syndroms mit deutlichen Rückständen der sprachlichen, feinmotorischen und der Aufmerksamkeitsentwickung bei einem 4;0 Jahre alten Jungen."


Es wurde auch sehr ausführlich auf Minis Hyperaktivität eingegangen. Beispielauszüge:

"[...] Aufmerksamkeit und Konzentration wirken hochgradig beeinträchtigt, rasch ablenkbar, nur kurz konzentrativ fokussierbar, sehr ungeduldig, eigengesteuert vorgehend, vom Antriebsverhalten her deutlich gesteigert mit ausgeprägter hyperkinetischer Symptomatik, dabei z.T. recht impulsiv vorgehend. In der sozialen Interaktion eher selbstbezogen, nur schwer auf von außen vorgegebene Aufgaben konzentrativ fokussierbar, dabei bisweilen demonstrativ unbeteiligt und lustlos wirkend. [...]"


Kann mir ein erfahrener Hase erklären, ob das Verhalten bei Aspies durchaus üblich ist oder ob da zusätzlich noch ADHS im Spiel sein könnte? Bei Minis Vater wurde dies auch im Kinderalter diagnostiziert. Lohnt es sich, da noch weiterzuforschen/nachzuhaken/diagnostizieren zu lassen oder sind die Übergänge da eh schwimmend und es macht wenig Sinn? Ich würde ehrlich gesagt den Mini ungern schon wieder mit weiteren Tests und Diagnosen quälen...

@Lisa

Hey, das tut mir furchtbar leid zu lesen, wie es deinem Mann und euch als Familie und damit auch dir geht. Ich weiß, wie kräftezehrend allein das betroffene Kind schon psychisch wie physisch ist und bei euch kommt noch die große Sorge um deinen Mann dazu, das vermag ich mir gar nicht vorzustellen, wie es euch gehen muss. Das Drücken geht dann auch an dich zurück! Ich danke dir jedenfalls für die lieben Worte! Kann man ja nie genug gebrauchen! :wink: Dass du da mehr als fertig bist, kann ich mir sehr gut vorstellen. Da drücke ich ganz ganz feste die Daumen, dass erstmal ganz viele positive Zeiten auf euch zukommen und der Stillstand der Krankheit noch gaaaaanz lange, am besten für immer, anhält!

Das mit der PC-Sucht (an den PC darf unserer nicht, aber ans Handy oder Tablet) ist hier genauso. Auch mit dem TV. Er guckt nur bestimmte Sendungen, keine typischen Kindersendungen, sondern auf YouTube Produktvideos, zB am liebsten mit Knete, wo einer so tolle Sachen vorknetet und er später dann die ganzen Sachen nachknetet. Oder Murmel-/Kugelbahnen... da gibt es ja Typen, die haben wahnsinnige Konstruktionen gebaut und da könnte er stundenlang zugucken bei deren YouTube Videos. Manchmal lasse ich ihn da auch länger gucken oder spielen, zum Beispiel wenn er extrem gestresst ist nach dem Kiga und ich merke, er braucht das zum Runterkommen. Ich habe den Eindruck, dass es ihm gut tut und er dann danach auch fähig ist, selbständig was zu spielen. Und sei es nur, dass er wieder neue Inspirationen zum Nachbasteln bekommen hat. Daher bin ich da nicht mehr so päpstlich. Ich merke deutlich, wenn er unruhig wird und eigentlich gar nicht mehr richtig guckt oder auch an seinem Verhalten, wann es Zeit ist, auszumachen. An den Tagen, an denen ich merke, dass er nach dem Kiga aufmerksam ist und nicht so gestresst, muss (soll) er auch erst selbständig spielen, bevor er fern gucken darf. Und das TV Programm fällt dann auch kürzer aus. Das Ausschalten klappt dann an diesen Tagen auch ohne Gezeter gut.
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)

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Beitragvon Engrid » 06.02.2017, 00:50

Hallo Ronja,

wo Du so konkret danach fragst:
"[...] Aufmerksamkeit und Konzentration wirken hochgradig beeinträchtigt, rasch ablenkbar, nur kurz konzentrativ fokussierbar, sehr ungeduldig, eigengesteuert vorgehend, vom Antriebsverhalten her deutlich gesteigert mit ausgeprägter hyperkinetischer Symptomatik, dabei z.T. recht impulsiv vorgehend. ... nur schwer auf von außen vorgegebene Aufgaben konzentrativ fokussierbar,
Das ist eine astreine Beschreibung von ADHS.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Beitragvon Ronja-und-Mini » 06.02.2017, 22:27

Ahja, dankeschön!

Ich habe neulich (aber vor der Diagnose) noch gelesen, dass Asperger und ADHS eigentlich komplett gegensätzlich sind. Der eine (Aspie) mag gern konzentriert an einer Sache "arbeiten", mit der er sich ewig lang beschäftigen kann und der andere (ADHS'ler) fängt immer neue Sachen an, weil ihm sonst langweilig ist und kann sich gar nicht so lang auf eine Sache fokussieren.

Nun ist es beim Mini so, dass er beides macht. An manchen Tagen fängt er zehn verschiedene Sachen in einer Stunde an und weiß nicht so richtig was mit sich anzufangen und an einem anderen kann er den ganzen Tag über fasziniert Kugeln seine Kugelbahn runterrollen lassen und macht das dann die ganze Woche. Zudem ist er ja oft hibbelig und auch - so meine ich - von einer permanenten Unruhe getrieben.

Der Diagnosebrief war natürlich etwas übertrieben. Mini war die Nacht davor im Schlaflabor und total übermüdet und gereizt. Das wusste der Arzt aber auch. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass er eher wild/hyperaktiv als ruhig ist. Obwohl er an manchen Tagen AUCH ganz ruhig und in sich und sein Spiel selbstversunken sein kann. So oder so ist es bei ihm mit Blickkontakt und Reaktion auf Ansprache aber in beiden Varianten nicht weit her :roll: :wink: Und besonders empathisch ist der Mini auch nicht (das sollen ADHSler ja wohl besser können). Oder zähle ich da auch gerade Klischees auf? :P

Also gehe ich Recht in der Annahme, dass es da Mischformen geben kann?
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 07.02.2017, 07:05

Hallo Ronja,

früher galt (irrigerweise) dass sich Asperger und AD(H)S ausschließen würden - wer auch immer auf diese seltsame Idee gekommen war, aus der Praxis war sie nicht.
Das ist seit einiger Zeit aufgehoben, auch offizielle gibt es nun ASS und AD(H)S zusammen. In einer Person, oder auch mal nur in einer Familie.

ASS und AD(H)S gleichzeitig, das ist keine Mischform, sondern eine Summe. :wink:
Aber natürlich kommen die Aspekte von beidem unterschiedlich nach außen, je nach individueller Gewichtung, und nach Tagesform.
Manches wird komplizierter, wenn man beides hat, und es ist auch nicht immer leicht auseinanderzuhalten, welches Verhalten nun was zuzuschreiben ist. Aber immerhin hat das ADHS zb den Vorteil, dass es das Kind neugieriger, offener macht - das hat zb Denise Linke für sich so beschrieben.

Es sind sogar sehr viele, die beides haben. Das sieht man übrigens auch zb hier in den Usersignaturen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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lilli227
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Beitragvon lilli227 » 07.02.2017, 16:17

Hallo,

Ich habe hier einen Asperger/ADHSler mit Hochbegabung. Jeder Bereich für sich hat seine Vor- und Nachteile. Das Gesamtbild ergibt dann eben meinen Sohn.
Was aus welcher Diagnose resultiert ist schwer zu unterscheiden. Generell merken wir, dass er einfach sehr große Schwierigkeiten hat sich zu konzentrieren. Er ist dann auch sehr schnell überreitzt, wenn er sich konzentrieren muss. Und er läßt sich wirklich von ALLEM ablenken. Den Fokus zu finden ist wirklich schwer, vor allem wenn er sich für ein Thema nicht interessiert.
Er nimmt während der Schulzeit Mediknet, sonst wäre er schon wegen dem ADHS völlig überfordert.
Allerdings ist es so wie Engrid schreibt, dass er durch das ADHS tatsächlich aufgeschlossener und interessierter ist. Er ist nicht zurückgezogen und ruhig. Er interessiert sich für vieles und schafft es andere für sich zu interessieren.
Die Hochbegabung hilft ihm natürlich auch sehr, da er manches was nicht intuitiv verstanden wird ihm erklärt werden kann. Er "lernt" dann schnell, allerdings kann er schlecht auf andere Situationen übertragen. Aber gut, das wird mit dem Alter besser.
Die Kombi ist sehr ungewöhnlich und führte dazu, dass lange nicht klar war was wirklich dahinter steht.
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Sohn 09 -- Asperger und ADHS
Tochter 13


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