Neuroplastizität und die Konsequenzen für Therapie

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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Elena Shishechian
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Beitragvon Elena Shishechian » 26.01.2017, 08:58

Hallo Tanja,

nach der "intensiven" Phase habe ich angefangen nach den neuen Wegen zu suchen und bin auf die ABM gekommen. Unsere Tochter bekam regelmäßig ABM Unterrichte und gleichzeitig haben wir mit ihr einige Teile des FHC Programms zu Hause gemacht, wie z.B. Bilder zeigen, auf dem Boden viel kriechen, sich Bilder auswählen. Durch die ABM hat sie gelernt, sich selbständig hin zu setzen, macht das mit vielen Variationen, probiert verschiedene Stellungen aus. Sie hat einen besseren Körpergefühl bekommen.
Ihre Wahrnehmung hat sich enorm verbessert. Sie ist einfach nicht mehr das selbe Kind, das sie vor paar Jahren war. Nach dem intensiven FHC Programm hat sie sich schon gebessert, aber dann kam ein Stillstand. Mit der ABM plus FHC Programmteile, die wir problemlos in das alltägliche Leben integrieren, geht es immer weiter. Jetzt kriecht sie über die Hürden (z.B. Matratze), damit sie langsam höher kommt.
Es gibt eine ABM Lehrerin in Darmstad, Antje Jöckel. Sie kam bis vor kurzem regelmäßig nach Köln und hat bei uns zu Hause Kindern Unterrichte gegeben. Jetzt arbeitet sie nur in ihrer Praxis in Darmstadt, die mittlerweile sehr gut läuft.
In Köln gibt es eine Feldenkrais Lehrerin, die viel Erfahrungen mit Kindern hat und viel von Nancy Aberle aus der Schweiz und Lynn Bullock aus Paris (beide ABM Lehrerinnen) gelernt hat. Sie heißt Stefanie Lauterbach. Aktuell nehmen wir Unterrichten bei ihr. Sie hat keine Ausbildung bei der Anat persönlich, von daher war ich am Anfang skeptisch. Nach dem ich sie kennen gelernt habe und wir einen Unterricht mit ihr hatten, war meine Skepsis weg. Sie arbeitet sehr gut, ist kreativ, von daher kann ich sie auch sehr empfehlen.
Wenn du möchtest, kann ich dir die Koordinaten senden.

Ich teile nicht die Meinung, dass ein Child Space Lehrer für Kinder mit Gehirnschaden gut geeignet ist. Als es noch keine ABM Lehrer in NRW bzw. Hessen gab, habe ich mich genug mit dem Thema auseinander gesetzt. Aus dem Grund sind wir nach Belgien und auch nach London gefahren.

Ich empfehle dir sehr das Buch von der Anat Baniel "Kinds Beyond Limits" zu lesen.

Schöne Grüße Lena

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PatriciaPy
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Beitragvon PatriciaPy » 26.01.2017, 09:48

Hallo Sandra,

willkommen im Club ;-) Sag mal, verstehe ich das aus Deinem Profil richtig, dass Du selbst eine leichte CP hast und als Feldenkrais-Lehrerin arbeitest? Das finde ich total interessant....kann man Dich irgendwie googeln bzw wo unterrichtest Du? Würde gerne mehr über Deine Arbeit bzw Hintergrund erfahren. Natürlich nur, wenn Du magst, und gerne auch per PN.

LG,
Patricia

Marie-Anne
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Beitragvon Marie-Anne » 27.01.2017, 17:13

Hallo Patricia,

Die Neuroplastizität ist die Grundlage für alle neurologisch ausgerichteten Konzepte wie Bobath, SI, u.v.m.

Wo liegt der Unterschied bei den von euch ausgewählten Therapien?

LG
Liebe Grüße von Marianne,
Kinderphysiotherapeutin :-)

SandraM.
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Beitragvon SandraM. » 27.01.2017, 18:35

Hallo Patricia,
ja ich habe eine CP mit leichter Diparese.

Ich habe eine Feldenkrais-Ausbildung und arbeite seit 2008 im geringen Umfang als Feldenkrais-Lehrerin in einer Reha-Klinik für Psychosomatik.
Meine Brötchen verdiene ich aber als Dipl. Sozialarbeiterin.

Wenn du mehr wissen möchtest. freue ich mich über eine pn.

Viele Grüße Sandra
Sandra *1977, ICP mit leichter Tetraspastik, leichte Gangataxie, Fußgängerin

PatriciaPy
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Beitragvon PatriciaPy » 02.02.2017, 18:52

Hi Marie-Anne,
danke Dir für die Nachricht und entschuldige bitte die späte Rückmeldung! Ich versinke gerade in den letzten Vorbereitungen für unsere Reise. Deswegen jetzt auch nur ganz kurz: Ich finde Deine Frage sehr gut, und Du hast mir damit eine Idee für einen Blogartikel gegeben, an den ich mich dann mal in Kanada machen werde. Aber vereinfacht gesagt sehe ich den Unterschied darin, in welchem Ausmaß Neuroplastizität als Grundlage für die therapeutische Wirkung verstanden/angenommen wird. Viele konventionelle Therapien gehen vor allem von kindlicher Neuroplastitzität aus, von festen Entwicklungsschritten und Zuordnung zu bestimmten Gehirnarealen, die nur in einem gewissen Rahmen und Alter veränderbar sind und vor allem auf die "richtigen" neuronalen Bahnen gelenkt werden müssen. Die neuroplastisch wirksamen Ansätze beziehen ein, dass ein Gehirn immer veränderbar und regenerierbar ist - wenn man in einer bestimmten Formen (Bewegung/Denken/akustische Stimulation/elektromagnetische Felder) stimuliert.

Hoffe das gibt Dir eine erste Idee - wie gesagt, ich werde das in den nächsten zwei Monaten in meinem Blog noch ausführlicher beschreiben - danke Dir sehr für die Anregung!

Liebe Grüße,
Patricia

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Beitragvon PatriciaPy » 02.02.2017, 18:53

Hi Sandra,
das mache ich gerne!
LG, Patricia

Marie-Anne
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Beitragvon Marie-Anne » 02.02.2017, 19:55

PatriciaPy hat geschrieben:Hi Marie-Anne,
danke Dir für die Nachricht und entschuldige bitte die späte Rückmeldung! Ich versinke gerade in den letzten Vorbereitungen für unsere Reise. Deswegen jetzt auch nur ganz kurz: Ich finde Deine Frage sehr gut, und Du hast mir damit eine Idee für einen Blogartikel gegeben, an den ich mich dann mal in Kanada machen werde. Aber vereinfacht gesagt sehe ich den Unterschied darin, in welchem Ausmaß Neuroplastizität als Grundlage für die therapeutische Wirkung verstanden/angenommen wird. Viele konventionelle Therapien gehen vor allem von kindlicher Neuroplastitzität aus, von festen Entwicklungsschritten und Zuordnung zu bestimmten Gehirnarealen, die nur in einem gewissen Rahmen und Alter veränderbar sind und vor allem auf die "richtigen" neuronalen Bahnen gelenkt werden müssen. Die neuroplastisch wirksamen Ansätze beziehen ein, dass ein Gehirn immer veränderbar und regenerierbar ist - wenn man in einer bestimmten Formen (Bewegung/Denken/akustische Stimulation/elektromagnetische Felder) stimuliert.

Hoffe das gibt Dir eine erste Idee - wie gesagt, ich werde das in den nächsten zwei Monaten in meinem Blog noch ausführlicher beschreiben - danke Dir sehr für die Anregung!

Liebe Grüße,
Patricia


Hallo Patricia,

Danke für deine Antwort.

Ich habe meinen Bobath Kurs 2013 gemacht und somit relativ junges Wissen getankt. Und ja, früher dachte man, dass die Entwicklung hierarchisch in Zeitfenstern und in festgelegten Schritten abläuft. Diese Denkweise ist aber widerlegt und seit Jahren da Acta gelegt.

Dass sich das Gehirn ein Leben lang neuorganisiert, also plastisch ist, wird in allen neurologischen Konzepten gelehrt und meines Wissens auch überall in der Neurorehabilitation und Entwicklungsneurologie gelebt.

Mich wundert es deshalb, warum du die Theorien von vor zig Jahren als allgemeine Sichtweise der konventionellen Therapien von heute benennst.
Hast du solche Quellen gelesen, oder haben dir Therapeuten/Ärzte diesen Eindruck vermittelt?

Ich wünsche euch einen guten Aufenthalt in Canada und bin sehr gespannt, was du weiterhin berichtest!

LG
Liebe Grüße von Marianne,

Kinderphysiotherapeutin :-)

Marie-Anne
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Beitragvon Marie-Anne » 02.02.2017, 20:01

Liebe Grüße von Marianne,

Kinderphysiotherapeutin :-)

Carina90
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Beitragvon Carina90 » 22.02.2019, 08:34

Hallo Marianne,
hallo an ALLE :)

ich bin Mama eines Kindes mit ICP (2 Jahre alt) und wir machen seit 1 Jahr nur noch Feldenkrais und ABM. Im ersten Lebensjahr haben wir Vojta und Bobath gemacht. SI kennen wir auch.

Rein THEORETISCH wird mit den Therapien teilweise der richtige Ansatz verfolgt. Ich habe auch viel über SI und Bobath gelesen und das was bewirkt werden SOLLTE deckt sich mit den aktuellen Erkenntnissen der Hirnforschung. Meiner Erfahrung nach entspricht jedoch die UMSETZUNG (also das WIE) nicht dem um solche Veränderungen des Gehirns zu erreichen. Sicherlich gibt es auch Kinder die mit den Therapien erfolge erzielen und bestimmt sind auch teilweise Bobath und die SI besser als nichts mit dem Kind zu machen. Ich beziehe mich speziell auf unseren Fall; mein Sohn ist sehr stark betroffen und ihm hat das alles in seiner Entwicklung (bzw. gegen Spastiken etc.) nicht geholfen.

Feldenkrais und ABM sind nicht vergleichbar mit jeglichen Konventionellen Therapien. Es werden zb., nicht wie bei Bobath, gleiche Bewegungsabläufe wiederholt sondern lediglich Alternativen und Variationen angeboten die dem Gehirn ermöglichen neue Verknüpfungen bzw. Verbindungen herzustellen.

Bei Interesse kannst du dich auch an Bruna Sachse wenden. Sie ist auch Mama eines Sohnes mit ICP (BenG), macht auch bald den Children Master ABM und ist auch hier im Forum. Ansonsten steht sicherlich auch unsere aktuelle ABM Trainerin mit Rat zur Seite (Antje Jöckel, Darmstadt- Daten findet man im Internet ;))

gute Literatur die deutlich die Unterschiede der Methoden aufzeigen findest du zb. hier:

https://www.amazon.de/dp/0399537368/ref ... 3450038869


https://www.amazon.de/Die-Feldenkrais-M ... 3738646973
Sohn *01/2017, ICP Tetraparese Dystonie, Hirnschaden durch schweren Sauerstoffmangel bei Geburt

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Schiering
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Beitragvon Schiering » 22.02.2019, 09:28

Hallo auch von mir,
ich bin Physiotherapeutin u.a auch Bobath und Mama eines blinden Jungen. Die Neuroplastiztät begleitet mich daher ständig. Ich habe zuletzt das Buch von Norman Doige: Neustart im Kopf, gelesen. Da geht es genau darum, sehr zu empfehlen.
Grüße Mirjam


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