Pflegehilfsmittel für 40€ monatlich?

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

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Uwe2
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Pflegehilfsmittel für 40€ monatlich?

Beitragvon Uwe2 » 11.01.2017, 13:18

Hallo zusammen,

ich habe mir jetzt einige Beiträge zu diesem Thema im Forum durchgelesen, bin aber noch nicht richtig schlau geworden...

Ich las' ein Pflegebedürftige mit PfSt habe Anspruch auf 40€ monatliche Pflegehilfsmittel durch die Pflegekasse in Form von Geld- oder Sachleistungen.

Mir wurde seitens eines Kooperationspartners der Pflegekasse eine Liste mit den typischen Pflegehilfsmitteln zugeschickt. Darin enthalten, das "Übliche": Schutzkleidung, Einmalhandschuhe, Betteinlagen, Desinfektionsmittel.

Schön und gut, andere Dinge wären aber viel nützlicher, wie z.B. Feuchttücher für die Intimpflege, Wundsalben/Puder für gereizte, offene Hautpartien, Windelsäcke, Allergiker-Waschmittel, Spritzen u.ä.

Im SGB 11 § 40 steht "Anspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, die zur Erleichterung der Pflege [..] des Pflegebedürftigen beitragen [..]"

aber auch:
"Die Pflegekasse überprüft die Notwendigkeit"
Diese wird dann nicht genauer erläutet, liegt also im freien Ermessen des Gutachters, sprich Willkür.

GabySP schrieb "Pflegehilfsmittel können nicht abgelehnt werden. Sobald deine Pflegestufe vorliegt, besteht ein Anspruch darauf. Die Pflegeversicherung versucht aber immer wieder, drumherumzukommen."
D.h. es liegt immer mal wieder der Tatbestand des "Rechtsbruchs" vor


Wie kommt man an sein alternatives Wunsch-Pflegehilfsmittel oder direkt ans Geld zur "freien" Verwendung?
Welche Anbieter gibt es? Ist dieser frei selbst wählbar?
Wie weist man einen Bedarf nach? (per ärztlichem Attest?)
Wo ist das sonst geregelt (außer in SGB 11 § 40)?
Welche Artikel lassen sich als Pflegehilfsmittel beziehen?

Kann man sich die 40€ auszahlen lassen (sog. "Kostenerstattung") und dann sich die nützlichsten Sachen dann damit selbst beschaffen?
Ich las ja, man müsse jedoch vorher 6 Monate lang den Betrag voll ausgeschöpft haben in Form von Leistungen, stimmt das?

Wie ist es bei Euch, muss bei Geldleistung (anstelle von Sachleistung) jeder Kauf per Quittung belegt werden ggü. der Pflegekasse?

Gemäß dem Rundschreiben zur Pflegeversicherung vom 18.12.2015, S. 198 1.2 ist die Kostenerstattung möglich. Man suche bei Google nach "Gemeinsames_Rundschreiben_Pflege_Stand_18-12-2015.pdf"

Ich las auch, es müsse ein berechtigter Bedarf nachgewiesen werden, dann sei die Pflegekasse seites der Gesetzgebung/Statuten dazu legitimiert ein nicht offiziell verzeichnetes Pflegehilfsmittel auch als solches genehmigen zu dürfen.

Wie sind Eure Erfahrungen?
Wie ist das Prozedere?


Danke Euch. :wink:

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Valentin2014
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Beitragvon Valentin2014 » 11.01.2017, 14:13

Hallo uwe2,
die Pflegehilfsmittel die hier gemeint ist, ist die Prduktgruppe 54 ( zum Verbrauch).
Bei vorliegen einer ps gibt.

Wundsalben, Spritzen, etc gibt es auf Rezept.

Allergikerwaschmittel wenn es eine spez. zugelassener ist, auf Rezept (!?)

Bei Feuchttücher weiss ich nicht.
Ich benutze diese nur ausser Haus, wenn was festes in der Wandel ist.
Ansonsten mit Wasser und Lappen und Schwarzer Tee.

LG Valentin s Eltern

Sinale
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Beitragvon Sinale » 11.01.2017, 14:53

Hallo Uwe,

wenn eine Pflegegrad beantragt, bzw. vorhanden ist, kann bei der Pflegekasse der GKV folgendes beantragt werden:

SGB 11 § 40
gültig für jede GKV

Pflegehilfsmittel und technische Hilfen

(1) Pflegebedürftige haben Anspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, die zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen oder ihm eine selbständigere Lebensführung ermöglichen, soweit die Hilfsmittel nicht wegen Krankheit oder Behinderung von der Krankenversicherung oder anderen zuständigen Leistungsträgern zu leisten sind. Die Pflegekasse überprüft die Notwendigkeit der Versorgung mit den beantragten Pflegehilfsmitteln unter Beteiligung einer Pflegefachkraft oder des Medizinischen Dienstes.

(2) Die Aufwendungen der Pflegekassen für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel dürfen monatlich den Betrag von 40 Euro nicht übersteigen.

Nach dem Katalog zählen zu den zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln in der Pflegeversicherung:

1. saugende Bettschutzeinlagen, verschiedene Größen, Einmalgebrauch
0,4 x 0,6 m = 150 ml
0,6 x 0,6 m = 225 ml
0,6 x 0,9 m = 337 ml
Indikation: Der Einsatz von saugenden Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch verhindert bei der Körperhygiene, beim Einsatz von Bettpfannen (Stechbecken) und Urinflaschen/-schiffchen, daß die Bettwäsche häufig gesäubert werden muß und erleichtert somit die Pflege.

2. Schutzbekleidung
2.1. Fingerlinge; Fingerlinge dienen ausschließlich dem Schutz des Pflegenden bei der digitalen Ausräumung des Rektums des Pflegebedürftigen.
2.2 Einmalhandschuhe; Einmalhandschuhe dienen der allgemeinen Hygiene, z.B. dem Schutz beim Umgang mit Körperausscheidungen, Blut und Sekreten sowie bei sonstigen Risikosituationen, wie z.B. chronischen Infektionen des Pflegebedürftigen.
2,3 Mundschutz; Der Mundschutz dient ausschließlich dem Schutz des Pflegenden, wenn vom Pflegebedürftigen gesundheitliche Gefährdungen gegenüber dem Pflegenden ausgehen können.
2.4 Schutzschürzen; Schutzschürzen dienen dem Schutz des Pflegenden.

3. Sonstige zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel
Hand- und Flächendesinfektionsmittel ; Desinfektionsmittel dienen der allgemeinen Hygiene, z.B. bei chronischen Infektionen, beim Umgang mit Körperausscheidungen, Blut und Sekreten sowie bei sonstigen Risikosituationen.

Vgl. folgend:

https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband. ... ruppeId=38

Berechtigte können sich den Lieferanten für Pflegehilfsmittel selbst wählen. (Sanitätshaus, Apotheke) Der Anbieter/Lieferant kann theoretisch monatlich gewechselt werden

Es gibt auch Lieferanten, die über das Internet anbieten, z. B. :

https://pflegebox.de/pflegeboxen/

http://www.inkodirekt.de/pflegehilfsmittel/

Der Nachweis über den Sachleistungsbezug der Pflegehilfsmittel wird gegenüber der GKV direkt durch Lieferanten erbracht.


Beachte jedoch auch folgende Beiträge:

herbert hat geschrieben:Hallo,

natürlich sind im Hilfsmittelverzeichnis ( http://www.rehadat.de/gkv2/Gkv.KHS?Usage=GKV&State=-1 ) in den Produktgruppen 50-54 viele Pflegehilfsmittel exakt aufgeführt. Aber das ist nicht erschöpfend, sondern nach mehreren Urteilen des BSG nur eine Arbeitshilfe. Was da drin steht, muss die Kasse bei entsprechender Indikation übernehmen. Für andere Produkte bedarf es der Einzelfallbegründung (zuletzt BSG-Urteil B 3 P 9/06 R zu Einmal-Schutzservietten bei übermässigem Speichelfluss).

Für Euch heisst das, dass die KK falsch informiert (ist), wenn sie behauptet, dass sie die Kosten nicht übernehmen darf - im Gegenteil, wenn sie bisher der Auffassung war, dass der Bedarf berechtigt ist, bedarf es auch keiner neuen Begründung.

(Ausdrucken und der Kasse zukommen lassen)

Herbert :)


http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 533#775533

Hinsichtlich der Geldleistung kann mit einem entsprechendem Ausdruck der Seite im Antrag auf das Rundschreiben verwiesen werden, siehe bitte folgend:

Gemäß folgendem aktuellen Rundschreiben zur Pflegeversicherung vom 22.12.2016, S. 189 ist die Kostenerstattung möglich:

https://www.gkv-spitzenverband.de/media ... 012017.pdf

Aufwendungen für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel werden bis zu einem Betrag von monatlich 40,00 EUR übernommen. Aufwendungen, die über diesen Höchstbetrag hinausgehen, gehen zu Lasten des Pflegebedürftigen.
Der Versicherte kann wählen, ob er zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfs-mittel als Sachleistung im Rahmen der zwischen dem GKV-Spitzenverband geschlossenen Verträge oder in Form der Kostenerstattung für selbst beschaffte Pflegehilfsmittel in Anspruch nehmen will. Wählt der Versicherte die Kostenerstattung, sollte aus Gründen der Verwaltungspraktikabilität in Fällen, in denen ein monatlicher Bedarf an zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln in Höhe von mindestens 40,00 EUR nachgewiesen ist (wenn beispielsweise im letzten halben Jahr der Leistungsanspruch stets voll ausgeschöpft wurde und dies auch zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist), auf die monatliche Vorlage von entsprechenden Belegen verzichtet werden. In diesen Fällen kann ohne weitere Prüfung der monatliche Höchstbetrag ausgezahlt werden.


Ich rate dazu, die Angelegenheit gegenüber der GKV schriftlich zu regeln, nicht telefonisch, oder mündlich, da die rechtliche Seite hier gesichert nachgewiesen werden kann.
Viele Grüße
Sinale

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Uwe2
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Beitragvon Uwe2 » 11.01.2017, 16:16

Ja ist klar, aber was ist mit Artikeln, die hier nicht aufgeführt sind wie eben z.B. Feuchttüchern, fürs unterwegs schnell sauber machen.

Sinale
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Beitragvon Sinale » 11.01.2017, 16:24

Hallo Uwe,

dies habe ich dir gleichfalls in meinem Beitrag oben geschrieben:

herbert hat geschrieben:Hallo,

natürlich sind im Hilfsmittelverzeichnis ( http://www.rehadat.de/gkv2/Gkv.KHS?Usage=GKV&State=-1 ) in den Produktgruppen 50-54 viele Pflegehilfsmittel exakt aufgeführt. Aber das ist nicht erschöpfend, sondern nach mehreren Urteilen des BSG nur eine Arbeitshilfe. Was da drin steht, muss die Kasse bei entsprechender Indikation übernehmen. Für andere Produkte bedarf es der Einzelfallbegründung (zuletzt BSG-Urteil B 3 P 9/06 R zu Einmal-Schutzservietten bei übermässigem Speichelfluss).

Für Euch heisst das, dass die KK falsch informiert (ist), wenn sie behauptet, dass sie die Kosten nicht übernehmen darf - im Gegenteil, wenn sie bisher der Auffassung war, dass der Bedarf berechtigt ist, bedarf es auch keiner neuen Begründung.

(Ausdrucken und der Kasse zukommen lassen)

Herbert :)


http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 533#775533

Zumal es in diesem Link als Thema um Feuchttücher geht. Also kann es sich lohnen, dieses Thema zu lesen.
Viele Grüße

Sinale



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Beitragvon Uwe2 » 12.01.2017, 08:49

@Sinale: Danke, das ist doch mal hilfreich.
Nun das ganze liest sich zwischen den Zeilen dann so, dass die KK argumentiert, man könne die benötigten Pflegemittel ja vom Pflegegeld beziehen.

Wenn jemand familiär von einem Angehörigen gepflegt wird, finde ich die Argumentation aber nicht angemessen. Denn in Anbetracht der vielen Arbeitsstunden und Leistungen, die einem Vollzeitpfleger abverlangt werden, ist die Höhe des Pflegegeldes (sowie die durch die Pflege entstehenden Rentenansprüche) verglichen mit einer Tätigkeit in der Wirtschaft wohl eher ein "Trinkgeld" und "Almose".

Spannend wird es jetzt mit der "Einzelfallbegründung".
Was wenn die KK diese einfach ablehnt und nicht gelten läßt. Soweit ich das sehe ist nirgendwo genau definiert, nach welchen Kriterien hier bewertet werden muss. :shock:

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Beitragvon AnneJaJoLu » 12.01.2017, 08:55

Hallo Uwe!

Ich habe mir vor über einem Jahr Sinales Tipp zu Herzen genommen und bei der KK darum gekämpft, dass wir die 40,- Euro monatlich überwiesen bekommen. Ich kann davon jetzt nicht nur das kaufen, was ich möchte (z.B. Pflegetücher), sondern auch WO (günstiger als in Apotheken).
Hierfür habe ich über einen Zeitraum von 6 Monaten monatlich nachweisen müssen, dass wir die - damals 31,- Euro - verbraucht haben, was nicht schwierig war, weil wir bis dahin über eine Apotheke bezogen, die ja monatlich mit der KK abrechnete, und anschließend bekam ich dann die 40,- Euro ohne monatlichen Nachweis ausgezahlt. Wobei wir auch mit den 40,- Euro leider noch nicht ganz auskommen, aber es klappt auf jeden Fall besser als früher, wo ich auf die teuren Apotheken-Produkte angewiesen war.
Liebe Grüße
Anne

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Beitragvon Uwe2 » 12.01.2017, 14:15

Ich gewinne den Eindruck, die KK sind hier eher zögerlich.
Auch hier wieder: Es mussten zuerst ein paar Monate lang Quittungen eingereicht werden, bevor das ganze dann in unbürokratischere Bahnen überging. :roll:

Sinale
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Beitragvon Sinale » 12.01.2017, 14:32

Hallo Uwe,

die GKV sind hier keinesfalls zögerlich! Denn dieses Vergehen entspricht der aktuellen Regelung im Rundschreiben zur Pflegeversicherung - siehe mein erster Beitrag in diesem Thema, dort im unteren Abschnitt).
Viele Grüße

Sinale



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Beitragvon AlexandraPf. » 12.01.2017, 14:46

Hallo!
Nachdem ich über ein halbes Jahr für etwas mehr als 40.- Euro
(den Rest habe ich selbst bezahlt) Pflegehilfsmittel über die Apotheke
bezogen habe, konnte ich bei der Kasse einen schriftlichen Antrag
auf Geldbezug der 40.- Euro stellen.
Die Sachbearbeiterin wusste offenbar über diese Möglichkeit nicht
Bescheid und fragte mich am Telefon ziemlich vorwurfsvoll, wie ich
denn auf so eine Idee käme... Ich verwies sie dann auf die gemein-
samen Richtlinien der Krankenkassen und der Antrag wurde bewilligt.
Seitdem bekomme ich die 40.- Euro auf mein Konto überwiesen.
Mit lieben Grüßen,
Alexandra Pfennig.
Alexandra (73) mit El. (w. / geb.´02), Al. (m. / geb.´04), Li. (m. / stillgeboren´07) und An. (m/08).
Zusätzlich zu seinem goldigen Wesen hat unser Jüngster Tuberöse Sklerose, Asthma und Neurodermitis.


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