Integrationshelfer beantragen, Fragen des JA

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Chaosmarie
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Beitragvon Chaosmarie » 15.12.2016, 13:31

@Dorit: Ich bin zwar nicht Nicole, aber ich erlaube mir, Dir nachdrücklich von der Beantragung einer Familienhilfe abzuraten, es seie denn, Du hast eine vertrauenswürdige, hinreichend qualifizierte Person in Deinem Umfeld, die den Job übernehmen würde. Schon in der Beantragung einer Familienhilfe sehen viele Jugendämter das Eingeständnis, dass Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. Wenn Du einen Antrag stellen willst, gilt es zwei Tatsachen zu bedenken: Du wirst über einen längeren Zeitraum hinweg ein- oder mehrmals wöchentlich fremde Leute in Deinen vier Wänden haben, die Du Dir weder ausgesucht noch eingeladen hast, und es wird eher nicht darauf hinaus laufen, dass Du sie bittest, Dich bei Deinen alltäglichen Aufgaben zu unterstützen, so wie Du es Dir von einer Hilfe vielleicht vorstellst. Eher wird es so sein, dass sich die Leute in alle erdenklichen Angelegenheiten einmischen werden und dass Du ihre Vorgaben zu befolgen hast. Solltest Du Dir die Hilfe anders vorgestellt haben oder mit den Leuten nicht klar kommen kannst Du diese "Hilfe" nicht einfach canceln. Das Jugendamt geht nämlich davon aus, dass Du bzw. Ihr alleine nicht klar kommt, unterstellt Dir gerne eine Verweigerungshaltung und kommt dann ganz schnell mit stationären Hilfen. :twisted:

Das Zweite ist, dass es für Familienhilfen an gesunden Familien nichts zu verdienen gibt. Wenn Deine Familie funktioniert wird die Hilfe vom Amt eingestellt. Das kann weder im Interesse der - meist freiberuflich tätigen - Familienhilfen noch des vermittelnden Trägers sein. Also wird die Hilfe darauf aus sein, bei Euch so viele Defizite wie möglich aufzudecken, Kleinigkeiten zu bedeutunsschweren Vorfällen auswalzen, nach einem gesunden Menschenverstand normales Verhalten zu pathologisieren und, wenn Ihr Pech habt, noch ein paar Defizite dazu erfinden. Ja, richtig: Niemand kontrolliert ernsthaft die Arbeit, die SPFHs in Familien leisten, eine Tatsache, die einige SPFHs ziemlich dreist ausnutzen.

Ich will jetzt nichts sagen über die SPFHs die ihren Job gewissenhaft im Sinne 'ihrer' Familien erledigen und sich als Coaches sehen, aber es gibt eben auch ganz andere :twisted: . Wenn Du an die falschen Leute gerätst, findest Du Dich schnell in einer Abwärtsspirale wieder, die sich mit rasender Geschwindigkeit nach unten dreht, und Du hast noch ein weiteres ernstes Problem: Dir glaubt niemand.

Wenn Du eine echte Unterstützung willst, dann sieh zu, dass Du einen FuD über die Pflegekasse finanziert bekommst.

@Kerstin: Auch der Träger wird seine Richtlinien für den Umgang mit Kindswohlgefährdungsmeldungen haben. Wie die Abläufe aussehen erfährst Du am ehesten, wenn Du Dich nach der für diesen Träger zuständigen Isef-Kraft (insofern erfahrenen Fachkraft) erkundigst. Ist die extern, oder zumindest nicht direkt der für Euch zuständigen Abteilung unter geordnet, kannst Du sie mal unverbindlich fragen, wieder Umgang mit Kindswohlgefährdungen funktioniert. Wenn hier geschlampt wird, könnte das den Vorgesetzten des Leiters Eurer Abteilung durchaus interessieren.

Wenn Du den Verdacht hegst, dass die Schule darauf abzielt, Dein Kind los zu werden, schadet es nicht, sich auf die Diskussion einzustellen, und sich das für Euch gültige Schulgesetz genau an zu schauen. Dass der Träger das Verfahren in Gang gesetzt hat, muss nicht bedeuten, dass die Schule völlig unbeteiligt ist, und dass keine Gespräche hinter Deinem Rücken geführt wurden. Man kennt sich gewiss nicht nur über Dein Kind, und man weiß, dass man noch länger möglichst gut miteinander auskommen.

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

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Dorit1979
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Beitragvon Dorit1979 » 15.12.2016, 17:36

Hallo Marie,
lieben Dank für Deine ausführliche Antwort. Sie bestärkt mein Bauchgefühl in Bezug auf "Familienhilfe" und bestätigt das, was ich im www schon zu dem Thema gefunden habe.
Meine eine Schwester hatte mir schon vor Jahren geraten, die Familienhilfe zu beantragen. Ihr ältester Stiefsohn ist ein ziemliches "Problemkind". Hochagressiv mit durchaus "vernünftigen" Phasen. Hat Depressionen und irgendeine Form Persönlichkeitsstörung diagnostiziert bekommen.
Die Mutter hat multiple Sklerose und Borderline-Störung.
Mittlerweile bin ich mir nicht sicher, ob der Junge nicht doch eher autistisch ist, aber in die Richtung hat nie einer geschaut.
Ich könnte gehässig sein und sagen, ihr hat die Familienhilfe geholfen. Inzwischen ist das Kind nicht mehr in der Familie und in den letzten 5 Jahren von Wohngruppe zu Wohngruppe gereicht worden...

Ich weiß nicht, was FuD ist, aber Jonathan hat (noch) keine Pflegestufe. Der erste Antrag ist direkt abgeschmettert worden. Ich hab eine Woche lang Wunden geleckt und dann das Gutachten komplett auseinandergenommen. 10 Seiten Widerspruch mit Begründung formuliert und alles an objektiven Berichten beigepackt, was ich finden konnte.
Der Widerspruch ist Ende November eingegangen.
Vorhin kam der Anruf von Medicproof, Montag ist erneute Begutachtung!
Dorit *1979 - subklinisch autistisch (also entweder NT mit Special Effects oder ASS mit hervorragender Anpassung, konnte nicht festgestellt werden)
Jonathan *11/08 - F82.0, F82.1, F84.5, F98.0, F98.1
Leopold *08/10 - Q55.2, es wird beobachtet...


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