Ständige Kopf- und Bauchschmerzen. Hilft ein Schulbegleiter?

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nettie75
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Ständige Kopf- und Bauchschmerzen. Hilft ein Schulbegleiter?

Beitragvon nettie75 » 04.12.2016, 12:00

Hallo zusammen,

die Frage steht ja schon in Titel. Meine 8 jährige Tochter hat eigentlich schulisch keine Probleme, sie geht gerne, ist gut integriert und hat eine supertolle, sehr professionelle und einfühlsame Lehrerin und TROTZDEM hat sie täglich Kopf- und Bauchschmerzen. In Absprache mit der Lehrerin macht sie jetzt schon eine Stunde Förderung statt Musik mit, da es gerade diese Stunden wie Musik, Englisch, Religion und so sind die gar nicht gehen.
Nach der Schule bleibt kaum Raum für was anderes und ich merke sehr, wie anstrengend so ein Schultag für sie ist. An den Wochenenden und vor allen in den Ferien geht es ihr meist besser obwohl sie selber sagt, dass Ferien doof sind und sie lieber immer zur Schule gehen würde.
Um organischen Ursachen auszuschließen, haben wir jetzt einen Laktose und Fruktose test vor uns, ich denke aber, dass der o.B. sein wird.
Zusammen mit der Therapeutin haben wir jetzt überlegt, ob eine Schulbegleitung, als präventive Maßnahme bevor es noch schlimmer wird, sinnvoll wäre.
Wie ist eure Meinung dazu bzw wie sind eure Erfahrungen?

Danke für die Hilfe
LG Nettie
N *1975 mit Mann *1974
T1 *2005 und
T2 *2008, Asperger, leichte LRS, Laktose- und Fruktoseintoleranz, ADS und Angststörung
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elke bernau
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Beitragvon elke bernau » 04.12.2016, 16:31

Hallo nettie75,

wenn deine Tochter super integriert ist, würde die Schule eine Schulbegleitung unterstützen? Ohne das Interesse der Schule an einer Schulbegleitung dürfte es kaum möglich sein, eine zu bekommen.
Was sagt deine Tochter zu einer Schulbegleitung. Würde sie diese tolerieren oder wäre ihr die Nähezu einer 2. Person eher anstrengend?
Ansonsten kann man mit der Lehrerin reden, ob es andere Entlastungsmöglichkeiten während der Schule gibt, z. B. längere Pause oder wie du schon schreibst Förderung statt Musik, so dass ihre persönlichen Stressfaktoren reduziert werden. Es wäre gut, wenn man herausfinden könnte, welche Stunden/ Fächer/ Pausen/ Inhalte genau die Überforderung auslösen. Kann die Therapeutin mit der Schule in Kontakt gehen und die Situation besprechen?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mein Sohn keine Schulbegleitung wollte, weil ihm nach eigener Aussage die stete Anwesenheit einer Person nochmehr Stress bereitet hätte. Andere Kinder fühlen sich aber auch entlastet. Das ist sehr verschieden.

LG elke

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nettie75
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Beitragvon nettie75 » 04.12.2016, 17:14

Hallo Elke,

Vielen Dank für deine Antwort. Die Schulbegleitung würde durch die schule unterstützt werden, da die sehr daran interessiert sind, die vorhandene schulfreude zu erhalten. Die Lehrerin sieht aber auch die überforderung. Meine Tochter kompensiert extrem gut aber das ist halt sehr sehr anstrengend. Die frage ist, ob eine SB da entlastend wäre.Meine Tochter hat da überhaupt kein Gespür für ihre Besonderheiten, äußert aber immer öfter dass sie Probleme hat (vor allem mit den weniger strukturierten Fächern). Ich denke, wir würden die Grundschulzeit irgendwie überstehen, aber was dann??
Ich habe da echt große Angst, dass sie ohne Hilfe nicht mehr klar kommt. Zur zeit nehmen wir allen Stress im privaten raus und trotzdem weint und schreit sie viel. Ist aber nie aggressiv gegen andere.
Daher vielleicht besser jetzt beantragen und fürs 3
4. Schuljahr bekommen oder nicht????
Wenn ich das bloß sicher wüsste :shock:

Die Therapeutin hat mit der Lehrerin schon Kontakt aufgenommen. Das nächste HPG ist Mitte Januar.
Mal sehen was das ergibt

LG Nettie
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Cassandra Berg
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Beitragvon Cassandra Berg » 04.12.2016, 22:35

Huhu!

Vielleicht würde es Deiner Tochter auch helfen eine Schmerztherapie zu machen oder zumindest mal zu einer schmerztherapeutischen Fachkraft zu gehen? Häufig helfen gute Strategien um mit Schmerzen klar zu kommen.

LG,
Cass
Es kommt anders als man denkt, aber auch anders ist gut! :-)

Cass mit Tochter, AD(H)S, CSS, isolierter Motorikstörung, ASS und visueller Wahrnehmungsstörung

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Beitragvon elke bernau » 05.12.2016, 07:27

Hallo nettie75,

wenn die Schule dein Anliegen unterstützt, dann würde ich einen Versuch wagen. Wichtig ist wahrscheinlich, dass die Chemie zur Schulbegeleitung stimmt. Wenn deine Tochter vertrauen gewinnt, dann kann sie das Angebot zur Entlastung bestimmt annehmen. Bei guten Absprachen mit der Lehrerin, kann man Strategien erarbeiten, die helfen das Kind vor Überlastung zu schützen.
Ich wünsch euch, dass ihr die richtige Entscheidung findet.
LG elke

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Re: Ständige Kopf- und Bauchschmerzen. Hilft ein Schulbeglei

Beitragvon Regina Regenbogen » 05.12.2016, 07:39

nettie75 hat geschrieben:Meine 8 jährige Tochter hat eigentlich schulisch keine Probleme, sie geht gerne, ist gut integriert und hat eine supertolle, sehr professionelle und einfühlsame Lehrerin und TROTZDEM hat sie täglich Kopf- und Bauchschmerzen.


Habt ihr mal daran gedacht, mit ihr ein paar Entspannungsübungen zu erarbeiten? Dabei kann euch vielleicht eine gute Ergotherapiepraxis unterstützen, bei uns hat das die Autismustherapeutin gemacht. Das hilt eine Menge bei gut kompensierenden Kindern.

Musik und Religion waren (und sind) bei unserem Jüngsten auch so Knackpunkte. durch den Englischunterricht kam er dann einigermaßen gut durch, indem wir ihn in der Grundschule während der Musik- und Religionsstunden anderweitig beschäftigt hatten.

Heute ist Musik kein Thema mehr, von Religion hat er sich jetzt abgemeldet - die Sache mit dem Glauben ist tatsächlich nicht seins. Englisch läuft sogar super mit.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Miriel
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Beitragvon Miriel » 05.12.2016, 11:17

Hallo miteinander, ich muss mal was dazwischen fragen:
mein Kind ist ja an der neuen Schule jetzt auch ruhig und angepasst. Bis auf Einzelgängertum und ein paar ungewöhnliche Reaktionen und das langsame Schreiben komplett unauffällig.
Allerdings klagt er auch immer mehr über Bauchschmerzen, mittlerweile jeden Morgen, und auch hier ist es am Wochenende besser. AUch die Ausbrüche nach der Schule sind deutlich.

Wie findet ihr denn raus, was am Schultag eure Kinder stresst, wenn das Kind nichts erzählt? Also z.B. spezielles Fach o.ä.? Ich habe schon die Lehrerin befragt, aber sie sagt, ihr ist an seinem Verhalten nichts aufgefallen, sonst würde sie mich informieren. Das Kind sagt allerhöchstens, es wäre alles super und gut. Schule gut, Lehrer gut, Kinder gut, Pause gut. (Das sagte er allerdings auch, als an der anderen Schule quasi Weltuntergang herrschte.) Ich habe manchmal den Eindruck, dass ihn die Tage mit Fremdlehrern (Handarbeit, Ethik, ..) schon stressen, aber die Lehrer kennen ihn noch weniger und auch da sagt er nichts.

Zur Schulbegleiterfrage kann ich leider nichts beitragen...

Danke!

Grüße,

Miriel


Kind (09), ADS, V.a. ASS, oder irgendwas ganz anderes..
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nettie75
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Beitragvon nettie75 » 05.12.2016, 11:47

Hallo Miriel,
Ich komme dem Ganzen auch jetzt erst langsam auf die Spur. Habe aber auch das Glück, an der selben Schule beschäftigt zu sein und bin so sehr nah dran, also ihre Schulbegleitung quasi. Das bringt mich aber auch oft in doofe Situationen, wenn ich wieder eine "Extrawurst" für sie durchdrücken muss.
Gruß Nettie
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Beitragvon karya » 05.12.2016, 15:12

Hallo!

Ich möchte mal von meinem Sohn berichten.

Er ist nun im 4. Schuljahr und hat seit Februar 2016 eine Schulbegleitung. Im 2. Sj, Anfang 2. Hj kam seine Lehrerin auf uns zu und schlug uns vor, über eine Schulbegleitung nachzudenken. Unser Sohn ist zwar ein sehr angepasster Junge, der vom Verhalten her in der Schule nicht auffällt und von den Leistungen her stimmte ebenfalls alles. Aber die Lehrerin hatte Sorge, dass er irgendwann im Stoff hinterher hängt, weil er in den Arbeitsphasen nicht viel geschafft hat (ca. 30 Prozent von dem, was andere schaffen!). Er hat viel vor sich hin geträumt, bekam sich nicht organisiert, brauchte ewig, bis er seine Sachen zusammen hatte, um anfangen zu können. Anfang 3. Sj. spitze es sich zu Hause so zu, dass er täglich Wutanfälle hatte und sich bei den Hausaufgaben verweigert hat bzw sie nur mit großen Kämpfen erledigt hat. Dazu muss man sagen,dass erschwerend seine Lehrerin 2 Monate gefehlt hat.

Nach einem langen Verwaltungsakt (der zwar in einem Rutsch ging, dauert aber alles) bekam er dann zum 2. Hj der 3. Klasse eine Schulbegleitung. Und was soll ich sagen!? Das ist das beste, was unserem Sohn passieren konnte.

Seitdem kommt er glücklicher aus der Schule (vorher war er nicht unglücklich, doch er wirkt nun einfach anders!), ist gelassener, es gibt deutlich seltener Wutausbrüche, ist aufgeschlossener usw.. Dies fällt auch unserem Umfeld auf! Wir haben den Eindruck, dass er endlich auch Ressourcen hat, sich in anderen Bereichen des Lebens zu entwickeln. Er wirkt innerlich nicht mehr so gestresst. Auch in der Schule ist er in Topform aufgegangen, seitdem die Schulbegleitung da ist.

Lange Rede kurzer Sinn: die Schulbegleitung hilft meinem Kind sehr, mit den ganzen Anforderungen in der Schule zurecht zu kommen, was sich auch auf den Alltag zu Hause auswirkt. Er ist und bleibt zwar ein Asperger mit all seinen Schwierigkeiten im Alltag, aber es ist hier insgesamt ruhiger und entspannter geworden.

Einen Versuch wäre es bei euch m.E. allemal wert!
Alles Gute
karya
karya mit
C. (04/07) "Grenzgänger" von Geburt an ☺️, Frühchen 31. SSW, Asperger Autist
L. (04/09) Z.n. Schulterdystokie, mittlerweile ausgeheilte Plexusparese links und erfolgreich operierter Schiefhals (10/11) links
E. (02/15) Spätfrühchen, gesund und munter

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Beitragvon karya » 05.12.2016, 15:15

Nachtrag:
Ich stehe mit der Schulbegleiterin im ständigen Kontakt. Das geht so gut, weil wir uns schon vorher kannten, da sie auch aus dem Schulumfeld kommt. Auch mein Sohn hat sich von Anfang an auf sie eingelassen, da er sie kannte. Jedenfalls bekomme ich z.B. bei unvorhergesehenen Ereignissen in der Schule direkt eine Nachricht, so dass ich unseren Sohn am Nachmittag "in Ruhe" lassen kann, nicht so viele Anforderungen an ihn stelle oder zumindest sein Verhalten deuten kann. Das hilft ungemein.
karya mit

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