Weihnachtsmannproblem

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violaya
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Weihnachtsmannproblem

Beitrag von violaya »

Hallo,

Weihnachten naht ja und da stellt sich mir wieder ein Problem. Wollte mal fragen, ob Eure Autisten (noch) an den Weihnachtsmann glauben bzw. was ich am besten tun könnte in der verzwickten Lage. :-)

Mein Sohn (10) hatte eigentlich letztes Jahr vor Weihnachten schon gesagt, er glaubt, den Weihnachtsmann gibt es gar nicht, ist ja auch unlogisch usw., hatte es auch so in der Schule gehört. Er hatte aber noch immer einen Brief bzw. Wunschzettel an ihn geschrieben und nichts gegen die Antwort einzuwenden. Als aber langsam die Bescherung kam, fragte er immer wieder, wann denn der Weihnachtsmann kommt oder ob er was abgegeben hätte (sonst sagte ich immer, ja und was genau von ihm wäre). Ich sagte also letztes Mal "nein" und dass er ja eigentlich nicht mehr daran glauben würde. Das hat er aber plötzlich (wohl eher aus Gewohnheit, Veränderungsangst?) überhaupt nicht akzeptiert und fing auch zu weinen an, ließ sich nicht beruhigen. Um das Fest zu retten, hatte ich die rettende Idee, schnell ein Geschenk auf das Fensterbrett zu legen (Fenster war offen, damit alles logisch ist) und zu sagen, das hat der Weihnachtsmann gebracht. Jedenfalls war damit die Welt wieder in Ordnung.

Jetzt fragt er wieder nach dem Weihnachtsmann. Es wird ja empfohlen, nach Gefühl zu gehen, also ob das Kind selbst glauben möchte. :-) Was mache ich nun? Mit 10 noch daran glauben? Er soll ja auch nicht ausgelacht werden. Er wird wohl das Fensterbrett diesmal gut kontrollieren, aber weinen soll er auch nicht.

Gruß
Viola
Viola (1974, alleinerziehend), Hüftdysplasie, Rosacea
und Sohn (2006), 2010 Diagnose frühkindlicher Autismus "high-functioning", meine Erachtens hyperaktiv, zeitweises Stottern
2015 ASS bestätigt + einfache Aufmerksamkeitsstörung

Inselheike
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Beitrag von Inselheike »

Hallo Viola,
also bei uns war es so, dass der Weihnachtsmann immer nur ein Geschenk gebracht hat. Den Rest der Geschenke hat er an die Verwandschaft "delegiert" und so war der Übergang von "Glauben an den Weihnachtsmann" zum "Nicht-Glauben" eher fliessend.
Ich denke, ich würde einfach den Weihnachtsmann weiter leben lassen, so lange es geht. Ich finde diese Story da immer sehr passend, die kannst Du Deinem Sohn ja zu lesen geben: http://www.adventskalender.net/weihnach ... w-york-sun
Liebe Grüße, Heike
Heike (02/68)mit Lars (06/97), Asperger Autist

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IrisB
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Beitrag von IrisB »

Hallo Viola,

Weihnachtsmann hatten wir nie, es war immer klar, woher die Geschenke kommen und unsere Erklärung war immer: die Geburt Jesu Christi ist eine große Freude und ein Geschenk für uns Erwachsene. Weil die Kinder das nicht so fühlen, gibt es Geschenke für die Kinder, damit sie auch das schöne Gefühl haben, was man spürt, wenn man ein Geschenk bekommt.

Beim Nikolaus habe ich immer die Nikolauslegenden erzählt (aber zumindest sprachlich unterschieden zwischen dem, was man über die historische Gestalt weiß und dem, was man glaubt oder von ihm erzählt) und dann erklärt, dass wir Erwachsenen an Nikolaus so sehr an den Nikolaus denken, dass wir so handeln wie er und dadurch "der Nikolaus kommt", eben durch uns. Das haben sie, als sie klein waren, nicht wirklich verstanden (zumal sie das Weihnachtsmann-Gedöns aus dem Kindergarten importiert haben), aber ich konnte ihnen jeden Jahr dasselbe erzählen ohne etwas zurücknehmen zu müssen. So ging das ganz fließend.

Wenn es bei Euch aber so schwierig ist: frag ihn doch, was er sich denkt, was der Weihnachtsmann wohl dieses Jahr macht. Wenn er antwortet, dass der sicher ein Fenster aufmacht und das Geschenk hinlegt, ist alles klar. 10 Jahre sehe ich da als kein Hindernis; bei meinem 10jährigen haben jetzt erst die Stofftiere ein Eigenleben entwickelt...


LG Iris
Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA
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JasperJaspie
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Beitrag von JasperJaspie »

Hallo,

bei meinem Sohn war es genauso.
Er glaubte definitiv bis 10 1/2 an den Weihnachtsmann!
Dabei ist er ein hochintelligentes Kind und es wundert mich, dass er das nicht durchblickt hat.
Dabei wurde er schon, seit er 6 war, von einer Schulfreundin immer darauf hingewiesen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt.
Er hat Jahr für Jahr weiter daran geglaubt...
Ich finde, man sollte ein Kind solange daran glauben lassen, wie es möchte, ist ja nichts Schlimmes.
Er wird schon noch dahinter kommen.
Bei uns ging das dann auch so ganz sanft über die Bühne, er wusste es dann plötzlich und dann war es auch ok.
Heute, mit 15, sagt er manchmal, dass es eigentlich schade sei, dass er nicht mehr daran glaubt, "früher" war es besser, Weihnachten...

Ann
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

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Regina Regenbogen
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Beitrag von Regina Regenbogen »

JasperJaspie hat geschrieben:Er glaubte definitiv bis 10 1/2 an den Weihnachtsmann!
Dabei ist er ein hochintelligentes Kind und es wundert mich, dass er das nicht durchblickt hat.
Dabei wurde er schon, seit er 6 war, von einer Schulfreundin immer darauf hingewiesen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt.
Unser Jüngster hat vermutlich nie an den Weihnachtsmann geglaubt. Er hat aber eine wunderschöne Tradition genossen und wollte gerne daran festhalten. Für alle Kinder gleichzeitig haben wir in einem Jahr festgestellt, dass der Weihnachtsmann so viel zu tun hat, dass er nur noch zu den kleinen Kindern persönlich kommt und zu den größeren Kindern in der Nacht vor Heiligabend seine "Gesandten" schickt. Da war er ca. 5 Jahre alt.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

violaya
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Beitrag von violaya »

Danke für die Antworten, dann bin ich ja beruhigt.

Es ist nur gar nicht so einfach, weil er alles ganz genau wissen will und auch genau nimmt. Und Lügen und Fantasie regen ihn auch auf. Versuche mal, es kurz und bündig zu machen. :-)
Viola (1974, alleinerziehend), Hüftdysplasie, Rosacea
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Anjali
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Beitrag von Anjali »

Hallo Viola,

War deinem Sohn denn klar, dass er auch wenn er nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben würde, trotzdem noch Geschenke erhalten würde?
Kein Weihnachtsmann, keine Geschenke - vielleicht war/ist das ja die Befürchtung, die dahintersteckt.
Wenn nicht der Weihnachtsmann Geschenke bringen kann, weil er gar nicht existiert, wer bringt sie dann? Das ist doch eigentlich eine berechtigte Frage.
Ich würde da mal nach nachhaken und eventuelle offene Fragen beantworten und eventuell bestehende Missverständnisse beseitigen.

Bei uns kommt an Weihnachten weiterhin das Christkind und läutet zur Bescherung (erst danach darf man den kerzenhell erleuchteten Baum und die Geschenke sehen), auch
wenn bei uns keiner mehr daran glaubt, auch mein Sohn mittlerweile nicht mehr. Die Tradition führen wir einfach weiter, weil wir sie schön finden.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

Rita2
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Beitrag von Rita2 »

Hallo,

so wie bei Anja ist es bei uns auch.
Unser Sohn weiß, daß wir die Geschenke kaufen und unter den Baum legen. Aber das ganze wird so gemacht, daß er nicht mitbekommt, wie die Geschenke unter den Baum kommen.
Und erst wenn die Glocke klingelt darf man wieder ins Wohnzimmer mit erleuchteten Baum und den Geschenken.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

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Regina Regenbogen
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Beitrag von Regina Regenbogen »

Rita2 hat geschrieben: Unser Sohn weiß, daß wir die Geschenke kaufen und unter den Baum legen. Aber das ganze wird so gemacht, daß er nicht mitbekommt, wie die Geschenke unter den Baum kommen.
Und erst wenn die Glocke klingelt darf man wieder ins Wohnzimmer mit erleuchteten Baum und den Geschenken.
Mit dieser Tradition bin ich selbst aufgewachsen und fand sie wunderschön, auch als ich schon lange nicht mehr zu Hause gewohnt habe. Leider konnte ich das nicht so fortführen, weil meine Älteste (heute 27 Jahre alt und höchstwahrscheinlich -wie ich heute weiß- auch autistisch) nur geschrieen hat bis zum Erbrechen, wenn das Glöckchen klingelte. :(
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

violaya
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Beitrag von violaya »

Ja, unter den Baum werden die Geschenke hier auch gelegt. Er fragt dann aber ganz genau, welches Geschenk vom Weihnachtsmann ist (normalerweise was vom Wunschzettel, der an ihn geschickt wurde) und der Rest ist von mir. Er muss dann aber genau wissen, ob ich den Weihnachtsmann gesehen habe, was er gesagt hat, ob das Geschenk schon eingepackt war usw. Das machen eure Kinder wohl nicht? :-) Naja, und wenn ich etwas Unlogisches sage, wird er wütend und sagt, ich lüge und die Geschenke sind ja alle von mir. Nur reicht es dann nicht zum Umkehrschluss...

Das er trotzdem von mir Geschenke bekommt, ist klar. Ich könnte ja noch sagen, er bekommt dann eins mehr.
Viola (1974, alleinerziehend), Hüftdysplasie, Rosacea
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