Hessen - Kindergartenwahl

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Anja mit Tristan
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Hessen - Kindergartenwahl

Beitragvon Anja mit Tristan » 01.11.2016, 14:20

Hallo Ihr Lieben,

wir wohnen in Hessen und planen zum Frühjahr 2017 für Tristan den Kindergartenbesuch.
In Hessen gibt es keine heilpädagogischen Kindergärten mehr, jeder muss jeden nehmen.
Ich schaue mir morgen eine recht neue, explizit als integrativen Kindergarten geplante und gebaute Einrichtung an. Die Einrichtung hat bereits mehrere I-Kinder, die Leiterin ist sehr nett und engagiert und Tristan kennt bereits eine Erzieherin, da sie unsere Übungsleiterin im Babysport im Sportverein ist.
Tristans Physiotherapeutin kommt bereits für ein anderes Kind in die Einrichtung und es wird musikalische Früherziehung angeboten, die uns für Tristan von der Frühförderung sehr empfohlen wird. Es klingt alles super!

Und jetzt der Haken: Die KiTa ist in der Nachbargemeinde. Unsere Gemeinde hat keine explizit integrativ arbeitende Einrichtung, sondern nur "alte" Regelkindergärten, die eben I-Kinder nehmen, weil sie es müssen. Erfahrungen mit Kindern wie Tristan haben diese Einrichtungen nicht. Momenentan hat unsere Gemeinde gar keine U3-Plätze frei, noch nicht einmal für gesunde Kinder.
Unsere Gemeinde müsste nun an die Nachbargemeinde eine Ausgleichszahlung leisten. Da unsere Gemeinde seit Jahren keinen genehmigten Haushalt hat, will man das natürlich nicht.
Außerdem könnte es sein, dass die Nachbargemeinde als Trägerin unserer Wunsch-KiTa Tristan ablehnen könnte, weil die Gruppengröße wegen des I-Status zulasten gesunder einheimischer Kinder reduziert werden müsste. Ich weiß aber sicher, dass die Nachbargemeinde derzeit sogar U3-Plätze frei hat, also aktuell müsste wegen Tristan kein Kind abgewiesen werden.
Das SPZ und unsere Kinderärztin stehen hinter uns.

Nun meine Fragen:
1. Muss unsere Gemeinde, da sie derzeit weder einen Regel- noch einen I-Platz für U3-Kinder anbieten kann, uns erlauben Tristan in die Wunsch-KiTa zu geben und an die Nachbargemeinde zahlen?

2. Die KiTas in unserer Gemeinde sind für Kinder mit Tristans Bedürfnissen gar nicht ausgestattet, z.B. nicht barrierefrei. Tristan nutzt z.B. einen Walker, damit muss er ja ohne Absätze und Treppen überall hinkommen.
Wäre das ein Argument, einen woher auch immer dann eventuell gezauberten Platz abzulehnen?

3. Darf die Nachbargemeinde Tristan einfach so ablehnen, auch wenn es aktuell keinen Mangel an U3-Plätzen dort gibt?

4. Tristan muss sondiert werden. Kann die KiTa deswegen auf die Begleitung durch eine Krankenschwester bestehen oder sondieren die Erzieherinnen? Läuft das dann ggf. über die Eingliederungshilfe? Behandlungspflege braucht Tristan tagsüber eigentlich nicht.

Ganz, ganz lieben Dank und viele Grüße
Anja
Tristan: 10/2014, HIE, Aphagie (Button), Hiatushernie, Cardiainsuff., GÖR, Fundoplicatio, ICP, Laryngomalazie, Sehbehind., global entwicklungsverz. - Mamas und Papas Sonnenscheinchen

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Corrie
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Beitragvon Corrie » 02.11.2016, 07:42

Hallo Anja,

wenn die Gemeinde, in der Du wohnst, weder einen Regel- noch einen I- Platz anbieten kann, sollte es eigentlich kein Problem sein, dass Tristan in die Nachbargemeinde geht. Außerdem ist das ja ein integrativer Kindergarten, die gibt es ja oft nicht in den kleineren Gemeinden, sondern eher in den Städten.

Kita- Plätze werden in der Regel nach bestimmten Kriterien vergeben. Vorrang haben Geschwisterkinder, dann Kinder des Wohngebietes, und dann Kinder aus anderen Wohngebieten. Wenn deine Wunsch- Kita noch Plätze frei hat, sollte das sicher kein Problem darstellen.

Habt ihr einen Pflegedienst? Ob Erzieherinnen sondieren, kann ich Dir leider nicht sagen. Ich hatte diesen Fall bisher noch nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Pflegedienst bzw. die Krankenschwester zu bestimmten Zeiten vorbeikommen und dann sondieren.

In Hessen gibt es wirklich gar keine heilpädagogischen Kindergärten? Hier gibt es Kindergärten, die an die Sonderschulen angeschlossen sind, jedoch erst für Kinder ab 3 Jahren.

Liebe Grüße
Corrie
Integrationsfachkraft im Regelkindergarten/
pädagogisch- psychologische Lerntherapeutin

GerritsMama
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Beitragvon GerritsMama » 02.11.2016, 11:57

Hallo Anja!

Ich weiß nicht wie es in Hessen gehandhabt wird, wir wohnen in Rheinland Pfalz. Bei uns s heint es kein Problem zu sein. Ich habe Gerrit in einem integrativen kindergarten im Nachbarort angemeldet. Der gehört auch einer anderen Gemeinde an. Bei uns im Ort gibt es nur " normale" kindergärten, die zwar I-Plätze anbieten, aber scheinbar nicht genutzt werden. Allerhöchstens gehen dort lernbehinderte Kinder hin. Alle körperlich behinderten Kinder der Umgebung teilen sich auf, auf den im Nachbarort und einen etwas weiter entfernten.

Gibt es nicht auch so Einzelbetreuung....???? Für die Schulen gibt es sowas doch, oder???? Ich komm nicht auf die richtige Bezeichnung.
Mein Kinderarzt wollte das für Gerrit, aber die Leiterin des I- KiGa sagte, das gäbe es (in diesem KiGa) nicht.
Vlt wäre das für euch eine Alternative, falls es mit dem Wunsch- KiGa nicht funktioniert???

LG Silke
Gerrit *08/2013, 34+1 SSW, MOPD Typ 1, BPD, globale Entwicklungsstörung, Neurodermitis
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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 02.11.2016, 13:49

Hallo Anja,

ich würde versuchen, diese Fragen gemeinsam mit der Kita-Leiterin der Wunsch-Kita zu klären. Manchmal gibt es ja zwischen Nachbargemeinden oder den Gemeinden eines Landkreises so genannte Gastkinderabkommen, dann ist die Ausgleichszahlung eh hinfällig. Da Du ja Schreiber, dass Du von mehreren Kindern weißt, die die Kita in der Nachbargemeinde besuchen, könnte es ja gut sein, dass da auch ein solches Abkommen geschlossen wurde und Du Dir ganz umsonst Sorgen machst.

Meine Erfahrung ist: Wenn die Leitung der Wunsch-Kita hinter der Aufnahme des Kindes steht, dann klappt der formale Kram auch irgendwie, auch wenn's an manchen Stellen mühselig ist. Aber das ist irgendwie das A und O. Wenn Du merkst, die Leitung will nicht so recht, dann ist immer noch Zeit, nach einem Plan B zu suchen. Dann macht es aber meines Erachtens auch wenig Sinn, das durchzuboxen. Wir hatten das ganz am Anfang mal mit der Kita unserer damaligen Kirchengemeinde. Es bringt einfach nix, wenn die Kita das Kind nicht betreuen möchte, aus welchem Grund auch immer. Da kann man dann noch so sehr "im Recht sein". Wobei das bei Eurer Wunsch-Kita ja nicht anzunehmen ist, dass dieser Fall eintritt. Insofern würde ich einfach zeitnah einen Termin mit der Leiterin machen und mit ihr zusammen einen "Schlachtplan" absprechen.
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
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kati543
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Beitragvon kati543 » 03.11.2016, 08:21

Hallo,
meine Kinder sind jetzt zwar mittlerweile 3. und 4. Klasse (Hessen), aber wenn es noch so ist wie "damals", dann wären die Antworten:
1. Definitiv nein. Einen (Rechts-)anspruch auf den Wunschplatz hat man nie, noch nicht mal in der eigenen Gemeinde. Du hast auch keinen Anspruch auf einen Kitaplatz, sondern nur auf einen Betreuungsplatz. Das kann auch eine Tagesmutter sein.
2. Nicht wirklich. Wir reden hier von leichten Kindern unter 6 Jahren ;-). Was glaubst du, was in der Regel-Schule los ist, wo absolut nix barrierefrei ist und die Kids deutlich schwerer sind. Kinder unter 3 rennen doch nicht frei in der Kita umher. Da muss nicht groß was barrierefrei sein. Sobald ein Ortswechsel angesagt ist, kann die I-Kraft helfen. Das ist so "üblich". Der Kiga meines Jüngsten hatte auch 2 Etagen und dort standen Rollis und Rehabuggys und Stehtrainer rum.
3. Ja, darf sie. Sie muss auch vorausschauend planen und die Kinder der eigenen Gemeinde gehen nun mal vor. Du weißt zwar, was sie aktuell heute für freie Kapazitäten hat, aber sie kennt die aktuellen Anmeldungen für die gesamte nächste Zeit. Da kann das schon ganz anders aussehen. Sie wird lieber dein Kind ablehnen und dafür dieses Jahr etwas Leerlauf haben, als nächstes Jahr Kinder in die Nachbargemeinden zu schicken.
4. Bei meinem Sohn im Kiga hatten wir ein Kind, welches sondiert werden musste. Dieses Kind hatte einen Pflegedienst, aber der kam nur einmal am Tag. Also hätten die nur dann sondiert, wäre der Junge verhungert. Bei uns haben auch die Erzieherinnen sondiert. Der Kindergarten wird wohl eher nicht darauf bestehen, wohl aber das Sozialamt. Die übernehmen keine solchen Kosten, die die Krankenkasse tragen müsste. Das hat aber eigentlich nichts mit dir zu tun. Die Ämter/Versicherungen schlagen sich dann um die Kostenverteilung.

Letztendlich ist eines gewiss:
Du hast keinen Rechtsanspruch auf diesen Wunschplatz. Aber wenn du die Gemeinde und die Kita irgendwie locken kannst, dann könntest du es schaffen. Der Gemeinde würde es sicher entgegenkommen, wenn du prinzipiell auf den Fahrdienst verzichtest. Wie du die Kita locken willst, ist mir unklar. Die Kitas reißen sich nicht gerade um schwerbehinderte Kinder. Die I-Plätze sind schon um Jahre im Voraus reserviert und vergeben. In unserer Gemeinde wurde genau festgelegt, welche Kita, wieviele I-Plätze anbieten darf. Mehr dürfen es einfach nicht sein, damit kein Ungleichgewicht zwischen den behinderten und gesunden Kindern entsteht. Die Behinderung soll ja kein Geschäft sein. Und Kitas lieben leichtbehinderte Kinder, die im Grunde nebenbei so mitlaufen.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Anja mit Tristan
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Beitragvon Anja mit Tristan » 10.11.2016, 00:12

Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für Eure Hilfe!

Die Leiterin der Kita würde Tristan sehr gern nehmen. Sondieren wäre kein Problem, das würde die Kita machen. Aktuell ist gerade der I-Platz frei.
Einen Fahrdienst brauchen wir nicht, wir fahren nur 7-8 Minuten.
Eine Einzelintegrationskraft bräuchte Tristan in dieser Kita ebenfalls nicht. Sie sind sehr gut personell aufgestellt. Nach den hiesigen Regelungen bekäme die Kita Personal-Budget für 15 Stunden zusätzlich. Unsere Frühförderung erklärte mir, die davon finanzierte Kraft wäre keine I-Kraft exklusiv für meinen Sohn. Das wäre in dieser Kita auch ok für mich.
In einer anderen Einrichtung würde ich auf einer Einzelintegrationskraft bestehen, damit Tristan nicht in seinen Therapiestuhl gesetzt und in eine Ecke gestellt wird, weil die 15 I-Stunden genutzt werden, um allgemeine Personalknappheit in der Einrichtung abzufangen.
Die Sache wird nun den jeweiligen Bürgermeistern vorgelegt.

Ich hätte auch die Möglichkeit, meinen Sohn in einem privaten Minikindergarten betreuuen zu lassen. Dort würde man auf einer Einzelintegrationskraft bestehen. Gehe ich richtig in der Annahme, dass auch die Begleitung in einen privaten Kindergarten eine Leistung der Eingliederungshilfe ist und vom Sozialhilfeträger übernommen werden muss? Diese Regelung mit den 15 Stunden "Maßnahmenpauschale" kann da ja kaum greifen, oder?

Danke nochmals und liebe Grüße
Anja
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Martina1977
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Beitragvon Martina1977 » 25.10.2018, 11:12

Hallo Anja,

Ich bin neu hier, und dein Beitrag ist ja schon etwas älter. Wir haben ähnliches Problem, da wir in Hessen wohnen.
Wie ist denn bei euch ausgegangen ? Welche Einrichtung besucht Tristan ?

Viele Grüsse
Martina

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Anja mit Tristan
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Beitragvon Anja mit Tristan » 26.10.2018, 09:36

Hallo Martina,

Tristan besucht einen integrativen Kindergarten der Behindertenhilfe in unserer Kreisstadt. Der Wunschkindergarten ist es leider nicht geworden, da die Nachbargemeinde als Träger ein so schwer behindertes Kind nicht haben wollte. Der jetzige Kindergarten ist aber genauso gut, nur etwas weiter weg.
Ich hatte ein Schreiben des SPZ, mit diesem war es kein Problem, bei unserer Gemeinde eine Freigabe für einen auswärtigen Kindergarten zu bekommen.
Ich habe mich beruflich an den Ort des Kindergartens versetzen lassen, so dass ich auch schnell dort bin, wenn es Probleme gibt.
Ich fahre Tristan selbst. Es hätte auch einen Fahrdienst gegeben, aber der war mir zu unflexibel. Und da ich ja nun nur 5 Minuten vom Kindergarten entfernt arbeite, ist das kein Problem.

Wir hätten sicher auch mit mehr „Druck“ auf die Nachbargemeinde einen Platz im Wunschkindergarten erstreiten können, aber da alles so gut gepasst hat, auch mit meinem Job, haben wir uns den Stress gespart.

Ich wünsche Euch viel Erfolg und einen guten Start in die Kindergartenzeit.

Liebe Grüße
Anja
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