Unterschied Sitzschale - Therapiestuhl?

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

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*Martina*
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Unterschied Sitzschale - Therapiestuhl?

Beitragvon *Martina* » 20.12.2004, 17:11

Hallo,
heute war der Rehaberater erstmalig bei uns. Nachdem ja vor einigen Wochen bei uns diskutiert wurde, ob Jakob eine Sitzschale braucht, habe ich die Gelegenheit beim Schopf gegriffen (er war wegen Bett da) und habe J. in seinen Hochstuhl gesetzt und ihn nach seiner Meinung gefragt. Er meinte, ein Therapiestuhl würde ausreichend sein. Was ist der Unterschied zur Sitzschale? Der Therapiestuhl soll auch nach "Patientenmaß anatomisch geformt sein".
Ich dachte, ich habe alle Erklärungen verstanden, aber jetzt, wenn ich so nachdenke... :roll:
Liebe Grüße,
Martina

Und jetzt noch eine weitere Frage am Rande:
Hat jemand Erfahrung mit dem Scalamobil, einem Teil, mit dem man einen Rollstuhl leicht (?) Treppen runter und hoch bekommt?? Mein Vater sitzt nämlich seit drei Jahren in einer Wohnung im zweiten Stock fest..
Würde mich freuen, was zu erfahren.
Martina mit Jakob (schwerst mehrfachbehindert, 16 Jahre), Pauline (22 J.), Sophie (21 J.)

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jessie
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Beitragvon jessie » 20.12.2004, 20:08

hallo martina

bei einer körperangepassten sitzschale wird vom kind in einer so weit wie möglich optimalen und bequemen sitzposition ein "abdruck" gemacht, z.b. mittels eines vacuums-systems (hier gibts aber mehrere möglichkeiten). bei diesen methoden werden sämtliche asymetrien und sonstige eigenschaften des körpers berücksichtigt. aus dieser "vorlage" erstellt man mit z.b. gips ein negativmodell, aus diesem negativmodell wird dann, z. b. aus PUR-Schaum (Polyurethan) oder PE-Schaum (Polyethen) oder GFK (GlasFaser-verstärkte-Kunststoffe), vielleicht gibts auch noch mehrere materialien, eine passende sitzschale gegossen. anschließend auf ein untergestell montieren, fertig.

bei einem therapiestuhl ist diese sitzeinheit halt schon fertig, und wird nachträglich an das kind angepasst, z.b. pelotten, aduktionskeil.... ein therapiestuhl bietet sehr unterschiedliche einstellungsmöglichkeiten, z.b. nur rückenneigung, oder komplette sitzeinheit neigen....

preisunterschied können locker 15000eur sein.

da ich keinen anderen stuhl "live" kenne, hier ein link zu dem madita in seiner "urform", dieser stuhl ist auf lukas umgebaut worden, vielleicht kannst du dir dann besser ein bild machen.

http://www.schuchmann-reha.de/madita.htm

gruß jessie
"wir können die kinder nach unserem sinne nicht formen. so wie gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben, sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren." (j.w. von Goethe)

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Karin65
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Beitragvon Karin65 » 20.12.2004, 20:32

Hallo,
wegendem Scalamobil kann ich dir nicht richtig helfen. ich habe nur gegooglet und diese Seite gefunden. Da kann man sich einen film ansehen, wie das funktioniert. http://www.ulrich-alber.de/html_d/html_ ... set_d.html


Gruß karin65

DanielaMaciej
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Beitragvon DanielaMaciej » 20.12.2004, 22:47

Hallo Martina,
ein Therapiestuhl ist sicher für Deinen Spatz geeigneter, da er wie Du geschrieben hast ja auch schon im Hochstuhl mehr oder weniger sitzt. Ich für meinen Teil kann nur sagen man sollte den Kindern so viel Hilfe wie nötig geben damit sie sich gut entwickeln können. Aber so viel Hilfe wie möglich erreicht oft auch das Gegenteil und nimmt den Kindern wichtige Schritte ab in dem es zu viel unterstütz und damit auch gebremst wird.
Ein großer Vorteil der meisten Therapiestühle ist im Gegensatz zu Sitzschalen, daß sie mitwachsend sind und durch einfaches einstellen immer wieder auf die Situation und Größe des Kindes eingestellt werden können.
Wir selbst haben für unseren Sohn Léon den Gamma von Jenx und das wird wohl auch sein Stuhl für die nächsten 5-7 Jahre bleiben. Damit bleibt uns auch das ewige Theater erspart, welches man immer wieder mit den Krankenkassen und Sani-häusern hat, wenn nach einem Wachstumsschub oder sonstigen Entwicklungen die Schale erneut beantragt und erneuert/umgebaut werden muß.
Eine Sitzschale nach Abdruck ist aber mit Sicherheit super für Kinder, die so stark beeinträchtigt sind, daß sie sonst nur mehr oder weniger liegend gelagert werden können.

Vielleicht kannst Du ja was mit meiner Meinung anfangen.
Liebe Grüße Daniela :wink:
Daniela '74 und M. '64 mit Léon und Louis (Febr.2002) Zwillinge aus 29,3SSW.
Léon: mehrfachbeh., HC, Opticusatrophie, Tetraspastik, Epilepsie, Rollikind (der kleine Große)
Louis: BPD->"Umbaulunge", ACM II, ADS, viele emotionale Baustellen, Astma, Skoliose der LWS (der große Kleine)

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Beitragvon fienchen » 21.12.2004, 18:43

Hallo Martina,

wir haben zu Hause einen Therapiestuhl, die Giraffe von Thomashilfen/Jenx. Im Kindergarten dagegen seit einer Woche eine Sitzschale nach Maß mit Untergestell.

Die Sitzschale sieht sehr bequem aus, erinnert mich ein bisschen an einen kleinen Ohrensessel und Nele sitzt sehr gut darin. Nur habe ich irgendwie die Befürchtung, dass diese Schale ein bisschen "zu bequem" sein könnte. In ihrem Therapiestuhl sitzt sie auch sehr gut und hat auch den nötigen Halt durch Pelotten, Brust-Schulter-Gurt, Kopfstütze. Nur muss sie hier mehr tun z. B. Kopfkontrolle üben und das wird ihr in der Sitzschale alles abgenommen. :roll:

Lieben Gruß
Manuela
Manuela mit Nele (CDKL5)

*Martina*
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Beitragvon *Martina* » 22.12.2004, 09:00

Vielen, lieben Dank für eure Antworten!
Sie bestärken mich sehr. Gegen eine Sitzschale habe ich mich bislang gesträubt, weil Jakob beispielsweise eine wirklich gute Kopf- und Rupfhaltung hat, wenn er in seiner Schaukel sitzt und möglichst hoch schaukelt. Da zappeln die Beinchen und er merkt sogar, dass die Arme auch bewegbar sind. Setze ich ihn in seinen Hochstuhl, würde er fünf Stunden später immer noch unverändert sitzen. Will sagen: je bequemer es mein kleiner Mann hat, desto bequemer macht er sichs. Da scheint ein Therapiestuhl wirklich die bessere Lösung!
Vielen Dank,
Martina
Martina mit Jakob (schwerst mehrfachbehindert, 16 Jahre), Pauline (22 J.), Sophie (21 J.)

AnnaL
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Beitragvon AnnaL » 24.01.2005, 21:43

Hallo,
David hat eine Sitzschale. Er hält sich nicht im Rumpf. (Na ja, woanders auch nicht.)
Das ist aber nicht der einzige Grund für diese Sitzschale. David brüllt oft, weil er ja nichts selbständig machen kann. Er kann nicht von sich aus in eine andere Position kommen. Wenn er in seinem "King Louis" Stuhl sitzt wird er von allen Seiten gehalten, er kann ein wenig gekippt werden und ich muss ihn nicht ständig auf dem Arm halten, wenn ich mir endlich mal einen Cappuchino machen will oder das Essen kochen muss. Ich habe den Eindruck, als täte es ihm sehr gut "gehalten" zu werden. Von allen Seiten einen gleichmäßigen Input zu bekommen. Dass er nicht zu lang in dem Stuhl sitzen sollte versteht sich von selbst.
Grüsse
Anna


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