Sauerstoff-Sättigung bei schwerer BPD

So manches Kind muss aufgrund seiner Behinderung besonders intensiv betreut werden - z. B. mit Hilfe eines Pflegedienstes. Viele Kinder werden von einer Krankenschwester in Kindergarten oder Schule begleitet, um optimal versorgt werden zu können. Das gilt beispielsweise für viele tracheotomierte Kinder. In dieser Rubrik können sich Eltern von so genannten Intensivkindern über die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder austauschen.

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Anne81
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Sauerstoff-Sättigung bei schwerer BPD

Beitragvon Anne81 » 03.09.2016, 08:52

Hallo, unser Sohn ist jetzt 9 Monate alt, korrigiert 5 und braucht weiterhin ca 40-60% Sauerstoff am flowgerät, bzw so 0,4-1 Liter am kalten Sauerstoff. Bei unseren Ärzten herrscht Uneinigkeit darüber ob es für seine lungenentwicklung jetzt besser ist den o2 möglichst schnell zu reduzieren und dafür eine Sättigung von 90-95 zu tolerieren damit er sich nicht zu sehr dran gewöhnt oder ob es bei der BPD wichtiger ist dass er über 95% gesättigt ist. Habt ihr Erfahrungen? Sobald ihm die Brille aus der Nase rutscht, rauscht er übrigens SOFORT runter... Liebe Grüße anne

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JanaSnow
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Beitragvon JanaSnow » 03.09.2016, 09:02

Hallo,

als Mama mit BPD-Kind (also keine Fachkraft) würdeich sagen, dass hier keine pauschale Antwort möglich ist. Bei unserer Tochter wurde die Grenze auf 90 reduziert, als Atmung und Herzfrequenz bei dieser Sättigung nicht mehr auffallend "schlechter" waren, als bei so viel Sauerstoffgabe,dass 95 erreicht wurde. Also dann als man merkte, bei unter 95 muss sie sich auch nicht mehr anstrengen. Schädlich an sich ist die 90 ja nicht. Aufpassen muss man halt, was die Herzfrequenz dabei macht. Wenn die ok ist, dann sieht UNSER Arzt bei UNSEREM Kind bei 90er-Grenze überhaupt kein Problem. Wenn sie dann in dem Bereich 90 oder drunter war erfolgte so viel Sauerstoffzufuhr, bis sie wieder stabil über 95 lag. Inzwischen haben wir die 90 als untere Grenze. Jetzt rauscht sie aber auch nicht mehr fix nach unten.

Alles Gute
Jana

Lovis3
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Beitragvon Lovis3 » 03.09.2016, 09:09

Hallo!

Das ist wirklich sehr vom Kind abhängig. Bei unserem Sohn kam durch die BPD eine Herzinsuffizienz dazu, das Herz war durch die sehr schlechte Lungensituation immer sehr belastet, auch mit Sauerstoff. Daher gilt bei uns auch heute noch, dass Anton möglichst über 95 gesättigt sein sollte. Kurze Zeiten unter 95 tolerieren wir schon, solange die Herzfrequenz dabei schön niedrig bleibt. Bei ihm ist es oft so, dass erst die Herzfrequenz steigt und danach erst die Sättigung fällt, wenn es ihn zu sehr anstrengt.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, Sauerstoffpflichtige BPD und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie,entwicklungsverzögert, sehbehindert, sehr glückliches Schulkind
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Beitragvon Jutta mit Jonas » 03.09.2016, 10:10

Hallo,

Jonas hatte eine pulmonale Hypertonie und bei der Diagnose wurde das Ziel gesetzt die Sättigung möglichst immer über 95% zu halten, um das Herz zu entlasten.
In Infektzeiten gelang das aber auch nicht und in anfallsreichen Phasen auch nicht, da bei zu hoher Sauerstoffzufuhr der CO2 massiv angestiegen ist.
Wir hatten irgendwann es dann so gehandelt, das wir nur kurzzeitig über 3 Liter O2 gegeben haben und dann eben auch niedrigere Sättigung in den Phasen akzeptiert haben.

Liebe Grüße

Jutta
Jonas*23.11.04 :therapieresistente Epilepsie(epileptische Encephalopathie),Z.n. rezidivierendem Status epilepticus, ICP, Skoliose,pulmonale Hypertonie, sauerstoffpflichtig,Pankreasinsuffizienz , chronische Pankreatitis, Fundoblikatio, seit 13.06.2015 gibt es den Mausebärenstern, der schönste, hellste und lustigste, aber hier fehlt das Lachen.

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Beitragvon Anne81 » 03.09.2016, 12:00

Danke! Pulmonale hypertonie hat unser Sohn auch, ich werd also vorerst mal versuchen ihn über 95% zu halten... Und vielleicht nochmal den Kardiologen dazu befragen

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 03.09.2016, 12:10

Hallo!

Als Kinderkrankenschwester habe ich gelernt und in den vergangenen Jahren von Neonatologen immer wieder bestätigt bekommen, dass die Sättigung im Schlaf über 95,jedoch NICHT bei 100 liegen sollte.
Bei Aktivität orientiert man sich, wie hier schon berichtet eher an der Herzfrequenz/Herzbelastung und toleriert auch Sättigungen bis 92/90.

Wichtige Maßnahmen neben der Sauerstofftherapie sind coritisonhaltige Inhalationen und evtl. Medikamente (Theophilin, entwässernde Medis...), die das Herz entlasten, sowie eine hochkalorische Ernährung.

Wir Schwestern waren in erhöhtem Maße für eine atmungserleichternde Lagerung und physiotherapeutische Atemübungen zuständig.

Ich hoffe, dass Du mit diesem Gesamtpaket an Maßnahmen, für Deinen Sohn eine stabile Atmung und möglichst geringe Rechtsherzbelastung erreichen kannst.

Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

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Beitragvon Lovis3 » 03.09.2016, 14:12

Hallo Ursula!

Warum keine Sättigung von 100 im Schlaf?
Wir haben es bei Anton gerade, dass er sobald er liegt Sauerstoff braucht (ohne O2 geht er im Schlaf unter die 90), mit Sauerstoff ist er in den frühen Morgenstunden oft bei 100. Seine Sättigung steigt im Laufe der Nacht, je mehr er sich vom Tag erholt.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, Sauerstoffpflichtige BPD und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie,entwicklungsverzögert, sehbehindert, sehr glückliches Schulkind

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Beitragvon Jörg75 » 03.09.2016, 14:31

Hallo Katrin,

warum kann ich dir auch nicht sagen - aber als wir mit unserem Sohn auf der NeoITSwaren, gab es einen Alarmschwelle auf dem Monitor nach unten und eine nach obnen (i.d.R. so bei 98%), solange er Sauerstoff bekam.
Als der Sauerstoff weg war, er also nur noch CPAP mit Druckluft bekam, war die obere Grenze weg (wenn ich mich recht erinnere).

Gruß,
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Beitragvon Lovis3 » 03.09.2016, 14:57

Hallo Jörg!

Auf der Neo hatten wir die obere Grenze auch, später nicht mehr. Damals wurde auch noch versucht, den Sauerstoff zu reduzieren. Also wenn er bei 100 war, wurde versucht, Sauerstoff zu reduzieren. Über die Phase sind wir aber ja schon lange hinaus :?

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, Sauerstoffpflichtige BPD und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie,entwicklungsverzögert, sehbehindert, sehr glückliches Schulkind

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Beitragvon JaninaK » 03.09.2016, 15:12

Hallo,

ich denke mal daß bei Sauerstoffgabe und einer Sättigung von 100% nicht mehr erkennbar ist, ob nicht zuviel O² gegeben wird.

LG,
Janina
Nele (`06), massiver Hirnschaden durch Asphyxie
dadurch schwerste ICP, therapieschwierige Epilepsie, Osteoporose, Nebenniereninsuffizienz, gesetzl. blind, Wahrnehmungsstörungen, PEG, Port, O²- Bedarf usw.
PS 3, 18 Std. tgl. Intensivpflegedienst
† 29.12.14
www.dasbesonderekind.com


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