Sauerstoff-Sättigung bei schwerer BPD

So manches Kind muss aufgrund seiner Behinderung besonders intensiv betreut werden - z. B. mit Hilfe eines Pflegedienstes. Viele Kinder werden von einer Krankenschwester in Kindergarten oder Schule begleitet, um optimal versorgt werden zu können. Das gilt beispielsweise für viele tracheotomierte Kinder. In dieser Rubrik können sich Eltern von so genannten Intensivkindern über die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder austauschen.

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Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 03.09.2016, 15:25

Hallo Ihr Lieben!

Die Begründung ist "einfach".
Reiner oder auch hoch konzentrierter Sauerstoff (ab ca.60%) kann zellschädigend und somit selber ein Problem sein.
Bei noch unreifen Kindern ist es doppelt gefährlich, weil sowohl das Lungengewebe selber durch den Sauerstoff geschädigt werden kann - es kann also ein Grund für eine BPD sein, wenn "viel" Sauerstoff gegeben werden muss.
Um das zu vermeiden gibt man möglichst selten "reinen" Sauerstoff.

Zum anderen kann "ungebundener" Sauerstoff im Blut feine Gefäße (z.B. im Gehirn oder wieder "um" die Lunge) schädigen.
Um das zu vermeiden, gibt man nicht "zu viel" Sauerstoff. Die Sauerstoffstättigung die mit Pulsoxys gemessen wird, sagt, wieviel Prozent der roten Blutkörperchen mit Sauerstoff "beladen" sind. Sauerstoff bindet sich "gerne" an Erys, also die roten Blutkörperchen, so dass man davon ausgehen kann, dass bei einer 98% Sättigung kein, kaum freier Sauerstoff im Blut "mitschwimmt" und Schaden anrichtet.
Bei 100% gesättigten Erys ist das Risiko dann ungleich höher!

Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

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Lovis3
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Beitragvon Lovis3 » 03.09.2016, 17:41

Hallo Ursula!

Dass zu viel Sauerstoff vor allem für die ganz kleinen schädlich ist, ist klar.
Wenn Anton topfit ist wie gerade, dann hat er zeitweise tagsüber ohne Sauerstoff die Sättigung bei 100. vielleicht liegt das auch am Monitor? Mit unserem kleinen Fingersensor ist er nie so hoch.
Aber nachts braucht er definitiv Sauerstoff, beim Einschlafen mehr als später, da reduziere ich. Aber dann ist er oft (wenn es ihm gut geht) so ab 4 Uhr in der Früh bei 100. ohne Sauerstoff ist er aber zu tief.

Gruß Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
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Jutta mit Jonas
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Beitragvon Jutta mit Jonas » 03.09.2016, 18:46

Katrin, das war bei Jonas z.T auch so, wenn es ihm gut ging und er entspannt geschlafen hat, hat er auch mal mit 0,5 Liter 100% Sättigung gezeigt, ohne O2 dann aber ist für Sättigung in den 80er Bereich gefallen. Wir haben dann mal im
KH nur Luft gepustet, weil wir dachten er benötigt nur das Pusten, weil er es gewohnt war, klappte aber nicht .

LG
Jutta
Jonas*23.11.04 :therapieresistente Epilepsie(epileptische Encephalopathie),Z.n. rezidivierendem Status epilepticus, ICP, Skoliose,pulmonale Hypertonie, sauerstoffpflichtig,Pankreasinsuffizienz , chronische Pankreatitis, Fundoblikatio, seit 13.06.2015 gibt es den Mausebärenstern, der schönste, hellste und lustigste, aber hier fehlt das Lachen.

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 03.09.2016, 21:01

Hallo Katrin,

1. In "normaler" Luft sind nur 21% Sauerstoff enthalten, damit kann man sich nicht "vergiften", also sind 100% "gesättigte" rote Blutkörperchen auch unproblematisch!

2. eine "Brise" (1/4-1/2l) sind da auch nicht so dramatisch - zumal, wenn die Kids schon älter sind und vermutlich auch kein "reiner" Sauerstoff in der Lunge ankommt, denn die atmen ja da auch normale Luft mit ein.

Bei 3l sehe ich das schon deutlich kritischer, aber gerade in SanCars sind auch 10l trotz "guter" Sättigung für kurze Zeiträume "Standard" und okay.

Und manchmal muss man abwägen, was nun das größere Übel ist und wovor man sich mehr "fürchtet" und das mag der ein oder andere (Doc) unterschiedlich bewerten!

Gerade in der Medizin gibt es oft nicht nur richtig oder falsch, also auch nicht nur einen Weg mit einer Krankheit umzugehen :roll:
Und noch dazu ist jeder Mensch verschieden :roll:

Deshalb finde ich es wichtig, dass wir Eltern (und Fachleute) Ärzte an unserer Seite haben, denen wir vertrauen und deren Erklärungen wir mittragen können!

Grüßle
Ursula
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Lovis3
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Beitragvon Lovis3 » 03.09.2016, 22:15

Hallo Ursula!

Dass man sich nicht mit der normalen Luft an Sauerstoff vergiften kann, ist schon klar. Ich glaube eher, dass unser Monitor häufiger die 100% anzeigt, obwohl es nicht ganz so ist, da es tagsüber mit unserem mobilen, kleinen Fingerclip-Sensor immer etwas niedriger ist (1-2%).

Und ja, jedes Kind ist anders und alle Eltern müssen natürlich selbst (mit ihren Ärzten) entscheiden. Aber es hat mich doch interessiert, wie du es gemeint hast, dass 100% im Schlaf nicht sein sollten.
Wir werden bei uns nichts ändern, es läuft gut und nur mit Sauerstoff kann sich Anton wirklich gut erholen und wir haben seine Herzbelastung gut im Griff.

Liebe Grüße
Katrin
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Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 03.09.2016, 23:35

Hallo Katrin,

bei Anton sind die 100% bei einem Hauch von O² sicher nicht tragisch.

Ich habe halt immer Bauchweh, wenn es Kinder gibt, die scheinbar unreflektiert mit reichlich Sauerstoff und ohne "Obergrenze" und häufig auch ohne klare "Verordnung"/Anordnung versorgt werden.

Was mich noch interessiert - messt Ihr nachts am gleichen Finger wie tagsüber mit dem Klipp?

Grüßle
Ursula
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Beitragvon Lovis3 » 04.09.2016, 10:04

Hallo Ursula!

Wir messen nachts am großen Zeh, am Finger gibts da nur Fehlalarme bei unserem Hampelmann. Wenn er tagsüber am Monitor ist, dann ist der Sensor oft am Finger (in der Schule), da es am Zeh wegen den Orthesen nicht gut geht. Den Klipp nutzen wir hauptsächlich zu Hause oder unterwegs, der PD will lieber den Monitor.

Liebe Grüße
Katrin
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Beitragvon Matze320d » 04.09.2016, 15:41

unsre Anna hat auch eine schwere BPD. Sie kam in der 24 ssw mit 320g auf die Welt. Laut Krankenhaus sollen wir auch eine Grenze von 95% einhalten eben wegen der Herzbelastung.

Das nervige ist, dass der Bedarf oft schwankt. mal sind es 0,3L, dann 0,4L und auch mal 0,5L
Die Klebesensoren sind auch extrem empfindlich. Anna ist am 03.06.15 geboren und sehr aktiv mit Armen und Beinen.

Es könnte jetzt langsam echt mal besser werden mit dem Sauerstoff. Wie lang hat es denn bei euch gedauert bis ihr vom Sauerstoff weg ward?

Anna ist immerhin schon 15 Monate alt aber halt erst 8 kg, 68cm und weit hinten dran.

Gruß Matze

JanaSnow
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Beitragvon JanaSnow » 04.09.2016, 19:20

Hallo Matze,

ich wünsche Euch von Herzen Geduld für die ganz persönlichen Entwicklungsschritte Eurer Anna.

Ich weiß, manchmal möchte man einfach, dass es vorwärts geht und bibbert mit seinem Kind.
Bei unserer Tochter hieß es immer, ein paar Monate, ein halbes Jahr, ein Jahr, ....
Nun ist sie sieben und benötigt nicht mehr durchgehend aber eben immer noch ab und an O2. Aktuell bei Hitze durchgehend.

Eine erste sehr deutliche Verbesserung durften wir erleben, als wir das erste Mal mit ihr an die Ostsee gefahren sind. Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Teilweise 0 Sauerstoffgabe erforderlich. Ein Traum. Aber wir haben auch Rückschläge erlebt. Oft dachten wir: Jetzt, jetzt hat sie es geschafft und dann plötzlich war Sauerstoff wieder unser Begleiter.
Wir hatten teilweise nur einen Miniblubb von 0,03 und dann auch mal 1 oder 2 Liter. Und nicht immer war ein WARUM erkennbar.

Wir haben auch sehr mit dem Gewicht gekämpft. Sind mit großem Aufwand derzeit bei nicht einmal 16 Kilo. Das schlaucht alles ich weiß. Alles was ich Dir schreiben wollte ist, dass es eben sehr unterschiedlich ist, wie schnell die Kinder den Sauerstoff los werden und ob sie ihn je ganz los werden. Ich bin jedoch sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt.

Trotzdem drücke ich Euch und allen anderen Kindern, die davon betroffen sind, dass die Geräte alsbald an den Versorger retour gehen können.

LG
Jana

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Matze320d
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Beitragvon Matze320d » 04.09.2016, 23:35

Danke für die guten Wünsche.

Ja es ist echt schwer manchmal. Isst halt auch ein ganz schöner Umstand wenn man mal vor die Tür will. Im Krankenhaus und der Kardiologe sind eigentlich zuversichtlich, dass wir vom Sauerstoff loskommen.
Wir geben die Hoffnung nicht auf. Alle sagen "wachsen ist das A und O"
Madame ist aber wohl von der langsamen Sorte.
Wie lang wart ihr an der Ostsee? Das wollen wir nächstes Jahr mal angreifen.

Ist bei euch auch eine BPD schuld am Sauerstoffbedarf?
Wie sieht bei euch die Rechtsherzbelastung aus?
Unser Kardiologe kann momentan keinen erhöhten Druck im rechten Herz feststellen und ist sehr zufrieden. Anna hat auch noch ein kleines Loch zwischen den Vorhöfen. Einen ASD II. Begleiterscheinung vom Downsyndrom.
Wenn der mal verschlossen wird soll das auch die Herzbelastung senken.

Naja, gibt halt noch so einige Baustellen... Aber das kennt ja jeder hier.

Gruß Matze


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