Petition "Behinderung hat keine Ferien"

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

Moderator: Moderatorengruppe

Ute K.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 442
Registriert: 11.09.2006, 20:08
Wohnort: Baden-Württemberg
Kontaktdaten:

Petition "Behinderung hat keine Ferien"

Beitrag von Ute K. »

Hallo zusammen,

in unserem Landkreis ist es mit einem behinderten Kind, das hohen Assistenzbedarf hat, schwierig, eine verlässliche Ferienbetreuung zu finden. Nachdem ich selbst nun auch die Erfahrung gemacht habe, habe ich beschlossen im Namen des Vereins, bei dem ich Vorsitzende bin, eine Petition zu erstellen. Wenn ihr mich bei meinem/unserem Anliegen unterstützen wollt, dann würde ich mich freuen, wenn ihr die Petition mit unterzeichnen würdet. Hier ist der Link dazu: https://www.change.org/p/behinderung-ha ... livered-to

Vielen Dank schon mal! Gerne könnt ihr hier auch eure Erfahrungen schildern. Ist es in anderen Landkreisen auch so schwierig? Wie sieht es mit individuellen und inklusiven Angeboten der Offenen Hilfen aus? Gibt es die auch oder werden nur Gruppenangebote mit ausschließlich behinderten Kindern gemacht? Mir wäre es eigentlich am liebsten, wenn N. zur Ferienbetreuung unserer örtlichen Grundschule gehen könnte, aber dafür bräuchte er eine zusätzliche Assistenzkraft, die dort nicht gestellt werden kann. Da wäre doch eine Kooperation der Kommune mit den Offenen Hilfen sinnvoll, oder?
LG Ute mit N. (2004),Tuberöse Sklerose, Epilepsie, epilepsiechirurg. Operation im Januar 05 und August 07, sprachl. und motor. Entwicklungsverzögerung u. autistisch.

JustinsMum
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 646
Registriert: 21.05.2014, 08:37
Wohnort: Ba-Wü

Beitrag von JustinsMum »

Ich kann dir nur von unserer Erfahrung in Ba-Wü berichten. Wir haben unser Kind hier trotz Sonderschulbesuch an den regulären Ferienangeboten teilnehmen lassen und das mit einer Begleitung. Die Kosten wurden (nicht ganz ohne Diskussion gebe ich zu) von der Eingliederungshilfe übernommen. Die regulären Kosten, die für jedes Kind anfallen (ich meine zwischen 7 und 9 Euro am Tag) haben wir selbstverständlich alleine getragen.Ein Angebot dafür gab es nicht, wir haben dass übliche Angebot genutzt und das Ganze mit der Kinder- und Jugendbeauftragten selber organisiert. Das stört mich nicht, da ich lieber selber die Verantwortung trage als mich darauf zu verlassen vorgefertigte Angebote vorzufinden.


Die regulären Angebote der offenen Hilfen, die es hier gibt sind angeblich inklusiv. Sie betreuen die Geschwisterkinder gleich mit, sonst hätten sie vermutlich auch keine nicht betroffenen Kinder. Ich würde die Geschwister dort allerdings mit Sicherheit nicht betreuen lassen, da diese auch eigene Interessen haben und nicht für Pseudoinklusion zur Verfügung stehen. Sie leben schon das ganze restliche Jahr Inklusion - das muss reichen. Unabhängig davon wäre mir das Angebot der offenen Hilfen auch viel zu teuer.

Viele Grüße

justinsMum

Ullaskids
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4382
Registriert: 30.05.2007, 18:01

Beitrag von Ullaskids »

Hallo,
was sind denn "Offene Hilfen"?
Den Begriff kenne ich gar nicht, ist das was bundeslandspezifisches?
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

monika61
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3986
Registriert: 09.06.2011, 16:17

Beitrag von monika61 »

Hallo Ulla,

...."Der Begriff “Offene Hilfen” wird als Sammelbezeichnung für alle Hilfen für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen verwendet, die einem oder beiden der folgenden Kriterien entsprechen:

-Hilfen, die Menschen mit Behinderungen das Leben und Lernen in der Gesellschaft ermöglichen sollen
-ergänzende Hilfen, die Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen dabei unterstützen, Entscheidungen über die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten selbst zu treffen"....
Komplette Info:
http://www.intakt.info/adressen-und-anl ... ne-hilfen/

Schau mal hier zB:
http://www.lebenshilfe-heidelberg.de/an ... ne-hilfen/

http://www.lebenshilfe-fuerth.de/offene ... ienst.html

LG
Monika

Ullaskids
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4382
Registriert: 30.05.2007, 18:01

Beitrag von Ullaskids »

Ah, danke!
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

togram
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1411
Registriert: 07.11.2008, 15:26
Wohnort: 74

Beitrag von togram »

Hallo..

sind die Offenen Hilfe nicht mehr in BA-WÜ angesiedelt?

Wir nehmen die Angebote der Offenen Hilfe in Anspruch...Ferienbetreuung,monatlichen Wohlfühlsamstage,oder Einsteigerwochenende mit einer Übernachtung...schon seit Jahren...und wir sind zufrieden....ich bin echt froh das es sowas gibt....

Und Geschwisterkinder werden bei uns nicht mitbetreut ...würde ich jetzt auch nicht machen...die würde ich eher dann auf eine norm.Ferienbetreuung anmelden...die Geschwisterkids haben meist ganz andere Bedürfnisse...

LG Togram
Selina geb. 06,Frühchen 26 SSW,entwicklungstörung, cerebrale Bewegungsstörung,op. Herzfehler,1. Krampfanfall Dez.2013,Schulkind seit Sept.2013 in einer GB und KB Schule und PT geb. 11 entwicklungsverzögert
Eine Kämpferin mit einem ausgeprägten Trotzkopf!!

"Lebe heute,denke an morgen!Die Sorgen der Vergangenheit vergiss!"

Silvana
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 86
Registriert: 03.10.2005, 09:55

Beitrag von Silvana »

Hallo Ute,

schön, dass Ihr Euch da so engagiert. Das Problem besteht bundesweit. Je nach Wohngebiet gibt es gute, weniger gute oder auch gar keine offenen Hilfen. Ich kenne viele Eltern, die mühsam die Ferienbetreuung für Ihr Kind organisieren müssen und deshalb auch zum Teil keine Arbeit haben.

Die Übernahme der Assistenzkosten durch die Eingliederungshilfe scheitert in unserem Bundesland regelmäßig daran, dass erst Einkommen und Vermögen eingebracht werden müssen, da es sich um Teilhabeleistungen in der Gemeinschaft handelt.

Ich ärgere mich jetzt seit 8 Jahren darüber. Alle Versuche, dafür Verständnis und andere Lösungen zu finden, sind bisher gescheitert. Es geht leider immer wieder um Kosten.

Ich unterstütze Euch gern, denke aber, dass die Petition durchaus auch bundesweit sinnvoll und notwendig ist.

Viele Grüße
Silvana mit Tom (11/01 - extremes Frühchen) beinbetonte Tetraspastik, Autismus-Spektrum-Störung, ...

EmmaLuisa11
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 187
Registriert: 09.04.2015, 13:38
Wohnort: Schwerin

Beitrag von EmmaLuisa11 »

Unterschrieben und geteilt!!! :lol:
Angelina,*76
Nico,*80
Eva,*02 gesund
Emma,*11 BNS-Epilepsie

Ute K.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 442
Registriert: 11.09.2006, 20:08
Wohnort: Baden-Württemberg
Kontaktdaten:

Beitrag von Ute K. »

JustinsMum hat geschrieben:Ich kann dir nur von unserer Erfahrung in Ba-Wü berichten. Wir haben unser Kind hier trotz Sonderschulbesuch an den regulären Ferienangeboten teilnehmen lassen und das mit einer Begleitung. Die Kosten wurden (nicht ganz ohne Diskussion gebe ich zu) von der Eingliederungshilfe übernommen.
Sivana hat geschrieben:Die Übernahme der Assistenzkosten durch die Eingliederungshilfe scheitert in unserem Bundesland regelmäßig daran, dass erst Einkommen und Vermögen eingebracht werden müssen, da es sich um Teilhabeleistungen in der Gemeinschaft handelt.
Hallo ihr beiden,
dass man für Eingliederungshilfe bei Freizeitmaßnahmen zunächst sein eigenes Einkommen einbringen muss, habe ich auch schon gehört. Heißt das, wir müssen alles selber zahlen, wenn wir nicht gerade auf Sozialhilfeniveau leben? Wieviel vom eigenen Einkommen muss man tatsächlich einbringen?
LG Ute mit N. (2004),Tuberöse Sklerose, Epilepsie, epilepsiechirurg. Operation im Januar 05 und August 07, sprachl. und motor. Entwicklungsverzögerung u. autistisch.

Jojo111
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1202
Registriert: 27.09.2010, 21:35

Beitrag von Jojo111 »

Ich unterstütze Euer Anliegen gerne.

Das Problem mit der Ferienbetreuung besteht hier auch.
Unser großer Sohn ist Asperger Autist. Die bestehenden Angebote der Lebenshilfe etc. sind für ihn nicht passend, da er kognitiv fit ist und sich da nicht wohlgefühlt hat. Er möchte Spielpartner, mit denen er "fachsimpeln" kann.
Die Angebote für alle Kinder stehen ihm zwar offen, aber da sind viel zu viele Kinder und viel zu wenige Betreuer. Das haben wir probiert, ging auch nicht. :roll:

Dieses Jahr fährt er erstmals mit einer Gruppe Aspies weg. Das kostet allerdings ein Vermögen - etwa 700 Euro Eigenanteil für 1 Woche Selbstversorgerhaus in der Nähe (und nochmal 300 Euro, die die KK über ZBL zahlt). Zum Vergleich: Meine Tochter fährt 1 Woche auf einen Reiterhof für insgesamt 250 Euro. Das ist schon irgendwie unverschämt, aber er will unbedingt.

Was mich übrigens am meisten ärgert:
Wir wohnen nahe einer Großstadt. Dort gibt es einige wirklich gute integrative Angebote. Allerdings sind diese alle von der Stadt gefördert und stehen nur Kindern mit Wohnsitz in der Stadt offen. Wir gehören schon zum Landkreis, daher darf unser Sohn nicht teilnehmen. :evil:
Der Landkreis hat aber keine vergleichbaren Angebote. :roll:
Das ärgert mich extrem. Eines dieser Angebote wird sogar nur etwa 10 Fahrminuten von uns entfernt durchgeführt (Stadtranderholung), aber egal: er darf nicht hin, weil er nicht in der Stadt gemeldet ist. :( :evil:

Sowas bringt mich echt auf die Palme.
LG, Jojo
mit dem bezaubernden Trio (Mademoiselle 2006, JIA, sehbehindert, SH rechts mit HG versorgt, ADHS --- Monsieur 2006, Asperger, ADHS, LRS, AVWS --- kleiner Charmeur 2010, HFA, SEV, VED, V.a. Tourette)

"Be who you are. And say what you feel. Because those who mind don't matter. And those who matter don't mind." Dr. Seuss

Antworten

Zurück zu „Familienleben“