ADHS und Gymnasium

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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RikemitSohn
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ADHS und Gymnasium

Beitragvon RikemitSohn » 04.03.2016, 18:28

Hallo zusammen,
mein Sohn geht in die sechste Klasse einer IGS und ich bin dort mit der Arbeit der Schule und den Lehrern sehr zufrieden. Leider hat mein Sohn auch nach 1,5 Jahren den Anschluß in der Klasse nicht bekommen. Er wurde schon viel geärgert, was dank der Lehrer besser geworden ist, aber er ist nach wie vor außen vor und wird ständig gepiesakt. Nun darf er zwischendurch einen Kurs an einem Gymnasium besuchen und ist dort sofort gut mit den Kindern in Kontakt gekommen. Ein Schulwechsel wäre daher ein Versuch die Klassensituation zu verbessern.Da ist nur seine ADHS-Störung, die es ihm auf dem Gymnasium bestimmt schwer machen wird. An der IGS kommt sie nicht so zum Tragen, da er durch die geringeren Anforderungen eigendlich keine Konzentration braucht um mitzukommen und er alles auch ohne Lernen schafft. Außerdem hat er Lehrer, die hinter ihm stehen. Nur weiß ich bei all den Vorteilen, die seine Schule hat, nicht, was es auf Dauer mit einem Kind macht, wenn es über Jahre jeden Tag acht Stunden mit Menschen zusammen ist, die es nicht annehmen und ihn das auch immer wieder spüren lassen. Vielleicht hat hier ja jemand Erfahrungen mit ADHSlern auf einem Gymnasium. Ich weiß einfach momentan nicht ,was die bessere Alternative ist. Ich habe nur so ein deutliches Bauchgefühl, daß ich die jetzigen Situation auf Dauer für mein Kind nicht hinnehmen möchte.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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rena99
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Beitragvon rena99 » 04.03.2016, 19:12

Hallo Rike,

dass der Stoff auf dem Gymnasium nun sooo viel aufwändiger wäre, das halte ich für ein Gerücht, zumindest bei einem Kind mit HB.

Die Frage ist eher, findet er da die Strukturen, die er zum Lernen braucht. Wie viel Selbstständigkeit wird erwartet etc. Auch wäre die Frage, ob er wirklich in dei neue Klassengemeinschaft hinein finden würde. Hast du eine Ahnung, warum des derzeitig so schwer ist? Ein Klassenwechsel hilft ja immer dann, wenn das auslösende Problem nicht mitwandert.

Aber rein stofflich würde ich mir da keine Sorgen machen.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Annette R.
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Beitragvon Annette R. » 04.03.2016, 20:45

Ich würde sagen:Probiere es aus. Meine Tochter ist vor 2 Jahren von der inklusiven Hauptschule auf eine Gesamtschule gewechselt und werkelt dort im Erwieterungskurs rum ( also quasi Gymniveau). Sie ist vom Notenspiegel her ein bischen abgesackt, was aber vor allem daran liegt, dass sie sich zu Hause weigert irgendetwas zu tun. :roll:

Die Hauptschule war zwar Ganztag aber eher "locker", hier klagt sie oft schon darüber das sie nach der 5. Stunde dicht ist.

Meine Stieftochter hat auf dem Gymnasium teilweise bis 17 Uhr Schule, für meine Tochter wäre das von der Konzentrationsleistung her undenkbar.
Lena 2001: möglicherweise leichtes ADHS ( Diagnose und Gegendiagnose), ansonsten einfach ein Mädchen, was anders ist als andere....
Nellie 2006: Selbstbewußte Knutschkugel mit " Fräulein Rottenmeyer-Syndrom" ;) die gerne im Mittelpunkt steht.
Max 2008: leicht hypoton, motorisch retadiert, v. a. auf ASS und HB ( Diagnose zur Zeit nicht möglich)

Sandra F
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Beitragvon Sandra F » 05.03.2016, 06:41

Hallo,

kann er nicht mal für 2 bis 3 Wochen hospitieren? Das wäre mehr als ein Kurs.
Dann kannst du es vielleicht besser beurteilen.

LG Sandra
Christopher 09/2006 Asperger + ADHS

BirgittaM
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Beitragvon BirgittaM » 05.03.2016, 10:36

Hallo, Rike!
Du sagst, dein Sohn besucht einen "Kurs" auf dem Gymnasium. Was für ein Kurs ist das denn? Findet der in einem regulären Klassenverband statt, in den dein Sohn bei einem evtl. Wechsel kommen könnte?

Ein Neigungs- Kurs, wo man sich mit Dingen beschäftigt, die einen interessieren, ist etwas völlig anderes als ein Klassenverband, in dem man jeden Tag 6 bis 8 Stunden mit 29 Mitschülern verbringt.

Mit der Klassenzusammensetzung kannst du auf dem Gymnasium genauso Glück oder Pech haben wie auf der Gesamtschule.

Den Tipp mit der Hospitation / dem Probeunterricht finde ich sehr gut.
Dann könntest du sehen, wie es in der konkreten (!) Klasse, in die dein Sohn evtl. käme, über einen längeren Zeitraum mit den Mitschülern klappt, und auch die Lehrer könnten dich fundierter beraten, wenn sie deinen Sohn zwei Wochen lang im Unterricht erlebt haben. Die meisten Probleme im Miteinander zeigen sich erst nach einiger Zeit. LG,

RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 05.03.2016, 11:54

Hallo,
vielen Dank für eure Antworten. Vieles davon wälze ich auch in meinem Kopf hin und her. Mit der Hospitation finde ich eine gute Anregung und werde ich mal ansprechen bei beiden Scchulen.
Warum er ausgegrenzt wird ist schwierig. Nach fast zwei Jahren Beobachtung gehe ich davon aus, daß mein Sohn aufgrund mangelnder Gemeinsamkeiten abgelehnt wird. Er ist ein etwas spezielles Kind: Sein großes Vorbild ist Stephen Hawking und momentan besschäftigt er sich gern mit schwarzen Löchern. Bisher hat er in seiner Umgebung immer Kinder gefunden, die mit ihm harmonierten und er hat immer noch Freunde außerhalb, bei denen seine Interessen kein Problem sind.Ein Beispiel: Als er in der Schule erwähnt hat, daß er Physik studieren möchte, wurde er als Spasti und voll behindert beschimpft. Ich weiß, daß mein Sohn dank seines ADHS nicht immer der Einfachste ist, aber hier habe das Gefühl, daß er kaum noch eine Chance hat.
Durch eure Antworten tendiere ich auch deutlich dazu Mut zu Veränderung zu zeigen und es auszuprobieren. Ob es dann richtig ist, zeigt sich wahrscheinlich eh erst im Nachhinein.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Astridmalin
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Beitragvon Astridmalin » 05.03.2016, 12:25

Hallo Rike,
wir haben auch einen Sohn mit HB und ADS. Wir haben uns nach einem Schulwechsel in der Grundschulzeit und einer Beratung für "Underachiever" (Kinder mit HB unter ihrem Leistungsniveau) für das Gymnasium und kinderpsychatrische und psychotherapeutische Begleitung entschieden. Im Verlauf des 6. Schuljahres haben wir dann schweren Herzens dass Kind mit MEdikinet (Ritalin) eingestellt- und wir sind JETZT ALLE sehr sehr sehr froh, dass die gesamte Situation um so vieles entspannter ist.
Das Kind kann sich in der Schule konzentrieren, es ist besser in der Klassengemeinschaft angekommen und die Eltern  8) müssen auch nicht mehr soviel "rummotzen".

Ich bin sehr froh, dass ich mit ausgiebig mit dem Thema Hochbegabung in Kombi mit Adhs beschäftigt habe.
Es gab hier viele Dramen, bis dahin, dass ich das Schulamt eingeschaltet habe (1. Klasse) bis hin zum drohenden Schulverweis wegen ständiger Prügeleien (5. Klasse).
Wenn Du gerne mehr Details dazu möchtest, kannst du mir gerne eine PN schicken.
Ich kann Dir nur empfehlen, dass Kind auf keinen Fall unter Leistunsniveau zu beschulen. Natürlich kann man auch auf einer Realschule lernzielorientiert arbeiten- aber ich habe da so meine Zweifel, wie das in der Realität umgesetzt wird.

LG; Malin

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Beitragvon RikemitSohn » 05.03.2016, 17:03

Hallo Malin,
danke für deinen Bericht. Da habt ihr von der Problematik ja ähnliche Schwierigkeiten. Mein Sohn wird auch gerade auf Medikamente eingestellt, was sich durch Nebenwirkungen als etwas schwierig gestaltet. Ich habe mich wegen der anstrengenden Grundschulzeit erstmal für eine einfachere Schule entschieden, was aber zu viel Langeweile geführt hat. Das war für die Umstellung zur weiterführenden Schule erst einmal die richtige Entscheidung. Aber die Lage hat sich geändert und ich möchte eine gute Lösung finden.
Ich hätte noch eine Frage an dich: Mein Sohn leidet schon seit längerer Zeit an richtiger Langeweile, was für ihn mittlerweile auch ein richtiger Leidensdruck ist. Manchmal findet er etwas ,macht zwei Tage nichts anderes und dann nie wieder. Kennt ihr das auch? Bisher konnte mir niemand weiterhelfen. Es kam immer der Spruch: Ein bißchen Langeweile ist gesund.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Astridmalin » 05.03.2016, 19:58

Hallo Rike,
nein, auf keinen Fall finde ich das "Langeweile" richtig ist, vor allem nicht bei einem hochbegabten Kind.
Ich finde das für kein Kind gut und den Spruch einfach...langweilig.
Das geht für mich in die Richtung " Ein Klaps hat noch niemanden geschadet...."- :roll:
Tja, wir haben hier im Augenblick auch das Problem, dass die Nachmitage zu langweilig sind, weil alle Klassenkameraden über den Hausaufgaben sitzen, und verschiedenen Nachmittagsaktivitäten jetzt ausfallen. Es gilt, was Neues zu suchen. Das ist nicht so leicht und ich tu mich gerade auch schwer, etwas adäquates für ihn zu finden.
Wir haben zB einen privaten Schachtrainer, vielleicht findet ihr ja jemanden für Physik/ Astronomie....??
Übrigens hatten wir auch Probleme mit der Medikation: Bauchkrämpfe unter Medikinet, Umstellung auf Elvanse, was aber keine Wirkung zeigte. Ich habe dann die Ernährung etwas umgestellt, wir sind zurück zu Medikinet, seit dem klappt es wunderbar.
Alles natürlich unter Einbeziehung und Einverständnis des Kindes, wir haben immer mit offenen Karten gespielt.
Aber ganz ehrlich: Er ist immer noch nicht an seinen Grenzen angelangt: Leider ist das Zeugnis super, ohne dass er auch nur einen Handstreich dafür tut (wer hat schon in drei Fremdsprachen eine 1 ohne auch nur ansatzweise ins Vokabelheft zu schauen??? :shock: )
Ich glaube man könnte ihn mehr fordern und er wäre dann auch ausgelasteter UND zufriedener!
Ich denke, wenn jemand sich für eine Ergebnis/ Leistung nie anstrengen musste, kann er auch nur schlecht tiefe Zufriedenheit für seine Leistungen empfinden!
Da fehtl ja der komplette Anreiz!
Das ist unser aktuelles Problem, aber eine Lösung habe ich auch nicht!

LG; Malin

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rena99
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Beitragvon rena99 » 06.03.2016, 14:15

nein, auf keinen Fall finde ich das "Langeweile" richtig ist, vor allem nicht bei einem hochbegabten Kind.
Ich finde das für kein Kind gut und den Spruch einfach...langweilig.
Das geht für mich in die Richtung " Ein Klaps hat noch niemanden geschadet...."- Rolling Eyes
Da, muss ich zugeben, dass das für mich nicht auf der gleichen Stufe steht. Ich bin ein absoluter Befürworter von binnendifferenziertem Unterricht. Aber auch da lässt es sich nicht vermeiden, dass es Dinge und Tage gibt, die einem Kind nun mal keinen Spaß machen. Natürlich kann und muss man schauen, dass das Anforderungsniveau passt. Aber so ganz ohne Langeweile wird es nie abgehen können.

Was ein Kind braucht, sind Strategien und Möglichkeiten, damit umzugehen. In gewisser Weise ist man da als Eltern mit in der Pflicht. Die allermeisten HB-Kinder finden ohne Probleme ihren Weg um Umgang mit Unterforderung. Wenn es aber nicht funktioniert, muss man halt schauen, ob man an der Beschulung etwas ändern kann (tut die Thread-Eröffnerin hier ja gerade) oder wie man sein Kind um Umgang damit unterstützten kann.

Ganz schlimm ist es, wenn ein Kind nicht in die Klassengemeinschaft findet, gerade in der Pubertät. Von daher ist es auch hier gut, mal zu schauen, wie man das Kind unterstützen kann im Umgang mit den anderen. Ein Klassen- oder Schulwechsel kann da ein guter Startpunkt sein. Nur muss man sich fragen, ob das Problem dann mitwechselt. Und wen ja, wie man das Kind coachen kann, selber oder therapeutisch begleitet.
Aber ganz ehrlich: Er ist immer noch nicht an seinen Grenzen angelangt: Leider ist das Zeugnis super, ohne dass er auch nur einen Handstreich dafür tut (wer hat schon in drei Fremdsprachen eine 1 ohne auch nur ansatzweise ins Vokabelheft zu schauen??? Shocked )
Ich glaube man könnte ihn mehr fordern und er wäre dann auch ausgelasteter UND zufriedener!
Ich glaube, da erwartest du zu viel von Schule. Was sollen die denn noch machen? Je höher die Jahrgangsstufe, desto weniger werden die Lehrer deinem Sohn inhaltlich noch folgen können, wenn er denn so weitermacht. Das kannst du nur über den Freizeitbereich hinbekommen mit einem Hobby, das ihm Spaß macht und wo er etwas leisten will. Wenn du Glück hast, interessiert er sich für Wettbewerbe (Jugend forscht oder Bundswettbewerb Geschichte) und die Schule unterstützt das. Oder er findet einen Lehrer, der ihm als Mentor dienen kann. Das wäre aber schon ein echter Glücksfall.


LG
Rena
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