ADHS und Gymnasium

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
Annette R.
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1075
Registriert: 13.11.2012, 14:07

Beitragvon Annette R. » 06.03.2016, 16:28

Ich sehe das mit der Langeweile auch differenzierter. Wenn man es als Kinder nicht lernt langweilige Tätigkeiten auszuhalten und Strategien dafür zu entwickeln, hat man als Erwachserner noch viel größere Probleme. Wir müssen doch ständig Dinge machen die uns langweilen...oder macht hier jemanden Hausputz oder Kundenkorrenspondenz wirklich Spaß? :lol:

Max stöhnt ja jetzt nach 6 Monaten Schule schon rum, dass er die ewigen Wiederholungen so langweilig findet und im Unterricht "nix neues" serviert bekommt. Ich versuche ihm dann zu erklären, dass andere Schüler eben nicht so fit sind wie er, und mehr Hilfe brauchen. Er kann ja dann zu Huase etwas schwierigeres machen, oder wir machen eine Seite das was er lernen soll, und beim nächsten Mal darf er sich eine Seite aus dem Heft selber aussuchen.

Gibt es bei euch eine Kinderuni? Die bieten bei uns auch Programmen für Teenager an. Vll. findet er da jemanden der ihn weiterentwickeln kann.

Mein Stiefsohn programmiert mit 14 schon seit 2 Jahren selbständig Programmen, der ist im IT-Unterricht natürlich auch alles andere als gefordert und leider ist sein Lehrer auch nicht auf der Höhe von ihm. :lol:
Lena 2001: möglicherweise leichtes ADHS ( Diagnose und Gegendiagnose), ansonsten einfach ein Mädchen, was anders ist als andere....
Nellie 2006: Selbstbewußte Knutschkugel mit " Fräulein Rottenmeyer-Syndrom" ;) die gerne im Mittelpunkt steht.
Max 2008: leicht hypoton, motorisch retadiert, v. a. auf ASS und HB ( Diagnose zur Zeit nicht möglich)

Werbung
 
r.bircher
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 789
Registriert: 12.09.2005, 09:17
Kontaktdaten:

Beitragvon r.bircher » 06.03.2016, 23:16

Hallo zusammen

Es gibt einen Unterschied zwischen sinnlosen Wiederholungen und Routinetätigkeiten. Die Routinetätigkeiten müssen einfach sein, weil es ohne sie nicht geht. Sie sind also nicht Sinnlos. In der Schule ist das Ziel etwas zu lernen, und nicht etwas zu erledigen. Weshalb soll man da Sachen die man längst kann, noch 1000 mal wiederholen? Ich habe das früher auch nie verstanden.

Es ist richtig, das Genies ganz egal wo, oft nicht lernen durchzuhalten und daran im Leben scheitern. Ihnen geht einfach alles zu einfach und wenns mal hart auf hart kommt, schmeissen sie den Bettel hin.

Aber sie deswegen in der Unterforderung zu lassen ist sicher die falsche Antwort. Man muss da halt neben der Schule Inseln schaffen, wo sie ihre Begabung voll ausleben können. Es gibt ja verschiedene wissenschaftliche Förderorganisationen für Jugendliche.

Informatiklehrer sind meist nicht auf einem hohen Niveau. Die meisten sind normale Lehrer mit einer kleinen Zusatzausbildung. Die meisten sind gerade mal bessere Anwender. Vielleicht können sie noch etwas Scripten, aber richtig Programmieren ist eine Welt für sich.

Gruss Raphael
-------------------------------------------------------------------
Meine Vorstellung
Mein Blog
100m Sprint in Regensdorf (CH)

Annette R.
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1075
Registriert: 13.11.2012, 14:07

Beitragvon Annette R. » 07.03.2016, 07:21

@Raphael: und woher soll der Lehrer bei jedem einzelnen Kind erkennen, ob es schon sinnlose Wiederholung oder sinnvolle Routine ist? Das Credo ist bei sämtlichen Lehrern: Wenn ein Kind eine Rechenaufgabe automatisiert hat, baut es keien Fehler mehr rein, solange die nicht automatisiert sind, müssen sie eben wiederholt werden.

Ob das Kind bloß keine Lust hatte, oder tatsächlich nicht weiß wie man einfachste Aufgaben rechnet kann der Lehrer ja nun nicht riechen.
Lena 2001: möglicherweise leichtes ADHS ( Diagnose und Gegendiagnose), ansonsten einfach ein Mädchen, was anders ist als andere....

Nellie 2006: Selbstbewußte Knutschkugel mit " Fräulein Rottenmeyer-Syndrom" ;) die gerne im Mittelpunkt steht.

Max 2008: leicht hypoton, motorisch retadiert, v. a. auf ASS und HB ( Diagnose zur Zeit nicht möglich)

IlonaN
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2401
Registriert: 07.01.2015, 10:52
Wohnort: Land Brandenburg

Beitragvon IlonaN » 07.03.2016, 08:05

Es ist richtig, das Genies ganz egal wo, oft nicht lernen durchzuhalten und daran im Leben scheitern. Ihnen geht einfach alles zu einfach und wenns mal hart auf hart kommt, schmeissen sie den Bettel hin.
Bei ADHS Kindern geht es ja nicht nur um die Intelligenz, sondern darum das sie sich nicht strukturieren können.
Beispiel mein leibl.Sohn. ADHS und IQ von 125. er brauchte 10 Schuljahre nicht lernen, ihm flog alles zu. Sehr guter Realschulabschluss- wie gesagt ohne jemals in irgendein Buch zu schauen geschweige denn zu lernen. Hausaufgaben kurz vor der Stunde erledigt.
Tja und nun die 11. Klasse- ein totales Fiasko. es werden ab der 11. Klasse ganz andere Strukturen und Lernverhalten erwartet. Da geht es nicht mehr um "nebenbei aufzunehmen was der Lehrer sagt", nein es geht um selbständiges vertiefen und erarbeiten von Themen. Da steht jemand vorne , macht ne Ansage und alles andere muss selbst erarbeitet und schrifftlich ausgearbeitet werden. Und das nach 9 Stunden Unterricht. da geht es nicht mehr sich nach den Unterricht nur noch mit Freunden zu treffen oder am PC rumzuhängen. Mein Sohn schafft das nicht, er begreift bei aller Intelligenz nicht das er seine Arbeitsweise ändern muss und das was 10 Jahre für sehr gut reichte, nun nur noch für ne 4 oder 5 reicht.
das sind auch Aspekte die du bei deiner Entscheidung berücksichtigen solltest.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

RikemitSohn
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 719
Registriert: 20.09.2015, 23:25

Beitragvon RikemitSohn » 07.03.2016, 08:49

Hallo,
danke für die vielen Antworten.
Ich gehe erst einmal auf die Langeweile ein. Bei meinem Sohn geht es mir vorangig um die Langeweile zuhause. Ich denke, er leidet unter der Kombination ADHS und HB, denn er möchte viele Dinge wissen und machen, ist aber oft zu unruhig etwas umzusetzen. An vielen Tagen ist seine Hauptbeschäftigung auf dem Bett zu hüpfen und sich zu drehen. Das macht uns beide auf Dauer verrückt. In der Schule habe ich bisher die soziale Lage als größeres Problem gesehen. Wäre er gut integriert, würde ich über einen Schulwechsel nicht nachdenken. Ich habe am Wochenende noch einmal mit meinem Sohn geredet und mein Entschluß zum Wechsel hat sich gefestigt. Er hat noch einmal erzählt, was in der Schule so passiert und möchte auch wechseln. Als Alternative zur IGS bleibt uns hier nur das Gymnasium, was seiner HB bestimmt gut tut, aber für sein ADHS ein Risiko birgt. Ich mache mir da auch nichts vor. Ilona hat das Problem sehr gut beschrieben. Die perfekte Schule gibt es aber leider nicht und nach 1,5 Jahren Ausgrenzung muß ich das Risiko eingehen, denn darunter würde mein Sohn auf Dauer kaputt gehen.
Nun heißt es organisieren und daran glauben, daß es eine Chance ist.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

DeBe
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 109
Registriert: 02.03.2014, 17:17
Wohnort: Ausland

Beitragvon DeBe » 09.03.2016, 11:59

Hallo Ilona!
Unser mittlerster ist auch so: ADHD und IQ von 125!
Er geht jetzt 10. Klasse und ich erkenne ihn wieder in deiner Beschreibung!
Mir graut es schon vor naechstem Jahr wenn er 11. geht...
Du hast es gut beschrieben. Gruss Debbie.
Mama Debbie *70
Tim *03 Epilepsi (CSWS), ADHS,
impressive Sprachstörung, entwicklungsverzögert
Meistens guter Laune, unser Sonnenschein!
...mit seinen 2 grossen Brüdern

Benutzeravatar
Sandra B.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 914
Registriert: 24.11.2005, 21:01
Wohnort: Idstein

Beitragvon Sandra B. » 22.01.2018, 21:02

Hallo Rike,

mich würde mal interessieren, wie sich Euer Sohn auf dem Gymnasium "gemacht hat"? Ihr habt doch gewechselt. oder?
Bei uns steht momentan die Entscheidung zur weiterführenden Schule an.
ADHS wurde im Herbst diagnostiziert - dazu ein IQ von 127.

Sohnemann zeigt keine besonders engagierte Arbeitshaltung, hat ein schlechtes Schriftbild, tut sich schwer beim Lesen und Schreiben (Rechtschreibung), diskutiert stundenlang bei den Hausaufgaben, schreit herum, kann manchmal seine Leistung einfach nicht abrufen und hat eine niedrige Frustrationstoleranz. Auch braucht er immer möglichst genaue Erklärungen zu den Aufgaben.

Aber: Ist er konzentriert, dann sind alle Matheaufgaben ein Klacks, interessiert er sich für fast alle Sachkundethemen und mosert darüber, dass alles so einfach ist....

Zeugnis: Bis auf Deutsch und Arbeitsverhalten alles 2, die beiden genannten 3.

Wir sind wirklich verunsichert auf welche Schule wir ihn schicken sollen.....

Liebe Grüße
Sandra
Sandra (47) und Max (48) mit Nina, 17, geistig und körperlich schwer behindert nach Frühgeburt. 25.SSW, 530g, sehr starke Sehbehinderung, keine Sprache, autistische Züge, infektabhängige Anfälle und vieles mehr
& Lukas, geb. 19.06.2008 (ADHS)

RikemitSohn
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 719
Registriert: 20.09.2015, 23:25

Beitragvon RikemitSohn » 22.01.2018, 23:14

Hallo Sandra,
mein Sohn fühlt sich auf dem Gymnasium wohl und für ihn ist es eindeutig die richtige Schulform.
Ich muss aber betonen, dass es nur durch die gute, medikamentöse Einstellung so läuft. Ohne würde er scheitern, denke ich. Wir hatten mal fünf Tage das Medikament von einer anderen Firma und es wirkte nicht bei meinem Sohn und diese fünf Tage waren für uns beide ein Kraftakt mit viel Frust. Daran habe ich gemerkt, wie groß der Unterschied ist.
Mit Medikamenten ist es immer wieder anstrengend und ich muss bei ihm auch mit 14 Jahren noch die Zettel überwachen, mit ihm Hausaufgaben klären und bei Referaten mit ihm strukturieren.
Was ihm gut tut, ist das Angebot an Lernstoff im Gegensatz zur IGS, wobei wir auch am Gymnasium viel mit Langeweile zu kämpfen haben. Daher ist bei ihm seine Unruhe nicht immer klar zuzuordnen. Doch er hat auch vieles, das er spannend findet. Ausserdem hat er Freunde gefunden, die ähnlich speziell sind, wenn auch leider nur in der Paralellklasse.
Was mein Sohn noch als Pluspunkt fürs Gymnasium hat, ist sein Ehrgeiz. (Im normalen Alltag ist der oft hinderlich.) Er weiß, wie es auf der IGS war und ist froh und stolz jetzt auf seiner Schule zu sein. Damit kann ich ihn in störrischen, uneinsichtigen Momenten erreichen. Zudem hat er für seine Zukunft sehr deutliche Ziele, für die er das Abitur braucht. Damit kriegt er in Phasen, in denen er sich selbst verliert, mit meiner Unterstützung ganz gut die Kurve.

Ich glaube, die perfekte Lösung für unsere Kinder mit der Konstellation ist schwer zu finden. Wir haben mit dem Gymnasium den machbarsten und zufriedenstellendsden Weg gefunden, auch wenn es immer wieder mal hakt. Aber es hakt hier weniger und die positiven Momente sind ausreichend vorhanden.
Ich weiß nicht, ob dir das weiterhilft. Du kannst mich jederzeit weiterfragen. Ich weiß, wie schwer diese Entscheidung ist.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

IlonaN
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2401
Registriert: 07.01.2015, 10:52
Wohnort: Land Brandenburg

Beitragvon IlonaN » 23.01.2018, 09:13

Hallo Sandra B.,
wenn er einen Platz am Gymnasium bekommt dann lass ihn das machen. Er kann ja dort nach der 10. immer noch mit einem guten realschulabschluss gehen wenn zu sehen ist das er das nicht schafft. Bis zur 10. nehmen sich die Schulen im Lernstoff nicht allzuviel, egal ob Gymnasium oder Oberschule. Außer vielleicht im Arbeitsverhalten. Mein Sohn hat nun die 11. Widerholt(Trotz IQ von 125) und ist in der 12. Klasse. er muss aber 13 machen . Er wird wohl nach der 12. abgehen (er selber will das nicht wahrhaben, aber ich sehe das so kommen) Sein ADHS macht ihm beim selbstständigen struckturierten Lernen ein gehörigen Strich durch die Rechnung. Es ist nicht immer gut wenn man 10 Jahre nicht lernen musste :roll: :roll: :roll:
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Werbung
 
Benutzeravatar
Sandra B.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 914
Registriert: 24.11.2005, 21:01
Wohnort: Idstein

Beitragvon Sandra B. » 23.01.2018, 12:45

Hallo Ihr beiden,

ich danke Euch für Eure Antworten. Vielleicht gibt es ja hier noch andere, die von ihren Erfahrungen berichten wollen...?

Das Thema Medikamentation denken wir gerade erst an. Auch hier fällt es mir schwer, eine Entscheidung zu treffen :roll:

Kommende Woche haben wir das Empfehlungsgespräch in der Schule. Ich bin mir aber jetzt schon sicher, dass er keine Empfehlung füss Gymnasium bekommen wird, weil aus Sicht der Lehrerin sein Arbeitshaltung einfach nicht stimmt und er natürlich immer an den "fleißigen Bienchen" gemessen wird, die immer noch gerne 15 Zusatzaufgaben bearbeiten und konstant ihre Einsen schreiben.... :roll:

Liebe Grüße
Sandra
Sandra (47) und Max (48) mit Nina, 17, geistig und körperlich schwer behindert nach Frühgeburt. 25.SSW, 530g, sehr starke Sehbehinderung, keine Sprache, autistische Züge, infektabhängige Anfälle und vieles mehr

& Lukas, geb. 19.06.2008 (ADHS)


Zurück zu „Krankheitsbilder - ADS/ADHS“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste