neuer Fahrdienst versucht Eltern als Fahrer anzuwerben

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lotta6810
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neuer Fahrdienst versucht Eltern als Fahrer anzuwerben

Beitragvon Lotta6810 » 02.01.2016, 23:40

Hallo,

ich wollte mich mal umhören, ob es nur mir so grotesk vorkommt oder anderen auch und ob jemand schon mal vergleichbare Erfahrungen gemacht hat:
Zum Februar wechselt der Fahrdienst meiner Tochter.
Kurz vor Weihnachten nun bekam ich einen Anruf vom neuen Fahrdienst.
Die Gesprächspartnerin stellte sich kurz vor und sagte, ich hätte möglicherweise schon gehört, dass ihr Unternehmen zum Februar die Beförderung übernehme. Ich bejahte dies. Die Dame fuhr fort, dass man seit 2011 begonnen habe, mit den Eltern zusammenzuarbeiten und man habe damit gute Erfahrungen gemacht. Ich wusste gar nicht, worauf sie hinaus wollte. Ich dachte: Ah! Vielleicht will sie die Besonderheiten unserer Tochter erfahren.
Da die Dame nach dem Satz über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Eltern eine Pause einlegte, fragte ich: „Ja?!“, denn ich hatte noch nicht begriffen. Sie stellte dann fest, dass meine Tochter ja schon länger befördert werde.
„Ja.“
Dann begann sie mir zu erklären, dass ja die Fahrer um 06:30 Uhr anfangen würden, oder vielleicht auch um viertel vor sieben und dann nach und nach sechs bis acht Kinder einsammeln, diese zur Schule fahren und sie dann bei den Lehrern abgeben würden.
Das konnte ich wieder nur mit einem fragenden „Ja?!“ bestätigen, denn mir war nicht klar, was das Ziel des Gespräches werden sollte.
Da wieder eine Pause entstand und ich offensichtlich immer noch begriffsstutzig war, fragte ich, wie ich jetzt als Eltern dabei helfen könne, mithin was sie jetzt mit der Zusammenarbeit meine.
Und das war der Moment, an dem ich quasi aus allen Wolken fiel: Man habe gute Erfahrungen damit gemacht, dass die ELTERN den Fahrdienst übernehmen, denn die kennten sich ja schon mit Kindern mit Besonderheiten aus! Ich war perplex und konnte nur zurückgeben: „Ich passe. Ich habe keinen Führerschein.“ Die Dame fuhr fort, kein Problem, ich könne mich sehr gerne im Bekannten- und Freundeskreis umhören, auch Großeltern, Onkels, Tanten seien gerne willkommen, denn dieser Personenkreis würde sich ja mit behinderten Kindern auch gut auskennen und vielleicht auch mehr Geduld mitbringen und im Übrigen sei man auch bereit, den von mir zu benennenden Personen einen Vorrang bei der Einstellung einzuräumen, denn sie seien ja mit Sicherheit qualifizierter als die Personen, die sich sonst auf derartige Stellen bewerben würden. Ich dürfe mich dann gerne telefonisch jederzeit melden, es würde auch eine kurze E-Mail reichen.
Danach musste ich mich erstmal hinsetzen. Unser bisheriger Fahrer erzählte mir hinterher, dass sie wohl bei allen Eltern anrufen, denn von anderen hatte er das auch schon gehört. Eine Mutter wollte wohl auch bei der für die Vergabe zuständigen Region anrufen. Ich habe mich dann schriftlich beschwert.
Ist das nicht schräg? Die Eltern als Fahrer? Ich dachte, wir sollen entlastet werden! Und dann schicken sie uns einen Fahrdienst, der Ende Dezember noch keine Fahrer für einen Job hat, den er im Februar übernehmen soll.
Unser Fahrer erzählte mir auch noch, dass er bei dem Fahrdienst nicht anfangen werde, denn da müsse man ja hinter dem Geld hinterherlaufen. Keiner der alten Fahrer würde wechseln.
Das klingt nicht gut, wie ich finde.

Kennt jemand von Euch das auch?

Liebe Grüße
Petra

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 03.01.2016, 00:13

Hallo Petra,

naja, sie werden die Ausschreibung gewonnen haben, weil sie billiger waren. Und sie waren billiger, weil sie zB keine gut ausgesuchten und eingearbeiteten Fahrer haben, denen sie auch eine längerfristige Perspektive bieten.

Wenn sie ihren Job ab Februar nicht gut machen, dann haben sie erstmal das Recht, nachzubessern. Wappnet Euch also.

Diese Ausschreibungspflicht ist teilweise echt ein Übel - wenn keine Qualitätsstandards mitverglichen werden.

Grüße
Engrid
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Lotta6810
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Beitragvon Lotta6810 » 03.01.2016, 00:22

Hallo Engrid,

das Problem ist, dass die Ausschreibung wiederholt werden musste, weil die erste angefochten wurde. Wenn ich das richtig weiß, wurde damals ein Lohn über dem Mindestlohn festgeschrieben, wie ihn wohl der jetzige Fahrdienst zahlt. Deshalb gibt es jetzt mitten im Jahr den Wechsel.

Meine einzige Hoffnung ist jetzt, dass ich das mit der Schulbegleitung kompensieren kann, die ich noch organisieren muss. Die Bewilligung haben wir immerhin schon. Allerdings ist es keine Schulwegbegleitung.
Unsere Tochter war ein paar Mal aus der Schule abgehauen, einmal schon ein paar Hundert Meter weit, über die Hauptverkehrsstraße zur Bundesstraße...

Es wird wohl noch lustig werden.

Viele Grüße
Petra

Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 03.01.2016, 06:49

Hallo,
ich hätte auch die Sorge, dass der Fahrdienst im Moment personell schlecht aufgestellt ist und es Probleme geben kann. Auch die Gerüchte über die unpünktliche Bezahlung klingen nicht gut.

Allerdings weiß ich auch, dass das natürlich grundsätzlich ein nicht besonders üppig bezahlter Job ist, zu dem man ja in der Tat keine weitere Qualifikation als den Führerschein braucht.
Und bevor der Fahrdienst "irgendwelche" Arbeitslosen vom Arbeitsamt mit ihrer Bewerbung vorbeischicken lässt, wäre man doch in der Tat besser bedient mit Eltern, die Erfahrung mit zumindest _einem_ behinderten Kind haben!?
Vielleicht sind ja Eltern dabei, die ganz dankbar für so ein Jobangebot sind.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

Lovis3
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Beitragvon Lovis3 » 03.01.2016, 08:24

Hallo!

Klar ist es nicht gut, dass der Fahrdienst jetzt noch keinen Fahrer für Februar hat. Aber Eltern als Fahrer gibt es hier in der Gegend öfter. Sie nutzen es als Möglichkeit, etwas dazu zu verdienen. Die Arbeitszeiten gehen mit Kind, man hat das eigene ja dabei und in den Ferien hat man frei. Und klar sind wir Eltern qualifizierter als irgendjemand, der vom Arbeitsamt geschickt wird und vielleicht noch nie etwas mit Kindern zu tun hatte, schon gar nicht mit behinderten Kindern.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

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Beitragvon MOmitJulian » 03.01.2016, 09:55

Ich sehe es auch so wie Katrin und Ulla.
Das ein oder andere Elternteil wird vielleicht wirklich ganz froh sein.
Und insbesondere der Punkt, was für Leute man bei Jobausschreibungen die keiner besonderen Qualifikation bedürfen, da so alles in den Vorstellungsgesprächen vor sich sitzen hat ist nicht zu unterschätzen.
Hab solche Gespräche im ambulanten Pflegedienst auch schon für den Fahrdienst (ebenfalls Behindertenfahrdienst, auch lange Fahrten zu Internaten von Blindenschulen u.ä.) geführt.... Glaub mir, da erschrickt man nicht nur einmal.

Ich habe damals auch auf Vitamin B gesetzt und Angehörige von Mitarbeitern aus der Pflege und sogar unseren Hausmeister (für eine Internatsfahrt, 2x wö,) gesetzt.

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Beitragvon Katja_S » 03.01.2016, 10:05

Hallo,
klar ist es nicht gerade schön auf diese Weise zu erfahren, dass der neue Fahrdienst jetzt noch keine Fahrer für Februar hat, aber für so schlecht halte ich die Idee auch nicht, bei den Eltern nachzufragen. Man hätte das vielleicht schriftlich machen können und nicht telefonisch (das wirkt auf mich "ausfdrnglich9 , aber bevor jemand fährt, der noch nie mit behinderten Kindern (oder auch noch nie mit Kindern) zu tun hatte...
Vielleicht ist ja wirklich jemand froh, sich so etwas Geld dazuzuverdienen..
Mein Sohn ist 2 Jahre lang mit der Tante und der Mutter eines anderen Kindes gefahren, das war super (vor allem weil die dann auch Erfahrung mit Epilepsie und Notfallmedis und co hatten).
Allerdings hatten wir auch sonst noch keine größeren Probleme mit den Fahrern unseres Fahrdienstes (jetzt im 6 Jahr der selbe). Bei den letzten beiden Fahrern hat man aber scho gemerkt, dass sie vorher nur Erwachsene gefahren haben. Die haben fast 1 Schuljar gebraucht, um "aufzutauen". Zuverlässig waren sie schon von Anfang an, aber jetzt sind sie viel "lockerer".
Gruß,
Katja
Katja mit E. (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), gehörlos (2 CIs), Epilepsie, geistige und körperliche Behinderung

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Beitragvon Engrid » 03.01.2016, 10:23

Hallo,

es spricht überhaupt nichts dagegen, Eltern als Fahrer anzuwerben. Aber ein Fahrdienst, der einen Monat vor Antritt noch keine Fahrer hat, dem nachgesagt wird, der wäre nicht flüssig, der einen gut funktionierenden Fahrdienst unterboten hat, aber offenbar keine Praxis hat - da darf man zumindest skeptisch sein. Nützen wird es eh nix, denn der Fahrdienst wird nicht gleich wieder zurückgewechselt, auch wenn er nix taugt.
Aber vielleicht kriegen sie es ja auch ganz gut hin.

Grüße
Engrid
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Beitragvon mikkajan » 03.01.2016, 12:10

Huhu,

ich stelle mir da aber schon auch die Fragen

1. wie viele Kinder sollen transportiert werden?

2. wer stellt den Bus/ PKW zur Verfügung?

3. was sagt die Versicherung des Fahrdienstes dazu?

4. was sagt das Schulamt zu diesem Vorhaben?

Ich kann Petra da schon gut verstehen. :wink:

Bei Jan-Bennet ist mal etwas länger der Fahrdienst ausgefallen, ich habe mich angeboten zu fahren, da viele Kinder in unserer Nähe wohnen. Also bin ich zum Schulleiter habe ihm meine Idee geschildert, darauf sein Blick :shock: :shock: :shock: .

Ich genauso zurück geguckt :shock: :shock: :shock: und ihm meine Argumente gesagt:

1. ich bin im Frei und habe die Zeit

2. ich habe ein großes Auto ( T5)

3. mein Beruf

Dann kamen seine

1. diese Fahrten sind nicht versichert, wenn etwas passiert stehe ich alleine da :shock: :idea:

2. schwierige Eltern, manchmal ist es halt gut wenn man nicht alles mitbekommt :wink:

3. hat sich in der Tat auch das Schulamt quergestellt.

Also, so ganz einfach wie der Fahrdienst das gerne hätte ist es leider nicht. Wie sieht es denn mit einem Personenbeförderungsschein aus, braucht man den nicht mehr? Ist der Führerschein der richtige?

Fragen über Fragen, die doch erstmal geklärt werden sollten, egal ob gesunde Kinder oder besondere Kinder. Das Vorhaben des Fahrdienstes kann für die fahrenden Elter daneben gehen.

Liebe Grüße Meike
Brandmeister und Psychologen hassen sich :twisted:
Irgendwas ist ja immer :wink:


Sohn 1: Kanner-Syndrom
Sohn 2: Mikroduplikation 15q13.2q13.3

monika61
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Beitragvon monika61 » 03.01.2016, 12:54

Huhu,


Also, so ganz einfach wie der Fahrdienst das gerne hätte ist es leider nicht. Wie sieht es denn mit einem Personenbeförderungsschein aus, braucht man den nicht mehr? Ist der Führerschein der richtige?


Liebe Grüße Meike

Hallo zusammen,

Meike's Fragen sind sehr gut.... :icon_thumright: und die Antworten dazu wären interessant u.a. zum Personenbeförderungsschein:
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Einleitung Ratgeber Personenbeförderungsschein

In Deutschland unterliegt die Beförderung von Personen bestimmten Regelungen. Privat können so viele Personen im Fahrzeug transportiert werden, wie gesetzlich zugelassen sind, für den gewerblichen Bereich hingegen gelten andere Regelungen.

Das bedeutet: wer gewerblich Personen befördert, sei es als Angestellter eines Betriebs oder als selbständig Tätiger, der benötigt neben dem normalen Führerschein zudem einen Personenbeförderungsschein.


Definition Personenbeförderungsschein

Ein Führerschein zur Fahrgastbeförderung wird immer dann benötigt, wenn die Personenbeförderung nicht im privaten Bereich und damit unentgeltlich stattfindet.

Das heißt:

...."im Schülerverkehr tätig sein möchte,
oder wer die Beförderung von Behinderten vornehmen möchte,"....

benötigt einen Personenbeförderungsschein.

Komplette Infos:
http://www.fahrschule-123.de/personenbe ... ngsschein/
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Im obigen Link ganz unten werden weitere Fragen zum Thema beantwortet zB auch was ein solcher Schein kostet usw.

Ich finde es schon seltsam das man bei dem Telefonat nicht darauf hingewiesen hat das ein Führerschein alleine nicht ausreicht.... :?

Liebe Grüße :D
Monika


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