Sekten/Lernbehinderung

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 27.12.2015, 21:05

Hallo Konik,

ich denke, dass man das individuell sehen muss.
Mein Sohn hat eine sehr starke Persönlichkeit. Der macht nichts, was er nicht will und unterordnen kann er sich eh nicht. Da kann Jehova persönlich vorbeischneien.....das würde ihn nicht beeindrucken oder einschüchtern. Von daher denke ich, dass mein Sohn den gemeinschaftlichen Spaß mitnehmen würde. Der religiöse Hintergrund würde ihn absolut nicht interessieren.
Von daher würde er vermutlich ganz schnell aus dieser Gemeinschaft rauskatapultiert werden.

Aber wenn es ihn glücklich machen würde, müsste ich das akzeptieren. Ich habe nicht das Recht, das Glück meines Sohnes zu zerstören, nur weil ich andere Moralvorstellungen oder Weltanschauungen habe.
Das geht Eltern von nichtbehinderten Kindern nicht anders.

Ich finde die Zeugen Jehovas auch absolut gruselig, aber es gibt halt auch tatsächlich Leute, die mit diesem Glauben glücklich werden.

LG

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konik
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Beitragvon konik » 27.12.2015, 21:30

Ich glaube nicht das dort jemand glücklich werden würde wo sich nicht unterordnen kann.
Getauft wird nur wer wirklich folgt. Spass ist nicht angesagt , Tanzen verboten genau wie viele Arten Musik.
Wie gesagt, wenn ein Erwachsener das für sich entscheidet so leben zu wollen ist das in Ordnung.
Ich verurteile keinen Menschen für seine Lebensform. Ist für mich aber eine generelle Sache .
Doch wenn ich sehe es leidet jemand und schafft es alleine nicht mehr , würde ich nicht wegschauen. Erst recht nicht wenn Kinder mit drin hängen .
Dann würde ich versuchen zu helfen.
Das hat dann nichts mehr mit Glück zerstören für mich.

Liebe Grüsse

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 27.12.2015, 21:42

Hallo Koni,

da sind wir doch einer Meinung. Wenn es dem Kind schlecht geht, dann besteht Handlungsbedarf und man darf dann selbstverständlich nicht wegschauen. Nichts anderes habe ich geschrieben, aber solange das Kind glücklich ist, muss ich mich zurückhalten.

Im Eingangsthread hatte ich den Eindruck, dass es dem Mädchen in der Gemeinschaft gut geht. Von daher ist meiner Meinung elterliche Zurückhaltung angesagt....so schwer es auch sein mag.

LG

Dario
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Beitragvon Dario » 27.12.2015, 22:18

Hallo zusammen,

ich finde religiösen Extremismus auch alles andere als harmlos. Mit den Zeugen Jehovas habe ich zwar keine Erfahrung, aber vor vielen Jahren geriet ich ungewollt mit einer evangelikalen "Hauskirche" (so nannten sie sich) in Berühung. Was ich mir da anhören musste (vom Teufel, von Dämonen, vom Zorn Gottes, dass man Kinder züchtigen soll) fand ich dermaßen beängstigend, dass ich noch tagelang völlig aufgefühlt war.

Das Weltbild der Zeugen Jehovas soll ja auch sehr extrem extrem sein. Gerade für sensible und lablie Menschen kann die Konfrontation mit religiösem Extremismus zu einem ernsthaften Schockerlebnis werden. Es haben sicher auch nicht alle die Kraft, sich aus solchen Gemeinschaften selbstständig wieder loszusagen. Harmlos finde ich solche Guppen deshalb absolut nicht.

Wir wissen zwar nicht, wie es der jungen Frau bei den Zeugen Jehovas wirklich geht und ob sie irgendwie unter Druck gesetzt wird, aber ich kann die Sorge von Andreas um die junge Frau gut verstehen, auch wenn man als Außenstehender (gerade bei volljährigen Menschen) so gut wie machtlos ist.

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 28.12.2015, 00:14

Ich kenne einen älteren Herrn der sich auf seine alten Tage den Zeugen Jehovas anschloss, sie wurden sein Lebensinhalt, sein Ein und Alles, seine Familie. Obwohl er kaum noch laufen konnte, lief er Kilometer weit und stand stundenlang um zu missionieren.
Hallo,

wie sollte man sich in diesem Fall als Angehöriger verhalten? Dem Mann seinen Lebensinhalt ausreden oder akzeptieren, dass er in einer Gemeinschaft glücklich ist, die man selbst ablehnt? Ich bin ich dafür, dem Mann sein Glück zu lassen. Es liest sich jedenfalls so, als sei er glücklich.

Ich selbst lehne die Zeugen Jehovas ab und auch mir würde es sehr schwer fallen zu akzeptieren, wenn mein Sohn sich solch einer Gemeinschaft anschließen würde.
Aber hätte ich tatsächlich das Recht, ihn diese Gemeinschaft auszureden, solange er glücklich ist?
Bei religiösem Missbrauch und negativer Persönlichkeitsveränderung ist diese Frage sicher leicht zu beantworten, im anderen Fall aber absolut nicht leicht zu lösen.

Glücklicherweise ist mein Sohn in diesem Fall unbeirrbar. Es ist so gut wie unmöglich seinen "Persönlichkeitscode" zu knacken und von daher ist er auch keine leichte Beute für Sekten. Ich könnte mir schon vorstellen, dass er ein paar Mal diese Treffen besucht, weil er trotz Autismus soziale Kontakte liebt, aber sobald man anfängt, ihn religiöse Geschichten zu erzählen, ihn zu manipulieren oder ihn für die Verteilung des Wachturms einteilt, würde er lauthals völlig ausflippen und das Weite suchen. :lol: Also, die Zeugen Jehovas hätten keine Freude an ihm.
Von daher habe ich leicht reden und kann das wahrscheinlich auch etwas entspannter sehen.

LG

Mariaa
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Beitragvon Mariaa » 28.12.2015, 00:31

Hallo Mirianna,

ich bin da sehr nah bei Dir, deshalb schrieb ich, dass ich es schwierig finde.
Sehr interessiert habe ich Deine Ansicht gelesen und Du hast Recht mit der Differenzierung des eigenen Standpunktes und der freien Entscheidung des Kindes.
Übrigens bewundernswert wie stark und stabil Dein Sohn in seiner Persönlichkeit ist, da können sich so einige eine Scheibe abschneiden :wink:

Ich persönlich empfinde es bereits als religiösen Missbrauch, wenn die Einsamkeit von Menschen (aus)genutzt wird um sie für die eigene Sache zu gewinnen. Ja, das ist selbstverständlich meine nichtreligiöse Ansicht der Sache und die Missionare sehen sich natürlich in einem anderen Licht :wink:
Wenn ein Mensch (und ich spreche jetzt mal von dem Mann den ich als Beispiel nenne) sich ausschliesslich aufgrund seiner Einsamkeit und nicht seines Glaubens einer religiösen Gruppierung anschliesst und die religiösen Ansichten als "Preis" für seine neue Familie ansieht, hat das einen ganz üblen Beigeschmack für mich.
Natürlich darf der Mann eigene Entscheidungen treffen und tatsächlich ist er wohl glücklicher als vorher und zahlt den Preis gerne . Ich mache ihm keinen Vorwurf!
Schäbig finde ich es von den Menschen, die diese Notlage eines Menschen für sich nutzen (ob nun wirklich nur in "guten Glauben" sei dahin gestellt, für mich ist das Missionieren grundsätzlich moralisch -zumindest- fragwürdig)

Viele Grüße
Früher war alles besser.... vor allem die Zukunft!

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 28.12.2015, 00:38

Übrigens bewundernswert wie stark und stabil Dein Sohn in seiner Persönlichkeit ist, da können sich so einige eine Scheibe abschneiden :wink:
Hallo Maria,

glaube mir, es ist ganz gewiss nicht einfach und oft sehr anstrengend und kräftezehrend mit seiner absolut standfesten und "unknackbaren" Persönlichkeit umzugehen, aber manchmal hat diese Tatsache doch ihre unschlagbaren Vorteile. Mein Sohn kam schon so "stabil" auf die Welt....ohne mein Zutun. :lol: Ich kann das also leider nicht auf mein erzieherisches Können zurückführen.

Ansonsten bin ich absolut deiner Meinung.

LG

Mariaa
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Beitragvon Mariaa » 28.12.2015, 00:44

Mirianna, ich kann es wohl nur im Ansatz erahnen, aber das lässt mich schon an ziemlich viel Kraft und so manchen Kampf denken. :?

Ich wünsche Dir eine gute Nacht!

Liebe Grüße
Früher war alles besser.... vor allem die Zukunft!

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 28.12.2015, 00:50


Ich wünsche Dir eine gute Nacht!

Liebe Grüße
Danke, ich dir auch.
Ich werde wohl die Nacht durchmachen müssen. Ich als Nicht-Kaffeetrinkerin habe vorhin einen recht starken Milchkaffee getrunken und nun bin ich völlig aufgedreht. Na, das kann ja eine Nacht werden. :?

LG

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Dario
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Beitragvon Dario » 28.12.2015, 01:00

Hallo Mirianna,

ich finde es bewunderswert, was für ein Vertrauen du in deinen Sohn hast. Ich glaube auch, dass Autisten für religiöse Indoktrination eher weniger anfällig sind als andere Menschen.

Meine Vermutung ist: Wenn sich Autisten einer politischen, weltanschaulichen oder auch religiösen Gruppierung anschließen, dann nur, wenn sie von den Zielen dieser Gruppe wirklich überzeugt sind - und nicht einfach nur, weil sie Gemeinschaft suchen und irgendwo dazugehören wollen. Insofern ist die wenig ausgeprägte Kompromissfähigkeit /mangelnde Flexibilität der Autisten (die es uns oft schwer macht) in bestimmten Fällen auch ein guter Schutz!


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