Inklusion (meine eigene Meinung)

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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silkeh.
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Inklusion (meine eigene Meinung)

Beitragvon silkeh. » 27.11.2015, 14:34

Hallo,
wie sehr ihr Inklusion?
Schreibe mal, was ich darüber so denke.
Freue mich, wenn ihr euch daran beteiligt! :D

I ndividuelle Lösungen finden

N iemals aufgeben

K ämpfen

L eben mit "besonderem Kind"

U nmögliches möglich machen

S ich nicht unterkriegen lassen; selbst aktiv werden

I nitiative ergreifen

O ffene Ohren für die Probleme finden, die man als Mutter eines besonderen Kindes hat (bei Behörden usw.) (hoffentlich)

N ie den Weg aus den Augen verlieren.

Gruß
silkeh.
silke (71), gregor (65), louisa (98) sehbehindert
part. trisomie 22, Cat-eye-syndrom,
Ausbildung Kauffrau für Büromanagement (Inklusion) ; marius(01) 9. Klasse


Die Arbeit läuft dir nicht davon, während du
deinem Kind den Regenbogen zeigst, aber der
Regenbogen wartet nicht bis du mit deiner
Arbeit fertig bist. (unbekannter Verfasser)

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Jutta T
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Beitragvon Jutta T » 27.11.2015, 15:06

Hallo Silke,

toll geschrieben - echt super.

ABER; Inklusion im Sekundarbereich für körperbehinderte Kinder ist hier grottenschlecht.

Die Stadt schreibt vor, welche Schulen für Rollis etc geeignet sind und das sind hier zwei Gesamtschulen, die diese Kinder aber nicht wirklich "wollen".

Desweiteren sind definitiv zu wenig Sonderpädagogen im Einsatz und die Klassenstärke ist ein graus.

Was nützt mir das Recht auf Inklusion, wenn mein KB Kind nicht seinem Niveau und seinem können nach unterrichtet werden kann und die baulichen Gegebenheiten nicht geeignet sind ???

Meiner Ansicht nach ist Inklusion in Grundschulen sehr gut gelungen, im Sekundarbereich ist aber noch lange nichts so wie es sein sollte.

Viele Schulen brüsten sich damit eine super Inklusionsschule zu sein, eben weil sie z.B. 5 Schüler mit einer Lernbehinderungen unterrichten oder Kinder mit einer leichten körperbehinderung.... eben Schüler, mit denen sie nicht so viel Arbeit haben, aber sobald ein Schüler kommt, der mehr Hilfebedarf hat und mehr Zeit durch einen Sonderpädagogen benötigt, sind viele Schulen überfordert. (bitte nicht falsch verstehen)

Und mal ehrlich, wer gibt sein Kind gerne auf eine Schule, auf der es geduldet, aber nicht willkommen ist?

Wir hatten dieses Problem...die Gesamtschhule hätte unseren Sohn angenommen weil Sie müssen, aber gerne hätten sie es nicht gemacht - sorry, aber dann kämpfe ich auch nicht um einen Platz.

Mein Sohn wechselt zum 01.12. die Schule - er besucht weiterhin eine Förderschule mit körperlicher und motorischer Unterstützung, wird aber nach Regelschule (Haupt und Realschuhle sind möglich) unterrichtet. Das ist für Ihn optimal - besser als jede Inklusion ( Stand heute ).

Grundsätzlich bin ich mittlerweile für Inklusion - aber nicht um jeden Preis.

Gruss
Jutta

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Jaqueline
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Beitragvon Jaqueline » 27.11.2015, 15:24

Hallo,
Grundsätzlich bin ich mittlerweile für Inklusion - aber nicht um jeden Preis.

dem schließe ich mich voll und ganz an.
LG Jaqueline
Spastische Tetraparese, Kyphose
Mann: Epilepsie (VNS seit 2008)
Tochter: * 01/2015 und ET 2020

Für immer im Herzen.

finchen
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Beitragvon finchen » 27.11.2015, 15:41

Hallo!

Ich gehe mal auf Thema Schule ein. :-)

"Inklusion" - ein Wort, was viel verspricht und in meinen Augen nur wenig davon hält. Sicherlich muss man unterscheiden, welche Behinderung beim Kind vorliegt und bei manchen Behinderungen ist es bestimmt gut zu machen. Allerdings wird Inklusion in der Schule für jedes Kind angestrebt. Das finde ich nicht richtig. Ich möchte, dass jeder entscheiden darf, ob sein Kind eine Regelschule besucht oder nicht.

Meine Tochter gehört ganz sicher auf keine Regelschule, sondern braucht absolut individuelle Förderung. Das kann Inklusion nicht leisten. Nicht bei der Behinderung meines Kindes. Schon der "nur" integrative Kindergarten hat versagt bei ihr. Der zuständige Prof, mit dem ich im einer Veranstaltung darüber diskutieren habe, gab mir in dem Fall sogar recht.

Vielleicht entwickelt sich Inklusion über die Jahre mit Erfahrung und entsprechender Qualifikation der Lehrkräfte zu dem, was es sein soll. Momentan ist es eine nette Theorie, die absolut praxisfern ist.

Beispiel 2013. Ich machte ein Praktikum in der Schule im Verlauf meines Lehramt Studium. Durch unsere Tochter interessiert mich vor allem die Inklusion. Ich beginne mit der "leichten" Frage nach AD (H)S. Antwort: "Das ist nicht der Normalfall. Das besprechen wir hier nicht!" Mir ist die Kinnlade runter gefallen. So viel zu geschulte Fachkräfte. Wenn AD (H) S schon als unnormal erachtet und nicht thematisiert wird bei immer jünger werdenden Lehrkräften dank verkürzter Schulzeit, denen häufig AD(H)S nicht mal was sagt, will ich mein Kind mit Epilepsie und Entwicklungsverzögerung nicht in deren Obhut wissen.

Gut, es gibt tolle Lehrer, die sich bemühen und gut sind. Aber mindestens genauso viele, die eben nicht geeignet sind. Wie auch?, An der Uni ist es ja nicht erwünscht, "unnormale" Dinge wie AD (H)S zu besprechen. Geschweige denn was anderes, was nicht "normal" ist. *Ironie* Dieser Dozent betreut im übrigen jährlich hunderte Studenten und bildet sie aus. Zu den normalen Lehrern müssten also noch Fachkräfte, wie sie in den Förderschulen zu finden sind, in jede Klasse kommen, damit Qualität gesichert ist. Auf Grund von Kosten wird das wohl nicht geschehen.

Deshalb sage ich persönlich für mich: "Nette Theorie, die mit Realität und Praxis wenig zu tun hat!"

Liebe Grüße
Finchen
Maus *Epilepsie, Veränderung auf APBA2 im Bereich c.1592A>G; p.Asn531Ser, erster weltweit bekannter Fall, Pflegegrad 5.
Mama *1988, Gerinnungsstörungen, Thrombosen.
Papa *1987, autistische Züge.
Würmchen, *11/2014, gesund.
Mini *10/2016, gesund.

*Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!*

Antje_A
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Beitragvon Antje_A » 27.11.2015, 15:49

Hallo zusammen,

Ich bin auch euer Meinung. Inklusion ja, aber nur wenn die besonderheiten unserer Kinder auch berücksichtigt werden können. Wir hätten in unserem Leben schon mehrfach um das recht auf Inklusion kämpfen können. Aber immer um den Preis, dass damit die Gesundheit unseres Kindes gefährdet wird.
Das fing schon im Kindergarten als 3 jährige an. Damals wohnten wir noch woanders. Der "normale" Kindergarten hat uns nach 3 Tagen wieder rausgeschmissen. Weil ihnen die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks da erst einmal so richtig bewußt wurde und sie das risiko nciht eingehen wollten. Ich hatte vorher alles genau geklärt... und plötzlich machen die einen Rückzieher. Wir hätten drum kämpfen können, dass sie dort bleiben darf - aber wollten uns den Stress nicht antun. Wir haben uns dann hilfesuchend an das Jugendamt gewendet. Hatte sie als 3 jährige doch auch gesetzlich einen Anspruch auf einen Platz. Die haben uns dann einen integrativen Kindergartenplatz besorgt. Die ganze riesengroße Einrichtung, das Konzept etc hat mir damals nicht so gefallen. Es ging da nicht so liebevoll und ruhig zu wie in der anderen kleinen Einrichtung. Aber sie haben auf ihre gesundheitlichen Bedürfnisse geachtet, haben sie gut versorgt. Das war das wichtigste.
Nach unserem Umzug hier ins Dorf wieder das gleiche Spiel. Die Dorf Kita hat abgelehnt. Sie hatte einen Platz im Integrativen Kindergarten in der Stadt bekommen. Diesmal hat es das Schicksal abr gut mit uns gemeint, denn die Integrative Stadtkita war super. Äußerst liebevoll und herzlich.
Zu Einschulung dann wieder das selbe Spiel. Die Dorfschule hat gemeint, wenn wir darauf bestehen, müssten sie sie nehmen, es gäbe ja ein Recht auf Inklusion. Aber sie könnten für ihre Gesundheit nicht garantieren. Salben würden sie nicht. Das Notfallset anwenden auch nicht. Sie wäre wie jedes andere Kind. Da war unsere Entscheidung schnell klar, dass sie in die integrative Schule in der Stadt geht. Die lassen mittags durch den Pflegedienst salben, das extra Essen wird für sie warm gemacht und de Lehrerin kreigt auch nciht gleich die Krise wenn sie allergisch reagiert, sondern behält nen kühlen Kopf und wendet die vereinbarten Erste-Hilfe-Maßnahmen an.

Also für unsere Tochter wäre Inklusion an einer "normalen" Schule oder Kita bisher nie das richtige gewesen.
Antje(9/81) mit
M. (Tochter 8/06) Neurodermitis, viele Allergien/Unverträglichkeiten (u.a. Milch, Ei, Erdnuss, Haselnuss...) Spurenallergikerin mit Anaphylaxiegefahr GDB 60 Merkzeichen H
J. (Sohn 12/09) - unauffällig
T. (Tochter 5/12) - unauffällig
R. (Tochter 10/15) - unauffällig
2 psychisch kranke, pflegebedürftige Schwiegereltern

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T.Sophie
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Beitragvon T.Sophie » 27.11.2015, 17:51

Hallo!

Ich bin definitiv für Inklusion. Aber NICHT im Sinne von "wir pressen jetzt alle in ein vorhandenes System das sowieso schon marode ist".
Da ich mit einer Lehrerin befreundet bin ich teilweise auch sehr viel Zeit in der Schule verbringe, sehe ich auch die andere Seite...
Lehrer könne nicht alles leisten! Selbst in einer Klasse mit Jugendlichen die aus vielleicht 16 / 17 Schülern besteht ist teilweise kein Unterricht möglich. Zu viele die einfach mehr Aufmerksamkeit, mehr Hilfe etc. brauchen. Das ist im vorhandenen System nicht umsetzbar.
Jetzt für jeden einen I-Helfer anzustellen kann auch keine dauerhafte Lösung sein!

Also bitte, werft erstmal das vorhandene System über den Haufen und fangt komplett neu an mit einer Schule für alle (die dann auch entsprechende Räumlichkeiten hat, wirklich barrierefrei ist etc!).

Ach und pro Klasse min. 2 Lehrer pro Stunde... Anders geht's doch überhaupt nicht... Naja und vielleicht sollte man das System Klasse abschaffen und lieber Gruppen machen, die sich dann an den Bedürfnissen der Kids orientiert.
Alle auf einen Haufen geht so oder so nicht. Wie soll man denn zielgleichen Unterricht für Blinde UND Taube machen?
Ne, dann lieber nach Bedürfnissen schauen. Aber eben nicht nur bei behinderten, sondern auch bei gesunden... Gibt ja auch generell verschiedene Lerntypen die man da sehr gut mit den Bedürfnissen etc. kombinieren kann... Sprich z.B. visueller oder audio-Lerntyp...


LG T.Sophie
Baujahr 1988 / diverese Traumafolgestörungen / Tinitus, Dysplasie im Knie / chronische Magen-Darm-Probleme (subtotale Dickdarmentfernung + Entfernung der Galle)
SBA mit 60GdB ohne Merkzeichen

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Beitragvon Engrid » 27.11.2015, 18:12

Hallo,

wir haben schon viel über Inklusion diskutiert, und hier im Forum sind da leider viele recht konservativ eingestellt.
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic108219.html
Zuerst möchte ich mal wieder was klären: INKLUSION ist wie zb FREIHEIT ein Wert, den eine Gesellschaft beschließt anzustreben. Inklusion ist ein Prozess und ihr jetziger armseliger Zustand hat nichts damit zu tun, wie es sein könnte und sollte.

Wenn WIR für unsere Kinder schon keine volle Teilhabe einfordern, wer wird es dann tun??

finchen hat geschrieben:Meine Tochter gehört ganz sicher auf keine Regelschule, sondern braucht absolut individuelle Förderung. Das kann Inklusion nicht leisten. Nicht bei der Behinderung meines Kindes.
Das ist ein Trugschluss. Was Du beschreibst als Zustand an Schulen,ist nicht Inklusion sondern IGNORANZ (die aktuell leider unter dem Deckmantel der Inklusion daherkommt, Hand in Hand mit dem Sparzwang). Inklusion verzichtet eben NICHT auf die individuelle Förderung. Sondern holt JEDES Kind da ab, wo es steht. Aber der Weg dahin ist noch seeehr weit, leider. Trotzdem: Wer keine hohen Ziele steckt, der wird sie nie erreichen.

Eine "Inklusion", die nur die fitten Körperbehinderten mitnimmt, und die Schwermehrfachbehinderten, die geistig Behinderten und die Verhaltensschwierigen zurücklässt,ist keine Inklusion, sondern nur eine veränderte Grenzziehung bei der Separation (wer darf rein, wer bleibt draußen).

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

finchen
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Beitragvon finchen » 27.11.2015, 19:04

Liebe Engrid,

ich sehe das einfach ein wenig anders und stehe auch zu meiner Meinung. Wie gesagt, ich habe vor 400 Menschen in der Uni mit einem Professor, der pro Inklusion war, darüber diskutiert. Und ich habe damals deutlich gesagt, dass es wichtig ist, dass es die WAHL für besagte Eltern gibt, aber es einfach nicht richtig läuft und auch nicht für jeden geeignet ist, wie es momentan in den Schulen vorzufinden ist und mein Kind in der Regelschule untergehen würde! Das wäre wirklich so. Und ja, du hast recht, was jetzt momentan als Inklusion "verkauft" wird, ist keine Inklusion. Deswegen sagte ich ja auch, dass Theorie und Praxis extrem weit auseinander gehen und wenn die Theorie vernünftig umgesetzt würde, es eine tolle Sache wäre. So lange das aber nicht passiert, werde ich meine Tochter ganz sicher nicht in eine Regelschule geben. Das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht für ihre Freiheit kämpfe, sondern ich möchte, dass sie gut betreut wird und auch lernt. Ansonsten passiert derselbe Mist wie im KiGa, die laut schrien "Klar, wir sind für Ihre behinderte Tochter da und sind in der Lage, sie zu fördern!" und am Ende schrie sie, wenn sie in den KiGa musste, wurde nicht verstanden, nicht gefüttert und mit Krämpfen in die Ecke gestellt, weil solche nicht erkannt wurden und sie ja "Ruhe" brauchte, ihre Bedürfnisse nicht gestillt wurden, weil ja die anderen Kinder auch noch da sind! Andere Eltern mit weniger beeinträchtigten Kindern sind dort sehr zufrieden. Aber diese Kinder können laufen oder sprechen udn sich die Dinge verbal einfordern oder aber sie sich selbst holen.

Und so sehe ich das mit Inklusion in der Schule auch. Für manche Kinder durchaus geeignet und vorteilhaft, aber manche Kinder scheinen "Quotenbehinderte" zu sein (ich weiß, dass das nicht der Sinn von Inklusion ist, aber so ist es momentan und dem muss ich mein Kind nicht aussetzen. Ich will ja nicht nur Freiheit für sie, sondern muss sie auch schützen!). Das klingt echt böse, aber trifft leider häufig zu...

Und ehrlich? Ich kenne doch einige Eltern, deren Kinder erst in Regelkindergärten oder Regelschulen waren und am Ende in eine andere Einrichtung gewechselt sind. Ich bin nicht absolut gegen Inklusion, verstehe das bitte nicht falsch, aber halte es für wichtig, dass die Möglichkeit einer Förderschule bestehen bleibt und es somit eine WAHL gibt. Als der Prof in der Veranstaltung sagte, dass das Ziel ist, dass die Förderschulen komplett abgeschafft werden, habe ich einen halben Herzinfarkt bekommen und war wirklich erleichtert, als er sagte, dass sie für schwere Fälle doch bleiben, sofern Eltern das wünschen.

Wenn das System bearbeitet würde, die Lehrer ausgebildet werden, es genug Personal gäbe, dann wäre es vielleicht auch für unsere Tochter geeignet. Aber so? Never ever! Wobei ich gar nicht sagen kann, wie das System sein müsste, damit ich es einer Regelschule zutrauen würde.

Freiheit erlangt meine Tochter momentan definitiv in einem heilpädagogischen KiGa und der Förderschule, da sie dort Eigenständigkeit lernt, gut betreut und gefördert wird. Diese Dinge würde sie in einer Regelschule ganz sicher nicht lernen... Da verzichte ich lieber auf Inklusion (=Freiheit nach deiner Definition), aber weiß, dass ihr an einer Förderschule ganz sicher zu Freiheit verholfen wird, indem sie individuell gefördert wird und auch Alltagsdinge erlernt werden statt nur das ABC und das 1x1.

Du hast recht, wenn die Gesellschaft die Schwermehrfachbehinderten ausgrenzen würde, so wäre es eine neue Grenze, deswegen plädiere ich auf den Erhalt von Förderschulen und die Möglichkeit JEDES Kind in die Regelschule geben zu dürfen. Dann können alle Eltern völlig individuell für sich und ihr Kind entscheiden, was der richtige Weg ist. Ich denke, so würde man jedem gerecht. Aber Eltern die Möglichkeit der Förderschule zu Gunsten der Inklusion zu nehmen, kann und will ich nicht unterstützen.

Liebe Grüße!
Finchen
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Beitragvon Engrid » 27.11.2015, 20:04

Liebe Finchen,

Deswegen sagte ich ja auch, dass Theorie und Praxis extrem weit auseinander gehen und wenn die Theorie vernünftig umgesetzt würde, es eine tolle Sache wäre. So lange das aber nicht passiert, werde ich meine Tochter ganz sicher nicht in eine Regelschule geben. Das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht für ihre Freiheit kämpfe, sondern ich möchte, dass sie gut betreut wird und auch lernt. Ansonsten passiert derselbe Mist wie im KiGa, die laut schrien "Klar, wir sind für Ihre behinderte Tochter da und sind in der Lage, sie zu fördern!" und am Ende schrie sie, wenn sie in den KiGa musste, wurde nicht verstanden, nicht gefüttert und mit Krämpfen in die Ecke gestellt, weil solche nicht erkannt wurden und sie ja "Ruhe" brauchte, ihre Bedürfnisse nicht gestillt wurden, weil ja die anderen Kinder auch noch da sind! Andere Eltern mit weniger beeinträchtigten Kindern sind dort sehr zufrieden. Aber diese Kinder können laufen oder sprechen udn sich die Dinge verbal einfordern oder aber sie sich selbst holen.
Da sind wir uns einig. Ich würde Junior bei den momentanen Zuständen auch nicht die Regelschule schicken. Ich bin sogar der Meinung, dass das ganze Schulsystem sich massiv wandeln muss, um den Anspruch Inklusion gerecht zu werden.

Ich setze mich trotzdem für Inklusion ein, ich glaube dran, und ich freue mich über jeden Vorreiter, und jeden positiven Bericht.

Grüße
Engrid
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Beitragvon deborah » 27.11.2015, 21:00

Hallo zusammen,

Wie ich schon mehrfach geschrieben habe, sind wir froh über 6 Jahre Inklusion.

Alltagskompetenzen und Selbständigkeit möchte ich meinen Kindern selbst beibringen. Aber was mein Sohn alles gelernt hat in der Regelschule, das hätte er niemals an einer GB Schule gelernt.
Dadurch hat er für seine berufslaufbahn eine gute Perspektive.

Unsere Sekundarschule hat das Motto "Jedem Kind eine Perspektive"
Und von GB bis Gymnasial Kinder ist alles vertreten.

Gruß Deborah
D. *70
M. *69
R. *05/01 Kiss
T. *01/03 kognitiv, sprachlich und motorisch entwicklungsverzögert, auditive Wahrnehmungsstörung, GU-Schüler einer Sekundarschule

Eine gute Ausbildung ist fast so wichtig wie eine fordernde Mutter.
Charles M. Schulz


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