Mein Sohn (9) hatte wohl bis jetzt falsche Diagnose

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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AndyS.
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Mein Sohn (9) hatte wohl bis jetzt falsche Diagnose

Beitrag von AndyS. »

Hallo ihr Lieben!! :D

Ich war schon seid 1 Jahr nicht mehr hier und es hat sich sehr viel getan - leider nicht nur positives.........

Meine Große entwickelt sich trotz ihrer bestehenden Tourettesymptome ganz toll, bin sehr stolz auf sie!!! Aber der Kleine (Sandro) ist nach wie vor ein großes Sorgenkind :cry:
Bis vor kurzem hatten wir die Diagnose "selektiv Mutistisch, sozial-emotionale Entwicklungsstörung mit Angstsymptomatiken, Wahrnehmungsstörung"!
Ich hatte gestern einen Termin bei einer anderen Kjp - eigentlich weil ich in Not war, da sich Sandro nicht beim Zahnarzt behandeln lässt und es aufgrund von einem sichtbaren Eiterherd schon sehr dringend ist! 5 Zahnarztbesuche (verschiedene) in 4 Wochen, mit und ohne vorher sediert zu sein; war nicht möglich ihn auf den Zahnarztstuhl zu kriegen - er lief tobend jedesmal raus!!!

Nun hatte ich mir eigentlich in dieser Kjp erhofft das die mir irgendwie helfen könnten das ich mein Kind irgendwie zur Behandlung bringe........
aber bevor wir dieses Theam in Angriff nahmen fragte mich der Kd. Psychiater ob denn noch nie Autismus ausgeschlossen wurde!
Ich sagte ihm das dieses Thema mal ganz kurz wo gefallen war aber nie wieder aufgerollt wurde....... Er war sichtlich entsetzt! Er meinte es gab sogut wie in jedem Punkt wo wir mit Sandro Probleme haben die Bestätigung das es Autismus sein könnte - zumindest sei es sehr typisch!

Für den Arzt ist fast klar das er autistisch ist - aber es fehle noch auf jeden Fall die eigentliche Diagnostik!!

Jetzt bin ich ein bischen sprachlos und irgendwie sauer das Sandro womöglich so lange die falsche Therapie bekam!!!

Aber mein eigentliches aktuelles Problem ist nach wie vor das ich Sandro nicht zum Zahnarzt bringe, egal was ich bis jetzt versucht hatte!!! Jetzt bekam ich ein anderes Beruhigungsmittel das ich ihm schon am Hinweg geben soll, aber ich bezweifle das es diesesmal wirkt bzw funktioniert!! Man kann ihn ja nicht mal unter Narkose was machen weil wir nicht mal bis zum Behandlungsstuhl kommen!! :?

Ich bin schon ziemlich verzweifelt! Wer kennt sowas? Und was macht ihr in solch Situationen??

Vielen Dank und liebe Grüße!!
Tochter (14) Tourette-Syndrom und Angsstörung mit Hochbegabung
Sohn (9) ASS (Asperger), selektiv Mutistisch, LRS und Dyskalkulie

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Andy,

jetzt mal nur wegen Zahnarzt: fünf Zahnarztbesuche in vier Wochen, und nichts vorwärtsgegangen, das schürt die Panik natürlich massiv. Das geht nur noch mit Vollnarkose. Und wenn er selber nicht hingeht, muss er eben ein Beruhigungsmittel bekommen. Ein Eiterherd ist ja nix, wo man lange zuwarten kann.

Wenn er wieder aufwacht, und es hinter sich hat, wird es ihm besser gehen als jetzt, wo ihm das permanent als Damoklesschwert überm Kopf hängt.

Wir sind in einer großen und damit ausgezeichnet organisierten und spezialisierten Kinderzahnarztpraxis. Da lief alles wie am Schnürchen, ich wurde ernst genommen (zB mit der Info, dass das Narkosemittel nicht mehr gut wirkt, wenn Junior das Adrenalin erstmal hochfährt).

Wichtig ist auch, dass man selber Ruhe und Entschlossenheit ausstrahlt.

Grüße,
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

AndyS.
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Beitrag von AndyS. »

Hallo Engrid,

danke für deine Antwort und Ratschläge! Aber hast du vielleicht eine Idee wie ich ihn zur Zahnarztpraxis überhaupt hinkriege?? Wenn ich ihm sage das es zum Zahnarzt geht (natürlich sehr einfühsam,...usw) dann bringe ich ihn nicht ins Auto - er entwickelt Kräfte das ist kaum vorstellbar!! Wenn ich ihn nicht sage wo es hingeht und er merkt das wir vor einer Zahnambulanz halten, läuft er weg - aber richtig weit und unkontrolliert (die ganzen Autos.... :shock: :shock: )
Nun hatten wir schon mal Diazepam für zu Hause das ich ihn schon vorher beruhige - aber aufeinmal beim Zahnarzt angekommen war er hellwach und ist wieder entwischt!!!! Hiiiilfe :(
Jetzt bekam ich ein anderes Beruhigungsmedikament (Lorezapam) noch höher dosiert - mehr geht angeblich nicht mehr. Was mache ich wenn das auch nicht anschlägt????
Ich fürchte wir sind da ein Ausnahmefall!! Ich seh da irgendwie keine Lösung!!!
Noch dazu ist es bei meinem Sohn wirklich nicht einfach das er Medikamente einnimmt egal in welcher Form - das ist das nächste Dilemma........
Oje!!! Ich bitte um viele Ratschläge!!

Vielen Dank im voraus!
LG
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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Andy,

Du gehst zu einer Zahnklinik/Zahnarzt Deiner Wahl und besprichst Dich mit dem Anästhesisten. In allen Einzelheiten, und Du sagst ihm auch, auf was Sandro nicht reagiert hat, und so weiter. Und ich denke, wenn es schon soweit ist, schon so viele "Abbrüche" waren, müsst Ihr es diesmal hinter Euch bringen, also notfalls festhalten ("lieber ein Ende mit Schrecken ...")

Und ich würde ihn auf keinen Fall "übers Ohr hauen" wo es hingeht, denn das gibt einen massiven Vertrauensverlust, das geht nicht, schon gar nicht bei einem angstkranken Kind.

Sag es ihm vorher, sag ihm, dass Ihm helft, dass Ihr das gemeinsam hinter Euch bringt.

Bei meinem Sohn ist es nicht so schlimm, also nur bedingt ein Vergleich. Ich hab ihm früher solche Sachen erst kurz vor der Fahrt gesagt, und zwar eher "beiläufig", so wie man halt sagt "wir müssen zum Einkaufen". Bei zu viel "Gewicht drauf", oder wenn ich ihm etwas zu früh gesagt hab, hat er sich reingesteigert.

Wenn es irgendwie geht, lass ihn was aktiv machen, zB etwas selber schlucken, dann ist das Ohnmachtsgefühl nicht so krass.

Grüße
Engrid
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Janina79
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Beitrag von Janina79 »

Hallo Andy,

ich denke, dass es vielleicht sinnvoll ist, zu einem anderen Zahnarzt zu wechseln.
Es gibt auch Praxen, die sich sehr gut auf Angstpatienten einstellen. Wichtig wäre es, wenn er auch mal positive Erfahrungen sammeln könnte.
Also vielleicht erstmal ein Zahnarztbesuch wo er sich erstmal alles in Ruhe anschauen kann und anschließend noch eine kleine Belohnung.
Könntest du ihn vielleicht beim Zahnarzt auf den Schoß nehmen?

LG
Janina
*1979
*2001 Tochter
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Lija
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Beitrag von Lija »

Hier scheint es ja um eine Situation zu gehen die konsequentes Handeln erforderlich macht.
Also wir hatten die fast gleiche Situation auch Anfang des Jahres, zum Glück waren wir da gerade stationär in der KJP.
Wir mussten da auch konsequent und bestimmt vorgehen, d.h. Kind wurde schreiend von meinem Mann ins Auto getragen und schreiend in die Praxis gebracht. Mit dem Beruhigungsmittel hat mein Mann ihn dann veräppelt, hat so getan als habe er es weggekippt und was richtiges zu trinken rein getan. Er hatte nämlich Durst. Dann war es tatsächlich runter :shock:
Das klingt hart und war es auch, aber es musste einfach sein. Lange Bitten und überreden half alles nichts und wir mussten handeln. Die Psychologin dort hat uns dabei aber seelisch unterstützt zum Glück. Kann das sehr gut nachempfinden was du da schilderst :(
Mutter eines ganz besonderen Kindes

AndyS.
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Beitrag von AndyS. »

Hallo :)

Vielen lieben Dank für eure Ratschläge! Bin so froh das es jemanden gibt der ähnliches kennt! Ich fühle mich so ohnmächtig, machtlos und alleine da ich keinen Ausweg mehr sehe.......

Ja, dina3110 du hast völlig recht das hier konsequentes Handeln erforderlich ist - ich weiß! Ohne Konsequenz, klarer Linie und klarer Ansage geht bei meinem Sohn sowieso gar nix :shock:
Das einzigste was wir tatsächlich noch nicht gemacht haben ist das gewaltsame Vorgehen mit festhalten!! Wobei ich mir noch nicht vorstellen kann wie das funktioniert, da Sandro extreme Kräfte entwickelt wo es auch meinem Mann sehr schwer fällt ihn nieder zu halten..........aber ja - es wird uns nichts anderes übrig bleiben; mein Sohn gehört dringend behandelt. Hab schon nur mehr schlaflose Nächte deswegen!
Ich muss auch dazu sagen das Sandro ein total Verweigerer ist!! :( das ist wirklich schwer......er hat große Angst von Dingen, Situationen und eben auch Geschmacksrichtungen die er nicht kennt (Beruhigungsmittel)!!

Aber naja, komme was wolle - ich und mein Mann haben uns fest vorgenommen das der nächste Termin (spezielle Zahnklinik für besondere Kinder) einfach klappen muss!!! Länger zuwarten geht nicht mehr!!!

Ich danke für eure Unterstützung - und ich werde mich melden wenn (hoffentlich) alles vorbei ist und wie es geklappt hat!

LG
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konik
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Beitrag von konik »

Hallo ,

Mir wird beim lesen ganz schwummerig.
Ich habe hier bei jedem Arztbesuche ein grosses Drama....
KJP geht , sobald aber einer einen weißen Kittel hat ist rum.
Ich würde mit ihm reden versuch doch mal in Ruhe rauszufinden was ihn so ängstigt! Es kommen da manchmal sehr komische Ängste raus!
Seit ich versuche auf seine Ebene zu kommen um zu erkennen was los ist , ist es ein bißchen besser. Beispiel : Am Anfang hab ich immer gedacht er hat Angst das etwas weh tut. Heute weiss ich das ist es nicht , sondern er hat Angst das der Arzt sagt du musst sterben! Das ist für ihn Horror...Das war schon bei banalen Dingen ein Problem wie Abhören zb. Das war nicht einfach weil er auf Fragen immer nickt und dann nie klar ist ob es wirklich stimmt. Ja sagen ist ja so einfach und man hat Ruhe....
Unter Gebrüll hin schleppen geht für mich nicht und brutal festhalten auch nicht.
Ich glaube das in eurem Fall es so verfahren ist, das du ambulant keine Möglichkeit mehr hast.
Such dir eine gute Klinik wo man ein klein wenig Erfahrung hat.
Zumal es ab einem gewissen Alter nicht mehr geht , mal eben kurz unter den Arm klemmen!
Besser 2 Tage einplanen , ruhig anreisen, ein Arzt der sich Zeit nimmt und ruhig bleibt.
Notfalls dann im Zimmer etwas geben das er einschläft und nichts mehr mitbekommt.
Das hier behandelt werden muss ist klar!

Ich drücke die Daumen

Liebe Grüsse Koni

Frauke Britta
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Beitrag von Frauke Britta »

Hallo,

wir haben hier in der Nähe eine Zahnklinik, die eigentlich nicht aussieht wie eine Zahnklinik. Weder von außen, noch von innen.

Sieht von Innen eher aus wie ein kleines Büro. Es läuft leise beruhigende Musik im Hintergrund. Keiner trägt hier einen Kittel.

Die kleinen Angspatienten bekommen ein buntes Pflaster auf die Haut. Das Motiv dürfen sie sich aussuchen. Davon werden sie etwas müde.

Außerdem dürfen sie sich einen Film über eine Spezialbrille aussuchen. Gepart mit Kopfhörer bekommen die kleinen wenig mit. Die meisten Kids sind total gebannt vom Film.
Sie sitzen oder liegen, wie sie wollen auf einer normalen Couch, kein Behandlungsstuhl.

Dann bekommen sie etwas "Schlafgas" unter die Nase. Das merken sie eigentlich nicht.

Eine Freundin von mir arbeitet dort.
Manche Kinder kommen 2-3 mal vorher um nur die Brille aufzusetzen und gehen nach einer kurzen Zeit wieder, ohne Behandlung.
Wenn sie dann bei einem Termin ruhig genug sind wird dann auch die Behandlung gemacht.

Sie wachen genauso auf, wie sie eingeschlafen sind, also mit Brille, laufendem Film und Kopfhörer wieder auf der Couch.

Vielleicht gibt es eine solche Privatklinik auch bei Euch.

Lg
Frauke-Britta
ALLES WIRD GUT

Sohn 11 Jahre Asperger, Rheuma, ADHS, V.a. Autoimmun-Enzephalitis.....
Zwillingsbruder 2003er Motzbeutel sonst unauffällig, Schwester 13 Jahre Asthma, außer der Pupertät eher unauffällig

Jenny66
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Beitrag von Jenny66 »

Hallo AndyS.,

was Du da so von Deinem Sohn beschreibst, ist sowohl für Mutisten als auch für Autisten nicht außergewöhnlich. Ich würde da auch eher raten in eine Zahnklinik zu fahren und das ganze unter Vollnarkose machen zu lassen. Ob man ihn jetzt austrickst oder noch alles erklären kann, das kann ich nicht beurteilen, was da besser wäre. Ich weiß nur, dass man bei unserer Tochter immer sagen muss, was Sache ist. Tricksereien bringen einen massiven Vertrauensverlust und das ziehnt dann ewig lange weitere Probleme nach sich.

Zum Verdacht auf Autismus kann ich nur sagen, dass unsere Tochter auch beide Diagnose hat. Erst die Mutismus-Diagnose und dafür spezifische Therapien, später - während eines Klinikaufenthaltes - kam dann die Asperger-Diagnose hinzu.

Wenn Dein Sohn jetzt die ganzen Jahre auf Mutismus therapiert wurde, dann ist das jetzt nicht zwangsläufig die falsche Therapie gewesen, sollte er doch auch außerdem noch autistisch sein.

Bei unserer Tochter hatten die Therapien damals auch geholfen, allerdings gab es noch andere Baustellen. Unter anderem war es auch so, dass der Autismus erst nach erfolgreicher Therapie des Mutismus überhaupt nach außen hin auch für andere sichtbar wurde, weil sie ihre besonderen Verhaltensweisen dann nicht mehr so versteckt hat, weil sie durch die Mutismustherapie für ihre Verhältnisse schon offener geworden war. Das bedeutete eben aber auch, dass sie ihre autistischen Verhaltensweisen nicht mehr so konsequent versteckt hat und dann ging es auch schon mit dem Mobbing los. Dann kamen Depressionen dazu und dann die Tagesklinik, wo dann Autismus festgestellt wurde.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr das Zahnproblem bald in den Griff bekommt.

Jenny66
Tochter, 1999 (sel. Mutismus + AS)

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