Schulbegleiter auf eigene Initiative - geht das?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Ayden
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Schulbegleiter auf eigene Initiative - geht das?

Beitragvon Ayden » 23.10.2015, 17:30

Moin,
ich möchte mich nur mal für den Notfall schlau machen, vielleicht geht das was wir uns vorstellen auch gar nicht: Gibt es die (rechtliche/versicherungtechnische) Möglichkeit, unserer Tochter, so die Schule damit einverstanden ist, auf eigene Initiative einen Schulbegleiter an die Seite zu stellen?

Als Erläuterung : Unsere Tochter kommt nächstes Jahr in die Schule. Wenn irgend möglich in die Regelschule. Wir wollen ihr den Diagnostik/testmarathon im Werner Otto Institut ersparen. Ob sie dann Anspruch auf einen I Helfer hätte (Skoliose, Mundhypotonie) wäre aber auch nicht klar, da ich die verbindlichen Kriterien nicht sicher herausfinden konnte.

Hat jemand von Euch Erfahrung? Vor allem die versicherungsrechtliche Seite ist wohl ziemlich `spannend´.

herzlichen Dank und Grüße! Ayden

konik
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Beitragvon konik » 24.10.2015, 11:50

Hallo,

Durch deine Zeilen stellen sich mir viele Fragen.
Was hat dein Kind für eine Grunderkrankung?
Hat sie einen SBA?
Geht sie als I Kind zur Kita?
Wie stellst du dir das denn vor?
Klar kann ein Schulbegleiter selber bezahlt werden was manche leider müssen......aber wie willst du der Schule gegenüber nachweisen was dein Kind hat , welche Behinderung zu Grunde liegt ? Normal nach Antrag , wird ein Hilfeplangespräch oder runder Tisch sein wo alle dabei sind. Eltern , Eingliederungshilfe , Therapeuten , Schule und manchmal einige mehr.
Dann wird bestimmt was das Kind braucht und dann was bezahlt wird.Leider meistens nicht das Gleiche!
Aber es wird hier auch oft über Nachteilsausgleiche geredet , oder über besondere Förderung ec
Willst du die Förderung selber übernehmen?
Braucht dein Kind nur Hilfe zb beim Treppen hoch gehen? Also rein körperlich ? Oder braucht sie in allen Bereichen Hilfe ?
Habt ihr eine gesicherte Diagnose?
Was meinst du mit den Kriterien? Die Behinderung ist ja immer nur ein Baustein , es geht viel mehr darum wie beeinträchtigt das Kind im Alltag dadurch ist. Genau das muss der Behörde klar verständlich gemacht werden.
Was meinst du für Tests?
Meinst du das sozialpädagogische Gutachten? Den Förderbedarf ermitteln ?
Versicherungsrechtlich denke ich könnte das laufen wie wenn man ein PB hat. Also selber als Arbeitgeber die SB einstellen , versichern , planen für Krankheitsfälle usw
Ich glaube aber das die Tests sein müssen wenn dein Kind Hilfe braucht. Ob sie Einzelstunden bekommt oder der Sonderpädagoge die Förderkoordination übernimmt , ist abhängig vom Fall und dem Bundesland .
Ich komme aus BW deswegen kann ich dir nicht genau sagen wie es bei euch ist.

Liebe Grüsse
Koni

Ayden
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Beitragvon Ayden » 26.10.2015, 17:17

Liebe Koni,
ja, unser Kind hat eine Diagnose. Und :Nein, weder sie, noch irgendwer sonst kennt sie (außer den sie behandelnden Ärzten). Warum? Weil sie vollkommen anders ist, als sie genetisch gesehen laut dem Erwartungshorizont der Diagnose sein könnte. Warum? Weil sie eine völlig andere Therapie bekommen hat, als die `Koryphäen´ es in Deutschland tun. Selbst auf der Homepage der deutschen Selbsthilfegruppe läuft die Diagnose als schweres Multibehinderungssyndrom. Sie ist aber nicht schwer behindert.

Aber es wäre für unsere Tochter sehr schwer, allen immer wieder zu beweisen, dass sie nicht so dumm ist wie Dr. Google es verkündet. Deshalb besprechen wir die genetische Besonderheit mit niemandem, da sie unsere Tochter in einem völlig falschen Licht erscheinen liesse.

Sie spricht (grammatikalisch) normal, hat einen überdurchschnittlichen Wortschatz, kann 22 Buchstaben schreiben, kann bis 100 zählen (ist gerade 6 geworden), geht ohne Begleitung in die Regelvorschule. Aber: sie hat eine Skoliose (angeboren, nicht genetisch), ein Korsett und eine Mundhypotonie. Das reicht schon als `negative Gegenübertragung´. (Den bei starker Konzentration offen stehende Mund, der von allen als Signal für `Dummheit´ gedeutet wird trainieren wir derzeit ab)
Derzeit braucht unsere Tochter keine Schulbegleitung. Sie zieht sich trotz Korsetts alles alleine an und aus, organisiert sich selbst etc..
Aber: genetisch sind verschiedene Verhaltensauffälligkeiten im Schulbereich möglich/treten regelhaft auf. Ob die guten kognitiven Fähigkeiten unserer Tochter ausreichen, um sie, so sie auftreten sollten, selbständig zu beherrschen, können wir jetzt nicht wissen oder abschätzen und wollen wir auch mit keinem `Gremium` vorab diskutieren.
Wenn Probleme auftreten, wollen wir aber schnell und unbürokratisch reagieren können und unserer Tochter ggf. schnell und unbürokratisch eine Schulbegleitung an die Hand geben können, die dann auch konkrete Anweisungen von mir bekäme, wie sie bestimmte Situationen zu handeln hätte. Die Hoffnung ist, damit ggf. entstehende Konflikte gleich im Keim zu ersticken und nicht erst nach Wochen/Monaten der Eskalation.

Vielleicht eine Anmerkung dazu :ich bin selber Ärztin und weiss ziemlich genau, wo das Gehirn unserer Tochter seine biochemischen Individualitäten hat, welche durch die Therapie und/oder die Genetik hervorgerufen werden können etc. (Sie bekommt eine Therapie, die ich mit einer in Amerika in der Forschung und Betreuung dieser Kinder betrauten ärztlichen Kollegin /Professorin abstimme).

Deshalb meine etwas absonderlich erscheinende Frage. Den `Regelweg´ wie die Bewilligung einer Schulbegleitung funktioniert kenne ich natürlich.

Einen GdB haben wir nicht beantragt. Er betrüge derzeit alleine wegen der Skoliose 60%.

Vielleicht hat ja doch jemand Erfahrung? Vielleicht auch von den Moderatoren?
Die Rechtsanwältin (Fachanwältin für Schulrecht in HH), die wir im Rahmen einer Erstberatung fragten, hatte leider keine Kenntnis darüber....

Jeder Tip/Erfahrung wäre für uns hilfreich!
Liebe Grüße, Ayden

rena99
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Beitragvon rena99 » 26.10.2015, 17:51

Hallo Ayden,

nun machst du mich natürlich neugierig... Aber nun gut.

Ich denke, rechtlich wird es so sein, dass du zu mindest die Notwendigkeit einer Schulbegleitung ärztlicherseits bescheinigt bekommen musst.

Wenn man sich an den Anforderungen der Eingliederungshilfe orientiert, aber berücksichtigt, dass ihr selber zahlen wollt, dann bleibt:

- Nachweis über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen
- ggfs. Schwerbehindertenausweis

Quelle: http://www.duesseldorf.de/behinderung/f ... nder.shtml

Um eine entsprechende ärztliche Stellungnahme wirst du also nicht herumkommen. Es wäre allenfalls noch zu klären, wer die abgeben "darf", so dass die Schule das akzeptieren kann. Sonst könnte natürlich jeder kommen, der für sein Kind gerne eine individuelle Förderung hätte.

So ganz klar ist mir nicht, wovor du Angst hast. Es hat sich doch mittlerweile herumgesprochen, dass es Mosaik-Varianten von allem Möglichen gibt. Mit entsprechend unterschieldichen Prognosen.

Aus der ärztlichen Bescheinigung muss nur die Notwendigkeit der Schulbegleitung hervorgehen, nicht die Diagnose. Allerdings würde mir als Schulleitung die Bescheinigung eines "normalen" Kinderarztes wohl nicht aussreichen. Allein, weil ich fürchten müsste, dass dann zig Eltern bei mir aufschlagen.
Aber es wäre für unsere Tochter sehr schwer, allen immer wieder zu beweisen, dass sie nicht so dumm ist wie Dr. Google es verkündet. Deshalb besprechen wir die genetische Besonderheit mit niemandem, da sie unsere Tochter in einem völlig falschen Licht erscheinen liesse.
Dir ist aber schon klar, dass du mit deiner Tochter mal irgendwann darüber wirst sprechen müssen?

Andere Eltern geht das sicher nichts an, ich würde mir da eher eine Schule aussuchen, die mit "bunten" Kindern souverän umgeht. Schließlich ist jedes Kind irgendwie anders.
Aber: genetisch sind verschiedene Verhaltensauffälligkeiten im Schulbereich möglich/treten regelhaft auf.
Treten regelhaft auf?? Was muss man sich denn an "Verhaltensoriginalität" so vorstellen? Ich finde es zu viel von einer 6jährigen erwartet, dass sie unter Stress, den es in der Schule immer mal gibt, ggfs. aufsteigende Wutattacken selber kontrollieren kann. Das erfordert Training und ein etwas höheres Alter. Da würde ich mir nun vorher Gedanken machen, ob es zu so etwas z.B. kommen könnte. Wie läuft es denn im Kindergarten?

Wenn ich es richtig verstehe, hast du ja Sorge, dass dein Kind intellektuell nicht Ernst genommen wird. Warum du dann aber keinen SBA beantragst, der ja bereits 60% durch die Skoliose beträgt, ist mir unerfindlich. Denn das wäre ja (s. meine 2 Punkte oben) ein sehr nachvollziehbarer Weg, die Schulbegleitung bescheinigt zu bekommen.

Wie heißt es so schön: einen Tod muss man sterben..
Die Rechtsanwältin (Fachanwältin für Schulrecht in HH), die wir im Rahmen einer Erstberatung fragten, hatte leider keine Kenntnis darüber....
Das wundert mich nicht. Da gibt es wahrscheinlich nichts Richtiges und nichts Falsches, sondern nur Vertretbares. Weswegen ich oben schrieb, man möge sich an den Vergabevorschriften für die staatlich finanzierten Schulbegeiter orientieren. Da hat man dann "die bewährte Praxis".

Denn du weißt ja vielleicht: vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand!

LG

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Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

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Beitragvon rena99 » 26.10.2015, 17:54

Ach so, versicherungsrechtlich ist daseigentlich nicht so spannend. Wenn die Schule den Schulbegleiter akzeptiert, musst du privat ein Arbeitsverhältnis gestalten. Darin sind dann auch die haftrechtlichen Fragen zu klären. Auch da würde ich mich an den Verträgen der Schulbegleiter orientieren, die staatlich finanziert werden.

LG

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Beitragvon rena99 » 26.10.2015, 18:05

Und was mir auch noch einfällt: Habt ihr mal über einen IQ-Test nachgedacht? Das würde euch ja im Prinzip helfen, denke ich. Und den Kindern macht der meistens ziemlich viel Spaß. Den kannst du auch selbst finanzieren und die eine Teststelle deines Vertrauens heraussuchen. Nur sollte es ein anerkannter Test sein (z.B. HAWIVA-III oder auch K-ABC bzw. WISC IV, wenn sie bereits 6 ist).

Wenn deine Tochter kognitiv so fit ist, dann hast du da ja nichts "zu fürchten". Und wenn das Ergebnis nicht ganz so ist, wie du es dir vorstellst, dann ist das nirgendwo" aktenkundig".

Es hilft aber, wenn man in schwierigen Zeiten darauf zurückgerifen kann. Mit "Testmarathon ersparen" hat das eigentlich nichts zu tun.

LG
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Beitragvon mamavonsarah » 26.10.2015, 18:31

Hallo Ayden,

Ich schicke dir eine PN.

Lg Sandy

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Beitragvon Bilinda » 29.11.2015, 15:59

Hallo Ayden,
suche Dir einen Träger (AWO, Caritas, etc.), wo Euer ausgewählter Schulbegleiter angestellt werden kann. Ihr rechnet dann mit dem Träger ab (in der Regel/ bei genehmigter Kostenübernahme rechnet der Träger mit dem Bezirk ab) und dann müsste meiner Erfahrung nach alles abgesichert sein.
Viele Grüße, Bilinda
Sohn 09-09, extreme PRS, Spornplatte (Therapie abgeschlossen), Fallot (korrigiert), große Gaumenspalte (korrigiert), globale Entwicklungsverzögerung, PEG. Isst und trinkt seit 04-14, mittlerweile selbstständig aber noch fein püriert.

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Beitragvon KathrinS » 29.11.2015, 17:34

Hallo Ayden,

bei uns gibt es leider keinen Träger, der die Sache übernimmt Wir mussten das Persönliche Budget für den Schulbegleiter nehmen. Der Lohn musste nun auch auf 8,50 €/ Stunde angepasst werden.
Vorausetzung war aber die Gewährung der Eingliederungshilfe, was man individuell begründen musste.

LG Kathrin
Sohn mit Diagnose frühkindlicher Autismus

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Beitragvon nataschawolle » 29.11.2015, 19:18

hi

ich kann dir leider zu deiner fragen nichts sagen

aber zur regelschule,
ich begleite ein kind in der regelschule, das kind ist sichtbar gehändicapt. trisomie 21.
aber die kids in der schule habe nie nachgefragt, weder warum sie den mund offen hat, noch war sie so ganz anderst spricht, im gegenteil, die kids verstehn sie super gut.
es war so ein schleichender prozess. dass die kids sich einfach dem knopf angenommen haben, sie stellen die fragen so gezielt, dass es mit ihrem geringen wortschatz antworten kann.
sie loben es, und bestätigen es, obwohl sie weit hintedran ist, hat inklusionshefte, die zwar obtisch gleich aussieht aber der inhalt nun mal reduziert ist.

mein wombel hat auch stärken und ist dort besser.

aber ich denke mal,
Kinder nehmen einander an, wenn die lehrer da ein wenig einfühlsam sind, es gibt ja auch sehr schwache kids, oder übergewichtige kids. kids die sich mit dem lesen oder rechnen schwer tun.


also sie sind alle individuell.

nur mal so ein einblick, dass dein sonnenschein sich nciht immer beweisen muss,
sondern einfach , so wie jedes shculkind, einzigartig ist.

lg natascha
natascha mit julia 93, gina 97 mageneingangfehlbildung mit reflux (hiatushernie) morotrische defizite, maria und anna 02, zehenfehlstellung, empfindliche lungen, maria extrem mit narbenbildung nach lungenentzündung, die 4 sind das wundervollste chaos dieser welt


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