Was wünscht ihr (Eltern Behinderter) euch von Kirche?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 22.10.2015, 14:27

Hallo Johanna,

ich finde das gut, was Iris geschrieben hat. Ich mach mir auch meine Gedanken über Junior und die Religion. Es schmerzt immer an der gleichen Stelle: Er kann nirgends mit, es gibt kein Angebot für ihn. Entweder er passt nicht hinein, oder es passt ihm nicht.
Dabei kann man, wenn man sich auf behinderte Kinder einlässt und ihnen Raum lässt, das, was Du einen "gnädigen Gott" nennst, doch eigentlich viel klarer sehen ... Finde ich jedenfalls.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Rike04
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Beitragvon Rike04 » 22.10.2015, 14:42

Hallo

"..wie das mit dem Kind gehen sollte.." , da muss ich ein bißchen schmunzeln. Unser Jüngster besucht eine Schule, in der Gottestdienste zum Alltag gehören. Schon bei der Einsegnung / Schulanfangsgottesdienst haben ich die Pfarrerin sehr bewundert. Zu allen Veranstaltungen sind immer alle Kinder im Gottesdienst dabei. Und an einer Schule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung durchgängig eine entsprechende Geräuschkulisse. Doch auch egal was dort los war. Die Pfarrerin ließ sich nicht einmal aus der Ruhe bringen - wobei sie ja klar die Schüler kennt und auch der Religionsunterricht ab den Unterstufen stattfindet. Aber es ist auch keiner mit irgendeinem Kind rausgegangen.

Demnach es geht.

Dort wird sehr viel gesungen, die Kinder kennen auch die Lieder und es wird dazu gebärdet. Also Abwechslung und auch Aktion zum mitmachen. ( Singen, klatschen, gebärden etc. ) Die Gestaltung ist demnach auch sehr ansprechend für die Kinder und Jugendlichen.
Viele Grüße
Rike

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 22.10.2015, 14:44

Hallo Johanna,

in unseren Englandurlauben haben wir mehrere Kirchen besichtigt und ich fand es toll, dass es in jeder Kirche Spielecken für Kinder gab mit Büchern, Malzeug, Kuscheltieren, Autos, Puppen, Kuschelecken usw. So hatten Eltern während des Gottesdienstes eine Beschäftigung für ihre Kinder. In Deutschland habe ich das noch nie gesehen.
Es gab auch einen Bereich für hörgeschädigte oder ruheliebende Menschen. Dieser Bereich war hinter Glas (ich vermute wegen der Schallgedämpfung) und es gab dort Kopfhörer. So einfach kann man unterschiedliche Bedürfnisse zusammenbrigen.

Meine Kinder sind fast erwachsen und erwachsen und wir sind sonderlich gläubig, aber wären sie noch klein, würde ich mir von der Gemeinde ein Projekt wünschen, wie man Kirche so gestalten kann, dass der Gottesdienst für Familien mit (behinderten) Kindern (und für alle anderen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen) angenehmer wird.

Meine Schwiegereltern sind Christen und regelmäßige Kirchengänger, aber in ihrer Gemeinde gibt es keine Angebote für behinderte Kinder/ Erwachsene.
Bis jetzt habe ich das auch in anderen Gemeinden noch nie erlebt. Es gibt Spielkreise, Bibelkreise, Hauskreise, Frauen- und Männerkreise, aber keine Angebote für behinderte Menschen. Es ist fast so, als würde die Kirche dieses Thema ausblenden.

Als unser behinderter erwachsener Sohn noch ein Kleinkind war, haben wir uns in seiner Kleinkindzeit für ein halbes Jahr einer evangelischen Gemeinde angeschlossen.
Es war der Horror.
Mein Sohn konnte im Kindergottesdienst nichts mitmachen und wurde ignoriert.
Die Gemeindemitglieder mit Kindern fingen an uns zu meiden. Es wurde offen ausgesprochen, dass mein autistischer, entwicklungsverzögerter Sohn kein geeigneter Umgang für die eigenen Kinder sei. Ich habe Rotz und Wasser geheult. Ich war so perplex. Ich war auf der Suche und ich hätte von einer christlichen Gemeinde etwas anderes erwartet....nämlich Halt, Zusammenhalt und ein Getragenwerden. Nach einem halben Jahr haben wir resigniert.
Nach dieser Erfahrung haben wir weitere Gemeinden gemieden.

Ich würde mir daher wünschen, dass eine Gemeinde im Umgang mit behinderten Menschen sensibilisiert wird . Eine Gemeinde sollte alle Menschen tragen und willkommen heißen, egal, ob behindert, blond, grau, schwul, alt, schwerhörig oder punkig.
Es kann nicht sein, dass im Gottesdienst Menschlichkeit gepredigt und der Banknachbar gleichzeitig verstoßen wird, weil er anders ist.
Solch eine Sensibilisierung kann nur unzureichend im Gottesdienst stattfinden, sondern man muss auch Aktivitäten, Kreise und Projekte anbieteten, die inklusiv und bei Bedarf auch getrennt stattfinden.

LG

Susanne1987
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Beitragvon Susanne1987 » 22.10.2015, 15:04

Hallo :-)

Ich bin katholisch und auch gläubig, wir wohnen in Bayern in einem sehr christlichen Dorf.

Ich würde mir hier von der Kirchengemeinde ein wenig Unterstützung wünschen. z. B. wäre es super, wenn es eine Fahrgemeinschaft zum Kinderturnen gäbe. Oder eine Gemeinschaft die sich helfen würde, falls mal Not am Mann wäre. Oder wenn die Kirche den Bus für die "Waldtage" zur Verfügung stellen könnte.

Doch leider kommt von Seiten der Kirchengemeinde nichts. Ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll, aber eine Gemeinschaft in der man sich hilft ist das hier leider überhaupt nicht. :cry:

Ich habe den Eindruck, viele denken als Allererstes nur an sich und das finde ich sehr schade. Weil gerade die Gemeinschaft, die Nächstenliebe und auch die Bereitschaft zu Helfen das Christsein ausmachen, finde ich.

LG Susanne
Mia'10: auditive Wahrnehmungsstörung nach langjähriger sehr starker Schwerhörigkeit, Hypersensibilität

Fabienne'14 : gesund

ManuelaH85
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Beitragvon ManuelaH85 » 22.10.2015, 15:34

Hallo Johanna,
habt ihr in eurer Gemeinde ein Behindertenwohnheim? Wenn ja sind die bei euch mit eingebunden oder noch intern organisiert?
Wir haben beides den eigenen Kirchlichen Dienst und durch das Annastift den Zugang zur Gemeinde in Bemerodr. denn vor ein paar Jahren wurde direkt auf dem Grundstück eine Weidenkapelle gepflanzt. dort findet alle 14 Tage am Samstag Gottesdienst für alle statt. denn zum Sonntäglichen Gottesdienst würden wir es zeitlich und personell nie schaffen. so aber können alle Bewohner die auf dem Gelände selbständig unterwegs sind alleine hin und die Begleitung brauchen werden von uns aber auch von netten Schiebehilfen aus der Gemeinde abgeholt und wieder gebracht.
LG
Manuela
Ich Erzieherin in einer WG für Erwachsene, selbst als Kind kleine Start Schwierigkeiten mit Zwillingsbruder durch O² Mangel eine Sonderedition zum liebhaben.

joris
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Beitragvon joris » 22.10.2015, 16:33

Hallo Johanna,

ich würde mir einen Besuchsdienst speziell für Eltern wünschen. Bei langen Krankenhausaufenthalten habe ich bei anderen Eltern gesehen, wie schwierig es ist, ohne Freunde/Familie die Zeit durchzustehen. Ich konnte zu der Zeit anderen Müttern kaum Trost spenden, da meine Gedanken nur um mein Kind gekreist sind.

Liebe Grüße
Joris

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Inga
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Beitragvon Inga » 22.10.2015, 17:53

Hallo!

Angie, super geschrieben!
Ich wünsche mir für alle Familien Gottesdienste mit parallel Kindergottesdienst, so dass man als Familie überhaupt die Chance hat, einen Gottesdienst zu erleben! Und zusätzlich, wenn dies geschaffen ist, Mitarbeiter welche offen auf behinderte Kinder zu gehen und, wenn auch ohne Erfahrung und oft vielleicht nicht pädagogisch top, aber dennoch mit viel Herz auch diese Kinder betreuuen!

Wir haben dies, und auch einiges andere in der ev. Landeskirche nicht gefunden, daher besuche ich mit meinen Kindern seit 13 Jahren eine FeG!
Auch da ist nicht alles perfekt, aber bisher wurde immer eine Möglichkeit gefunden, dass alle meine Kinder (und auch ich :wink: ) sich jeden Sonntag auf den Gottesdienst freuen!

Gruß, Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
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Beitragvon NicoleWW » 22.10.2015, 18:10

Hallo!

Angie, super geschrieben!
Ich wünsche mir für alle Familien Gottesdienste mit parallel Kindergottesdienst, so dass man als Familie überhaupt die Chance hat, einen Gottesdienst zu erleben! Und zusätzlich, wenn dies geschaffen ist, Mitarbeiter welche offen auf behinderte Kinder zu gehen und, wenn auch ohne Erfahrung und oft vielleicht nicht pädagogisch top, aber dennoch mit viel Herz auch diese Kinder betreuuen!

Wir haben dies, und auch einiges andere in der ev. Landeskirche nicht gefunden, daher besuche ich mit meinen Kindern seit 13 Jahren eine FeG!
Auch da ist nicht alles perfekt, aber bisher wurde immer eine Möglichkeit gefunden, dass alle meine Kinder (und auch ich :wink: ) sich jeden Sonntag auf den Gottesdienst freuen!

Gruß, Inga
Hallo Inga,

da gebe ich dir recht, nur wenn es einen parallelen Kindergottesdienst oder Betreuung gibt können Familien gemeinsam in den Gottesdienst.
Bei uns gab es das früher nicht wenn Gottesdienst musste man als Kind die ganze Zeit ruhig dabeisitzen.
Ich besuche eine Freikirche da ist Kinderbetreuung fast normal aber auch unsere Landeskirche vor Ort hat immer außer in den Schulferien während dem Gottesdienst Kinderkirche und immer Minikirche (ab 1 Jahr), zusätzlich einen Raum für Mütter/Väter mit unruhigen Babies/Kleinkindern in den der Gottesdienst übertragen wird,dort gibt es auch Spielzeug.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

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Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 22.10.2015, 19:01

Hallo!

Inga - wie witzig!
Mein Wunsch wäre genau umgekehrt zu Deinem.

Wir haben hier (ev. Landeskriche) ganz tolle "Spezial Gruppen" - also ein Stillzimmer für die Kleinsten mit einem Elternteil und "live Übertragung" des Gottesdienstes aus der Kirche in einen Raum des Gemeindezentrums.
Außerdem eine Krabbel-Kirche mit Live-Übertragung und eine Kinderkirche (unterteilt in 2 Altersgruppen - bis 3. Klasse und bis 7. Klasse) und sogar alle zwei Wochen eine Teen-Church für alle ab der 8. Klasse.
Das sind tolle Angebote, aber das führt dazu, dass ich MIT Kind im Gottesdienst in der Kirche nicht mehr gern gesehen bin, schon gar nicht, wenn Kind nicht still ist...

Wollen wir Sonntags in die Kirche, werden wir als Familie völlig "zerpflückt" und jeder geht "wo anders hin". Das ist für mich nicht schön!
Ich wünsche mir wieder mehr "Familiengottesdienste" (1-2x im Monat), wo im Hauptgottesdienst eine Atmsophäre herscht, in der ALLE willkommen sind und wo der Gottesdienst so gestaltet ist, dass ALLE mitmachen können. Und das eben nicht nur zu Weihnachten, Ostern (bei uns schon nicht mehr) und Ernte-Dank.

Aber wir haben gerade erlebt, wie offen, zugewandt und engagiert UNSER Pfarrer ist. Er hat vergangenen Samstag unsere 3 Kids (12, 12 und 14J.) in einem wunderschönen, persönlichen Taufgottesdienst - Samstagnachmittags, weil Jessy da am besten drauf ist! - vor rund 80 Gästen getauft. Himmlisch!


Kirchengemeinde(rat) besteht aber aus Vielen mit ganz unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen, das verstehe ich schon auch!

Grüßle
Ursula, die sich sehr auf das Luther-Jahr freut und die Kirchentage in Stuttgart genossen hat!
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.


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