Umfrage: Geburtsstillstand, Kristeller, Sauerstoffmangel

Mit einem besonderen Kind sind Eltern oft Dauergäste beim Kinderarzt. Hinzu kommen Krankenhausaufenthalte und Besuche bei Spezialisten und im Sozialpädiatrischen Zentrum.
Welche Untersuchungen machen Sinn? Wo ist mein Kind in guten Händen? Zahlt die Krankenkasse alle Behandlungen? Fragen über Fragen...

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Kleine Info zum Kristellergriff und den Hintergründen:
http://www.hebamme.ch/x_data/heft_pdf/2006-03-04.pdf
Was ich mir da rausziehe für das Thema hier:
- Risiko fürs Kind, weil das Köpfchen noch mehr als ohnehin komprimiert wird
- es heißt, der Griff wird häufig weder benannt noch dokumentiert
- die befragten Geburtshäuser gaben an, den Griff praktisch nie zu brauchen, die KH dagegen recht häufig. Die Autorin schreibt selber davon, dass bei Geburt im Stehen/Hocke/usw - also eben nicht KH-gemäß im Liegen, die letzte Geburtsphase besser verläuft (also Kristellergriff nicht nötig wird).
Aus der Geschichte der Geburtshilfe weiß ich, dass die liegende Geburt erst eingeführt würde, als im 19. Jahrhundert die - damals 100% männlichen - Ärzte den Hebammen die "Chefrolle" aus der Hand nahmen. Das über Jahrhunderte gewachsene praktische Wissen der Hebammen wurde geringschätzt. Schlicht und böse gesagt, dient die liegende Geburt der Bequemlichkeit des Arztes und dem effektiven und standardisierten Ablauf im KH. Sie dient nicht der Gebärenden.

Die "beliebte" künstliche Geburtseinleitung per Tropf - war bei mir auch - gehört meiner Meinung nach auch dazu.

Das mal "am Rande". :wink:
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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anitaworks
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Beitrag von anitaworks »

Hi,

Kind1= Blutungen in der 25. SSW, vorzeitiger Blasensprung in der 35. Woche, 36. Woche Entbindung nach 20 h, Plazentainfarkte Frühgeburt aufgrund niedrigem Gewicht, Nabelschnur um den Hals, kurzer Verdacht auf Neugeborenen Gelbsucht.
(Diagnose F84.5 mit 13,5Jahren)
Kind2= unauffällige Schwangerschaft, unauffällige Geburt
(Diagnose F84.5)
Kind3= außer Streptokokeninfektion in der 25. SSW unauffälliger Verlauf und Geburt
(Diagnose F84.1 F90)
Kind4= Beinbruch mit Not-OP (Vollnarkose) in der 22. SSW, ab da bei mir Bluthochdruck, unauffällige Geburt, gelbes Fruchtwasser, Nabelschnur mehrfach um den Körper / Hals gewickelt, samt originalem Knoten, der nicht zugezogen war
(Diagnose F84.5, F90, F83) er ist der rappeligste von allen!!


Apgar-Werte bei allen durchgängig 10 von 10

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
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anitaworks
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Beitrag von anitaworks »

PS:

Wehenhemmer über einen langen Zeitrraum beim Großen
Wehentropf beim Kleinen, als Belastungstest eine Woche vor der Entbindung
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MartinaSoPäd
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Beitrag von MartinaSoPäd »

Engrid hat geschrieben: Aus der Geschichte der Geburtshilfe weiß ich, dass die liegende Geburt erst eingeführt würde, als im 19. Jahrhundert die - damals 100% männlichen - Ärzte den Hebammen die "Chefrolle" aus der Hand nahmen. Das über Jahrhunderte gewachsene praktische Wissen der Hebammen wurde geringschätzt. Schlicht und böse gesagt, dient die liegende Geburt der Bequemlichkeit des Arztes und dem effektiven und standardisierten Ablauf im KH. Sie dient nicht der Gebärenden.
Aus diesem Grund (u.a.) hatte ich mich fürs geburtshaus entschieden. Leider war ich so verkrampft (?), dass auch alte Hebammentricks (z.b. Akupunktur, Lagerungswechsel, Turnübungen --> wobei ich wenig akzeptiert habe :( ) nichts ausreichend geholfen haben.

Im KH war auch klar, eig wären andere Positionen besser, wurde mir auch angeboten, aber durch die PDA, die ja auch immer öfter gefgeben wird, geht nix anderes als liegen. Ich konnte nicht mal alleine meine Beine zur Untersuchung anwinkeln, geschweige denn eine andere Position als liegen einnehmen.

Ich hab oben übrigens die neugeborenengelbsucht vergessen, wir sind Grenzwertig an Bestrahlung vorbei geschliddert - bin überzeugt: auch dank Hebammen empfohlenen Tees, die den Abbau und das auspülen unterstützt.

Ich finde die Kombination gut (und fühle mich damit sicher - so sicher wie eine Geburt eben sein kann): Besinnung auf altes hebammenwissen aber keine Verbohrtheit und gegenseitiges absprechen mit Ärzten. Im Urban KH habe ich da ein gutes miteinander erlebt. Und Trotzdem hat's so lang gedauert. ;)

Martina
Martina (*81)
Selber Reizdarm, V.a. Asperger
Tochter R. (*05.15) (Medulloblastom 5.19 entfernt, Bestrahlung ab 6.19, Chemo ab 8.19 - vorauss. 9.20, PEG ab 11.19)
Sohn C. (*29.8.18)

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anitaworks
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Beitrag von anitaworks »

PDA hatte ich keine, außer Badewann habe ich nicht toleriert und selbst da habe ich mich total unsicher gefühlt. Ich habe liegend entbunden, weil mir das Sicherheit gegeben hat. Die Hebammen haben klar gesagt, dass die Mutter erstmal sich sicher fühlen muss und wenn sie nicht auf Ball/Hocker mit Seil an der Decke kann, dann ist das so. Und für "Beine alleine aufstellen" war auch keine Kraft mehr da.
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JasperJaspie
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Beitrag von JasperJaspie »

Hallo,

da will ich auch mal etwas dazu beitragen, da ich gleich 2 x den Kristeller-Griff genießen durfte.

Kind 1: von der 1. Wehe bis zur Geburt ca. 84 Stunden. Und mit Wehen meine ich richtige Wehen, es fing gleich mit 5 Min. an und ging so über Tage. Als ich dann im KH war, hörten die Wehen auf, Stillstand, nichts tat sich,
obwohl der Muttermund fast vollständig geöffnet war. Bekam dann einen Wehentropf verpasst und alles überschlug sich. Nur kurze Zeit im Kreißsaal,
aber ich schaffte es nicht, das (relativ große) Kind herauszubekommen, so wurde der Kristeller Griff angewandt. Werte nach der Geburt 9/9/10.
Ich selbst hatte dadurch einen ziemlich heftigen Dammriss 2.-3. Grades.
Meine Tochter entwickelte sich soweit gut, mit 4 fing sie plötzlich an, schlechter zu sprechen.
Meine Tochter hat sich (noch) keinem Diagnostik-Verfahren unterzogen, aber ich gehe davon aus, dass sie ADS hat und auch leichte autistische Züge hat.

Kind 2: am Stichtag platzte morgens die Fruchtblase, keine Wehen. Ab ins Krankenhaus, wo sich erst auch nichts tat. Mittags ging es dann langsam los. Später im Kreißsaal wurde es dann etwas hektisch, da die Herztöne abfielen, er sollte dann so schnell wie möglich raus und so wurde auch mal wieder der Kristeller Griff angewandt. Sohn schrie erstmal nicht. Er hatte die Nabelschnur um den Hals und war ein sog. "Sternengucker", d.h. er wurde mit hinterer Hinterhauptslage geboren (also mit dem Gesicht nach oben - quasi wie ein Rückenschwimmer). Werte waren gut 9/10/10.
Er war ein Schreikind , trank sehr schlecht (Flasche, nur millimeterweise, alle Stunde so 10 ml - und das eigentlich Tag und Nacht... immer nur sehr wenig, aber ständig), war ein Speikind.
So richtig auffällig wurde er aber erst mit 10 Jahren, in der 5. Klasse.
Vorher waren die vielen kleinen Auffälligkeiten eher Macken.

Ich habe übrigens eine Freundin, die bekam 3 Monate vor mir auch ihren Sohn. Er war ebenso ein "Sternengucker" und hatte die Nabelschnur um den Hals - UND: mit 4 wurde bei ihm das Asperger-Syndrom diagnostiziert!! Der wurde mit 3 auffällig, im KiGa. Schon damals meinte meine Freundin (die übrigens aber einige hundert km von mir entfernt wohnt), dass sie findet, dass unsere Söhne große Ähnlichkeit haben und sie meinte, dass meiner auch das AS haben könne... damals (also vor 10 Jahren) habe ich mich kurz damit beschäftigt... fand zwar ein paar Übereinstimmungen, aber wiederum auch nicht so viel, dass ich es besorgniserregend fand... er war zu dem Zeitpunkt noch nicht so auffälllig.
Aus heutiger Sicht schade, dass ich das damals nicht so weiterverfolgte...

So, das war nun aber wieder ausschweifend genug.

Finde es jedenfalls interessant.

Ann
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

JasperJaspie
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Beitrag von JasperJaspie »

Hallo Engrid,

wo du gerade schreibst, dass der Kristeller-Griff gern nicht dokumentiert wird, das war bei mir auch so und ebenfalls war bei uns auch nicht erwähnt, dass die Herztöne schlechter wurden und die Nabelschnur um den Hals gewickelt war.
Das war mir gar nicht so aufgefallen, dass das nicht dokumentiert war, aber ich wurde im Diagnostik-Verfahren darauf aufmerksam gemacht, dass das nirgends steht und ob ich mir sicher sei... (ja!!!).
Ann
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

Bastelia
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Beitrag von Bastelia »

Hallo Engrid!

Bis jetzt hatte ich noch gar nie von dem Kristeller -Griff gehört, aber nun nach kurzem Durchlesen - ja auch bei uns kam er zum Einsatz!
Wusste echt nicht, dass dieser "Vorgang" einen Namen hat und auch bei anderen eingesetzt wird, dachte mir, dass war eine spontane Maßnahme des Arztes bei der Geburt....
Übrigens wollte ich mich bei der Geburt gerne bewegen, auf dem Ball sitzen,etc, - aber meine Hebammen bestanden meiste Zeit darauf, dass ich im Bett liegen blieb....

Also für deine Umfrage -kurze Zusammenfassung meiner ersten Geburt: lange Geburt, Stillstand zwischendurch, Pressphase von über 2 Stunden, Dammschnitt, Saugglocke, Kristellergriff, mehrere Hebammen, APGAR 9, 10, 10; ph- Wert nicht so toll, Neugeborenengelbsucht mit Bestrahlung - aber eigentlichl unauffällig entlassen!
Kindesprobleme siehe Signatur!

Wirklich sehr interessant das Ganze!
Bastelia mit Sohn (geb. Mai 2011) , kombinierte Entwicklungsstörung, myoklonische Epilepsie (erkannt Jänner 2015) und seit 2017: Störung des Knochenstoffwechsels - idiopathische Osteoporose
Tochter (geb. August 2015)

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Lesslo
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Beitrag von Lesslo »

Hallo Engrid,

Bei der Geburt meiner beiden wurde auch der Kristeller-Griff angewendet.

Bei Kind 1 hat die Geburt auch recht lang gedauert (3×Schichtwechsel der Hebammen) und es gab ein paar Komplikationen. So konnte die PDA bei mir nur im liegen gelegt wurden, weil im sitzen die Herztöne des Kindes zu schlecht wurden. Als die PDA dann lag, hatte ich einen Keislaufzusammenbruch und kann mich an das danach nur noch schemenhaft erinnern. Fakt ist, dass zum Ende hin sowohl mein Mann als auch die Ärztin "mitgeholfen" haben. AGPAR 10/10 PH Wert war auch in Ordnung.

Sie war schon immer sehr "temperamentvoll und sehr eigensinnig" aber diagnostiziert wurde erst mit Beginn der Epilepsie.

Bei Kind 2 ging die Geburt ein vielfaches schneller aber auch bei ihm wurde der Kristeller anwendet. Er hing während der Geburt irgendwo am Becken fest und hatte die Nabelschnur 2× um den Hals.

Er ist vom Verhalten her ganz anders als seine Schwester und muss echt viel einstecken bei ihr :( .
Seine Baustelle sind die angegriffenen Bronchien.

Was ich sehr interessant fand, war das Gespräch mit der Dame die meine Tochter auf die visuelle Wahrnehmung getestet hat. Die sagte nämlich, dass auch wenn die Werte nach der Entbindung vollkommen in Ordnung sind, es trotzdem immer wieder zu Problemen mit der Sauerstoffversorgung während der Geburt kommen könne und jedesmal Verbindungen im Gehirn geschädigt werden. Dadurch müssen andere Wege für die Weiterleitung der Impulse gefunden werden und dann dauerts eben länger bis die Impulse dort sind wo sie "hingehören". Muß man sich wie eine gesperrte Straße vorstellen. Umleitung fahren dauert länger :idea:

LG lesslo
Tochter * 09.07 mit Epilepsie, Pinealiszyste, ADS, F83, LRS...
kleiner Bruder mit Infekt Asthma

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anitaworks
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Beitrag von anitaworks »

Hallo,

mit dem Kristellergriff bin übrigens ICH geboren worden. Die Geburt dauerte zu lange, meine Mutter hatte nach Lachgas nicht mehr mithelfen können und die Ordensschwester presste mich so raus. Nabelschnur mehrmals um den Hals und himmelblau kam ich auf die Welt.

Meine Mutter war tagelang blau am Bauch. Sie hatte nur noch gehört, wie Sonntags mittags die Schwestern meinten "Der Chef kommt, der Kreißsaal muss frei sein"...... dann ging es los.

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
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*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
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