Erhöhte Seitengitter beim Pflegebett abgelehnt

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
AliciaC
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 8
Registriert: 12.08.2014, 09:43

Erhöhte Seitengitter beim Pflegebett abgelehnt

Beitrag von AliciaC »

Hallo :-)


Unsere Tochter (5 Jahre) hat Down Syndrom und ist sehr hypoton. Dennoch gelingt ihr das Stehen, wenn sie sich hochziehen kann und sie versucht auch, die Beine über ihr Bett/Laufstall zu bekommen.

Vor einem halben Jahr war medicproof bei uns und hat ein Pflegebett als notwendig erachtet. Dieses haben wir nun bei der Pflegekasse beantragt, mit erhöhten Seitengittern, damit die Maus da nicht früher oder später drübersteigt und herausfällt.

Die Pflegekasse würde zwar die Kosten für ein Pflegebett Modell X übernehmen, nicht aber unser Modell. Begründung: " Modell Y verfügt über erhöhte Seitengitter und eine niedrige Einstiegshöhe. Für diese Zusatzfunktionen erfolgt keine Erstattung aus der Pflegeversicherung, da diese keine Pflegeerleichterung für die Pflegeperson darstellen."

Der Doc hat nun geschrieben, dass Zwerg die erhöhten Seitengitter benötigt wegen erhöhter Sturzgefahr, unkontrolliertes Verlassen des Bettes, erhebliche geistige Defizite die das Handling erschweren etc.

Die Pflegekasse wird das aber auch weiterhin nicht interessieren, wie ich befürchte, da dadurch ja keine Pflegeerleichterung entsteht. (Niedrige Einstigshöhe ist aber imho schon ein Argument, schließlich muss ich das Kind dann nicht dauernd selber ins Bett hieven, ist das nicht auch ein Argument???)

Die Anträge an die Krankenkasse und Pflegekasse werden teamtechnisch "am gleichen Platz" bearbeitet. Ich weiß jetzt also nicht, an wen genau ich den Widerspruch richten muss: Pflegekasse oder die private Krankenversicherung?!? Weil, wie gesagt, mit der Pflegeerleichterung hat das ja jetzt nur sekundär zu tun, entscheidend ist ja die Verletzungsgefahr.

Ich würde im Widerspruch nun bei der Begründung auf das ärztliche Schreiben verweisen oder soll ich da noch selber was formulieren oder die Krankenkasse daran erinnern, dass das Kind nicht aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Ihr merkt schon, mir ist nicht klar, wer hier für was genau zuständig ist und an wen der Widerspruch gehen muss.

Kann mir jemand helfen? Danke schonmal :-)


*edit* Wir haben PS II, zusätzliche Betreuungsleistung, SBA G/B/H 90%

ju+ju
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 5829
Registriert: 02.12.2008, 20:21

Beitrag von ju+ju »

Hallo Alicia,

wir hatten dieses Thema vor wenigen Jahren auch...
Das Problem ist, dass zwischen diesen "Standard-Kinderpflegebetten" mit ca. 60cm Gitterhöhe und den von dir beschriebenen Modellen ein deutlich vierstelliger Betrag Preisunterschied besteht, deshalb fragen die Kassen genau nach, was ja auch in Ordnung ist, es ist ja auch deren Aufgabe sicherzustellen, dass die Gelder sinnvoll eingesetzt werden. Also geh mal davon aus, dass die dir nichts Böses wollen, sondern einfach noch genauere Erläuterungen zur Einschätzung der Situation brauchen. Sie kennen dein Kind ja nicht.

Ich würde die Begründung (auf jeden Fall noch ein eigenes Anschreiben und die ärztliche Stellungnahme beilegen) zweigleisig fahren:

1. Pflegeerleichterung durch niedrigen Einstieg (auf jeden Fall Pflegeversicherung).
Irgendwann wird ein Hochheben vielleicht nicht mehr gehen, dann erspart dieses Bett ggf. die Anschaffung eines Lifters. Davon hast du was, weil nicht noch ein Gerät herumsteht, und die Versicherung hat was davon, weil Lifter teuer sind.

2. Sicherheitsaspekt (das könnte evtl. Kranken-, nicht Pflegeversicherung sein, aber das weiß ich nicht genau).
Mach ein Foto von deiner Tochter, wie sie im Gitterbett steht und eines, wie sie versucht, darüber zu klettern und gib dazu die Gitterhöhe des Bettes auf dem Foto an, dann kann die Sachbearbeiterin sehen, dass Gefahr für das Kind besteht (v.a. weil es ja auch noch wächst). Verweise auf die geistige Behinderung und mangelnde Gefahreneinschätzung, deretwegen man deiner Tochter nicht klar machen kann, dass drüberklettern keine gute Idee ist.

Viel Erfolg!
LG Jule

AliciaC
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 8
Registriert: 12.08.2014, 09:43

Beitrag von AliciaC »

Vielen Dank für den Tipp!!! :)

Was ich jetzt immer noch nicht verstanden habe: Mein Widerspruch geht ja gegen die Pflegekasse aber Argument 2 greift ja eher Richtung Krankenkasse. Ich will jetzt formal nichts falsch machen.... vielleicht weiß da jemand noch, wie ich das "formaljuristisch" richtig mache :-)

Das mit dem Foto hab ich mir auch schon überlegt, dann mach ich das mal so.

else
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1009
Registriert: 07.07.2004, 21:45

Beitrag von else »

Hallo Alicia,

wenn Medicproof da war, ist das doch PKV. Die KV wird sich sowieso nicht am Pflegebett beteiligen, also würde ich alles auf die Pflegekasse stützen.
Ein Pflegebett das Gefahren mitbringt, nützt gar nichts, da bleibt nur Alternative Matratze auf den Boden, was die Pflege deutlich erschwert.
Die niedrige Einstiegshöhe erleichtert die Pflege und fördert die Selbständigkeit.

Viele Grüße
Else

Antworten

Zurück zu „Rechtliches (Krankenvers., Pflegegeld etc.)“