Lohn-/Prämienzahlungen in der WfbM

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Beitragvon ehemalige Userin » 01.07.2015, 08:03

Das Angebot von institutionalisierte Hilfesysteme im Bereich der Behindertenhilfe muss nicht zwangsläufig problematisch sein, vorausgesetzt Menschen mit Behinderung - bzw deren Angehörige- haben als Kunden die Entscheidung , welche Hilfeleistungen sie wünschen.



Hallo Kirsten,

Du machst einen Denkfehler,

es gibt leider zuwenig oder wie bei Inge, nicht die richtigen Angebote für alle....Und zweitens würde mich mal interessieren, wo Du Deine prozentualen Statistiken hernimmst. Denn eine Darstelluing, in der etliche beh. Menschen überhaupt nicht gelistet sind oder sich sonst wo befinden und die das Thema Arbeitslosigkei nicht erwähnt, macht keinen Sinn. Und in England sind wohl 25% die Du anführst ein Tropfen.

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Beitragvon Inge » 01.07.2015, 08:04

Hallo zusammen,
mailankirsten hat geschrieben: ( wobei dies kein Grund sein sollte, nicht zu schauen, wie woanders diese Aufgabe versucht wird zu lösen)

für mich ist es auch wichtig zu sehen, welche Konsequenzen die Maßnahmen in anderen Ländern (England) oder Regionen (NRW) haben. Schließlich können wir positive Entwicklungen kopieren und müssen negative Auswirkungen (wie in NRW) vermeiden.

Die Tatsache , dass Werkstätten dazu übergehen Teile des regulären Lohns in Prämien umzuwandeln und so dem Leistungsträger ermöglichen darauf zurückzugreifen, ist ungerecht und schäbig. Aber auch wenn so eine bedauerliche Entwicklung verhindert werden kann ( und sollte!) ändert das noch nichts an dem hier jetzt diskutierten Grundproblem - der fehlenden Wahlfreiheit!

wer würde bei einer gesetzlich verankerten Wahlfreiheit in einer WfbM arbeiten, die - egal aus welchen Gründen - den Lohn zu Gunsten des Sozialamtes minimiert?

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Beitragvon Inge » 01.07.2015, 08:06

Das Angebot von institutionalisierte Hilfesysteme im Bereich der Behindertenhilfe muss nicht zwangsläufig problematisch sein, vorausgesetzt Menschen mit Behinderung - bzw deren Angehörige- haben als Kunden die Entscheidung , welche Hilfeleistungen sie wünschen. :!:

absolute Zustimmung

Die spannende Frage ist, wie stellen wir das als Angehörige an, dahin zu kommen.
Diese Frage sollten wir, jedenfalls meiner Meinung nach, hier diskutieren. :Wink:


da zitiere ich mich selbst:
Inge hat geschrieben:das größte Problem liegt m.E. darin, dass unsere erwachsenen Kinder (bzw. wir als deren Vertreter) kein Anrecht auf die Wahl der Tagesstrukturierung haben.
Auf den allgemeinen Arbeitsmarkt kommen wirklich nur sehr wenige, die eine Leistung auf Abruf vollbringen können und deren Eltern den entsprechenden Druck machen.
Diejenigen, die in der Werkstatt arbeiten, haben derzeit kein Anrecht darauf, über das Persönliche Budget eine andere Form der Arbeit zu wählen.
Diejenigen, die sich mit ihrer Leistungsfähigkeit im Grenzbereich zwischen Werkstatt und Tagesförderstätte befinden, werden in den meisten Fällen in eine der beiden Schubladen gesteckt und Ende. Wenn jemand einen hohen Betreuungsbedarf hat, hat er auch kein Anrecht mehr auf einen Werkstattplatz. Siehe Urteil des Bayerischen LSG: https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/es ... &id=155486
Dieses Urteil wird auch als Grund genannt, dass im § 136 Abs. 3 SGB IX der "diskriminierende" Teil "Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung" abgeschafft werden soll. Im Grunde ist das sehr zu befürworten, wenn damit nicht gleichzeitig die Begründung für den Besuch einer Tagesförderstätte wegfallen würde und damit das RECHT auf Teilhabe am Arbeitsleben zur PFLICHT werden würde! Die negativen Folgen dieser Maßnahme habe ich schon mehrmals eingestellt. hier ist der Link dazu: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 62#1964262
Es muss endlich eine Wahlfreiheit in Bezug auf die Tagesstrukturierung geben! Ansonsten werden unsere erwachsenen Töchter und Söhne zum Pingpong-Ball von Einrichtungsträger und Kostenträger. Und Eltern, die das Pingpong-Spiel nicht mitmachen, haben ihre erwachsenen Kinder dann wieder ganz inklusiv Zuhause.

Ich kann euch allen nur empfehlen, auf kobinet das Interview und die Kommentare von Gisela Maubach zu suchen und zu lesen.
Hier einige davon:
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1 ... ierung.htm
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1 ... machen.htm
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1 ... nschen.htm

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Beitragvon ehemalige Userin » 01.07.2015, 08:19

Hallo Inge,

ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass übers Kinie gebrochene Lösungen, nicht irgendwann vor dem Verfassungsgericht landen.

Kannst Du ds Finanzierungssystem, dass in der Luft schwebt, nicht einmal als Rechenbeispiel einstellen? Ich denke für Menschen, die so oder so Löhne durch wieder Leistungen der Grundsicherung ergänzen müssen, wird es immer kritischer.

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 01.07.2015, 09:31

Inge hat geschrieben:Es muss endlich eine Wahlfreiheit in Bezug auf die Tagesstrukturierung geben!


... und zwar unabhängig von Art und Grad der Behinderung !

soweit sind wir uns hier alle wohl einig ( oder zumindest wäre das wünschenswert :wink: )

Die entscheidende Frage bleibt, wie kommen wir dahin?

In meinem eigenen Bekanntenkreis sehe ich das Problem, dass je schwerwiegender die Behinderung ist, desto kleiner werden die Fallzahlen und desto geringer wird auch die Möglichkeiten der Familien sich in Verbänden, Kommunen oder allgemein sich in dr Öffentlichkeit zu engagieren...
Und wenn sich die Verbände äußern, dann steht die Thematik:" Inklusion, Selbstbestimmung und Wahlfreiheit" meist nur im letzten Absatz unter ferner liefen.

Ich denke, das ist das eigentliche Problem - die fehlende Selbstvertetung und nach außen getragene Wunsch nach Selbstbestimmung im Bereich Menschen mit schwersten Behinderungen.

Natürlich kann man sagen: die, die sich für die Verbesserung der eigenen Situation engagieren können, sollten sich auch für die Interessen derer die sich nicht selbst vertreten engagieren.....

Das ist ein moralische Appell, den so theoretisch sicher jeder mitträgt. Die Frage ist halt, ob das praktisch funktionieren kann. Da habe ich so meine Zweifel... Denn auch Menschen mit schwerwiegenden Behinderungen, die kognitiv in der Lage sind, ihre eigenen Interessen öffentlich zu vertreten haben schließlich ja neben ihrem Engagement ihr eigenes Leben mit all den schwierigen, diskriminierenden Umständen zu bewältigen. Sie sind damit sicherlich auch nicht weniger belastet, als die Angehörigen von Menschen mit einer Schwermehrfachbehinderung... Ich fürchte deshalb die Erwartung und Forderung, dass sich diese Gruppe von Menschen intensiv in die o.g. Problematik eindenkt und fortan in gleicher Intensität auch für diesen Gesichtspunkt engagiert ist unrealistisch..


Aus der eigenen Selbsthilfearbeit weiß ich z.B. dass Eltern von Kindern mit rein körperlichen oder seelischen Behinderungen teilweise auch nicht mehr Einblick und damit Verständnis über die spezielle Situation von Familien mit Kindern mit gB oder Mehrfachbehinderung haben. Das ist für die teilweise so fremd , und halt oftmals mit den gleichen Vorbehalten verbunden, wie bei der Durschnittsbevölkerung. Andersrum habe ich es auch immer wieder erlebt, dass Eltern von Kindern mit hohem Hilfebedarf die Sorgen und auch die Belastungssituation dieser anderen Eltern (mit weniger stark betroffenen Kindern ) nicht anerkennt und auch gar nicht wahrnimmt... Mit meinem Zwerg mit Tris21 stehe ich dann meist dazwischen, für die einen "viel zu fit als dass ich das Recht hätte ihn auch nur als wirklich behindert zu bezeichnen" für die anderen so eingeschränkt, dass sie unsere Problematiken oft nicht nachvollziehen können :wink:


Lösungen für das m.E. eigentliche Problem - die fehlende Selbstvertetung und nach außen getragene Wunsch nach Selbstbestimmung, hervorgerufen durch die (vergleichsweise) niedrigen Fallzahlen und hohe individuelle Belastung der Angehörigen im Bereich Menschen mit schwersten Behinderungen- kann ich hier leider auch nicht präsentieren.

:arrow: Aber ich denke, dass dies die Richtung ist, in die man weiter versuchen muss. Die Hoffnung dass andere Menschen - auch und gerade wenn sie ebenfalls mit Behinderung leben müssen - die Interessen von Menschen mit schwermehrfachbehinderten vertreten können und werden, halte ich für einen Trugschluß.

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Beitragvon ehemalige Userin » 01.07.2015, 10:07

.. und zwar unabhängig von Art und Grad der Behinderung !


Hallo Kirsten,

kurzer Einwurf. Der sagt in den wenigsten Fällen etwas aus.

Passiert mir aber auch manchmal.

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Beitragvon JustinsMum » 01.07.2015, 10:23

Esthephania hat geschrieben:
.. und zwar unabhängig von Art und Grad der Behinderung !


Hallo Kirsten,

kurzer Einwurf. Der sagt in den wenigsten Fällen etwas aus.

Passiert mir aber auch manchmal.


Deswegen ja unabhängig davon, sondern unter Berücksichtigung vorhandener Ressourcen und Zieldefinitionen für den Einzelfall.

Mein Kind hat laut seinem SBA einen GdB von 100, Merkzeichen B,H,G,RF und das Ganze unbefristet. Und sind wir jetzt schlauer und wissen deswegen, was er braucht, um an der Gesellschaft und am Arbeitsleben teilzunehmen?

Viele Grüße

justinsMum

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Beitragvon ehemalige Userin » 01.07.2015, 10:27

Deswegen ja unabhängig davon, sondern unter Berücksichtigung vorhandener Ressourcen und Zieldefinitionen für den Einzelfall.


Der Satz gefällt mir.... :D :wink: Wobei man halt schon aufpassen muss, dass wir darauf achten, dass die allgemeine Gesetzgebung nicht so formuliert wird, dass sie ständig jemanden schädigt.

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Beitragvon JustinsMum » 01.07.2015, 10:39

Das Problem ist auch, dass das Zieldefinitionen immer als etwas interpretiert werden, dass Verbesserungen bringt. Ziel kann und sollte es aber auch sein, Verschlechterungen zu vermeiden, egal ob physisch psychisch oder auf Teilhabe bezogen.

Und das kann fast kein Gesetz regeln. Pauschalen erst recht nicht. Und alles andere scheint zuviel Arbeit zu machen.

Viele Grüße

justinsMum

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Beitragvon ehemalige Userin » 01.07.2015, 10:44

JustinsMum hat geschrieben:Das Problem ist auch, dass das Zieldefinitionen immer als etwas interpretiert werden, dass Verbesserungen bringt. Ziel kann und sollte es aber auch sein, Verschlechterungen zu vermeiden, egal ob physisch psychisch oder auf Teilhabe bezogen.

Und das kann fast kein Gesetz regeln. Pauschalen erst recht nicht. Und alles andere scheint zuviel Arbeit zu machen.

Viele Grüße

justinsMum


Ich sage Dir nun ganz ehrlich. Ich steige nicht mehr durch...Ich habe das Gefühl, dass im Moment hautsächlich Dinge zu lesen sind, die immer eine Benachteiligung mit sich bringen. Also entweder für "fittere" oder auch für nicht fittere, oder auch zwischen drin. Und logisch will und muss jeder seine Interessen, bzw. die seines Kindes durchzusetzen versuchen...Ob das klappt oder ob nun Eltern in Zukunft mehr denn je unter einander nicht mehr miteinander zurecht kommen :?:


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