AVWS - Erfahrungen erbeten

Hier könnt ihr euch über Hör- und Sehbehinderung austauschen.

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Enya73
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AVWS - Erfahrungen erbeten

Beitragvon Enya73 » 20.05.2015, 14:47

Hallo,

bei unserem Sohn, 6 Jahr alt, wurde nun eine AVWS diagnostiziert.
Er wird in diesem Jahr eingeschult. Schon lange bevor wir diese Diagnose hatten, war unser Gefühl, dass er an einer Regelschule untergehen würde. Deswegen wählten wir eine Privatschule. Aufgrund seiner Besonderheiten, sensorische Integrationsstörung, strebten wir schon vor Diagnose der Pädaudiologin den Schulstart in einer Kleinklasse an. Kleinklasse heisst nur wenige Kinder, alle mit Förderbedarf.

Bei der Logopädin waren wir bisher einmal. 10x wurde verordnet, Kontrolle bei der Pädaudiologin in 3 Monaten, dann weitere 10x Logopädie.

Mich interessieren eure Erfahrungen und würde mich sehr freuen, wenn ihr berichten mögt.
Ließ sich die AVWS durch die Logopädie gut behandeln?
Was änderte sich?
Wurden eure Kinder an einer Regelschule beschult?

Grüße, Enya

kati543
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Beitragvon kati543 » 20.05.2015, 17:18

Hallo,
mein Ältester hat u.a. AVWS. Davon hat er aber auch alles, was es gibt. Von AVWS ist nicht alles therapierbar. Manches bleibt immer, manchmal kann man mit Hilfsmitteln etwas Erleichterung verschaffen, manchmal geht es ganz weg. Daher ist AVWS nicht gleich AVWS.
Was genau davon hat denn dein Kind?
Mein Sohn hat seit insgesamt 6 Jahren durchgehend Logopädie. Ja, eine Besserung gibt es...aber gut ist es noch lange nicht. Da stehen uns wohl noch einige Monate/Jahre bevor.
Hörgeräte hat er nicht, aber er nutzt in der Schule Lärmschutzkopfhörer. Kleine Klassen braucht er nicht. Bei ihm sind in der Klasse 25 Kinder. Das klappt. Seine Kopfhörer helfen, wenn er Ruhe braucht. Wenn wir privat rausgehen, nutzen wir Silikonohrstöpsel. Das dämmt den Lärm etwas im Notfall. Mit Lärm kann er gar nicht umgehen.
Mein Sohn wurde erst in der Sprachheilschule eingeschult. Eben wegen der schlechten Sprache. Damals hatte er die Diagnosen noch nicht. Viel mehr hatte ich es sogar schriftlich, dass er nur eine massive Sprachentwicklungsstörung hat. Dort gab es ein Minischulgebäude (insgesamt 14 Schulkinder und 2 Lehrer, da zwei Klassen der Schule ausgelagert waren...in einer davon war mein Sohn) in 2 Klassenräumen. In der Klasse meines Sohnes waren insgesamt 7 Kinder....alle massiv sprachauffällig. Das waren natürlich optimalste Lernbedingungen. Leider war die Schule sehr weit vom Wohnort entfernt und das kleine Gebäude wurde nach einem Schuljahr abgerissen und alle Kids kamen zusammen in ein (absolut nicht lärmgeschütztes) riesiges, 5-stöckiges Gebäude mit mordsmässigen Schall durch das Treppenhaus. In dem ersten Jahr dort hat er sehr viele Fortschritte erzielt. Aber er hat auch gleichzeitig den Spaß an der Schule verloren.
Nach dem einen Jahr haben wir ihn in die Regelschule geschickt. Er braucht jetzt eine I-Kraft dort. Wir hatten auch Angst, ob die Schule und insbesondere auch die Klasse nicht viel zu groß und zu laut ist, aber es hat geklappt. Natürlich ist eine normale Beschulung ganz ohne Hilfen nicht möglich. Mein Sohn hat Sonderpädagogischen Förderbedarf in Sprache. Mit der Herausforderung ist er gewachsen.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Enya73
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Beitragvon Enya73 » 20.05.2015, 20:08

Hallo Katrin,

vielen Dank für deine Antwort.

So ausgeprägt wie bei deinem Sohn ist bei meinem nicht, vermute ich.

Werde morgen in die Berichte schauen und möchte dann gern genauer antworten.

6 Jahre Logopädie? Uns wurde gesagt, nach 3x 10 gibt es keine weiteren Verordnungen.
Bekommt ihr eure Verordnungen aus einem SPZ?

Schönen Abend!
Enya

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 20.05.2015, 20:14

-... da habe ich mich falsch ausgedrückt - die Logopädie begann mit Kindergarteneintritt - da kam ein 40 Einheiten Block (habe ich extra ansuchen müssen) - Danach hat mir die Logopädin geraten auch an der Bewegung mehr zu arbeiten. - Zusätzlich gab es noch 2 Jahre lang musikalische Früherziehung.

- Das war alles vor dem 6. Geburtstag...

Es gehen 10 Einheiten Therapie im Quartal, so wurde mir das verklickert, es sei denn, du hast ein Kind, das ganz ersichtlich mehr braucht! - Muss man aber kämpfen darum...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

kati543
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Beitragvon kati543 » 20.05.2015, 22:36

Hallo,
mehr geht immer, aber das Kind muss es wirklich brauchen. Mein Sohn hat ja neben AVWS noch Frühkindlichen Autismus. Die SEV ist bei ihm schwer an der Grenze zur Sprachbehinderung.
Unsere Verordnungen bekomme ich ganz normal vom Kinderarzt. Aber ich habe Jahre gesucht, bis ich einen fähigen Kinderarzt gefunden hatte.
LG
Katrin
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Nellykatze
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Beitragvon Nellykatze » 20.05.2015, 23:47

Hallo,
Bei Avws können verschiedene "Teilbereiche" der Hörwahrnehmung betroffen sein, z.B. die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Gehörte, Speicherung des Gehörten, Behalten der korrekten Reihenfolge des Gehörten...30 Therapieeinheiten sind erst einmal der Regelfall, bei Bedarf ist mit Begründung auch grundsätzlich Therapie auserhalb des Regelfalles möglich oder es wird eine Pause von 3 Monaten gemacht.
Vielen Kindern bekommt diese Pause auch ganz gut, das Gelernte kann in dieser Pause "sacken"
Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, sich von der Logopädin Übungen für zu Hause an die Hand geben zu lassen...
Lg und viel Erfolg
ICP/Tetraspastik
Logopädin (Frühförderung, LRS etc.)

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Beitragvon Enya73 » 21.05.2015, 17:51

Hallo,
...Von AVWS ist nicht alles therapierbar. Manches bleibt immer, manchmal kann man mit Hilfsmitteln etwas Erleichterung verschaffen, manchmal geht es ganz weg. Daher ist AVWS nicht gleich AVWS.
Was genau davon hat denn dein Kind? ...
Sorry, war mir bisher gar nicht bewusst, dass es da so große Unterschiede gibt.
In dem Bericht der Pädaudiologin steht u.a.:
Diagnosen: Kein Hinweis auf eine periphere Hörminderung, gesichert Auditive Verarbeitungsstörung und Wahrnehmungsstörung (AVWS)
Procedere: AVWS-Therapie beginnen, vorderer Sitzplatz in der Schule angeraten, WV in 3 Monaten.

Audiometrische Befunde:
Reintonaudiometrie: Schwelle bei 5-20 dB bds.
Sprachverständlichkeitstest: Die gemessene Sprachverständlichkeit war rechts bei 55dB 100%, links bei 65dB 100%
Sprachverständnis im Störlärm: Im Störgeräusch war die Sprachverständlichkeit auffällig.
Distorsionsprodukt otoakustische Emissionen: Bds. im Konfidenzbereich

Dichotischer Test nach Uttenweiler:
Nach den hier erzielten Testergebnissen ist die dichotische Verarbeitung von Schallreizen gestört.

Untersuchung zur Lautdiskriminationsfähigkeit:
Die Auswertung ergab bei einer Prüflautstärke von 70dB 6 Fehler.

Hörtest mit zeitkomprimierter Sprache:
Die uswertung ergab 6 Fehler.

Sprachliche und pädagogische Befunde
Überprüfung der phonologischen Bewusstheit:
Die erreichten Leistungen entsprechen einem Prozentrang von 5.

Zusammenfassend besteht eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung, die therapiert werden soll. Es soll insbesondere die Lautdiskrimination, die zeitkomprimierte Sprache, das Hören im Störlärm, da dichotische Hören und die phonologische Bewusstheit verbessert werden. Ich habe einen vorderen Sitzplatz in der Schule angeraten. WV in 3 Monaten.

Könnt ihr damit etwas anfangen???

Im Februar dieses Jahres, also weit vor der Diagnose, wurde im SPZ ein kognitiver Test (WPPSI-III) durchgeführt.
Dort waren die Untertestergebnisse bzgl. Sprache:
Wortschatztest (Lexikalisches Wissen und sprachliche Begriffsbildung): Unterdurchschnittlich
Passiver Wortschatz (Fähigkeit, verbale Anweisungen zu verstehen): Unterdurchschnittlich
Aktiver Wortschatz (Aktive Produktion sprachlicher Bezeichnungen): Deutlich unterdurchschnittlich

Die Pädaudiologin sagte (noch?) nichts zu Förderbedarf.
Aufgrund seiner Auffälligkeiten vereinbarten wir vorher schon mit der zukünftigen Schule den Förderbedarf "Lernen" zu beantragen.
Nun komme ich aber ins grübeln, ob das der richtige Weg ist...schwierig...
Nächste Woche befrage ich die Logopädin dazu.

Viele Grüße
Enya

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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 21.05.2015, 20:53

Hallo Enya,

bei meinem Sohn Jan wurde AVWS mit 10 Jahren diagnostiziert. Mal so ganz
nebenbei bei der Legasthenie-Diagnostik. Er bekam 2x Ergotherapie-Einheiten
in Form eines Lautdifferenzierungstraining parallel fast zur Legasthenie-Therapie. Das wars, weil die Legasthenie das Hauptübel ist. Es wurde auch
noch eine Intelligenztest (K-ABC) gemacht. Heraus kam teilweise überdurchschnittliche Leistungen heraus. Probleme hat er in der auditive
Merkbereich.

Letztes Jahr im Juni waren wir nochmal beim Pädaudiologen. Jan hat weiterhin
Problem im Hören im Störgeräusch sowie beim binauralen Hören. Er macht
gerade seine Prüfungen für den Realschulabschluß.

LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD) blockadefrei, Legasthenie mit kormobide AVWS
Ben 01/04 KISS(KIDD) blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis und
Sternenmama *1931 bis 09/2019

"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

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Beitragvon finnja » 21.05.2015, 22:21

Hallo Enya,

bei uns wäre das der Förderbedarf Sprache, nicht Lernen (der bei unterdurchschnittlichem IQ und da gibts wiederum keine AWVS-Diagnose)...

Er kann die "normalen" Ziele des Regellehrplans erreichen, wenn das Lernen und das Lernmaterial entsprechend aufbereitet ist (deswegen auch Sitzen in der vorderen Reihe)...

LG, Finnja
Sohn 06 ,SBA seit 06 mit 100 GdB und PS II (die nicht seit 06), Mutation, mit Auswirkungen in allen möglichen Bereichen,
PS 06, AVWS, V.a. FAS(D)
PT 07, FAS mit gB, lebt inzwischen in einer Einrichtung
LT 12, so normal, wie bei uns als Eltern möglich ;-)

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Beitragvon Enya73 » 22.05.2015, 11:48

Hallo Finnja,

habe ich das falsch verstanden?
Ein unterdurchschnittlicher IQ schließt eine AVWS Diagnose aus? Wieso?

Viele Grüße
Enya


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