soll ich wirklich klagen?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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uli3
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soll ich wirklich klagen?

Beitrag von uli3 »

Hallo,

heute habe ich den Bescheid für den SBA von Kili bekommen. Ich war jetzt zweimal im Widerspruch weil ich das "B" will. Es wird jedesmal abgelehnt diesmal mit der Begründung dass es nur für Schwerbehinderte sei die nicht alleine aus -oder einsteigen können und deshalb auf Hilfe angewiesen wären. Außerdem liegt bei Kili keine grobe Orientierungslosigkeit vor.

Auf der einen Seite seh ich das auch so dass Kili natürlich ein und aussteigen kann und auch nicht schwerbehindert ist. Auf der anderen Seite finde ich dass jeder Autist das B haben sollte weil er eben nicht alleine in den Menschenmassen klarkommt und niemanden einfach nach dem weg fragen kann.

Noch mehr empört mich dass mein Großer das B damals bekommen hat da er eben Probleme mit der Orientierung hat.

Wieso wird es dann bei Kili so hartnäckig abgelehnt??

Wir haben eine Rechtschutzversicherung allerdings habe ich noch nie mit einem Anwalt geatrbeitet.

Ich würde gerne eure ehrliche Meinung wissen ob die Klage gerechtfertigt ist oder das B wirklich nur stärker betroffenen zusteht??


Lg Uli
Moritz 03 ADS,Asperger
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Maxi2011
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Beitrag von Maxi2011 »

Hallo,
wir haben auch das B und dies ohne Probleme bekommen. Versteh nicht was die bei euch für Probleme haben. Ich kenne mich mit den Rechten nicht so aus, aber ich würde mich dann auch an einen Anwalt wenden. Wenn das jetzt mit dem Merkzeichen schon anfängt, dann könnte später noch anderes kommen :evil:
lg
Ich (05/86) mit Max (01/11) PS2, 100%B,H,G, F83 G, F98.8 G, FKA (F84.0 G) und Elena (02/13) normal Entwickelt.

Helena*
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Beitrag von Helena* »

Hallo Uli,
das SPZ hatte damals in seinem Bericht für das Versorgungsamt für das Merkzeichen u.a. geschrieben , dass unser Autist durch grosse Menschenmengen oder unvorhersehbare Ereignisse (z.B.Berührungen durch fremde Menschen, laute Geräusche, Hunde) in einen Overload geraten und dann selbst- bzw. fremdgefährdend reagiert (zum Beispiel durch panikartiges laufen auf die Strasse) oder in Konflikte mit anderen Menschen geraten kann durch sein nicht "normgemässes" Verhalten,auf die er selber nicht reagieren und sie lösen kann.Er kann sich auch nicht selbstständig Hilfe durch andere (fremde) Personen holen. Er ist daher unbedingt auf eine vertraute Begleitperson angewiesen, die in solchen Situationen ihn beruhigt, schützt und für ihn reagiert.

LG, helena

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Uli,
Versorgungsmed. Grundsätze hat geschrieben:Eine Berechtigung für eine ständige Begleitung ist bei schwerbehinderten Menschen (bei denen die Voraussetzungen für die Merkzeichen „G", „Gl" oder „H" vorliegen) gegeben, die bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln infolge ihrer Behinderung regelmäßig auf fremde Hilfe angewiesen sind. Dementsprechend ist zu beachten, ob sie bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel regelmäßig auf fremde Hilfe beim Ein- und Aussteigen oder während der Fahrt des Verkehrsmittels angewiesen sind oder ob Hilfen zum Ausgleich von Orientierungsstörungen (z. B. bei Sehbehinderung, geistiger Behinderung) erforderlich sind.
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/versm ... 00008.html

Das kennst Du ja wahrscheinlich. Ich nehme an, sie heben auf das "regelmäßig" ab, das heißt mit Overloadrisiko alleine zu argumentieren reicht evtl nicht. Konntest Du denn die "Orientierungsstörungen" nachweisen?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

rena99
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Beitrag von rena99 »

Engrid hat geschrieben:Konntest Du denn die "Orientierungsstörungen" nachweisen?
Da wird es wohl dran hängen, wenn es zur Klage käme.

Du musst dich fragen, wieviel dir die Klage wert ist:
- wieviel Geld
- wieviel Nerven
- wieviel "Gewinn" bei Erfolg

Wie oft nutzt ihr B bei eurem Großen? Ich verstehe schon, dass du doch ärgerst (zu Recht) und dass es dir auch ums Prinzip geht. Es fragt sich halt, wie wichtig es für deinen Seelenfrieden ist.

Gute Entscheidungen !

Rena
Rena mit (mittlerweile erwachsener) Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung, HB)

uli3
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Beitrag von uli3 »

Hallo,

danke für eure Antworten.
Das mit der regelmäßigen Hilfe ist genau der Punkt der mich aufregt. Kili würde gar nicht erst alleine in den Bus oder Zug einsteigen. Er hat Angst zwischen so vielen fremden Menschen und klammert sich da eher an mich. Wenn ihn jemand anspricht wird er rot schaut zu Boden und kann nicht antworten, oder er versteckt sich unter seiner Jacke oder unter dem Stuhl. Wir sind schon oft Zug gefahren und es fällt ihm schon schwer mich aufs Klo gehen zu lassen. Wenn ich ihn kurz mit dem Gepäck stehen lasse empfindet er das als aüßerst schrecklich.

Neulich habe ich ihn beim Bummeln von einem Geschäft in das nächste geschickt um Papa zu holen. Er kam da nie an und wir hatten uns kurzzeitig aus den Augen verloren. Er ist in das alte Geschäft zurückgelaufen und wurde von mir schnell gefunden. Ab dem Zeitpunkt lief er nur noch umklammernd mit uns rum ( und ich meine klammern ) er war fix und fertig.

Das alles sind für mich nrmale autistische Verhaltensweisen und ich finde jeder Autist sollte das B bekommen und dafür möchte ich kämpfen!

Ich informier mich jetzt mal genauer wie das läuft und was da auf mich zukommt. Eine Rechtschutzversicherung haben wir, aber wie gesagt ich habe null Ahnung was Anwlt oder Klage betrifft.

Lg Uli
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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Uli,
uli3 hat geschrieben:Das alles sind für mich nrmale autistische Verhaltensweisen und ich finde jeder Autist sollte das B bekommen und dafür möchte ich kämpfen!
Ich glaube, das ist der falsche Ausgangspunkt. Es gibt eine Menge Autisten, die jeden Tag mit den Öffentlichen zur Arbeit oder Ausbildung fahren und das B weder wollen noch brauchen.

Das ist schon unbedingt individuell zu sehen. Bei Deinem Sohn scheint es ja ganz klar, musst Du es "bloß" noch entsprechend "rüberbringen" (begründen und belegen).

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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uli3
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Beitrag von uli3 »

Hallo Engrid,

da hast du natürlich recht. Ich hab da mehr an die Kinder gedacht. Natürlich verändert das sich und wenn sie größer sind geht es dann. Mein Großer fährt heute auch kleinere bekannte Strecken mit dem Bus, allerdings war das sehr anstrengend am Anfang und er kommt auch heute nur mit Handynavi zurecht was ich eine super Lösung finde.

Lg Uli
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Esther55
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Beitrag von Esther55 »

Hallo,
Wir haben auch zwei Mal Widerspruch eingereicht und es wurde abgelehnt.
Danach kam die Klage beim Sozialgericht. Es hat zwar lange gedauert, aber es hat sich gelohnt 😉
Bei uns war der Richter auch super und hat das VO erstmal ein bisschen zurechtgewiesen.
LG Esther

Nathalienchen
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Beitrag von Nathalienchen »

Hallo Uli,

wir waren in der gleichen Situation wie ihr und haben uns für die Klage entschieden, natürlich weil ich immer noch der festen Überzeugung bin, dass das B unserem Sohn zusteht und die uns durch seine Behinderung entstehenden Nachteile ausgleichen soll, aber auch weil es mir ums Prinzip geht.

Wenn man sich die Aussagen der betroffenen Eltern anhört, hat man teilweise wirklich das Gefühl, dass beim Versorgungsamt entweder gewürfelt wird oder die Tageslaune des Sachbearbeiters über den GdB und die Merkzeichen entscheidet. Unser Sohnemann hat auf Anhieb das H bekommen, beim B hat sich das VA quer gestellt, obwohl in deren eigenen Grundsätzen was anderes drin steht.

Wie dem auch sei, seit unsere Anwältin die Klage eingereicht hat, fühle ich mich um eine Sorge erleichtert, weil eine Baustelle weniger da ist, um die ich kümmern muss. Die Entscheidung steht zwar noch aus, aber ich bin guter Hoffnung. Aktuell liegt das erstellte Gutachten, das das B eindeutig befürwortet, dem VA vor und ich bin gespannt, ob die uns jetzt entgegen kommen oder es auf ein Richterurteil ankommen lassen.

Es ist zwar sehr anstrengend, kräfteraubend und auch ungerecht, um sein Recht kämpfen zu müssen, wenn wir jedoch klein beigeben, sind unsere Kinder die Leidtragenden. Und die Sachbearbeiter machen mit ihren Würfelspielchen weiter.

LG
Nathalie
L. (2005): Asperger-Autismus, HB, fußballverrückt ;-)
J. (2010): ein total unkomplizierter Sonnenschein

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