Geschwisterkind will ohne Bruder feiern

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Tara2003
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Geschwisterkind will ohne Bruder feiern

Beitragvon Tara2003 » 10.12.2014, 23:18

Hallo,

aus aktuellem Anlass habe ich ein Frage bzw. ein Problem und erhoffe mir hier Hilfe zu erhalten:

Unsere Tochter feiert ihren 16. Geburtstag mit einer großen Party (ca. 90 Personen). Wir als Eltern haben Aufsichtspflicht und müssen deshalb, mit weiteren Erwachsenen, anwesend sein. Da unser Sohn nirgendwo anders schläft bzw. wir keinen Babysitter für den Abend haben, sollte er eigentlich mitkommen. So eine Party macht ihm auch sehr viel Spaß.

Unser Sohn hat die Diagnose frühkindlicher Autismus, wobei er keine geistige Behinderung hat, spricht und bald eine Regelschule besuchen wird. Wir wissen auch, dass er manchmal mit seiner Art auffällt. Unsere Tochter hat allerdings Angst, dass genau das peinlich werden könnte. Er könnte überdrehen oder böse werden. Sie hat Angst, dass er andere blöd anspricht oder mal den Mittelfinger zeigt. Sie wünscht sich, dass er nicht kommt !
Mich macht diese Einstellung sehr traurig. Eigentlich möchte ich ihr sagen, dass er dazu gehört und basta ! Aber ich bin mir unsicher, ob das die richtige Reaktion ist.

Ich habe es erst einmal damit versucht, indem ich angemerkt habe, dass ich oder der Papa zu Hause bleiben müssten, um auf Bela aufzupassen. Das fand sie zwar schade, aber mehr auch nicht 'dann ist das so'.

Wie würdet ihr euch verhalten ?

Gruß
Tara

Bea F.
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Beitragvon Bea F. » 10.12.2014, 23:50

Hallo ,
in dem Alter kann ich Deine Tochter verstehen , sie möchte IHREN Geburtstag mir iheren Freunden feiern . Die Geschwister von besonderen Kindern müssen schon so oft zurückstehen und immer Rücksicht nehmen , von daher fände ich es wichtig, dass es auch etwas nur für die gesunden Geschwister gibt . Ich versuche auch , mal mit meiner Tochter etwas allein zu unternehmen , auch wenn sie mit ihrem besonderen Bruder kein Problem hat .
Vielleicht sollte wirklich ein Elternteil mit dem Sohn zu Hause bleiben , wenn es niemanden gibt, der auf ihn aufpassen könnte .

Liebe Grüße
Bea
Nando 93, Dario 97 nach Unfall 2001 hypoxische Hirnschädigung mit Tetraspastik, Button seit 2001 und verschiedene kleine Baustellen, Nevio 97 und Leya 2005.... und natürlich Bea , Bj. 63 :-)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 11.12.2014, 00:14

Hallo,

Das würde ich genauso sehen. Klar wäre es cool von ihr, da "drüberzustehen" und ihn dabeihaben zu wollen. Aber wenn nicht, auch in Ordnung. Ich geh mal davon aus, dass meine Tochter ihren 16ten auch ohne Bruder feiern will.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Geschwisterkind schämt sich...

Beitragvon Regina Regenbogen » 11.12.2014, 05:50

Sie wünscht sich, dass er nicht kommt !
Kann ich verstehen. Keine 16-Jährige möchte ihren 5- oder 6-jährigen Bruder bei ihrer Geburtstagsparty haben.
Ich habe es erst einmal damit versucht, indem ich angemerkt habe, dass ich oder der Papa zu Hause bleiben müssten, um auf Bela aufzupassen. Das fand sie zwar schade, aber mehr auch nicht 'dann ist das so'.
Ja, dann ist das eben so.

Bist du schon mal auf die Idee gekommen, dass du deine Tochter zu dieser Begründung
Unsere Tochter hat allerdings Angst, dass genau das peinlich werden könnte. Er könnte überdrehen oder böse werden.
gezwungen hast durch deine Erwartungshaltung?

Unsere fast 17-jährige Tochter käme im Leben nicht auf die Idee IHRE Geburtstagsparty gemeinsam mit ihren fast 12- und 13-jährigen Brüdern zu feiern. Schließlich hat sie auch ein Privatleben.

Anders herum gilt das allerdings auch.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Sabine_2Kids
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Beitragvon Sabine_2Kids » 11.12.2014, 07:36

Hallo
ich kann deine große total verstehen. ERstens ist der Altarsabstand zu groß um zu fordern dass das GEschwisterkind mitfeiern darf. Zweistens mit einem Verhalten was nicht vorhersehbar ist und auch mit mal Mittelfinger das ist einfach tierisch peinlich vor den Freunden.

Bleibt einer mit dem Geschwisterkind zuhause und holt dafür noch eine Aufsichtsperson.

Nimm es ihr nicht böse sie fordert nur ihr Recht ein.

lg
Sohn 05: Autismus,ADHS,LRS,sensomotorische Wahrnehmungsstörung, Feinmotorikstörung, etc. Ps 0 SBA 80% G,B,H
Tochter 02: JIA Rheuma, Autismus,ADHS,Legasthenie,Asthma,versch. Allergien, versch. Störungen PS 0, SBA 50 %

Jenny66
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Beitragvon Jenny66 » 11.12.2014, 07:41

Wichter ist, dass Deine Tochter sich wohlfühlt. Wenn sie dafür auf euch verzichten muss, weil ihr euch um ihren Bruder kümmern müsst, dann ist das auch in Ordnung.

Bei uns ist es genauso. Unserem Sohn ist und war unsere Tochter auch peinlich. Unter anderem auch aus diesem Grund hat er jahrelang keinen Geburtstag gefeiert, zumindest nicht hier bei uns. In diesem Jahr hat er das erste Mal hier gefeiert. Jetzt ist er schon über zwanzig, unter seinen Freunden gibt es einen Sozialpädagogen. Von daher hat sich das Thema Peinlichkeit etwas erledigt, zumal seine kleine Schwester größer geworden ist und eh nur die meiste Zeit in ihrem Zimmer ist. Selbst wenn sie da laut herumlamentiert hätte, wäre das von der Musik überdeckt worden.

Aber ich kann Deine Tochter verstehen. In dem Alter ist das (noch) ein Problem. Es ist besser, wenn ihr da Verständnis habt. Man kann da jetzt nicht die Reife erzwingen, die dafür nötig wäre, dass sie zeigen kann, dass ihr Bruder dazugehört mit allen Konsequenzen. Später mag das ganz anders sein. Deswegen musst Du jetzt nicht enttäuscht sein. Gib ihr Zeit sich da weiter zu entwickeln und lass ihr jetzt den Raum dafür eine schöne und unbeschwerte Geburtstagsparty haben zu dürfen.

Jenny66
Tochter, 1999 (sel. Mutismus + AS)

Tara2003
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Beitragvon Tara2003 » 11.12.2014, 08:22

Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten !
Es fällt mir schwer, aber ich sehe ein, dass ihr Recht habt. Ich erwarte zu viel von ihr.
Vermutlich liegt es darin begründet, dass ich auch zu viel von mir erwarte. Ich versuche immer alles alleine zu regeln. Bela gehört für mich wie selbstverständlich dazu. Natürlich kenne ich auch zu genüge peinliche Situationen und ich habe im Anschluss daran, auch schon geweint. Aber ich kann nicht anders. Ich will ihn nicht ausgrenzen. Er ist übrigens fast 12 Jahre alt.
Schmerzhaft war für mich bei der Vorbereitung der Party, dass der Bruder einer Freundin am Eingang die Kasse übernehmen soll. Er ist 12 Jahre.

Also ich kann Euch nur danken, denn manchmal braucht man auch Anschubser. Auch wenn es mir gerade noch weh tut, so werde ich es akzeptieren, dass unsere Tochter das Bedürfnis hat, ohne ihn zu feiern. Und das nicht, weil sie ihn nicht mag, sondern weil es blöd für sie wäre.

Viele Grüße
Tara

Martina Geschwisterkind
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Beitragvon Martina Geschwisterkind » 11.12.2014, 08:29

Hallo Tara,

willkommen hier im Forum!

ich bin ein Geschwisterkind und kenne die Situation deiner Tochter gut. Ich habe immer zu meinem Bruder gehalten - egal was war. Aber auch ich kenne das Gefühl, dass es einem einfach nur peinlich ist. Bei uns waren es peinliche Geräusche und Laute, die einfach nicht altersgerecht waren und mir demzufolge einfach zu doof waren.

Bei einer Geburtstagsfeier in dem Rahmen, kommen mit Sicherheit auch Freunde, die Bela nicht kennen, sodass es von der Seite Ablehnung geben könnte.

Geschwisterkinder behinderter Kinder suchen sich oftmals ihre Freunde danach aus, ob diese den behinderten Bruder / die behinderte Schwester tolerieren. Dabei ist Ignoranz keine Toleranz. Getuschel oder einfaches wegdrehen sind die Reaktionen von Außenstehenden, die man als Geschwisterkind nicht haben möchte. Das gelingt jedoch nicht immer, bzw. ist nicht immer im Voraus klar.

Daher finde ich es eine normale (Schutz)Reaktioin, dem aus dem Weg gehen zu wollen, indem man verlangt, dass das behinderte Geschwisterkind nicht dabei ist. Das stellt aber i. d. R. keine Ablehnung des Geschwisterkindes dar, sondern fungiert lediglich als persönlicher Schutz, um nicht vor den anderen "Dumm darzustehen"

Ich wünsche euch einen tollen Geburtstag und hoffe ihr findet eine gemeinsame Lösung. Alles Gute für deine Tochter!

Lg
Martina
Ich (geb. 1989) als große Schwester eines Bruders mit Down-Syndrom plus autistische Züge (geb. 1992)

„Der Weg, den ich zu meinem Ziel hin eingeschlagen habe, ist weder der kürzeste, noch der bequemste, aber für mich der beste, weil er mein eigener Weg ist.“
Janusz Korczak, 1926

Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 11.12.2014, 08:42

Hallo Tara,
Schmerzhaft war für mich bei der Vorbereitung der Party, dass der Bruder einer Freundin am Eingang die Kasse übernehmen soll. Er ist 12 Jahre.
vollkommen unabhängig von der Frage, dass es für dich schmerzhaft ist, dass der eine 12jährige nicht dabei sein soll und der andere 12jährige helfen soll ... es ist m.E. vollkommen unverantwortlich, bei einer Party von 16jährigen Jugendlichen einen 12jährigen Jungen an den Eingang zu setzen und den "die Kasse machen" zu lassen.

Der kann sich gegen vier Jahre ältere Jugendliche nicht durchsetzen, wird von denen nicht erst genommen. Wenn ihr Pech habt, dann könnt ihr die Einnahmen aus der Kasse ziemlich schnell vergessen.
An die Tür und an die Kasse gehört eine volljährige Person! Auch wenn das vollkommen uncool ist - aber soweit geht eure Verantwortung als Eltern!

Gruß,
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Beitragvon Tara2003 » 11.12.2014, 08:57

Hallo Jörg,

das mit dem Jungen an der Kasse war die Idee der Jugendlichen. Natürlich habe ich gesagt, dass das auf keinen Fall geht ! Und zwar aus den gleichen Gründen, die Du genannt hast.

Auch wenn die Jugendlichen die Eltern nicht so gerne bei einer Party dabei haben wollen, das geht nunmal nicht anders, da wir die Aufsichtspflicht haben. Mehrere Erwachsene stehen bereit und eine 'Endzeit' haben wir auch festgelegt. Ich hoffe, damit haben wir an alles gedacht ;-)

VG
Tara


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