Blindheit und Einschulung 2015

Hier könnt ihr euch über Hör- und Sehbehinderung austauschen.

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Mik2009
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Blindheit und Einschulung 2015

Beitragvon Mik2009 » 06.10.2014, 13:08

Hallo zusammen,

unser Sohn ist 5 Jahre alt und von Geburt an blind. Zur Zeit besucht er einen integrativen Kindergarten, wo er eigentlich auch ganz gut zurecht kommt. Nächstes Jahr soll er nun eingeschult werden.

Gibt es hier vielleicht Eltern, die sich in der gleichen Situation befinden und an einem Austausch interessiert wären?

Angefangen von der Schulanmeldung - integrative Grundschule oder Förderschule für blinde- und sehbehinderte...

Freue mich über regen Austausch!

Gruß

Mik2009

SonjaUSA
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Beitragvon SonjaUSA » 06.10.2014, 15:11

Hallo,
da bin ich gerne mit dabei.
Unser Sohn mit schwerer Sehbehinderung soll auch im Sept.2015 eingeschult werden.

Gruß
Sonja
J. 5/09 LCA-> sehbehindert; H.04/05 und M. 07/02 gesund

Mik2009
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Beitragvon Mik2009 » 07.10.2014, 14:47

Hallo Sonja,

schön dass du dich gemeldet hast.

Darf ich fragen, wieviel euer Sohn noch sieht?

Werdet Ihr ihn integrativ oder auf einer Förderschule einschulen?

Unser Sohn ist geistig fit und könnte theoretisch auch eine integrative Grundschule besuchen! Denke aber, dass es Ihm besser geht, wenn er mit Gleichgesinnten Kontakt hat. Z.Zt. besucht er 1 Mal die Woche die Vorschule und kann sich so schonmal mit der Schule vertraut machen.Wenn da nicht die lange Fahrt wäre ( fast ne Stunde)!!!
Aber nach der Grundschule wirds dann sicherlich
eine Regelschule um die Ecke sein. Aber bis dahin....

LG
Mik2009

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 07.10.2014, 15:04

Hallo,

Ich hoffe, Ihr fühlt Euch nicht dreingequatscht, wenn ich hier schreibe, ohne ein blindes Kind zu haben.
Ich habe einen Freund seit Kindestagen, der blind ist. Er war lange in der Blindenschule, und hatte dann glücklicherweise die Chance, in ein Regelgymnasium zu wechseln. Dort hat es ihm weitaus besser gefallen. Er hat Abitur gemacht, studiert (in eigener Wohnung, zeitweise mit Assitenz für die Uni, also einem Zivi damals) und lebt ein selbständiges Leben mit seiner Frau. Über ihn kenne ich auch andere Blinde, ich weiß also schon, was Blindsein so im Alltag mit sich bringt.

Nach meiner Erfahrung sind Gleichgesinnte für Blinde unter Sehenden genauso zu finden wie unter Sehbehinderten und Blinden.
Es sind gar nicht soviele Extras nötig, um ein blindes Kind in der Regelschule zu beschulen.
Es gibt keinen wirklichen überzeugenden Grund, blinde Kinder weit weg in spezialisierte Schulen zu fahren, zumal die technischen Hilfsmittel heute viel besser sind als damals.

Nur Mut!

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Beitragvon Mik2009 » 07.10.2014, 17:52

Hallo Engrid,

herzlich willkommen in der Runde. Bin für jeden Tipp dankbar. Sei's nun als aktiv oder passiv Betroffener.

Ich hab mir ja nun beide Schulformen angesehen und auch hospitiert. In der Förderschule wären es max. 10 bis 12 Kinder pro Klasse bei 2 Klassenlehrern; purer Luxus.
In der Regelgrundschule wären es allerdings 28-30 Schüler bei 2 Klassenlehrern; was ich persönlich schon viel finde. Hab einfach nur Angst, das mein Kind in der Regelschule untergeht und zu kurz kommt. Von der Blinden- u. Sehbehindertennschule würde auch nur 1 Mal die Woche für 3 Std. ein Lehrer in der Regelgrundschule vorbeischauen, der den Lehrern unterstützend zur Seite steht.
...außerdem können Kinder ja ziemlich grausam sein. Nicht das sich mein Sohn nicht wehren kann oder kein Selbstbewusstsein hat, aber muss ich ihm das wirklich antun....

Heute lag ein Brief vom Schulamt in der Post mit den Grundschulen in der Nähe.
Möchte eigentlich nur das beste für mein Kind; hab aber andererseits wiederum Angst die falsche Entscheidung zu treffen.

LG

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Beitragvon Engrid » 07.10.2014, 19:09

Hallo Mik,

Stimmt, Kinder können grausam sein, aber sie können auch ganz toll sein! Da kommt viel drauf an, was die Erwachsenen (Lehrer, Eltern) vorleben.
Blindheit ist etwas, das Kinder gut nachvollziehen können. Ich fand meinen Freund als Kind toll, er konnte viele Dinge besser als Sehende ... Ich hab öfters mittendrin völlig vergessen, dass er blind ist. War auch nicht wichtig :wink:

Wenn Dein Sohn jetzt im I-Kiga ist, dann würde er ja mit Kindern eingeschult, die ihn schon kennen? Das wäre sehr wünschenswert.
Hält er denn von der Sensibilität des Gehörs den Kiga-Alltag aus? Lauter wird es in der Schule wohl auch nicht.
Hast Du schon mal mit der Regelschule gesprochen?

Ich finde es immer sooo schade, wenn nicht mal ein Versuch gemacht wird. Mein blinder Freund konnte nur deshalb so selbständig werden, weil er soviel unter Sehenden war. Das ist sicherlich auch eine Frage des Temperamentes.
Aber lass Dich nicht von Angst leiten.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Beitragvon SonjaUSA » 08.10.2014, 01:20

Hallo ihr,
J sieht, wegen geschädigter Netzhaut, wie ein löchriger Flickenteppich d.h.an manchen Stellen gar nicht, an anderen max. 4%. Abhängig von vielen äußeren Faktoren (Tagesform, Licht, Kontrast,…)
Er geht derzeit in einen I-Kiga, der toll ist, aber leider nicht im Sprengel seiner Regelschule liegt.
Wir haben uns trotzdem für eine Einschulung in der Sprengelschule entschieden, weil ich finde das Kind gehört in seiner Umgebung in die Schule und ich nicht will dass er tägl. 2x ca. 45 min über die Autobahnen gekurvt wird. Wir werden einen I-Helfer beantragen, bisher sind Rektor und Lehrkräfte motiviert und interessiert.
Eine andere Grundschule im Stadtgebiet, an die evtl. Kindergartenfreunde gehen, kam für uns eigentlich nicht in frage, da sie deutlich größer wäre und an "unserer" Grundschule schon die älteren Geschwister waren, so dass J. das Gebäude/den Pausenhof zumindest etwas kennt und wir schon einige Lehrer kennen.
Natürlich mache ich mir Gedanken über Freundschaften (die er sich dann alle neu aufbauen muss) und die Frage ob es unter "seinesgleichen" nicht einfacher wäre für ihn. ABER: durch die Inklusion wird auch die Föderschule Sehen immer kleiner und tendenziell gehen viele geistig fitte Kinder in die Regelschule und eher die Kinder mit zusätzlichen Problemen besuchen das Förderzentrum -> wie sind die Chancen für ihn dort Freunde zu finden, wenn noch dazu alle lange Anfahrtszeiten haben (da trifft man sich nachmittags nicht mal spontan auf dem Spielplatz um die Ecke)?

Anfang November ist an der Frühförderung bzw. im Förderzentrum eine Veranstaltung für alle die ihre Kinder nächstes Jahr einschulen. Ich bin gespannt, was andere Eltern berichten.
Egal wie man sich jetzt entscheidet, glücklicherweise sind die Wege ja in alle Richtungen offen und ein Wechsel zwischen Regelschule und Förderzentrum angeblich jederzeit möglich.

Gute Nacht
Sonja
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Beitragvon vonnerle » 08.10.2014, 09:36

Hallo

ich schalte mich mal ein und bringe meine Gedanken zum Thema ein.
Mein Sohn wird 4 und geht in einen Kiga der an ein Blindenzentrum angeschlossen ist. Wir brauchen nicht zu entscheiden in welche Schule er geht. Aber wenn ich entscheiden müsste, dann würde ich die Förderschule nehmen, denn die Lehrer an einer Regelschule sind ganz schnell mal überfordert und kennen sich nicht genau aus. Ich lese hier schon manchmal das Lehrer die Nachteilsausgleiche nicht kennen oder es nicht einsehen das ein Kind eben die Arbeit nicht so macht wie der Rest. Oder es gibt eben mal Vertretungsstunden und es kommt ein anderer Lehrer. Der muss sich ja noch nicht mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Mein Sohn ist so fit das er locker in eine Regelschule gehen könnte aber auch wegen der technischen Ausstattung und den Klassengrößen würde ich es nicht machen.
Wir haben allerdings die Förderschule in 5 Minuten mit dem Auto entfernt und die Regelschule in 5 Minuten zu Fuss. Also geht's bei uns nicht um die Entfernung.
Freunde aus dem Kiga hat mein Sohn außerhalb der Zeit auch nicht, da alle von weiter weg kommen oder man mit dem Rest nicht zusammen kommt. Sowas mache ich dann eben privat.

@SonjaUSA: wie geht's euch? Mensch da kommt der kleine in die Schule nächstes Jahr. Wie die Zeit vergeht....

Liebe Grüße
Lennard Joel 11/2010 Verdacht auf LCA, reagiert nur auf sehr helles Licht

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Beitragvon SonjaUSA » 08.10.2014, 13:14

Hallo Vonnerle,
schon von Dir zu hören!
Uns geht es gut. J. entwickelt sich prima.

Wird bei euch am Förderzentrum eigentlich Inklusion andersherum angeboten? Bei uns ist das im Gespräch, dass das Förderzentrum gemischte Klassen anbietet, sozusagen Regelkinder aus der Nachbarschaft und blinde und sehbehinderte aus dem ganzen Frühfördereinzugsbereich. Aber ob und wann das nun tatsächlich kommt… ?
Die Lösung bei Euch ist natürlich super, ich denke da würde ich mich vielleicht auch fürs Föderzentrum entscheiden.
Was mich stört ist, dass bei uns relativ deutlich zwischen den Kindern getrennt wird, die in die Regelschule gehen wollen und denen die ins Förderzentrum gehen. D.h. regelmäßige Vorschultreffen gibt es nur für die Gruppe der Förderschulkinder zum Kennenlernen, es gibt soweit ich weiß keine Kurse für die Vorschulkinder oder Erstklässler (Schwimmen/Musik/ o.ä.) die am Förderzentrum auch für Externe angeboten werden. Das wäre für uns eine tolle Gelegenheit Gleichgesinnte zu treffen und Freundschaften zu knüpfen.
Es gibt zwar jetzt manchmal Treffen für alle Frühfö-Kinder, aber da ist die Altersspanne und die kognitive Spanne natürlich enorm.

Muss jetzt mal Mittagessen machen - melde mich später noch mal.
Gruß
Sonja
J. 5/09 LCA-> sehbehindert; H.04/05 und M. 07/02 gesund

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Beitragvon susimitkids » 08.10.2014, 14:44

Hi,
Wir hatten 4 Jahre in der Grundschule ein blindes Mädchen mit in der Klasse, die such mit ihm auf die weiterführende gewechselt ist ( beides regelschulen), ich kann nur sagen, dass die Inklusion aus meiner Sicht gut geklappt hat und klappt. Sie hatte und hat eine integrationshelferin, der sonderpädagoge der Schule hat sich gekümmert und es kam noch einmal in der Woche ein Lehrer aus der Stamm Schule. Das Klassenzimmer und die Unterrichtsmaterialien wurden angepasst und das Mädchen war immer voll integriert, von mobbing oder so habe ich nie was mitbekommen.
Lg


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