Orangener Parkausweis auch für autistisch behinderte Kinder?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 22.12.2018, 07:58

Hallo Ulla,
mein Kind kann ansonsten gut laufen und tut das auch gerne. Sie ist zwar aufgrund der Hypotonie schneller ermüdet, aber einen Buggy oder Rolli bekämen wir wohl nicht bewilligt.
Deinen letzten Satz verstehe ich nicht. Worauf genau beziehst du dich?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Ullaskids » 22.12.2018, 08:36

Hallo,
naja, so ein Anfall kann ja jederzeit auftreten.
Der Logik folgend, mit der du den Parkausweis haben möchtest, entfernt sich dein Kind also niemals weit von eurem geparkten Auto.
Das schränkt doch das ganze Leben total ein, oder?
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (14): Gendefekt, Epilepsie etc.

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 22.12.2018, 10:23

Das schränkt nicht unser Leben ein, sondern erleichtert schlicht sämtliche Besorgungen und Wege, die ich mit Kind zusammen erledigen muss.

Wenn ich unterwegs bei jedem Anfall einen RTW rufen muss, DAS schränkt unser Leben ein, weil es einen ganzen Rattenschwanz nach sich zieht und jedesmal viel Zeit kostet. Oder wenn ich für jeden Weg erst den Buggy/Rolli einpacken muss, den wir sonst eigtlich gar nicht benötigen.
Es heißt ja nicht umsonst „Parkerleichterung“.

Zumal wir außerhalb sämtlicher Besorgungen genug Bewegungsmöglichkeiten und -freiraum haben. Da ist dann aber mein Mann dabei. Im Falle eines Anfall bleibt dann einer beim Kind, der andere holt das Auto.

Was ich ohne Kind erledigen kann, mache ich inzwischen sowieso alleine während der Schulzeit. Aber Friseur, Kinderarzt, Augenarzt, Therapien, Schule etc. inkludiert das Kind zwangsläufig.

Aber da sich die Anfallsfrequenz und -schwere deutlich reduziert hat, ist es für uns aktuell sowieso nicht mehr relevant. :wink:

Übergeordnet betrachtet, sind es die Anfälle die uns einschränken. Aber das lässt sich ja nunmal nicht abstellen...
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Ullaskids » 22.12.2018, 14:47

Alexandra, es tut mir Leid, aber ich denke, es ist der falsche Weg, alles, was mit Kind ist, nur zu zweit machen zu können oder alternativ nah am Auto sein zu müssen. Das ist es, was ich mit Einschränkung meine.
Aber natürlich sehr schön, wenn das Problem gerade nicht aktuell ist und es deinem Kind besser geht!
Ein Buggy oder Rolli würde halt die (real existierende) Einschränkung sehr sichtbar machen - wäre aber eine Möglichkeit damit selbstbestimmt umzugehen. Klar wäre das ein Aufwand, den dabeizuhaben (nicht mehr als bei vielen anderen Behinderungen...) aber es wäre eben die maximale Teilhabe für dein Kind. Die wäre mit dem Parkausweis nicht im gleichen Maß gegeben.
Nur so als Denkanstoß, falls es noch mal aktuell werden sollte.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (14): Gendefekt, Epilepsie etc.

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Beitragvon Alexandra2014 » 22.12.2018, 16:52

Aber Ulla, Du würdest doch einem erwachsenen, sonst fitten, Epileptiker auch nicht raten, sich nur noch in einem Rolli in der Stadt zu bewegen. Das ist einfach unverhältnismäßig.

Den orangenen Parkausweis bekommt man ja z.B. für einen GdB ab 70/80, wenn dieser nur für die unteren Extremitäten gilt.
Würdest du einem Kind mit spastischer Tetraparese also auch raten, den Rolli anstatt des Parkausweises zu nutzen.

Ich glaube, mein Kind hat mehr Teilhabe als viele andere, da wir uns auch sehr viel Zeit nehmen können!
Aber inwiefern schränkt es ihre Teilhabe ein, wenn sie zum Kinderarzt nur 30 m, statt 500 m laufen muss. Was genau hat sie von diesen 470 m? Das erschließt sich mir wirklich nicht.
Zumal viele Orte nicht mal barrierefrei sind. Der Rolli oder Buggy müsste also draußen warten.

Und würdest du einem sonst gesunden Epileptiker und Regelschüler (mit 11 Jahren z.B. Gymnasiast) auch empfehlen, sich von Mutti im Buggy schieben zu lassen?
Wie gesagt, ich finde es unverhältnismäßig.

Ich persönlich habe überhaupt kein Problem mit derartigen Hilfsmitteln. Wir hatten auch schon mal einen Rehabuggy, aber da war Kind 4 und brauchte ihn auch wegen der Hypotonie bei längeren Strecken. :wink:
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Ullaskids » 22.12.2018, 18:09

Hallo,
sagt ja niemand, dass das Kind drin sitzen soll - natürlich nur nach einem Anfall.

Und nein, der Erwachsene ist ja auch sicher oft alleine unterwegs, _wer_ sollte ihn denn dann _wohin_ schieben?

Oder auch mit anderen zusammen - wer von den Freunden soll die Verantwortung übernehmen zu sagen, der XY ist jetzt zwar bewusstlos/schläft, aber ist nicht so schlimm, ich bringe ihn heim...? Nein, da geht nur der RTW.

Und natürlich nutzen Menschen mit spastischer Tetraparese, bei denen vor allem die Beine betroffen sind, einen Rolli!

Zum Kinderarzt 30m statt 500m ist natürlich bequemer, hat aber nicht so viel mit Teilhabe zu tun. Das wäre eher der Zoobesuch, der Waldspaziergang, Stadtbummel, alles, wo man sowieso weit weg vom Parkplatz ist - und dann? Mit dir alleine? Oder macht ihr sowas nie alleine? Das finde ich dann schon einschränkend.

Und wenn dein Kind nach einem Anfall nicht laufen kann (was bekommt es dann mit? Oder schläft es?) ist es mit 11 Jahren auf Papas Arm sicher peinlicher als geschoben zu werden, wo man erkennt, dass es ein medizinisches Problem gibt.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (14): Gendefekt, Epilepsie etc.

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Beitragvon Alexandra2014 » 22.12.2018, 19:17

Ich finde es immer schwierig, von einem selbst auf andere zu schließen.
Der nächste Zoo ist 2 Stunden Fahrt entfernt. Ja, da fahren wir nur zusammen hin. Insgesamt unternehmen wir viel zusammen, weil wir als Familie gerne zusammen sind. Wir sind eigentlich jedes Wochenende unterwegs.
Selbst für einen Stadtbummel müssen wir aber erst ein Stück fahren und ist nichts, abgesehen vom Weihnachtsmarkt, was meiner Tochter Spaß macht.

Deswegen bin ich auch der Meinung, dass man Teilhabe immer individuell betrachten muss und nicht verallgemeinern kann. Was der eine gerne macht, ist für den anderen eine Qual.

Kind kann nach einem Anfall noch gut laufen, aber eben nur gestützt ein paar Meter und nicht 2 km bis zum vermeintlichen Parkplatz. Sie hat Adversivanfälle, bei denen das Bewusstsein erhalten bleibt, wenn es denn nicht sekundär generalisiert (was wir aber 2 Jahre nicht mehr hatten, dank Notfallmedi).

Aber davon mal ab. Du weißt nicht wo wir wohnen, wie wir wohnen, wie die Gegebenheiten hier sind. Deswegen kannst du doch auch eigentlich nicht beurteilen, welche Variante für mein Kind nun besser wäre. Ich aber schon, ich erlebe es jeden Tag!

Wenn ein erwachsener Epileptiker mit seiner Frau unterwegs ist, ist das nichts anderes, als wenn ich mit meinem Kind unterwegs bin. Warum sollte die Frau nicht entscheiden können - so wie ich bei meinem Kind - ob nun ein RTW nötig ist.
Nach einem einfach fokalen Anfall + Notfallmedikament, kann sie ihn genauso zum Auto schieben, wie ich mein Kind.
Da findest du es aber offensichtlich selbst absurd.

Zudem finde ich es schwierig, im Straßenverkehr auf ein autistisches Kind einzuwirken, während ich auch noch Buggy oder Rolli schieben soll. :wink:
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Ullaskids » 23.12.2018, 06:29

Zoobesuch, Waldspaziergang und Stadtbummel waren Beispiele für Dinge, die einen weit weg vom geparkten Auto bringen.
Wenn es so weit von euren Lebensumständen entfernt ist, im Alltag weit weg von einem Parkplatz zu sein, leben wir wohl wirkllich in extrem verschiedenen Welten.
Dazu fällt mir dann nix mehr ein...

Die Straßenbehörde sieht es ja offensichtlich nicht als die adäquate Lösung für euch an den Ausweis auszustellen, und eine Hilfsmittellösung lehnt ihr aus ...Gründen ab, dann gibt es wohl aktuell keine Lösung für euch.

Hoffen wir mal, dass die Epilepsie weiterhin die Füße ruhighält (wir haben damit ja auch mehr als genug Erfahrung, zum Glück auch gerade eine ruhige Phase).
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (14): Gendefekt, Epilepsie etc.

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Beitragvon Alexandra2014 » 23.12.2018, 07:49

Ja, Ulla, wir wohnen sehr ländlich und benötigen für jeden Weg ohnehin das Auto, da wir auch noch außerhalb geschlossener Ortschaft wohnen.

Mir ist schon klar, dass das Beispiele waren. Vergleichbare Dinge unternehmen wir dennoch immer zusammen, außer eben die täglichen Besorgungen, die so anfallen. Nach der Schule ist Kind erstmal platt, möchte dann draußen spielen. In der Woche passiert also nicht viel. Bei den aktuellen Therapien können wir meist direkt vorm Haus parken.

Jetzt mal im Ernst: wie soll ich der KK erklären, dass mein Kind einen Buggy oder Rolli benötigt, während es relativ problemlos Roller, Fahrrad und Ski fährt. Soweit ich weiß, ist Epilepsie keine Begründung, um einen Buggy/Rolli bewilligt zu bekommen, außer das Kind krampft vielleicht jeden Tag mehrfach.

Dass das Amt es anders sieht, heißt ja nun erstmal gar nichts. Die berufen sich darauf, dass im „Text“ steht, dass 70/80 vom GdB auf die unteren Extremitäten entfallen muss. Es gibt aber Gerichtsurteile dazu, die tatsächlich besagen, dass auch Kinder ohne diesen GdB eigentlich Anspruch auf einen orangenen Parkausweis haben. Ein Urteil bezog sich auf ein autistisches Kind.
Unser erster Antrag auf SBA ergab lt. Amt einen GdB von 30. Stimmte ja nun auch nicht. Die Ämter versuchen sich zu drücken, so gut es geht.
Kurz drauf hatten wir dann einen GdB von 80 und G, B und H. :wink:

Unsere ruhige epileptische Phase wurde gestern mit 4 Anfällen beendet. Man steckt eben nicht drin.
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


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