Eintragung von Diagnosen ins U-Heft ablehnen - geht das?

Mit einem besonderen Kind sind Eltern oft Dauergäste beim Kinderarzt. Hinzu kommen Krankenhausaufenthalte und Besuche bei Spezialisten und im Sozialpädiatrischen Zentrum.
Welche Untersuchungen machen Sinn? Wo ist mein Kind in guten Händen? Zahlt die Krankenkasse alle Behandlungen? Fragen über Fragen...

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andream1978
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Eintragung von Diagnosen ins U-Heft ablehnen - geht das?

Beitrag von andream1978 »

Hallo Ihr Lieben,
ich hoffe, mein Eintrag ist hier halbwegs richtig.
Wir haben eine gute KiÄ, mit der wir auch zufrieden sind. Sie trägt halt alle Diagnosen ein bei den Us, worüber ich mir nie Gedanken gemacht habe. Sie stimmen ja. Allerdings war ich mir nie bewußt darüber, daß wirklich jeder Hinz und Kunz das Ding sehen will und man es nicht wirklich verweigern kann. Sonst bekommt man halt den Platz in der Kita nicht oder in der Schule. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß man mit bestimmten Dingen ganz schnell in eine Schublade kommt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Gibt es eine Möglichkeit, Eintragungen zu verweigern, vor allem, wenn es dann doch nicht stimmt? Es ist halt schon ein super Einstieg, wenn im Einlageblatt steht, Gravida 5, Para 2. Ich finde irgendwie, das geht nicht so unbedingt jeden was an. Wie sind da Eure Erfahrungen oder Tipps?
Liebe Grüße, Andrea
Maus *10/2011
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MOmitJulian
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Beitrag von MOmitJulian »

Gravida/Para steht doch im Mutterpass nicht im U-Heft des Kindes?!

Ich denke aber nicht, dass es eine Gesetzeslage zu U-Heft Einträgen gibt.
Sprich doch deine Bedenken einfach vernünftig an.
Wenn du so gut mit der Ärztin auskommst, sollte sie dir da auch ne Vernünftige Antwort drauf geben können.

Lieben Gruß

Angela77
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Beitrag von Angela77 »

Hallo Andrea,
ich vermute, sie wird die Eintragung der Diagnosen auf Wunsch lassen, aber dann muss sie eventuell zur IHRER Absicherung ankreuzen: Entwicklung nicht altersgemäß :idea:

Bei uns steht bei Mila immer Hypotonie drin (und die war so ausgeprägt, dass sie jetzt das dritten Jahr einen I-Platz hat, obwohl sie sozial-emotional und v.a. geistig und sprachlich deutlich voraus ist). Aber dafür wird die altersgemäße Entwicklung IMMER mit ja in Anführungszeichen bescheinigt.

Mir das viiiel lieber so als anders :wink: Und nächstes JAhr sind wahrscheinlich Diagnose und I-Platz ohnehin weg: "verwachsen" (es ist eine benigne Hypotonie)  8)

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

die_Jule
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Beitrag von die_Jule »

Hallo,

in der Umschlagseite des U-Heftes müsste so etwas stehen wie:
"Dieses Untersuchungsheft enthält ärztliche Befunde über ihr Kind. Bitte bewahren Sie es sorgfältig auf. Wem Sie dieses Heft zugänglich machen wollen, entscheiden Sie selbst als Eltern (Erziehungsberechtigte."
Das zeigt zum einen, dass die Befunde im Prinzip schon in das Heft gehören, aber auch, dass die wenigsten Leute einen Anspruch haben, dieses Heft einzusehen. Auch bei den Kindergärten steht es regelmäßig nicht in den Statuten, dass die Eltern das Heft vorzulegen haben, die versuchen es einfach mal.

Wenn Du das Heft wirklich unter keinen Umständen vorlegen möchtest, würde ich mir an Deiner Stelle vom Arzt ein Schreiben mitgeben lassen, in der Art: "Alle Us sind erfolgt. Das Kind ist ..." Und dann eine kleine Beschreibung dessen, was Du der Kita über Dein Kind mitteilen möchtest. Halt das, was du glaubst, dass sie wissen sollten.

Wenn in der Kita gefragt wird, warum Du das U-Heft nicht vorlegst, würde ich einfach sagen, dass ihr so lange auf Diagnosesuche gewesen seid, dass das U-Heft keinen guten Eindruck von Deinem Kind verschaffen kann und Du es deswegen nicht vorlegen möchtest. Dir sei es wichtig, dass die Kita gut informiert und übersichtlich wird und daher hast Du ein entsprechendes Schreiben fertigen lassen. Wenn es noch weitere Fragen gäbe, könnten sie sich natürlich an Dich wenden.

Wenn sie dann doch ncoh darauf bestehen, würde ich nach den entsprechenden Statuten fragen und sagen, dass Dir das Risiko, dass es durch das U-Heft zu einem falschen Eindruck oder aufgrund überholter Diagnosen gar zu Fehlentscheidungen kommt, einfach zu groß ist. Du möchtest verständliche, aktuelle und zutreffende Informationen rausgeben.

Du könntest Dich auch noch bereit erklären, zu jeder U ein Schreiben des Arztes mitzubringen, dass diese erfolgt ist.

Häufig wollen die Kitas das Heft nur mit dem Hintergedanken sehen, dass ein Kind nicht adäquat ärztlich betreut wird oder die Eltern keine Us wahrnehmen, um etwas zu vertuschen. Wenn das ausgeräumt ist, wollen sie es meist nie wieder sehen.

Liebe Grüße,
die Jule
neugierige Jura-Studentin mit Interesse an Familienrecht, Betreuungsrecht, Verfahrenspflegschaften/-beistandsschaften
und mit großem Piraten (10/2011) und kleinem Osterei (3/2016).

MeikeFrida
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Beitrag von MeikeFrida »

Hallo,

Mal ganz ehrlich, mir ist letzens an einem wirklich unglücklichen Tag die Handtasche in der U-bahn geklaut worden. Weil ich gerade auf dem Weg zu meinem Steuerberater war, waren da ein paar Papiere drin, die ich erstmal neu besorgen musste. Vielleicht ist bei Dir das U-Heft ja auch futsch gegangen und Du legst eine Bescheinigung vor, dass die Untersuchungen erfolgt sind. Basta. Oder?

Liebe Grüße,

Meike

andream1978
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Beitrag von andream1978 »

Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für Eure Antworten.
Doch, auf der ersten Seite ist bei uns ein Aufkleber mit den Para/Gravida. Aber vielleicht geht der ja zufällig bei allen 3en mal ab ;-).
@Angela: die Diagnosen haben bei uns nichts mit altersgemäßer Entwicklung zu tun, die ist immer mit ja angekreuzt.
Das finde ich ja süß, wie Eure Ärztin das macht. Ich finde es irgendwie zu persönlich, daß da jeder drin rumschnüffeln kann, auch wenn die 3 gar nichts hätten. Ich weiß, man darf das Heft auch verweigern, aber das kommt immer so rüber, als hätte man was zu verbergen und das stimmt ja irgendwie auch.
@Meike: vielen Dank für den Tipp. Ja, so ein U-Heft kann schnell mal verschwinden. Vielleicht passiert mir das bei der Großen dann ja auch aus Versehen ;-). Bei den Kleinen steht nur Hypotonie drin bei ihm..
Liebe Grüße, Andrea
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MOmitJulian
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Beitrag von MOmitJulian »

Diese Aufkleber sind dann aber "Arzt intern".
Die Info gehört da gar nicht rein.
Diese Aufkleber würden bei mir auch ab gehen....

Lina Mare 67
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Beitrag von Lina Mare 67 »

Hallo,

ich arbeite in einer Kita und wir müssen überprüfen ob die U's auch durchgeführt wurden (damit Kinder nicht durchs System "flutschen").

Natürlich können wir niemanden dazu zwingen, vermerken allerdings, dass uns das Heft nicht vorgezeigt wurde. Unter Umständen könnte es auch dazu führen evt. das JA zu verständigen, falls weitere Auffälligkeiten dazu kommen wie Verwahrlosung, deutliche Entwicklungsrückstände, blaue Flecken etc...

Übrigens hatte ich schon Kinder, die jahrelang bei keiner U waren, woraufhin die Eltern, dann doch gegangen sind.
Genauso hatte ich schon U-Hefte wo drin stand, dass alles passt - und die Kinder waren sowohl sprachlich, als auch motorisch mehr als auffällig bzw. waren keinesfalls altersentsprechend entwickelt. Da fragt man sich dann auch wie genau die U's überhaupt durchgeführt wurden bzw. über den Sinn solch eines Heftes , wenn es dann eigentlich nichts aussagt. Ganz abgesehen davon, dass manche Eltern dann aus allen Wolken fallen, wenn man auf mögliche Entwicklungsrückstände hinweist - da ja laut Arzt alles passt :? .
Zur Einschulung muss ebenfalls jedes Kind die U9 nachweisen, falls diese nicht vorhanden ist, muss sie auf jeden Fall nachgeholt werden (zumindest bei uns in Bayern).

Eigentlich soll das kontrollieren des U-Heftes zum Wohl des Kindes erfolgen, wobei ich deine Ängste und Sorgen schon auch verstehen kann. Aber vielleicht kannst du jetzt die andere Seite auch ein wenig mehr verstehen.

Viele Grüße Lina

mamavonsarah
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Beitrag von mamavonsarah »

Hallo Lina,

welche rechliche Grundlage hat ein Kiga zur Überwachung des U-Heftes?

Wenn ich sowas lese geht mir die Hutschur hoch!!
Wer maßt sich in diesem Land eigentlich noch alles an, Eltern zu überwachen.
Es exitiert betreits eine engmaschiege Überwachung durch Amtsärzte und die durch die Hintertür eingeführte Pflicht zu U-Untersuchungen.

So und nun gibt es Auffälligkeiten im Sinner einer Behinderung und schuwpps, gehen alle Zuständigen auf Tauchstation. Dann ist nämlich Schluss mit Wächteramt, weil es dann nämlich an das Bezahlen von Theraphien geht... Da kann man schon mal 18 Monate auf eine Kostenzusage beim Amt warten. Na Hauptsache, die Us wurden gemacht, jeder hat seinen Stempel und alle sind happy...

Glaubt ihr echt, ein Stempel im Heft schütz ein Kind vor Verwahrlosung, Missbrauch und sonstigen schlimmen Dingen?!? Das ist bürokratische Augenwischerei im Sinne der eigenen Exculpation.

Nach wie vor kann vor schlimmen Dingen einzig Wachsamkeit und menschlicher Kontakt nicht über Dritte, sondern direkt schützen.... aber gut, das ist natürlich nervig und anstrengender als mal schnell einen Stempel zu checken.

Man wird nämlich bereits durch das Amt zur U zitiert und wehe wehe wehe der Stempel vom Arzt trudelt auch nur einen einzigen Tag zu spät ein.
Dann bekommt man eine Mahung unter Androhung eines Besuches vom JA.

Warum meint in diesem Land jeder, er hätte das Recht alles aber auch wirklich alles an bestehenden Unterlagen über uns einsehen zu dürften und sich daraus eine MEinung über Eltern anmaßen zu dürfen?

Von mir gibt es ohne hieb und stichfeste §§ gar nichts.
Mit der Schweigepflicht und dem Schutz sehr persönlicher Daten nimmt man es nämlich auf der anderen Seite nicht so genau. Ein Pläuschen hier, ein Schwätzchen dort... kriegt doch keiner mit.

Und ja Andrea, man steckt ein Kind verdammt schnell in eine Schublade.
Das musste meine Tochter sehr bitter am eigenen Leib verspüren.

Schütze die Daten deines Kindes. Was einmal in Umlauf ist und in einer Akte steckt, hast du nie wieder unter Kontrolle.

LG Sandy

gelöschter User

Beitrag von gelöschter User »

Hallo,

ich würde das U-Heft auf keinen Fall zeigen.
Wenn die Kita sehen will, ob die Untersuchungen regelmäßig durchgeführt wurden, dann reicht eine Bescheinigung des Arztes aus. Ich finde, die Kita lehnt sich da sehr weit aus dem Fenster und verletzt deine Privatsphäre.
Ich würde gerne mal die rechtliche Lage dazu wissen.
Das Heft ist ein persönliches Dokument mit persönlichen Daten, welches ich nur medizinischem Personal bei Bedarf aushändige. Weder Kindergarten noch Schule gehören dazu.
Bei mir steht auch wie viele Schwangerschaften und Geburten ich hatte und diese Daten sind nicht auf einem Aufkleber, den ich entfernen kann, sondern als feste Seite im Heft bei der U1 Neugeborenen-Erstuntersuchung eingetragen. Das geht niemanden etwas an, auch wenn ich rein gar nichts zu verheimlchen habe.
Ebenso muss ich nicht jedem jede Diagnose und Auffälligkeit auf die Nase binden.

LG

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