Wie reagieren Eure Kinder in solchen Situationen?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Steffi66
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Wie reagieren Eure Kinder in solchen Situationen?

Beitrag von Steffi66 »

Hallo!

Mich würde mal interessieren, wie Eure Kinder damit umgehen, wenn sie ausgelacht oder "dumm" angesprochen werden. Mein Sohn macht halt oft Geräusche und Gesten, die immer wieder dazu führen, dass er angestarrt oder ausgelacht wird. Häufig bekommt er es gar nicht mit, zum Teil war er traurig darüber und hat zu Hause ganz oft geweint, weil er kein Autist sein wolle.

Nun war er auf Klassenfahrt mit seiner I-Hilfe im Schwimmbad, wo ihn ein paar Kinder wohl etwas pampig angesprochen haben "Hey, bist du etwa behindert?" Mein Sohn darauf: "Ja, da habt Ihr sogar recht." Die Jungs müssen recht überrascht geguckt haben ;-). In den Ferien hat er an einem Technikkurs teilgenommen, wo er wiederum von Kindern - diesmal aber wohl nett - angesprochen wurde, was denn mit ihm sei. Mein Sohn erzählte mir, er habe ihnen dann auch nett erklärt, dass er eine Behinderung habe und deshalb manchmal so komische Sachen mache.

Ich muss gestehen, ich war sehr überrascht, dass er so entspannt reagieren konnte und wünsche ihm so sehr, dass er dies auch künftig kann. Könnte es sein, dass er mit zunehmendem Alter sein Anderssein einfach für sich akzeptiert? Da er wirklich sehr häufig mit seinem Schicksal - bislang - gehadert hat, war ich echt platt über diese Reaktionen von ihm (und dies innerhalb weniger Wochen).

Wie ist das bei Euch? Können Eure Kinder entspannt damit umgehen, wenn sie ausgelacht werden oder man ihnen blöde Sprüche an den Kopf wirft?

LG
Steffi
Steffi mit Sohn (*2002, Asperger-Syndrom) und Sohn (*2004, Neurofibromatose - NF1 und ADHS)

Frauke Britta
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Beitrag von Frauke Britta »

Hallo Steffi,

also bei meinem Sohn ist das ein großes Problem. Es langt schon, wenn er glaubt ausgelacht zu werden oder das andere über ihn reden. Dann eskaliert das ganze recht schnell. Er schlägt und tritt dann oder wirft Gegenstände umher. Leider große Gegenstände, wie z.B. einen Schülerpult.

Er wurde Anfangs von den Mitschülern gemobbt. Jetzt ist es etwas besser geworden. Der Schulsozialarbeiter hat sich der Sache angenommen.

Jetzt hat er "nur noch" unter einigen Lehrern zu leiden. Leider :oops:

Ungerechtigkeiten, auslachen, Bein stellen oder ähnliches machen ihn sehr aggressiv.

Habe aber auch schon gelesen, daß dieses aggressive Verhalten auch eine Art der Angst sein kann.

Liebe Grüße
Frauke-Britta
ALLES WIRD GUT

Sohn 11 Jahre Asperger, Rheuma, ADHS, V.a. Autoimmun-Enzephalitis.....
Zwillingsbruder 2003er Motzbeutel sonst unauffällig, Schwester 13 Jahre Asthma, außer der Pupertät eher unauffällig

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Regina Regenbogen
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Re: Wie reagieren Eure Kinder in solchen Situationen?

Beitrag von Regina Regenbogen »

Steffi66 hat geschrieben:Könnte es sein, dass er mit zunehmendem Alter sein Anderssein einfach für sich akzeptiert?
Könnte nicht nur, ist auch so bei entsprechendem Umgang damit im sozialen Umfeld. :wink:

Kompliment an deinen Sohn, er reagiert da wunderbar.

Mein Sohn hat leider jahrelang eher die Verleumdungsstrategie bevorzugt, er steht nur zu dem, was er ist, wenn er unter "seinesgleichen" ist, z. B. in den Freizeiten von TokoLIVE. Aber das ist begründet in der von Mobbing geprägten Grundschulzeit und scheint sich langsam auch zu bessern. Er fängt seit letzten Jahr an, sich mit Autismus und ADHS auseinanderzusetzen. Ich hoffe, er kommt bald dahin, wo dein Sohn jetzt schon ist.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Joanna 789
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Beitrag von Joanna 789 »

Huhu,

also da kannst du auch echt stolz sein auf deinen Sohn.. ich hoffe meiner kommt da auch noch hin.

Meiner weiß zwar, dass er Autist ist, wir sprechen da auch ganz offen drüber... auch im sozialen Umfeld; allerdings ist er noch lange nicht so weit, dass er das von sich aus sagen und evtl. auch als Grund für sein Verhalten angeben würde! Aber er ist ja auch noch jünger als deiner.

Im Moment haben wir das "Problem" mit dem SBA. Er weiß das mit dem Autismus und hat das für sich auch schon akzeptiert.. das Wort "behindert" bzw. "Schwerbehindert" ist da aber noch ne ganz andere Nummer. "Behindert" ist ER nämlich nicht... sagt er jedenfalls.
Nun hat er ja den SBA und im ÖPNV, und bei EIntrittsermäßigungen zeige ich den auch vor... das wird aber immer heikler... er möchte das nicht so gerne...

Wie habt ihr das euren Kindern erklärt...??? Für die ist das Wort "behindert" ja negativ besetzt...??

Sorry Steffi, wollte deinen Thread nicht klauen.. passte nur gerade so gut.

LG Joanna
Joanna mit Sohn (2007) mit ADHS und Asperger und Tochter (2010)

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Regina Regenbogen
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Beitrag von Regina Regenbogen »

Joanna 789 hat geschrieben:allerdings ist er noch lange nicht so weit, dass er das von sich aus sagen und evtl. auch als Grund für sein Verhalten angeben würde!
Das ist auch eine ganz gefährliche Kiste, denn mit zunehmendem Alter KANN Autismus auch als Entschuldigung für unangemessenes Verhalten herhalten. Und das muss nicht sein, meiner Meinung nach.
"Behindert" ist ER nämlich nicht... sagt er jedenfalls.
Sagt meiner auch, immer noch. Und er hat Recht. Der SBA wird von ihm selbst nicht genutzt, da weigert er sich, im besten Fall lässt er zu, dass mein Mann oder ich ihn vorlegen z. B. im Kino.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
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Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Joanna 789 hat geschrieben:Nun hat er ja den SBA und im ÖPNV, und bei EIntrittsermäßigungen zeige ich den auch vor... das wird aber immer heikler... er möchte das nicht so gerne...
Hallo Joanna,

ich kann vertsehen, dass deinem Sohn das unanganehm ist, denn damit wird seine Behinderung ja quasi öffentlich gemacht. Sich vor Ärzten, vor Sozialarbeiten oder auch einer Schulklase bzw. einem Arbeitsehmer zu outen, ist eine Sache. Aber warum muss ein Angestellter an einer Kino- oder Museumskasse wissen, dass ich eine Schwerbehinderung habe? Ich möchte mich bei solchen "normalen" Freizeitaktivitäten" auch nicht pauschal outen, und tue das auch nicht.

Bettina C.
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Beitrag von Bettina C. »

Hallo Steffi,

Chapeau :) So viel Selbstakzeptanz zeugt von großer Reife.
Mein Sohn entwickelt gerade auf anderer Ebene seine Lösungswege. Er sagte gestern, dass er sich jetzt selber Englisch beibringen wird, damit er den anderen nicht mehr hinterher hängt :)
Und ich finde die Idee seiner Ergotherapeutin klasse, die in die Schule gehen wird, um dort Aufklärungsarbeit zu leisten. Sie wird in die Klasse gehen, und den Kindern über die eigene Wahrnehmung erklären, wie sich mein Sohn fühlt :)
Ich bin sehr froh über diese Chance, damit schafft man Transparenz, und nimmt Änste und Unsicherheiten. DAS IST FÜR MICH INKLUSION:

Grüße, Bettina
Betty, Asperger - Autistin & B., *2005, HFA F.84.0,Teilleistungsstörung/Koordination, Einschränkung der Visuomotorik, Dysdiadochokinese, stark eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis. Und das tollste Kind :-)

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dani+hermi
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Beitrag von dani+hermi »

Hallo

meiner merkt das nicht richtig. er rennt dann immer wieder hin oder lacht mit :?
selbst wenn die anderen kinder sagen "hau ab wir wollen nicht mit dir spielen, du bist komisch/doof" geht er hin und erzählt von seinen interessen.das ist sogar wenn sie ihm käfer in den rücken packen.


mich macht es schon sehr traurig, dass mit ansehen zu müssen. er geht ja nicht allein raus. :cry:
LG Dani



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Dani 09/80 alleinerziehend, Hashimoto
Lumpi 11/06 frühkindl. Autismus,latente Hypothyreose, PG 2 und ein absoluter Wildfang :D

meine Vorstellung:
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