Volljährig - Gesetzliche Betreuung versus Vollmacht

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

Lilly Marie
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 37
Registriert: 06.08.2014, 09:25

Volljährig - Gesetzliche Betreuung versus Vollmacht

Beitragvon Lilly Marie » 09.08.2014, 16:59

Spätestens wenn ein Kind volljährig wird , stellt sich ja die Frage, wer seine Angelegenheiten regelt, wenn es selbst es nicht kann.
Meistens machen das die Eltern weiter udn wolen es auch, dürfen es aber dann gar nicht mehr so einfach.
Viele werden dann ganz offiziell Anträge stellen beim Amtsgericht udn sich selbst als gestzlichen Betreuer ihrer erwachsenen Kinder eintragen lassen wollen.
Sofern das Gericht dem zustimmt, hat man aber auch regelmäßig Pflichten dem gegenüber regelmäßig Rechenschaft abzulegen über die allg. Situation, Gesundheit, Förderung und , falls auch eine Betreuung in finanziellen Belangen hat, - auch jährliche Kostenaufstellungen ect. ect.

Ich habe nun gelesen als Tipp, dass man sich die zusätzliche Last sparen kann, wenn man mit dem Kind vereinbart eine Vollmacht zu erstellen. Die kann mündlich und schriftlich erfolgen, wenngleich natürlich dringend zur Beweisbarkeit und bei Vorlagen bei Ämtern geraten ist dies vor einem Notar beurkunden zu lassen.
Auch Patientenverfügungen kann man da beurkunden lassen .

Hat da jemnd Erfahrungen mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen?
( Dass man als ehrenamtlicher Betreuer um die 350 Euro im Jahr Kostenpauschale bekommt als gesetzlicher Betreuer, würde ich nicht als Vorteil definieren)

Werbung
 
Susannwe
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4717
Registriert: 06.12.2005, 15:19
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Susannwe » 09.08.2014, 17:11

Hallo,

ich schreibe einmal im Jahr einen formlosen Brief, was im letzten Jahr so "passiert" ist und wie es Sina geht- das ist ein 5- 10 Zeiler... Kostenaufstellung mache ich nicht, da Sina kein Konto hat und "all ihr Geld" auf mein Konto geht und verbraucht wird.

Mit jemandem, der geistig schwerstbehindert ist, kann man eben keine Absprachen halten :), sondern einfach nur die Betreuung für alle Angelegenheiten beantragen!

LG
Susann
Susann 51 , T. 28 J.; Sina 27 J. tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 16 J.: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)

Benutzeravatar
anner
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3523
Registriert: 01.10.2006, 16:57

Beitragvon anner » 09.08.2014, 17:26

Habe jetzt mal in Deinen Beiträgen gelesen, welche Behinderung Dein Kind hat.

Es scheint ja doch etwas fitter zu sein.
Du kannst auch einen Betreuer (ehrenamtlich oder von einem Betreuungsverein) beantragen und diesen nur für die Angelegenheiten einsetzen lassen, in denen Dein Kind Unterstützung benötigt.

Die Betreuung wird ja aufgeteilt in verschiedene Bereiche:
Geld, Behörden, Renten- und Krankenversicherung, Aufenthalt, Gesundheit usw. .

Aber eine Vollmacht finde ich bei einem behinderten Kind auch nicht sinnvoll, denn dann braucht es auch keine Unterstützung.

Anne
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits, Makrocephalie, Gaumenspalt, Skoliose, Kleinwuchs, Epilepsie u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen

Benutzeravatar
Jengin
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 95
Registriert: 23.09.2008, 13:37
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon Jengin » 09.08.2014, 18:30

Hallo Lilly Marie, also von einer Vollmacht kann ich dir nur dringend abraten.
Wir haben für beide Kinder als sie Völljährig wurden, beim Amtsgericht die Betreuung beantragt.

Man kommt dann vom Gericht eine grüne Bestellungsurkunde, die man ggf. auch immer mal wieder bei den Ämtern vorlegen muss.

Wir haben es damals auch bei Gina für nötig gehalten, alleine auch schon um uns vor finaziellen Problemen zu befreien.

Die Kinder können jeder Zeit, sobald sie Volljährig sind zu einer Bank gehen und sich dort einen Kredit aufzunehmen.
Auch hat Gina hier ohne unser Wissen Online Geschäfte getätigt. Diese konnten wir dann alle wieder mit der Bestellungsurkunde löschen lassen, ohne- dass uns dadurch ein Schaden verursacht worden ist.

Gina darf keine Geschäfte tätigen, ohne unser Einverständnis.

Also wenn Du auf dem sicheren Weg sein möchtest, dann beantrage bei Gericht die gerichtliche Betreuung deinen Kindes.
Warum sollte ein Gericht Dir/Euch als Eltern die Betreuung verweigern.?
lieben Gruß Angela( 1962)

mit Jennifer (1986) Frühgeburt in der 28 SSW schwerstmehrfachbehindert , Blind, Epilepsie, PHD versorgt, PEG,Skoliose, Spastik.

Gina (1993) Kleinhirnzyste inoperabel, Ataxie, Gleichgewichtsstörung, Sprachprolematiken, Lernbehinderung,Knick-Senk-Plattfuß

Benutzeravatar
anner
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3523
Registriert: 01.10.2006, 16:57

Beitragvon anner » 09.08.2014, 18:36

Angela, dann habt ihr aber einen Einwilligungsvorbehalt, oder?

Anne
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits, Makrocephalie, Gaumenspalt, Skoliose, Kleinwuchs, Epilepsie u. e. mehr

Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen

Benutzeravatar
helene.drilling
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 792
Registriert: 28.10.2008, 16:20

Beitragvon helene.drilling » 09.08.2014, 19:23

Hallo,

meine Zwillinge sind inzwischen 21 Jahre alt. Wir haben beim Amtsgericht den Antrag auf Betreuung gestellt. Ich wurde hier im Forum darauf aufmerksam gemacht. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre hätten wir viel Zeit verloren. Da bei jeder Entscheidung z. B. im Krankheitsfall (KH anstehende OP), bei finanziellen Entscheidungen etc. keine rechtlichen handhabe als Eltern hätten. Der Antrag muss rechtzeitig gestellt werden. Es dauert bis der ganze Prozess abgeschlossen ist.

Jetzt lese ich hier das es Betreuungsgeld dafür gibt.
Bekommt das grundsätzlich jeder der ein erwachsenes behindertes Kind hat und die komplette Betreuung des Kindes hat?
Wo und wie beantragt man dieses Geld?

LG Helene

Benutzeravatar
Jengin
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 95
Registriert: 23.09.2008, 13:37
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon Jengin » 09.08.2014, 19:38

Hallo Anner, ja den haben wir!

in der Bestellungsurkunde steht genau geschrieben.

Willenerklärungen der Betroffenen bedürfen in folgenden Bereichen der Einwilligung des Bereuers:

alle Vermögenangelegenheiten.
lieben Gruß Angela( 1962)



mit Jennifer (1986) Frühgeburt in der 28 SSW schwerstmehrfachbehindert , Blind, Epilepsie, PHD versorgt, PEG,Skoliose, Spastik.



Gina (1993) Kleinhirnzyste inoperabel, Ataxie, Gleichgewichtsstörung, Sprachprolematiken, Lernbehinderung,Knick-Senk-Plattfuß

Benutzeravatar
Jengin
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 95
Registriert: 23.09.2008, 13:37
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon Jengin » 09.08.2014, 19:43

Hallo Helen, wenn Du für deine Zwillinge die Betreuung hast, bekommst Du es sogar doppelt.


Sie nennen sich Aufwendungspauschalen.
Den Antrag dafür stellst du beim zuständigen Amtsgericht(Betreuungsgricht), dort liegen die vorgefertigten Schreiben wenn Du Glück hast meistens aus. Ansonsten rufe dort einfach an und sage: das sie dir doch bitte den Antrag auf Aufwendungspauschale zustellen sollen.
lieben Gruß Angela( 1962)



mit Jennifer (1986) Frühgeburt in der 28 SSW schwerstmehrfachbehindert , Blind, Epilepsie, PHD versorgt, PEG,Skoliose, Spastik.



Gina (1993) Kleinhirnzyste inoperabel, Ataxie, Gleichgewichtsstörung, Sprachprolematiken, Lernbehinderung,Knick-Senk-Plattfuß

BeaV.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 715
Registriert: 24.01.2009, 22:39
Wohnort: Ravensburg

Beitragvon BeaV. » 09.08.2014, 19:48

anner hat geschrieben:
Aber eine Vollmacht finde ich bei einem behinderten Kind auch nicht sinnvoll, denn dann braucht es auch keine Unterstützung.

Anne


Hallo Anne,
doch - z.B. wenn es "nur" stark körperbehindert ist.
Der Sohn von unseren Freunden ist so ein Fall, geistig fit, aber er könnte z.B. ein Einschreiben nicht annehmen/unterschreiben; deshalb haben sie eine detaillierte Vollmacht beim Notar aufgesetzt.
Da er auch nicht sprechen kann, sind die Eltern für ihn sozusagen "Arme, Beine und Sprachrohr".
LG
Bea (die als Zeugin beim Notar dabei war)

Werbung
 
Rita2
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2677
Registriert: 30.09.2004, 09:07
Wohnort: Region Heidelberg-Mannheim

Beitragvon Rita2 » 09.08.2014, 22:13

Hallo,

wenn man die Betreuung für sein eigenes Kind hat wird man von einer ordentlichen Rechnungslegung befreit. Auch muß man bei weniger Sachen auf dem Gericht nachfragen und darf mehr selbst entscheiden.

Man gibt nur einmal im Jahr den Vermögensstatus an und ein paar Umstände zum Betreuten. Also nicht allzu schlimm.

Ich finde eine Betreuung auch sinnvoller, nicht daß jemand dann sagt, daß die
Vollmacht nicht gilt, da der Ausstellende nicht in der Lage war die Situation zu begreifen und damit keine Vollmacht erteilen kann.
Wir haben uns deshalb auch als Betreuer für unseren Sohn einsetzen lassen.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel


Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast