Volljährig - Gesetzliche Betreuung versus Vollmacht

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Inge
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Beitragvon Inge » 10.08.2014, 10:48

Hallo zusammen,

falls jemand wirklich eine Vorsorgevollmacht mit seinem erwachsenen Kind erarbeiten will:
Der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. hat einen Ratgeber mit dem Titel "Ich sorge für mich! Vollmacht in leichter Sprache“ veröffentlicht. Die Broschüre macht deutlich, dass nicht immer ein rechtlicher Betreuer bestellt werden muss, wenn volljährige Menschen mit Behinderung bei Rechtsgeschäften Unterstützung benötigen. [...]
Quelle und kompletter Text: BVKM (Die Broschüre gibt es zum Download über den Link im Text)

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

monika61
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Beitragvon monika61 » 10.08.2014, 11:06

Hallo,

Jetzt lese ich hier das es Betreuungsgeld dafür gibt.
Bekommt das grundsätzlich jeder der ein erwachsenes behindertes Kind hat und die komplette Betreuung des Kindes hat?
Wo und wie beantragt man dieses Geld?

LG Helene
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Hallo Helene,

schau mal hier-

http://www.bundesanzeiger-verlag.de/bet ... spauschale

und hier falls beide Elternteile als Betreuer eingesetzt sind-
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Beide Elternteile haben Anspruch auf Kostenpauschale

http://www.lebenshilfe.de/de/buecher-ze ... Eltern.php
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Wir beantragen jedes Jahr formlos bei dem Betreuungsgericht diese Betreuungspauschale für meinen Mann und mich.

Liebe Grüße :D
Monika

BarbaraM
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Beitragvon BarbaraM » 10.08.2014, 11:18

Hallöchen,
ich interessiere mich auch für die Betreuung für meine Tochter. Bis jetzt habe ich alles für sie geregelt. (Die Krankenkasse kennt uns bereits, da wir immer persönlich zur Außenstelle gehen und diese regeln alles über mich ohne Einverständniserklärungen), für das Versorgungsamt hat Lara eine Generalvollmacht für mich unterschrieben, sodass ich alles für sie entscheiden darf.
Jetzt ist meine Frage, wisst ihr zufällig ob die "Vormundschaft" im Führungszeugnis eingetragen wird? In unserem Fall ist es so, dass Lara die Ausbildung nur beenden darf wenn keinerlei Einträge enthalten sind. Ach so, was mir noch einfällt, es geht nicht um das "normale" Führungszeugnis, sondern um das zur Vorlage bei Behörden.

LG
Barbara
Barbara*71 (LRS) mit Frederick*68, Marco-Lean*93 und Lara-Marie*95, frühkindlicher Autismus, Epi und Bindegewebsschwäche unklarer Ursache mit GdB 100, B,G und H, Ps1

Lilly Marie
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Beitragvon Lilly Marie » 10.08.2014, 11:44

Vielen Dank erstmal für die Infos.
Ja, amtlich bestellte Betreuer erhalten eine Kostenaufwandpauschale habe ich gelesen.
Bei meinem Sohn ist das die übliche Zwickmühle bei den sog. " seelischen Behinerungen" und Autisten eben.
Er ist einerseits voll geschäftsfähigim Sinne des Gesetztes dann, weil er keine körperliche oder geistige Behinderung hat, (vor 10 Jaren war er geistig eben noch im Normbereich an der Grenze) aber dennoch total überfordert ist selbst mit Ämtern zu kommunizieren und mit Geld ausreichend altersgemäss zu haushalten z. b.
Dazu kommt, dass er auch nicht in der Lage ist abzuschätzen welche Therapien oder Maßnahmen für ihn selbst geeigent wären.
Im Hinblick darauf, dass sich möglicherweise nun inzwischen doch nach den Kriterien eine zusätzliche Behinderung " geringe geistige Behinderung" abzeichnet, wäre also vieleicht doch eine Betreuung sinvoller wahrscheinlich, obwohl auch gering geistig Behinderte nicht automatisch immer alle geschäftsunfähig sind.
Was mein Sohn auf jeden Fall NICHT will, ist, dass eine fremde Person oder ein Amt womöglich die Betreuung bekommt .

Wann beantragt man die Betreuung beim Amtsgericht und welche Papiere muss man dazu mitbringen dann ? Reicht es ein halbes Jahr vor dem 18 das zu machen oder ist das noch zu früh womöglich dann ?

Rita2
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Beitragvon Rita2 » 10.08.2014, 11:53

Hallo Lilly,

durch eine eingerichtete Betreuung wird man nicht sofort geschäftsunfähig. Das ist man nur wenn ein sogenannter Einwilligungsvorbehalt ausgesprochen wird.

Auch seine Bürgerrechte (Wahlrecht) verliert man durch eine Betreuung nicht. Nur wenn eine Betreuung für alle Lebenslagen eingerichtet wird, darf man nicht mehr wählen gehen.

Wir haben als Eltern die Betreuung 3 Monate vor den 18 Geburtstag unseres Sohnes angeregt beim Betreuungsgericht (ist Teil des Amtsgerichtes). Das hat gereicht. Später würde ich es aber auf keinen Fall machen.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

monika61
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Beitragvon monika61 » 10.08.2014, 12:01

[quote="Lilly Marie"]

Im Hinblick darauf, dass sich möglicherweise nun inzwischen doch nach den Kriterien eine zusätzliche Behinderung " geringe geistige Behinderung" abzeichnet, wäre also vieleicht doch eine Betreuung sinvoller wahrscheinlich, obwohl auch gering geistig Behinderte nicht automatisch immer alle geschäftsunfähig sind.
Was mein Sohn auf jeden Fall NICHT will, ist, dass eine fremde Person oder ein Amt womöglich die Betreuung bekommt .
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Hallo Lilly Marie,

Dein Sohn kann selber entscheiden wen er als Betreuer haben möchte.
Ausserdem bekommt man eine Betreuung nur in den Angelegenheit in den man Hilfe benötigt und wird nicht automatisch geschäftsunfähig.

Schau mal hier-
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II. Rechtliche Betreuung
Ist ein volljähriger Mensch aufgrund einer Behinderung nicht in der Lage, seine Angelegenheiten ganz oder teilweise selbst zu besorgen, wird ihm auf Antrag oder von Amts wegen ein rechtlicher Betreuer bestellt. Zuständig hierfür ist eine Abteilung des Amtsgerichts, die man Betreuungsgericht nennt. Geschäftsunfähigkeit ist keine Voraussetzung für die rechtliche Betreuung. Auch volljährige Menschen, die geschäftsfähig sind, können einen Betreuer bekommen, wenn sie aufgrund einer Behinderung rechtliche Unterstützung bei der Erledigung bestimmter Angelegenheiten benötigen.


http://www.bvkm.de/dokumente/pdf/Rechts ... derung.pdf

In dem Link findest Du viele Infos zu dem Thema-
18 werden mit Behinderung–
Was ändert sich bei Volljährigkeit?
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Liebe Grüße :D
Monika

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Beitragvon Lilly Marie » 10.08.2014, 13:25

Danke für die Infos.

mir ist schon klar, dass man auch Betreuer benötigen kann, wenn man geistig dazu in der Lage wäre das selbst zu machen und z. B. nur wegen eines körperlichen Handicaps das nicht kann. Es würde ja keiner auf die Idee kommen einen als geschäftsunfähig zu bezeichen, der z. B. gelähmt ist, aber selbst alles verstehenkann und durchschauen.
Bei meinem Sohn ist das so, dass er selbst einfache Sachen kaum versteht und sehr unselbstständig ist. Ich fürchte er würde nicht einmal verstehen, was ein Betreuer ist und Schwierigkeiten haben die Tragweite zu überschauen. Er nimmt einfach automatisch an, dass ich das weiter mache. Sogar ich habe ja auch erst hier erfahren, dass man sich um sowas kümmern muss, wenn der 18. Geburtstag naht.

Irgendwie ist das aber auch alles echt schwierig.
Einerseits möchte ich nicht in Verdacht kommen an seinem Willen vorbei einfach die Betreuung an mich gerissen zu haben , wenn er denn so behinder ist oder wäre, dass er sein Tun nicht abschätzen konnte mir das zu übertragen, andererseits
braucht er ja gerade deshalb eine Hilfe und die möchte ich ihm weiter bieten.
Wie sollte das denn sonst gehen bei Eltern mit schwer geistig Behinderten, die das für ihre Kinder machen . Stutzig macht mich dabei, dass wenn man den Antrag stellt ( kann man bei uns sogar aus dem Internet laden) erstmal nur die Betreuung ÜBERHAUPT "anregt" und das Gericht dann auch einfach jemanden anderen bestellen kann. Es ist also dann so, dass auf jeden Fall ein Betreuer kommt, auch wenn man eine fremde Person ablehnen würde ?

Bei Körperbehinderten ist das ja ganz klar - da kann natürlich das Kind deutlich machen , was es will und blickt das auch in der Regel mit 18. was da vereinbart wird.

angela
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Beitragvon angela » 10.08.2014, 13:29

Hallo Lilly Marie,

wenn Eltern die Betreuung anregen und signalisieren, das sie Betreuuer machen möchten - spricht in der Regel nichts dagegen das sie es werden.

Die Betreuung wird maximal für 7 Jahre angelegt, und wie einige schon schrieben, nur in den Bereichen, wo tatsächlich eine Betreuung sinnvoll ist.

Dazu kommt ein Gutachter, der ein psych. GA erstellt, dort schreibt er auch rein, was er für sinnvoll an Bereichen der Betreuung ansieht. Der Richter selbst wird ein Gespräch mit Deinem Sohn führen und einschätzen in wie weit Betreuung nötig ist.

LG - Angela
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Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);
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Lilly Marie
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Beitragvon Lilly Marie » 10.08.2014, 13:36

Oh je - das hört sich alles langwierig an. Wie lange dauert so ein Verfahren denn mit Gutachter und Richter ect. ? Fahren die auch in die Einrichtung in einer anderen Stadt, wo die " zu Betreuten" dann sich aufhalten in Wohnheimen und Internaten ect. ?

angela
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Beitragvon angela » 10.08.2014, 13:43

Hallo Lilly Marie,

eigentlich ist es nicht langwierig, im Gegensatz zu anderen Dingen.
Wir hatten im Oktober die Betreuung angeregt, Ende Nov. kam der Gutachter, Mitte Dezember der Richter - und im Januar, zu Erics Geburtstag, wurden wir Betreuuer.

Es wird bei euch vielleicht auch eher so sein, das Dein Sohn zu den Leuten muß.
Ich weiß nun nicht, inwieweit euer Sohn das kann - normalerweise wird man geladen - also man bekommt einen Termin, zu dem man dann hin sollte.
Nicht zu allen kommen Gutachter und Richter ins Haus, das kannst Du aber beim Betreuungsgericht erfragen, wenn Du dort vorsprichst.

LG - Angela
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