Volles Wahlrecht für vollbetreute Behinderte gefordert

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Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 08.05.2014, 15:33

Hallo,
Ich möchte nicht, dass irgendeine Behörde meinem Sohn das Wahlrecht abspricht, obwohl sie ihn gar nicht kennt.
das verstehe ich.
Aber wenn eine Betreuung eingerichtet wird, wird doch in einem Gespräch mit u.a. einem Richter (wenn ich das jetzt richtig verstanden habe) festgelegt, in welchen Bereichen die Betreuung notwendig sein wird. Das ist doch der richtige Moment, um den Punkt "Wahlfähigkeit" mit zu beleuchten.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 08.05.2014, 15:36

Hallo Ulla,

und nur weil der Betreuer die Chance hat, das Kreuzchen in seinem Sinne zu machen, soll dem geistig behinderten Menschen das Wahlrecht abgesprochen werden?
Der nicht behinderte Mensch macht einen Fehler und betrügt und der behinderte Mensch soll dafür in seinen Grundrechten beschnitten werden?
Er soll den Mist ausbaden, den NICHTBEHINDERTE Menschen verzapfen?
Das kann es doch wohl nicht sein, oder?

LG

Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 08.05.2014, 15:42

Hallo Mirianna,
mit der Begründung kannst du dann die ganze Betreuung infrage stellen. Da heißt es:

Wer seinen Willen frei bestimmen kann, darf keinen rechtlichen Betreuer gegen seinen Willen bestellt bekommen.

Sag du mir doch, wie meine schwer geistig behinderte Tochter ihren Willen, eine bestimmte Partei zu wählen, ausdrücken soll? Sie kann mir ja nicht mal zuverlässig ja oder nein signalisieren.
Es wird niemals IHRE Wahl sein.

Jeder, der das kann, soll das gerne tun dürfen.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 08.05.2014, 15:44

P.S.
Nein, wenn der Betreute seine Meinung klar gemacht hat und der Betreuer dies missbraucht, ist das eine Straftat.
Ich meine nur den Fall, dass der Betreute keinerlei Fähigkeit hat, seine Meinung zu äußern oder zu bilden.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 08.05.2014, 15:46

Hallo Ulla,

ich finde Angela hat gut argumentiert.
Wenn man schwerst geistig behinderten Menschen das Wahlrecht abspricht, wird die Grenze fließend.
Wo will man die Grenzen ziehen?
Was ist dann mit dementen und alten Menschen? Was ist mit zugedröhnten Junkies? Was ist mit psychisch Kranken?
Was ist mit Alkoholikern, die sich im Dauersuff befinden?
All diese Menschen sind oftmals nicht zurechnungsfähig, wissen nicht mehr, was das Wort "Wahl" überhaupt bedeutet.
Wollen wir wirklich diese Menschen in einer DEMOKRATIE von den Wahlen ausschließen?

LG

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Beitragvon Sigrid Zas » 08.05.2014, 15:47

Hi,

muss man den Betreuern so misstrauen? Ich dachte, das werde mal ICH sein und wenn ich nicht mehr bin, dann doch bitte eine Person die das beste für meine Tochter will.
Und wenn sie über das Geld und so in L's leben entscheidet dann finde ich ein evtl. nicht richtig gesetztes Kreuz eher verkraftbar als eine Falsche Entscheidung die meine Tochter viel unmittelbarer betrifft. Und ich denke das die meisten Eltern von behinderten Kindern für das Wohl ihres Kindes wählen würden.

Lg
Sigrid mit Tochter L *2005 geistig behindert, nach umfangreicher Diagnostik immer noch ohne Diagnose

Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 08.05.2014, 15:52

Mirianna,
ich habe nichts von Junkies u.ä. gesagt.
Grundlage meiner Überlegungen ist, dass ein Mensch betreut ist. Wenn ein Junkie betreut ist, dann können wir ihn gerne mit einbeziehen. Da ich aber keinen wissentlich persönlich kenne, kann ich dazu nichts sagen. Ich kann nur für meine Tochter sprechen. Die Grenze muss man sicherlich mit viel Feingefühl ziehen.
Aber wenn Angelas Sohn wählen darf und nicht wirklich einen Überblick hat, was er da tut, dann finde ich nicht, dass man die Grenze. weiter nach unter schieben muss als sie aktuell ist.
Ich will niemandem was absprechen, aber so wie die gesetzliche Lage im Moment ist, ist sie mMn. gut.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 08.05.2014, 15:55

Hallo Ulla,

wenn du der Meinung bist, deine Tochter könne nicht wählen, dann ist das DEINE private Entscheidung, die du FREI gewählt hast.
Ich möchte nicht, dass Behörden in einer Demokratie über die Wahlfreiheit meines Sohnes entscheiden. Wenn ICH das als Mutter entscheide, dann ist das eine ganz andere Sache, als wenn uns das aufgestüpt und verboten wird.

Das Recht auf Wahlen ist kostbar und gehört in einer Demokratie mit zu den höchsten Gütern, daher ist es enorm wichtig, dass hier keine Aufweichung stattfinden darf.
Nochmals: WO zieht man dann die Grenzen? Gutachter und Sachbearbeiter kommen häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen.

LG

Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 08.05.2014, 15:58

Hallo Mirianna,
genau da, wo sie im Moment ist.
Darum geht es doch... ob sie weiter nach unten verschoben werden soll.
Und ich sage, nein. Meine Meinung.

Und natürlich ist meine Meinung meine private Entscheidung :D aber das ist hier doch gar nicht die Frage, zumal meine Tochter erst 9 ist.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 08.05.2014, 17:07

In diesem Interview sagt Frau Bentele. Das eingeschränkte Wahlrecht gibt es in unseren Nachbarländern nicht. Es sei ein Bestandteil der Un-Konvention, dass JEDER das Recht hat zu wählen. Weiss da jemand was drüber?


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