Volles Wahlrecht für vollbetreute Behinderte gefordert

Diese Rubrik braucht man einfach immer! Sie umfasst alle Infos, Tipps, Fragen und Antworten zu Themen, die sich nicht in die oben genannten Kategorien einordnen lassen.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
Benutzeravatar
Inge
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4072
Registriert: 19.04.2005, 19:45
Wohnort: Aschaffenburg (Landkreis)
Kontaktdaten:

Beitragvon Inge » 10.05.2014, 18:39

Hallo zusammen,

in manchen Regionen gibt es keine "vollumfängliche" Betreuung. Dort wird jeder einzelne Bereich aufgeführt, aber das Wahlrecht bleibt damit unangetastet.
Ich finde das grundsätzlich richtig und gut, weil dann gesetzliche Betreuer im Sinne des behinderten Menschen handeln können.
Ich weiß aber seit dieser Wahlmanipulation mit den Stimmen der osteuropäischen Erntehelfer in Niederbayern, dass die Missbrauchsgefahr auch zu Ungunsten unserer Kinder doch sehr groß ist. Ich stelle mir gerade vor, dass der Heimleiter einer großen Einrichtung oder der Geschäftsführer eines großen Wohlfahrtsverbandes als Bürgermeister oder Landrat zur Wahl steht . . .

Aber, wie Angela schon geschrieben hat, die Anzahl der manipulierbaren Stimmen ist eigentlich zu gering, um - zumindest bei den großen Wahlen - einen Ausschlag zu geben. Bei Kommunalwahlen schon eher.

Ansonsten bin ich mal etwas "ketzerisch" und frage mich, ob dieses starke Engagement für das Wahlrecht von behinderten Menschen nicht von viel dringenderen Fragen und Problemen von Menschen mit schwersten Behinderungen ablenken soll: Regelbedarfsstufe 3, Streichung des Kindergeldes, Benachteiligung durch die Reform der Eingliederungshilfe . . .

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

Werbung
 
MOmitJulian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 296
Registriert: 14.08.2012, 22:06

Beitragvon MOmitJulian » 10.05.2014, 20:19

Kaja hat geschrieben:darum geht es hier auch überhaupt nicht. Das Wahlrecht steht grundsätzlich JEDEM Staatsbürger zu, ohne dass dafür irgendwelche Gegenleistungen verlangt werden. Bei behinderten Menschen wird es aber in Abhängigkeit von teils willkürlich anmutenden Betreuungsentscheidungen aberkannt. Besser wäre es doch, man würde das Wahlrecht als solches auch allen behinderten Menschen zubilligen. Wer dieses Wahlrecht jedoch nicht wahrnehmen kann - auch unter Ausnutzung aller denkbaren Hilfen - kann es bei der konkreten Wahl nicht ausüben.

Viele Grüße Kaja


Hallo Katja,

Doch, da ging es auch schon drum hier.

Und ich finde, wer die Komplexität nicht erfassen kann und dazu gehören meiner Meinung sogar noch viele an, die nicht vollumfänglich Betreut sind, der kann sein Wahlrecht nicht adäquat wahrnehmen.

Lieben Gruß,

Monika

Kaja
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7077
Registriert: 23.08.2007, 09:40

Beitragvon Kaja » 10.05.2014, 20:36

Hallo Monika,

du trennst doch auch zwischen Wahrnehmung des Wahlrechts und pauschaler Aberkennung. Aber viele nichtbehinderte Menschen können die Komplexität auch nicht erfassen. So hoch darf man die Maßstäbe also nicht ansetzen. Wer jedoch seine Ansicht anderen verdeutlichen kann, soll dies auch bei einer Wahl dürfen, auch wenn er behindert ist und unter Betreuung steht.

Viele Grüße Kaja

monika61
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3662
Registriert: 09.06.2011, 16:17

Beitragvon monika61 » 11.05.2014, 13:39

Inge hat geschrieben:Hallo zusammen,

Ansonsten bin ich mal etwas "ketzerisch" und frage mich, ob dieses starke Engagement für das Wahlrecht von behinderten Menschen nicht von viel dringenderen Fragen und Problemen von Menschen mit schwersten Behinderungen ablenken soll: Regelbedarfsstufe 3, Streichung des Kindergeldes, Benachteiligung durch die Reform der Eingliederungshilfe . . .


Hallo,

Ich glaube, Inge hat da nicht ganz unrecht.

Es ist wirklich erschreckend wie ganz heimlich und unbemerkt bei volljährigen, behinderten Menschen immer weiter Gelder gekürzt werden. :(

Alleine bei der Regelbedarfsstufe bekommen volljährige, behinderte Menschen 78 Euro weniger als wie gesunde Menschen.

Wenn man dann eine Kindergeldabzweigung nicht abgewehrt bekommt sind es nochmal 184 Euro weniger auf dem Konto.

Das sind zusammen monatlich 262 Euro die fehlen. :shock:

Und bei der Reform der Eingliederungshilfe wird gerade nach weiteren Einsparmöglichkeiten gesucht und zwar gerade bei den Schwächsten von allen..... :(

Also der Gedanke von Inge das von gravierenden Einsparideen der Politiker bei volljährigen, behinderten Menschen abgelenkt werden soll ist nicht abwegig. :evil:
-------------------------------------------------------------------------------------

Im Thesenpapier (was Inge am 31.03.2014 verlinkt hat) kann man z.B. lesen-

http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic96906-30.html

Prof. Preis nannte das Kindergeld für volljährige behinderte Kinder als (einziges) Beispiel für „Überversorgung“ und sprach sich dafür aus,

dass man die geplante Streichung
des Kindergeldes jetzt noch nicht „hinausposaunen“ sollte. :shock:
-------------------------------------------------------------------------------------

Nachdenkliche Grüße
Monika


Zurück zu „Sonstiges“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste