Volles Wahlrecht für vollbetreute Behinderte gefordert

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ehemalige Userin

Volles Wahlrecht für vollbetreute Behinderte gefordert

Beitragvon ehemalige Userin » 08.05.2014, 09:51

http://www.heute.de/behindertenbeauftra ... 25140.html

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Verena Bentele kritisiert das. Sie fordert zum heutigen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung volles Wahlrecht für alle.

Der Prostesttag war schon vor ein paar Tagen. :wink:

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Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 08.05.2014, 12:14

Hallo,
ich kann es nur als Mutter meiner speziellen Tochter betrachten.
Sie wird nie auch nur im Ansatz verstehen, was eine Wahl ist, oder ihre Meinung dazu ausdrücken können.
Während geistig normal entwickelte Kinder ab der Pubertät anfangen sich eine Meinung zu bilden, die u.U. auch anders ist als die Meinung der Eltern, würde meine Tochter immer genau das wählen, was ihre Betreuungsperson für richtig hält, ohne jeden Einfluss darauf. Es wäre also nie wirklich "ihre" Stimme. Für mich ist das am Zweck einer Wahl ein wenig vorbei.

Bei Menschen, die ein bisschen verstehen, was eine Regierung ist oder auch ein Wahlprogramm in leichter Sprache nachvollziehen können, ist das sicher was anderes.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

maksiu73
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Beitragvon maksiu73 » 08.05.2014, 12:24

hallo,
ich finde, das ist ein falsches Einsatz. Wenn die Leute nicht im Stande sind, sein Eigenes Leben zu gestalten und selbständig keine Vernünftige Entscheidungen treffen können, wie kann man erwarten, dass sie das Chaos der Politik verstehen... das verstehen auch oft normal intelligente Bürger auch nicht... Da wird oft die Stimme für die abgegeben, die am meisten bieten... obwohl das oft total unlogisch und unrealisierbar ist... wenn stark geistig behinderte Menschen Wahlrecht bekommen, dann entweder gehen sie nicht wählen, da sie das gar nicht begreifen, oder gehen und stellen die Kreuze irgendwo, wo es ihnen gerade gefällt... es ist doch toll so ein Spiel... oder auch wird der Wahlzettel durch Betreuer nach eigenem Sinn ausgefüllt... und das alles ist doch nicht Sinn der Sache...
Viele Grüße
Dorota, Mama von Alex (HTX)

angela
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Beitragvon angela » 08.05.2014, 12:39

Hallo,

bitte verwechselt jetzt nicht etwas.

Es geht Frau Bentele nur um die behinderten Menschen, die vollumfänglich unter gesetzlicher Betreuung stehen.

Mein Sohn ist nicht in allen Punkten betreut und somit kann er sein Wahlrecht ausüben.
Auch er versteht in keinster Wiese was das alles soll.

Er hat aber die "Wahl" wählen zu gehen oder nicht.
Sicher, es ist nicht im Sinne des Erfinders wenn man für seinen Betreuten schlußendlich ein Kreuz setzt - ich meine damit, wenn man als Betreuer selbst bestimmt WO das Kreuz hinkommt.

Ich bin ehrlich, bei der letzten Wahl war ich mit Eric in der Kabine, habe ihn gefragt wo wir ein Kreuz machen und er zeigte auf eine Stelle auf dem Papier wo eine Partei, die sehr rechts ist, stand. Ich habe das Kreuz dort nicht gesetzt.

Andererseits, überlegt mal wie vielen Menschen man in Deutschland das Wahlrecht absprechen könnte, wenn man sie nicht zuläßt - geistig Behinderte und andere (auch das soll es geben), die umfänglich betreut sind, wären es heute.
Und bei der nächsten Wahl kommt man auf die Idee evtl. Demenzerkrankte, unter schwerster Schmerzmedikation stehende Menschen, Alkoholkranke und Drogenabhängige, die gerade nicht ganz anwesend sind (ihr versteht was ich meine) auch nicht zu zulassen da sie es im Wahlmoment nicht verstehen.

Dann lieber so. Auch wenn es nicht das Gelbe vom Ei ist!


Also - auch stark geistig behinderte Menschen dürfen, wenn sie nicht vollumfänglich betreut sind, heute wählen!

LG - Angela
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Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);
beide Dravet-Syndrom

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 08.05.2014, 13:55

Es geht Frau Bentele nur um die behinderten Menschen, die vollumfänglich unter gesetzlicher Betreuung stehen.


Hallo Angela,

ich denke auch jeder sollte es dieses Recht haben, ob er es nutzen kann oder will ist ja dann im Einzelfall verschieden. Aber es ist auch aus meiner Sicht besser auf ein Recht, wählen, umständehalber zu verzichten, als gar keins zu haben. Das Problem bei der Einschränkung des Wahlrechts ist, dass nach Aktenlage entschieden wird. Also niemand weiss, ob die betroffene Person in Lage ist zu wählen.

angela
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Beitragvon angela » 08.05.2014, 14:00

Hallo Esthe,

also nach Aktenlage wurde bei uns nicht entschieden.
Es war ein psych. Gutachter da, der Richter - alle beide haben sich ein Bild von Eric machen können. Ehrlich gesagt hab ich erst hier im Forum gemerkt das er nicht vollumfänglich betreut wird.
Ich nahm an, das die Fülle der Aufgaben, die wir als Betreuer haben, vollumfänglich sind.

Ich bin aber auch froh das er das Recht hat, wählen zu gehen.

Das er im Prinzip nichts damit anfangen kann ist eine andere Sache.
Aber er kann wählen.

LG - Angela
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Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);

beide Dravet-Syndrom

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 08.05.2014, 14:10

Hallo Angela,

Du hast mich missverstanden. Ich meinte mit "Aktenlage" voll umfänglich betreut,= kein Wahlrecht. Ich kenne schon ein paar junge Leute, denen ich zutrauen würde, zu wählen, trotz diesem Umstand. Wahlen werden oft kurz bevor sie anstehen auch nochmal in den Schulen intensiv besprochen.

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Beitragvon maksiu73 » 08.05.2014, 14:17

Hallo Angela,
es ist vielleicht schön für deinen Sohn, dass er wählen kann... aber irgendwie finde ich das furchtbar.
Wählen zu gehen ist doch keine Unterhaltung. Wahlen sind dazu, um eine Regierung zu wählen, die uns repräsentiert. Es geht doch um die Zukunft des Landes und somit auch um unsere Zukunft. Sorry, aber ich möchte keine Regierung haben, die von den Wähler nur zum Spaß gewählt wird. Wenn ich wählen gehe, dann mache ich mir Gedanken, welche Partei meine Einstellung zu dem Staat am besten repräsentiert, welche Partei die Stabilität bietet, welche Partei seriös ist... das kann kein stark geistig behinderter Mensch nicht machen. Genauso gut könnte man Wahlrecht den Kindern geben. Sie hätten doch auch Spaß dabei... wenn sie nicht wählen können, dann ist das doch Diskriminierung wegen dem Alter, oder?
Viele Grüße
Dorota, Mama von Alex (HTX)

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Sigrid Zas
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Beitragvon Sigrid Zas » 08.05.2014, 14:40

Hi,

aber wenn man nicht wählen kann hat man keinen Einfluss auf die Politik und das finde ich sowohl bei Kindern als auch bei Menschen mit GB schlecht. Man könnte ja überlegen wer das Wahlrecht im Sinne dieser Personen haben sollte (Eltern, Betreuer)
Ich bin mir klar darüber, dass nicht so einfach ist. Aber so hätten Familien und eben auch Menschen mit GB ein größeres Gewicht bei der Mitbestimmung wer Regiert in unserem Land.

Das man sein Kreuz irgendwo setzt aus Spass oder weil einem die Farbe gefällt, geht nach meiner Meinung nicht.

Tschau Sigrid
Sigrid mit Tochter L *2005 geistig behindert, nach umfangreicher Diagnostik immer noch ohne Diagnose

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gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 08.05.2014, 14:43

Hallo Doroto,

hast du Angelas Beitrag wirklich gründlich gelesen?
Auf ihre sehr einleuchtenden Argumente gehst du leider überhaupt nicht ein.

Ich denke, die wenigen sehr stark geistig behinderten Mitmenschen werden es wohl mit ihrer Stimme nicht zustande bringen, eine "Spaßregierung" zu wählen und Deutschland zum Untergang freizugeben.

LG


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