Hilfe beim Trauern gesucht

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Lotta6810
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Beitragvon Lotta6810 » 07.05.2014, 15:14

unser Sohn hat seinen Opa tot im Krankenhaus gesehen, etwa 3 Stunden nach seinem Tod. Das hat ihn sehr schockiert. Mich aber auch, ich konnte mir nicht vorstellen, daß ein Toter so anders aussieht. Etwas anderes ist es wahrscheinlich, wenn der Tote aufgebahrt wird, denn dann wird er ja vom Leichenbestatter "hübsch" gemacht.
Liebe Rita,
Du schreibst, dass es "wahrscheinlich" anders ist. Also hast Du es offensichtlich nicht gesehen. Mein Beisein beim Tod meiner Oma war auch deshalb schockierend, weil es mich unvorbereitet getroffen hat. Denn die Toten sind nicht Teil unserer Gesellschaft. Sie werden schnell weggeschafft. Da haben andere Länder eine ganz andere Trauerkultur. Dadurch wird aber vielleicht auch der Tod natürlicher und gegenwärtiger.
Ich habe meine Oma auch aufgebahrt gesehen. Der Unterschied ist, dass die Augen geschlossen sind. Es bleibt eine Tote. Mit völlig verändertem Ausdruck. Eben ohne Leben. Und für mich war das ein Abschluss. Da ist sie "nicht mehr drin". Seitdem wohnt sie, wenn ich das pathetisch formulieren darf: in meinem Herzen.
Und auch wenn ich diese Bilder nicht vergessen werde, waren sie doch wichtig. Um zu Begreifen.
Und wenn einem die Bilder fehlen: wie geht das dann, dieses Begreifen?
Deshalb war mein Vorschlag, in das Hospiz zu gehen. Es geht doch um Jungs. Und wie schon jemand sagte, Männer wollen das sehen, wollen Beweise. Und diesen Beweis könnte man auf behutsame Weise liefern, indem man mit jemandem spricht, der dabei war. Der vielleicht sagt: Ich habe Deiner Oma die Hand gehalten, als sie ihre letzte Reise angetreten ist.
Etwas in der Art.

Liebe Grüße
Petra

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 07.05.2014, 15:48

Hallo Kirsten,

Vielleicht bleibt es für Deinen Zwerg (wie für viele andere Menschen ja auch) so und so unverständlich, das Thema. Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, den Unterschied zwischen "weg sein" und "tot sein" zu verstehen. Vielleicht ist es wichtiger zu verstehen, dass die Oma nicht weg wollte von ihm und Euch, sondern dass das keine freiwillige Reise war. Und dass man einen Ort "bauen" kann, wo man sich nahe fühlen kann (Die Chinesen haben kleine Hausaltäre, wo sie ganz alltäglich ihren Toten auch was hinstellen, eine Blume, einen Keks, eine Schale Reis, ...).

Schöne Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Reginas Family
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Beitragvon Reginas Family » 09.05.2014, 09:37

Hallo Kirsten,

meine Kinder waren 5, 8 und 11 Jahre, als ihr geliebter Onkel nach langer MS-Krankheit mit 48 Jahren gestorben ist. Sie wollten nicht ihn mehr sehen. Meine Tochter ging mit auf den Friedhof und war danach schockiert, wie der Sarg runter gelassen wurde.

Wir haben zuhause oft von ihm gesprochen, erzählt, was er ihnen bedeutet hat, was er mit ihnen erlebt hat. Heute ist meine Große fast 19 und hat vor kurzem wieder um ihn getrauert. Er lebt einfach so weiter zwischen uns und doch weit entfernt. So groß wie die Erinnerungen sind, so hat sich sein Leben gelohnt. Er wird geliebt, obwohl er nicht mehr da ist. Er war besonders.

Was bedeutet denn Tod? Mein 15jähriger Aspie hat das mal so gesagt: Wenn wir sterben, dann wird der Körper und das ich beerdigt. Die Seele ist im Himmel. Bleibt das Ich an der Seele, dann muss das die Hölle sein.

Ich glaube, dass die Erinnerung den Menschen leben lässt, erst wenn er vergessen wird, dann ist man tot.

Vielleicht hilft es deinem Kleinen, wenn du ihm immer wieder von der Oma erzählst, wo sie gemeinsam gelacht haben, geweint haben. Doch nun paßt sie von oben auf (meine Tochter sagte damals, als ein Hase gestorben ist, dass der jetzt von Onkel Peter betreut wird und ihn unterhält, bis sie zu ihm kommt).

Viele Grüße

Regina
Tochter 1995, Sohn 1998 Asperger, Sohn 2001 frühkindlicher Autist

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 09.05.2014, 12:32

Vielen lieben Dank für alle Eure Anregungen und das Teilen Eurer eigene Erfahrungen !!!!

Das Thema "Oma-nochmal-sehen" oder nicht stellt sich so ja nicht mehr. Deswegen sei es auch einfach mal dahin gestellt, ob es nun besser gewesen wäre , wenn ich meinen Zwerg mit zur Aufbewahrung mitgenommen hätte.

Ich habe mir bereits zwei der Buchtipps angeschafft und schaue mit meinem Junior dies an. Und auch die Idee einen Platz zu kreieren, an dem ich Verknüpfungen schaffe zu Erinnerungen an Oma plane ich umzusetzen...

Vielen Dank auch noch für die Anregung darüber nachzudenken, ob Junior Tod wirklich verstehen muss, oder eher die Tatsache, dass Oma nicht mehr zurückkommt und nicht freiwillig gegangen ist .

Allen einen lieben Gruß!


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