Moralapostel in der Gemeinde - kennt ihr das?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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Shira
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Moralapostel in der Gemeinde - kennt ihr das?

Beitragvon Shira » 03.01.2014, 13:49

Hallo liebe Mitglieder,
ich bin neu hier, moechte mich aber gleich zu beginn mal richtig ausko...

Wir sind vor sechs Wochen aus Venezuela zurueckgekommen, wir haben da unsere Tochter aus einem Waisenheim zu uns nach Hause geholt. Yael hat Down Syndrom und ist HIV positiv. Es scheint ihr sehr gut zu gehen, sie nimmt gut an Gewicht zu, spielt wundervoll mit ihren Geschwistern (eine stolze grosse Schwester) und lernt eifrig unsere Sprache. Ich finde es unglaublich, zu sehen, wie sie sich entwickelt.
Soweit so gut....
Aber jetzt zu meinem Problem: In unserer Gemeinde (die mein Mann selber leitet) hier ich staendig Dinge wie: Warum holt ihr euch denn ein behindertes Kind? Seid doch froh, das "eure" drei endlich gut versorgt sind und sich gut entwickeln!
Dabei predigt mein Mann im Gottesdienst doch immer, dass Gott alle liebt, und das es sein Wille ist, fuer die schwaechsten der Gesellschaft zu sorgen. Und alle stimmen immer zu und spenden auch eifrig, wobei sie natuerlich keine Gelegenheit auslassen, es jedem zu erzaehlen, wie viel sie doch tun. Aber unseren Weg, einem Kind zu helfen verstehen sie nicht. Das macht mich unglaublich wuetend und traurig....Ok, nicht jeder hat die Zeit und Kraft ein Kind zu adoptieren, dann sollte man es auch nicht machen, aber solche Kommentare sind doch wirklich geschmacklos! Oder sehe ich das zu eng? Musstet ihr euch schon aehnliches anhoeren? Wie soll ich reagieren? Wir arbeiten nun beide in der Gemeinde und koennen nicht einfach woanders hingehen.....

Ich freue mich auf interessante und hilfreiche Informationen in diesem Forum!
Shira
Yannai ('85) und Shira ('89), Asthma, Vollwaise seit Kindertagen und nach langer Therapie trotzdem Gluecklich, mit Yael ('08) Down Syndrom, HIV positiv, Rivka und Chaya ('10), Asthma, Untergewicht ohne Diagnose (beide), Aram ('12), Asthma, Herzfehler

.....Der ganz normale Familienwahnsinn....

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 03.01.2014, 13:58

Du hast eine PN

Kunigunde123
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Beitragvon Kunigunde123 » 03.01.2014, 14:33

Hallo,
ich finde super was ihr gemacht habt, das ist vorgelebte Nächstenliebe und ein gutes Beispiel, .
Weiter offen sein, und die offensive gehen.
LG Sigrid
ex Frühchen, EEG nach Lennox Gastaut, therapiefraktäre Epi. mit Statusneigung, ,SLC9A6c.603+3A>c:p? Neue
Variante, hypergonadotophen Hypogonadismus, dyskinetische CP, Athetose, erworbene Hüftdysplasie, non verbal, Button, immer wieder lebensbedrohliche Situationen gemeistert u PT mit FAS

ValerieLyndt
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Beitragvon ValerieLyndt » 03.01.2014, 14:37

Liebe Shira,

herzlich willkommen im Forum. Ich wünsche dir einen guten Austausch hier.

Zu deiner Frage: Hak's einfach ab. Du kannst andere erwachsenen Menschen nicht erziehen. Ihr lebt ein gutes Beispiel vor und in ihrem Herzen werden die "Moralapostel" wissen, dass ihr Recht getan habt und sie mit ihrer engherzigen und kleinkarierten Kritik im Unrecht sind. Fühle dich nicht verpflichtet, dich bzw. eurer Entscheidung zu erklären. Ihr seid niemandem Rechenschaft schuldig.

Man muss mit sich selbst im Reinen sein, das ist meine Erfahrung, und darf nicht erwarten, dass einem jemand auf die Schulter klopft und sagt: "Das hast du gut gemacht."

Lieben Gruß
Valerie

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 03.01.2014, 14:42

Liebe Shira!

Lass Eure Gemeindemitglieder lernen!
Zeig Ihnen durch Euer Leben, was möglich ist und wie man durch das Glück, was man einem anderen - in Eurem Fall Euren 4 Kindern - schenkt, selber Glück erfährt und viel tausendmal beschenkt wird!

Vielleicht kannst Du es nicht als Ablehnung von Yael sondern als Sorge um Euch deuten.
Meine Eltern und Schwiegereltern waren vor 10 Jahren auch überhaupt nicht begeistert, als wir ihnen von unserer Idee Jessy (schwerstmehrfachbehindert wegen eines Sauerstoffmangels, für immer ein blindes, kaum bewegungs- oder kommunikationsfähiges "Baby") aufzunehmen, erzählten.
Heute lieben sie sie von ganzem Herzen und unterstützen uns, wo es ihnen möglich ist und freuen sich mit uns über jeden guten Tag!
Ähnlich war es mit unseren Freunden!
Sie hätten sich sowas selber damals halt nicht "erträumt" und wollten für uns doch nur das Beste. Das Jessy unser "Bestes" ist, haben sie inzwischen erlebt und selber ganz viel gelernt und sich sehr entwickelt :wink:

Nur Mut und viel Nachsicht - Du hattest die Idee schon so lange, die anderen müssen jetzt erst einmal "hineinwachsen" :wink:

Grüßle
Ursula, die sich mit Dir freut, dass es momentan so toll läuft, in Eurer wachsenden Familie
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

das Markus
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Beitragvon das Markus » 03.01.2014, 15:39

Erst mal ein frohes Neues @ all :-)

So lebhaft, wie Du beschrieben hast, habe ich es selbst auch erfahren dürfen - wenn auch in einem anderen Kontext.
Dies war für mich auch der Haupt-Grund, um aus der Gemeinde auszutreten, der ich bis vor 1 Jahr noch angehörig war....
Ich denke mal, wer die Bibel kennt und diese richtig verstanden hat, der weiss auch, dass Gott genau diesen Umstand ganz und gar nicht leiden kann und diesen aufs Schärfste verurteilt. Er gibt sogar Anweisung, wie man sich innerhalb des Gemeindelebens richtig verhält :wink:
Vllt einfach mal diesen Sachverhalt aufgreifen und zum Thema machen :shock:
Schliesslich ist die Bibel ein Lehrbuch, was benutzt und begrifffen werden will :P

irmira
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Beitragvon irmira » 03.01.2014, 15:41

Hallo Shira,

solche Kommentare wird man immer hören und v.a. von engen Mitmenschen tun sie besonders weh, da ist man auch vor Gemeindemitgliedern nicht sicher. Wir müssen auch immer wieder schlucken das unsere "Brüder und Schwestern" oft gar nicht wirklich wissen wollen wie es einem geht. Wir halten uns an die wo wir merken das sie es echt meinen.

Ich denke dieses Unverständnis kommt auch oft daher das es manchen einfach immer nur gut ging, in unserer Gemeinde gibt es viele die nie Probleme mit Arbeitslosigkeit, Krankheit o. ä. hatten. Die tolle Jobs haben (bei Daimler, Smart und Porsche z.B.).

Ich denke mir dann immer wir sind für uns selber verantwortlich und müssen raus finden was ist für meine Familie richtig und wichtig. Mit den Kommentaren lernt man dann mit der Zeit umzugehen.

LG Irene
I. mit M. (15 J., Epi, geistige Behinderung) und drei weiteren Kids

mijo
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Beitragvon mijo » 03.01.2014, 17:46

Hallo Shira.
Wir also meine Kinder und ich erleben es hier Taeglich.
Mit ein Grund warum ich aus dem Ort hier weg will.
Rausgehen ist ein Spiesrautenlauf,die grossen wollen schon gar nicht mehr raus.
Angefangen von ueblen Geruechten,,bis das ueber uns abgelaestert wird,wenn wir drausen das wir es nur ja hoeren.
Von wegen ich haette ja jeden Tag Urlaub weil die Kinder Morgens geholt werden,Abends gebracht,ueber zu faul zum Arbeiten das sind die Harmlosesten.
Am meisten trifft mich das Geruechte verbreitet werden ich wuerd die Kinder mishandeln und vernachlaesigen.
Weil der Kleine Autismus bedingt oft kreischt.
Gehen wir dann aus dem Haus wird jede Bewegung beobachtet,die Kinder angestart in der Hoffnung irgend was zu sehen.
Ueber Anonyme Anrufe beim Jugendamt,die zum Glueck e mit drin und wissen das die Kinder gut versorgt.
Bis das mein Bruder Informiert wird wie lang bei uns Fernseh lief.
Er wohnt im gleichen Ort (wir sind hier aufgewachsen).
Keine Chance die kids wirklich zu Integrieren.
Der grose KB sehr einfach zu haben,kann wenigstens in Pfadis.
Die anderen2 Niergends.
Grad fuer denn kleinen waehr es wichtig,aber auch er spuert die Ablehnung.
Am meisten weh tut es mir wegen der Kinder.
Weil man behandelt wird wie Aussaetzige,vor allem auch von Nachbarn die sich nicht mal die Muehe machen uns naeher kennenlernen.
Lieber Hetzen und Laestern.
Nein mit Kirche hab ich auch nichts mehr,was nicht bedeutet das ich nicht glaube.
Aber dazu brauch ich keine Kirche in der Haufenweise scheinheilige sitze nur um gesehe zu werde.
Ich wuensche euch das ihr doch noch verstaendnis und angenommen sein Erfahrt.
Hier sieht man auch sonst keine Besonderen Kinder.
Eine hat ihrs in ein Wohnheim gegeben,eine andere hat sich Umgebracht.
So viel zu Gemeinde und zusammenhalt.

Vg Sabine
Fuer Wunder brauchen wir Augen,die sehen und EIN Herz,DAs versteht ,fuer EIN Wunder zu Danken.

FostermomUte
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Beitragvon FostermomUte » 03.01.2014, 17:56

Hallo Shira,

auch von mir ein herzliches Willkommen in diesem tollen Forum. Das ist ja spannend - wenn ich Dich richtig verstehe, seid Ihr eine christliche Gemeinde in Tel Aviv - wie werdet Ihr denn damit von Euren Landsleuten behandelt? Ich war von Dez. 2008 bis Dez. 2009 in Jerusalem und habe dort für eine kleine christliche Organisation mit Holocaust-Überlebenden gearbeitet. Es war ein seltsames Gefühl, als Christin eine Minderheit zu sein.

Meine Erfahrung ist, dass die Leute oft so reden, wenn man etwas tut, was aus dem Rahmen fällt. Ich kann mich meinen Vorrednern/Vorrednerinnen nur anschließen - fasst es einfach als Unverständnis auf, nicht als Angriff. Lebt ihnen 'einfach' vor, wie so ein Zusammenleben gelingen kann. Ich bin mit Pflegegeschwistern aufgewachsen und möchte selbst Pflegemutter werden, da bin ich auch so einige Sprüche gewöhnt. Das Wichtigste ist ja, dass ich weiß, warum ich es tue.

Wünsche Euch weiterhin so eine schöne Zeit mit Yael,
liebe Grüße,
FostermomUte

PS: Woher kannst Du so toll Deutsch?
Pflegetochter, geb 2/2014, angekommen 4/2014, MMC mit hohem Querschnitt, Shunt-versorgter Hydrocephalus, Arnold-Chiari-Malformation Typ II, ganz neu große Schwester von
Pflegesohn, geb 3/2017, angekommen 5/2017, MMC mit hohem Querschnitt, Shunt-versorgter Hydrocephalus, ACM II, Klumpfüßchen, meine beiden Geschenke des Himmels

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JohanneK
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Beitragvon JohanneK » 03.01.2014, 18:15

Hallo Shira,

Ähnliches könnte ich Dir auch berichten von meinen eigenen Kindern in einer Gemeinde, deren einer Teil mehrheitlich "prekären" Verhältnissen lebt, da aber toleranter ist - und einem gutsituierten Mittelschichtsteil, der "verbal aufgeschlossen und praktisch sehr verhaltensstarr" reagiert - also wenig flexibel.

Der Pastor wettert aus unterschiedlichsten Gründen dagegen und die Leute klatschen ihm Beifall - aber wirklich verstehen wollen oder können sie das anscheinend nicht.
Das ist aber - glaube ich - ein überkonfessionelles Problem und hat mehr mit den Ängsten der Menschen zu tun als der Glaube an sich.
Ich glaube, da hilft nur für sie zu beten, so schwer das manchmal ist: Ich finde de Intoleranz der meisten Mitmenschen sowie den Papierkram mit den diversen Ämtern in der Regel viel anstrengender als die Einschränkungen der Kinder an sich.

Liebe Grüße, viel Kraft und Freunde für Euch

Johanne
Johanne `74
Annika `01 Neurodermitis, Asthma, Sensorische Integrationsstörung, leichte Muskelhypotonie, motorische Probleme, HB , ADhS, Asperger Syndrom
Bjarne`03 HB, ADS, Asperger Syndrom, V.a. Tourette Syndrom


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