Moralapostel in der Gemeinde - kennt ihr das?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
BeaV.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 715
Registriert: 24.01.2009, 22:39
Wohnort: Ravensburg

Beitragvon BeaV. » 03.01.2014, 18:17

Hallo Shira,
ich möchte Dich auch ermutigen, weiterzumachen und die Leute reden zu lassen. Was man nicht kennt, und womit man nie Kontakt hat(te), fällt einem unglaublich schwer, zu verstehen, und ich vermute, das ist bei vielen von den Leuten der Fall.
Bischof Cyrill von Alexandria, er lebte im 3.Jahrh. wurde gefragt:
„Was tust du mit jemand, der das Christsein lernen will?“-
„Ich lasse ihn ein Jahr in meinem Haus wohnen.“
Ich glaube, nur das gute Beispiel kann wirklich überzeugen.
Alles Gute!
Bea

Werbung
 
*Franka*
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 52
Registriert: 20.07.2013, 22:13
Wohnort: Süddeutschland

Beitragvon *Franka* » 03.01.2014, 18:21

Hallo Shira,

es gibt eine schöne Lebensweisheit:

Vertraue nur dir selbst, wenn andere an dir zweifeln,
aber nimm ihnen ihre Zweifel nicht übel.

(J.R. Kipling)

Sicherlich ist es sehr schmerzlich, wenn diese Zweifel aus den Reihen einer Glaubensgemeinschaft kommen, der man sich nicht nur angehörig fühlt, sondern in der man auch noch eine "herausragende" Position hat.

Meine Erfahrung ist: je mehr Selbstvertrauen man im Laufe der Jahre entwickelt, desto unerschütterlicher wird man. Diese "innere Sicherheit" kann sich dann bis zum Einfühlungsvermögen in die Zweifler entwickeln.
Dadurch kann eine zwischenmenschliche Basis geschaffen werden, auf der man dann in einer angemessenen und innerlich unangreifbaren Weise kommunizieren kann.

Alles Gute für Euch!
Gruß,

"Franka"

****************
Ich arbeite in der Kinder- u. Jugendhilfe.
Außerdem haben wir selbst ein Kind mit geistiger Behinderung in unserer Familie aufgenommen.
*****************

Beatrice1967
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 986
Registriert: 28.12.2010, 14:27
Wohnort: Schweiz/ St. Gallen
Kontaktdaten:

Beitragvon Beatrice1967 » 03.01.2014, 23:01

Hallo Shira

Das, was Ihr gemacht habt, das ist gelebte Nächstenliebe, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Leute, die da so blöd daher reden, verbinden Behinderung NUR mit Leid und Last. Ihr werdet bald merken, wenn Ihr es nicht schon bemerkt habt, dass da ein besonderes Glück mit in die Familie gekommen ist, eines, bei welchem man lernt, sich wieder an Kleinem ganz gross zu freuen, etwas auch, das einem die wesentlichen Werte im Leben wieder ganz nahe kommen lässt.

Gewiss wird es da auch Kummer geben, aber das kennt jeder, das gehört dazu, in jedem Leben. Wurst ob behindert oder nicht.

Auf der Seite des Deutschen Bundesverbandes für behinderte Pflegekinder e.V., siehe:
http://bbpflegekinder.de/
steht eine mögliche Antwort:
Jedes Kind hat ein Recht auf eine Familie!

Ich hoffe und wünsche Dir und Yael, dass viele der jetzigen Zweifler ihre Vorurteile ablegen werden und das Kind in dieser Gemeinde eingebettet aufwachsen darf. Denn ein jeder hat auch ein Recht auf Respekt und Menschenwürde.

Liebe Grüsse

Bea
selbstbetroffen von Cerebralparese und kongenitaler Amblyopie, hochgradiger Kurzsichtigkeit und Makuladegeneration,
-------------------------------------
Bücher-und Homepage-Fee im Schweizer Forum für Eltern behinderter, chronisch kranker oder mit Fehlbildung geborener Kinder
www.dasanderekind.ch

Angela77
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 9031
Registriert: 02.09.2010, 21:25

Beitragvon Angela77 » 03.01.2014, 23:27

Hallo Shira,

warum habt ihr es denn gemacht :wink: ?

Ich nehme an, ihr hattet für euer Adoptivtöcherchen "einfach noch genügend noch Platz und Liebe in Eurer Familie übrig", oder?

Was auch immer Eure (sehr gute  8) ) Motivation für die Adpotion war, einfach offen und ehrlich mitteilen :wink: :wink:

Möglichst :wink: so formuliert, dass sich keiner, der sich diese Aufgabe NICHT zutraut, angegriffen fühlen muss, weil er/sie sich - aus vielleicht aus guten Gründen - eine solche Aufgaben nicht zutraut :wink:

Dann fällt es zumindest machen Menschen wahrscheinlich leichter, einfach nur wertzuschätzen, vielleicht auch Hilfe anzubieten, für das was ihr tut.

Letztlich könnte ihr es aber nicht beeinflussen, wie Menschen auf eure Entscheidung reagieren, denn wie etwas verstanden wird, hängt oft viel weniger davon ab, wie man es fomuliert als wie der andere es verstehen möchte :wink: Wenn jemand meint, dass er zu wenig für andere tut, wird er sich automatisch durch euer Beispiel angegriffen fühlen :?

Dann gilt mein liebster Grundsatz in diesen Dingen: Die Wahrheit wird euch frei machen. Rechtfertigen müsst ihr euch aber bestimmt nicht :wink:

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

JohannaG
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2303
Registriert: 03.07.2013, 21:33
Wohnort: Bayern

Beitragvon JohannaG » 03.01.2014, 23:36

Hallo Shira,

ansatzweise kenne ich es.... ich habe auch (unter anderem) ein behindertes Adoptivkind und arbeite als Pfarrerin in einer Gemeinde.
In meiner jetzigen Gemeinde ist es kein Thema. Alle wissen, daß unsere Große behindert ist, viele wissen, daß sie adoptiert ist; es ist aber eigentlich kein Gesprächsthema. Allenfalls freut man sich mit uns, wenn die Kinder gute Fortschritte machen (haben ja auch noch eine Kleine mit div Baustellen...).
In meiner frührern Gemeinde bekam ich einiges an Anfeindungen aus dem engsten Mitarbeiterkreis. Das war mit ein Grund, die Stelle zu wechseln.
Raten kann ich euch nicht viel... außer der Überlegung, vielleicht doch irgendwohin anders zu wechseln? Gott behüt euch, Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

Benutzeravatar
TimsMama2009
Moderator
Moderator
Beiträge: 4483
Registriert: 09.08.2010, 15:56
Wohnort: Saarland (Merzig)

Beitragvon TimsMama2009 » 03.01.2014, 23:51

Ich kann mich Angies Worten nur anschließen.

Ich wünsche euch für den nicht immer ganz leichten Alltag ein gutes Händchen.

Viele Grüße Nicole
Grüße von Nicole (*72) und Tim (*09), Lissenzephalie, Balkenagenesie, Erweiterung der Seitenventrikel, seit Febr. 2010 West-Syndrom (nicht anfallsfrei mit auffälligem EEG) und seit Nov. 2013 PEG - kann nicht sprechen, nicht laufen, nicht sitzen, nicht krabbeln - ABER unser Li-La-Launebär
unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 66#1229866
- Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiss wie Wolken schmecken -

Marisa 22
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 790
Registriert: 03.01.2013, 08:53
Wohnort: Südhessen

Beitragvon Marisa 22 » 04.01.2014, 09:42

Hallo,
ich finde das, was ihr getan habt sehr vorbildlich und bewundernswert.
Ich denke das Problem ist, das viele sich es einfach nicht vorstellen können
warum sich das Leute antun und solche Probleme ins Haus holen.
Ich finde es sehr mutig von euch diesem Kind ein Zuhause zu geben.
Dein Mann predigt eben nicht nur Nächstenliebe, ihr lebt sie auch vor.

Leider habe such ich immer wieder die Erfahrung gemacht, das den Worten
keine Taten folgen.
Viele Menschen gehen in die Kirche und engagieren sich in Gemeinden um gesehen
zu werden und um sich wichtig zu machen.
Wenn es dann aber schwierig wird oder eben nicht mehr so schick, dann ist es vorbei
mit der Christlichkeit.

Ich wünsche euch viel Glück und Kraft und Liebe für die Zeit mit eurer Kleinen.
Lass' dich nicht beirren, ihr könnt sehr stolz auf euch sein!
Lg Nicole
Sohn 23J. Entwkl.sstörung,ADS,Lernbehinderung,
Emot. Störung mit soz. Rückzug,Störung d. mot. Funktionen,eheml. Stotterer
Tochter 22J. gesund
Tochter 17J. gesund
Sohn 15J. Entwkl.verzögerung,Lernbehinderung,
ADHS,Störung d.Motorik,
erh. Infektanfälligkeit,Nierenkelch Dilatation rechts
beide Jungs Gendefekt im x Chromosom

Andest
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 746
Registriert: 15.12.2009, 20:14
Wohnort: Köln

Beitragvon Andest » 04.01.2014, 15:33

Hallo,
Ich bin, milde gesagt, völlig schockiert und vor allem irritiert :shock:

Ein Pfarrer, bzw. Pfarrerin wird aus der eigenen Gemeinde, bzw. von Kollegen, angefeindet und muss sich fragen lassen weshalb sie / er ein behindertes Kind aufgenommen hat ....

Wie bitte ?!!?

Das ist das bisher eigenartigste was ich bei REHAkids zum Thema 'Wie reagiert die Umwelt auf uns mit unserem behinderten Kind' gelesen habe !!

Ich wünsche Euch, dass den Mitgliedern der Gemeinde möglichst schnell ein Lämpchen aufgeht um was es im Leben eigentlich geht.

Liebe Grüsse,
Andest
Lisa, geb. 09/2008, Rett Syndrom, Epilepsie, PEG seit Sept. 2016
kl. Maus, geb. 08/2012, topfit

AnneJaJoLu
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 626
Registriert: 20.01.2011, 15:32

Beitragvon AnneJaJoLu » 04.01.2014, 17:23

Hallo Shira

erst einmal ein ganz herzliches Willkommen :-)

Als wir unseren kleinen Mann aufgenommen haben, bekamen wir auch häufig den Satz zu hören "Warum tut ihr Euch das an?". Interessanterweise eine Frage, die uns bei der Aufnahme unserer Tochter (seelisch behindert, aber körperlich fit) niemand gestellt hat ...

Ich habe häufig zurückgefragt: Was denn? und gesagt: Lern ihn kennen, dann weißt du es :-)

Manchmal habe ich das Gefühl, dass das eigene Verhalten (nämlich ein Kind mit Behinderung aufzunehmen) anderen Menschen ihr Verhalten und ihre Lebensweise widerspiegelt und in Frage stellt . Da ist es leichter zu sagen: "Die sind doch bescheuert und nehmen sooo ein Kind auf" als sich zu fragen: "Warum tun die das und gibt es für mich vielleicht auch noch Lebens-Wege, die denkbar wären, abseits vom gelebten Alltagstrott?".

Letzten Endes zeigt diese Frage sehr deutlich 'Wes Geistes Kind' der Fragende ist.

Du bist anders, nimm es als Kompliment!!!

Liebe Grüße,
Anne

Werbung
 
Shira
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 26
Registriert: 02.01.2014, 00:35
Wohnort: Tel Aviv

Beitragvon Shira » 04.01.2014, 19:58

Hallo und vielen lieben Dank fuer die vielen hilfreichen Antworten! Ja, Anne du sagst es: lern ihn kennen, dann weisst du es.... Diese Antwort muss ich mir wirklich merken! :D
Mir ist da die Idee gekommen, vielleicht mal einen Familiegottesdienst zu veranstalten, damit nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern in der Gemeinde unsere Tochter als ganz "normales" Kind kennen lernen koennen und sehen, dass sie auch schoen mit den anderen Kindern spielt und waehrend des Gottesdienst nicht mehr Aerger macht, als jedes andere 5 jaehrige Kind, was still sitzen muss :)
Meint ihr, das waehre einen Versuch wert?
Warme Gruesse aus der Sonne, Shira
Yannai ('85) und Shira ('89), Asthma, Vollwaise seit Kindertagen und nach langer Therapie trotzdem Gluecklich, mit Yael ('08) Down Syndrom, HIV positiv, Rivka und Chaya ('10), Asthma, Untergewicht ohne Diagnose (beide), Aram ('12), Asthma, Herzfehler

.....Der ganz normale Familienwahnsinn....


Zurück zu „Religion/Spirituelles“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 14 Gäste